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Geburtstag Anselm Schott

Eigene AufnahmeVon Christoph Matthias Hagen

Das Schott-Messbuch hat seinen Namen vom Benediktinerpater Anselm Schott. Vor 175 Jahren wurde er in Salach in Württemberg, auf Burg Staufeneck, unweit von Göppingen geboren: am 5. September 1843.

Als er am 28. Juni 1883 an den Verlag Herder in Freiburg im Breisgau schrieb , um diesem das schon fertige Manuskript seines Messbuchs der heiligen Kirche anzubieten, war er noch nicht vierzig Jahre alt. 1867 war er für die Diözese Rottenburg zum Priester geweiht worden, doch schon kurze Zeit darauf im neugegründeten Benediktinerkloster Beuron als Postulant eingetreten. Da suchte er vielleicht vor allem die mit der Stabilitas loci der Benediktregel verbundene Beständigkeit und Geborgenheit. Die Ewige Profess auf diese Regel legt Pater Anselm am 6. Juni 1870 ab. Doch gerade dieser Entschluss - Benediktiner zu werden - besiegelte unter dem Einfluss der politischen Zeitumstände des Kulturkampfes und der Entwicklung der Beuroner Kongregation wohl das Unstete und die Bewegtheit seines Lebens. Wäre er Weltpriester geblieben, hätte er wahrscheinlich auch nicht eine solche Konzentration auf eine publizistische Tätigkeit verwenden können.

In dem schon erwähnten Brief von Ende Juni 1883 weist Schott auf das Missel des Fidèles der belgischen Tochtergründung Maredsous hin, das 1882 erschienen war, nennt aber auch das Officium Divinum des Mainzer Priesters Christoph Moufang (1817-1890). Dieses kann als eine Art deutscher Vorläufer des Schott-Messbuches angesehen werden und stand als solcher auch nicht allein. Dennoch zeigt ein Blick in die erste Schottauflage von 1884 und ein Vergleich mit der Moufang'schen Übersetzung der gleichbleibenden Teile der heiligen Messe, für den hier auf die neunte Auflage von 1875 zurückgegriffen wird , eine starke Übereinstimmung, die insbesondere im Bereich der Kanonübersetzung bis auf einzelne Begriffe und Formulierungen geradezu wortwörtlich ausfällt.

Bei der Vorstellung seines Manuskriptes ist wesentlich, dass außerdem der Name Dom Prosper Guérangers OSB (1805-1875) , des Wiederbegründers der Abtei Solesmes genannt und gesagt wird, das projektierte Messbuch für Laien solle "eine Art compendiöser Dom Guéranger" werden, nämlich im Unterschied sowohl zu Moufang als zu anderen Vorgängerbüchern und auch dem französischsprachigen, belgischen Vorbild von Maredsous die Liturgie der Kirche in ihrem Jahreslauf kommentierend erklären und werde dabei aus Guérangers L' Année Liturgique schöpfen. In deutscher Sprache erschien dieses Werk ab dem Todesjahr des Autors, 1875, unter dem Titel Das Kirchenjahr . Diese Erschließung der Messformulare, der feststehenden Messliturgie und der Besonderheiten der Feste und Zeiten des Kirchenjahres bildeten zusammen also das ausgesprochene Markenzeichen des Schott-Messbuches in seiner Urform.

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Melchisedech der Hohepriester

Wikimedia - Username RugeDas Martyrologium Romanum von 2004 verzeichnet für den 26. August den „Gedenktag des heiligen Melchisedech, gerechter König von Salem und Priester des allerhöchsten Gottes“. Das ist insoweit besonders bemerkenswert, als Melchisedech in früheren Ausgaben des Martyrologiums, die zahlreiche Propheten und Patriarchen des alten Testaments enthalten, noch nicht aufgeführt war.

Das alte Testament ist mit Auskünften zu Melchisedech – der Name wird traditionell mit „König der Gerechtigkeit“ übersetzt - zurückhaltend. Er kommt dort nur an zwei Stellen vor. Nach Gensesis 14, 18-20 kam es nach einem der siegreichen Feldzüge Abrahams im Tal der Schawe zu eine Begegnung von Abraham und Melchisedech, die keine Vor- und keine Nachgeschichte hat:

Aber Melchisedech, König von Salem, brachte Brot und Wein, denn er war ein Priester Gottes des Allerhöchsten. Und er segnete ihn, und sprach: Gesegnet sei Abraham vom höchsten Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat. Und gepriesen sei der Höchste Gott, durch dessen Schutz die Feinde in deine Hand gegeben sind. Daraufhin gab (Abraham) ihm den Zehnten von allem.

Das zweite Vorkommen ist der Vers 4 von Psalm 109 (Zählung der Septuaginta), der hier ganz wiedergegeben werden soll:

Es sprach der Herr zu meinem Herrn:
Setze Dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde dir zum Schemel deiner Füße lege.
Den Zepter Deiner Macht wird der Herr ausgehen lassen von Sion: Herrsche inmitten deiner Feinde.
Mit Dir ist die Herrschaft am Tage deiner Kraft im Glanz des Heiligtums.
Aus meinem Schoß habe ich Dich gezeugt vor dem Morgenstern.
Der Herr hat es geschworen und nie wird es ihn gereuen:
Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech.
Der Herr zu deiner Rechten wird Könige zerschmettern am Tag seines Zornes.
Er wird die Völker richten und in die Niederlage stürzen, die Häupter zerschmettern überall auf der Erde.
Er trinkt aus dem Bach am Wegesrand, darum kann er das Haupt erheben.

Dieser Psalm spielte eine große Rolle dabei, Melchisedech als einen Typus, als eine Vorgestalt Christi wahrzunehmen und das Verständnis dieser rätselhaften Figur in enger Anlehnung an das Verständnis Christi zu entwickeln. Die Juden der vorchristlichen Zeit und die frühen Christen waren für dieses Verständnis nicht nur auf die wenigen Zeilen des kanonischen Alten Testaments angewiesen. Es gab eine reiche Melchisedech-Literatur, die aus apokryphen Schriften und den Textfunden aus Qumran und anderen Orten in einigem Umfang bekannt und erforscht ist. Wer diesen Vers des Psalms hörte und betete, verband also durchaus eine Vorstellung mit der „Ordnung des Melchisedech“.

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Hl. Augustinus - bitte für uns

Das überlieferte Missale Romanum sieht für den heutigen Tag das Fest (Rang: duplex) des hl. Augustinus, Bischofs von Hippo und Kirchenlehrers, vor. Für die Feier der hl. Messe ist neben einigen speziell auf den Heiligen bezogenen Orationen die „Messe von den heiligen Kirchenlehrern“ (In medio) vorgesehen. Sie enthält zwei überaus aktuelle Lesungen.

Als Epistel aus dem 2. Brief an Timotheos, 4. Kapitel, die Ermahnung:

Ich beschwöre dich vor Gott und Jesus Christus dem künftigen Richter der Lebenden und Toten, bei seiner Wiederkunft und bei seinem Reiche: Verkünde das Wort, tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen. Rüge, mahne, weise zurecht in aller Geduld und Lehrweisheit. Denn es kommen Zeiten, da man die gesunde Lehre nicht mehr erträgt, sondern sich zum Ohrenkitzel nach eigenen Gelüsten Lehrer beschafft. Von der Wahrheit aber wird man das Ohr abwenden und sich Fabeleien zuwenden. Du aber sei wachsam...“

Das Evangelium aus dem 5. Kapitel nach Matthäus vertieft den Gedanken weiter:

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seine Kraft verliert, womit soll es dann selber gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr; man wirft es hinaus und läßt es von den Menschen zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben. Auch zündet man kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit es allen im Hause leuchte (...)“

Das Graduale zitiert aus Psalm 36 die Verse:

In des Gerechten Mund ist Weisheit, und seine Zunge spricht Gerechtigkeit. In seinem Herzen trägt er das Gesetz seines Gottes, und seine Schritte straucheln nicht.“

Die Demut des Ornats II

Bild: eigene AufnahmeZu den Zeichen bischöflicher Würde, die anzulegen heute ein beträchtliches Maß an Demut erfordert, gehören auch die Pontifikalhandschuhe. Sie sind seit dem 11. Jahrhundert in der lateinischen Kirche üblich. In den moderneren (d.h. nachtridentinischen) Rubriken des Pontifikale Romanum und des Ritus Servandus werden sie zumeist nicht besonders benannt, sondern unter den Pontifikalien subsumiert. Ausdrücklich erwähnt sind sie lediglich im Ceremoniale Episcoporum, dessen auf das Jahr 1752 zurückgehende Fassung von 1886 sie im 8. Kapitel anspricht – übrigens mit der Vorgabe, daß der Bischofsring über ihnen zu tragen sei. Von dieser eher kursorischen Erwähnung her kann man sie so wohl zusammen mit dem Gremiale und der Bugia zu den „kleineren Pontifikalien“ rechnen.

Unter diesen Umständen erscheint es zunächst erstaunlich, daß die Pontifikalhandschuhe auf dem Mitte des 14. Jahrhunderts in Böhmen entstandenen Bild der „Glatzer Madonna“ (Gemäldegalerie Berlin) zusammen mit Stab und Mitra so auffällig hervorgehoben sind: Der in Stifter-Haltung klein in der linken unteren Ecke dargestellte Erzbischof hat seine Pontifikalien abgelegt, um der Gottesmutter seine Ehrerbietung zu erweisen. Neben Stab und Mitra sind die Pontifikalhandschuhe unübersehbar – und diese sind mit insgesamt fünf Ringen, zwei davon mit Edelsteinen, reich geschmückt. Einer davon am Ringfinger des vorderen, rechten Handschuhs ist im Original unschwer als Siegelring zu erkennen. Er war wohl der eigentliche Bischofsring, und dessen Darstellung die sonst auf dem Gemälde kaum möglich gewesen wäre, dürfte der eigentliche Grund dafür gewesen sein. Die Handschuhe dienen hier nur dazu, dieses Zeichen sichtbarer zu machen. 

Teilnehmer an der am Samstag den 7.7. im Berliner Institut St. Philipp-Neri stattfindenden Priesterweihe, die von Erzbischof Pozzo von der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei durchgeführt wird, haben die Gelegenheit, die gegenwärtig offizielle Praxis zur Feier eines Pontifikalamtes im überlieferten Ritus. Handschuhe, Gremiale und Bugia inklusive, „aus erster Hand“ zu erleben.

Zum Fest des Kostbaren Blutes

Bild: Wikimedia CommonsNach den liturgischen Büchern von 1962 wird am 1. Juli das Fest des kostbaren Blutes Christi gefeiert. Die Verehrung des kostbaren Blutes hat in der Kirche eine lange Tradition, aber als gesamtkirchliches Fest wurde es erst 1849 von Papst Pius IX. eingeführt. Zunächst für den ersten Sonntag im Juli, später im Zug der Bestrebungen, den eigenen Rang der Sonntage gegenüber anderen Festen zu stärken, auf den 1. Juli verlegt. Unter Pius XI. wurde es zum Hochfest „duplex primae Classis “ erhoben und behielt diesen höchsten Rang auch nach der Veränderung der Terminologie in den 50er Jahren. Mit dem Missale von 1969 wurde es ersatzlos gestrichen – die Reformer empfanden es als eine „überflüssige Verdoppelung“ von Festgedanken, die sie bereits mit dem Karfreitag, Fronleichnam und dem Herz-Jesu-Fest ausreichend berücksichtigt sahen.

Rein dogmatisch gesehen ist das sicher nicht falsch – sieht man einmal von der merkwürdigen Vorstellung ab, im Bezirk von Wahrheit und Ehrfurcht „Wiederholungen“ vermeiden zu wollen. Und das Herz-Jesu-Fest, das ebenfalls im 19. Jahrhundert gesamtkirchlich eingeführt wurde, ist schließlich auch nach den Reformen des 20. Jahrhunderts als Hochfest erhalten geblieben. Zu den Lieblingsfesten der zeitgemäßen Kirche zählt es freilich – anders als im 19. Jahrhundert – nicht gerade: Es steht unter Kitsch-Verdacht. Und genau dieser Verdacht dürfte auch dafür verantwortlich gewesen sein, das Fest des kostbaren Blutes als entbehrliche Verdoppelung zu empfinden und aus dem Kalender zu streichen.

Dabei ist einzuräumen, daß es in Sachen Frömmigkeit und Spiritualität – anders als hinsichtlich der Lehre – durchaus Konjunkturen und vielleicht sogar Moden geben mag, in denen bestimmte zeittypische Denkweisen nicht nur in der Volksfrömmigkeit, sondern auch im offiziellen Kult der Kirche starke Wirkung entfalten – oder unter anderen Zeitumständen dann wieder zurücktreten. In den konkreten Fällen des Heilgsten Herzens Jesu und des Kostbaren Blutes – hinzuzunehmen wäre noch das Fest Fronleichnam, dessen Stellenwert in den vergangenen Jahren ebenfalls bedeutend reduziert worden ist – drängt sich jedoch ein weitergehender Verdacht auf: In diesen Festen bzw. in ihrem Zentralgedanken geht es um das Mysterium des wahren Gottes, der sich uns als wahrer Mensch gezeigt hat und durch sein heiliges und zugleich durchaus körperliches Leiden die Welt erlöst hat.

Es geht um den Skandal der Inkarnation. In Zeiten eines lebendigen Bewußtseins für metaphysische Wirklichkeit mag dieser Skandal deshalb schwer erträglich gewesen zu sein, weil er das Göttliche zu sehr ins niedrige und letztlich nur scheinbare Irdische herabzuziehen schien. Heute scheint es viele eher zu beunruhigen, daß das Heiligstes Herz und das Kostbarste Blut Jesu mit ihrer erlösenden Kraft das Selbstbild von Menschen stören, die ihre Erlösung aus eigener Kraft betreiben wollen.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen