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Allerseelen

Andachtsbild An Allerseelen gedenkt die Kirche und gedenken viele Gläubige ihrer verstorbenen Angehörigen, die als „büßende Kirche“ darauf warten, von den ihren Seelen anhaftenden irdischen Schlacken, die sie an der Anschauung Gottes hindern, gereinigt zu werden. Die Tradition hat für diesen Ort der Reinigung im Anschluß an verschiedene Schriftstellen (KKK 1031) den Begriff des „Fegefeuers“ gefunden – den man nicht wörtlich verstehen muß, um doch seine Realität zu begreifen. Unter dem Einfluss populärer Allerlösungsvorstellungen ist diese Realität allerdings in den letzten Jahrzehnten vielerorts aus dem Bewußtsein geschwunden. Selbst im kirchlichen Bereich wird das „Seelenamt“ so die offizielle Bezeichnung für das, was die Tradition Totenmesse oder Requiem nannte, oft als „Auferstehungsamt“ bezeichnet.

Das Fegefeuer wird schlichtweg übersprungen, und die „armen Seelen“ und damit ein Dritt-Teil des Baus der Kirche geraten aus dem Blickfeld.
Nicht ganz unbeteiligt daran dürfte auch die Gestaltung der Messtexte zum Allerseelentag sein, die ein Musterbeispiel für die Verflachung der Liturgie im Geist der Didaktik darstellt.

Zugegeben, in der einen übrig gebliebenen Messe zum Tage ist noch alles drin, was „wirklich wichtig“ ist: In der Lesung der Rückgriff auf das 2. Buch der Makkabäer, der Zeugnis gibt von der historisch späten Erkenntnis des Weiterlebens der persönlichen Seele: Die ausgeführte Form dieses Glaubens bei Paulus im 1. Brief an die Tessalonicher; und schließlich der Bericht des Evangeliums über die Auferweckung des Lazarus samt den Worten Jesu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“

Doch schon das Tagesgebet ist Ausdruck bedenklicher Verflachung:

Allmächtiger Gott, wir glauben und bekennen, dass du deinen Sohn als Ersten von den Toten auferweckt hast. Stärke unsere Hoffnung, dass du auch unsere Brüder und Schwestern auferwecken wirst zum ewigen Leben.

Das ist weit entfernt von der klaren Aussage inm Tagesgebet der 1. Messe der Überlieferung:

Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, schenke den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Nachlaß aller Sünden, damit sie die stets ersehnte Verzeihung durch fromme Fürbitten erlangen.

Und im Tractus:

Befreie o Herr, die Seelen aller verstorbenen Gläubigen von jeder Fessel der Schuld. Deine Gnade komme ihnen zu Hilfe, auf daß sie entrinnen dem Rachegerichte. Laß sie genießen des ewigen Lichtes Glückseligkeit.

Ganz weggefallen ist durch die „Reform“ die ergreifende Sequenz des Dies Irae, die seit vielen Jahrhunderten Ausdruck des Glaubens der Kirche von den letzten Dingen ist und diesen Glauben im Bewußtsein der Menschen geprägt und befestigt hat.  

Es ist eben gerade pastoral gesehen völlig unzureichend, in dürren Worten einmal und an – betrachtet man die Realität des Gottesdienstbesuches – entlegener Stelle, das Richtige zu sagen. Man muß es auch auf die richtige Weise sagen, und das heißt im Zusammenhang mit der Liturgie immer auch: In einer Weise, die dem Drama des in der heiligen Messe gefeierten Erlösungsopfers spürbar und fühlbar gerecht wird. Und das immer wieder.

Der Rückblick auf die drei Tage der Allerheiligenvigil, des Allerheiligenfestes und des Allerseelengedenkens führt zu einem niederschmetternden Befund. Das Bewußtsein von der Dreigliedrigkeit der Kirche in streitender, büßender und triumphierender Kirche ist so gut wie verloren gegangen. Von der Lehre der Heiligen der Vergangenheit wollen sich starke Kräfte in der Kirche immer nachdrücklicher „emanzipieren“, und das Bewußtsein dafür, mit den nicht ganz so heilig dahingegangenen Vorfahren, Verwandten und Freunden weiterhin in einer geheimnisvollen Heilsökonomie verbunden zu sein, ist fast ganz geschwunden. Die „anthropologische Wende“ hält den Blick fest aufs Diesseitige gerichtet. Das Gebet für die „armen Seelen“ erscheint so nur noch als Aberglaube, den die nächste Stufe der Aufklärung restlos beseitigen wird.

Aber an Halloween gehören die Straßen den Zombies, Ogern und Horrorclowns – das ist der Fortschritt.

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