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Signale zur Wiedergewinnung der Tradition

Die heutige Heiligsprechungszeremonie von Kateri Tekakwitha (1656 - 1680), der ersten zur Ehre der Altäre erhobenen nordamerikanischen Indianerin, und Anna Schäffer (1882 - 1925) sowie fünf weiteren Frauen und Männern war von einigen bedeutsamen liturgischen Neuerungen begleitet, die tatsächlich eine Rückwendung zu traditionellen Formen bedeuten. Am auffälligsten, wenn auch vielleicht nicht am bedeutensten: Papst Benedikt XVI. trug bei der Zeremonie und später auch bei  der Bischofssynode das Fanon - jenes allein dem Papst vorbehaltene Gewand, das während der Regierungszeit Pauls VI. wie so vieles „außer Gebrauch“ gesetzt wurde. Als Papst Johannes Paul II. es einmal bei einem Besuch in S. Cecilia in Trastervere trug, weil der Sakristan der guten Nonnen es aufgelegt hatte, beschwerten sich die päpstlichen Zeremoniaren nachher heftig über diese „unverantwortliche Eigenmächtigkeit“.

Davon kann heute keine Rede sein: Das Tragen des Fanons war nur ein Element in einer neugeordneten Zeremonie der Heiligsprechung, die darauf angelegt ist, den Unterschied zwischen Selig- und Heiligsprechungen stärker zu akzentuieren und die besondere Rolle des Papstes bei den letzteren zu unterstreichen.

Papst Benedikt mit FanonSeligsprechungen treffen keine verbindlichen Lehraussagen über Zustand und - wenn man so sagen will - „Aufenthalt“ einer im „im Rufe der Heiligkeit“ verstorbenen Person. Sie stellen fest, daß diese Person in eben diesem Ruf steht, und sie gestatten den Gläubigen ihres weiteren Umfeldes eine besondere Verehrung. Deshalb werden „Seligsprechungen“ neuerdings auch wieder nach einem von Rom und der Ortskirche gemeinsam getragenen Verfahren in der Regel nicht vom Papst, sondern von einem dazu beauftragten Bischof in der Ortskirche verkündet.

„Heiligsprechungen“ beinhalten die von allen Gläubigen anzunehmende lehramtliche Feststellung, daß die betreffende Person sich aufgrund der göttlicher Gnade und eigener Anstrengungen mit Gewissheit der Anschauung Gottes erfreut und deshalb von der streitenden Kirche um Fürbitte angerufen werden kann. Dies  - nach einem streng geregelten Verfahren - festzustellen ist Privileg des Papstes als oberster Lehrer der Kirche. Um das zu unterstreichen, wurde bei der heutigen Zeremonie ertmals wieder nach älteren Vorbildern die dreifache „Petitio“ durchgeführt, in der sich der Kardinalpräfekt der zuständigen Kongregation ausdrücklich an den Papst wendet und diesen um die Vornahme der Heiligsprechung bittet. Bei der zweiten Petitio erfolgt eine ausdrückliche Anrufung des Hl. Geistes, gefolgt vom Hymnus „Veni Creator Spiritus“, nach der dritten Petitio wie vor der Ritenreform die feierliche Danksagung mit dem Gesang des „Te deum laudamus“. Die gesamte Zeremonie findet jetzt nicht mehr als Unterbrechung innerhalb der hl. Messe statt, sondern wird wieder vor dem feierlichen Hochamt durchgeführt.

Angesichts der zum Himmel schreienden Misstände, die nach wie vor vielerorts die liturgische Praxis prägen, mögen solche punktuellen Akte des Anknüpfens an die Tradition ein wenig wie das Zurechtrücken der Liegestühle auf dem Deck der bereits sinkenden Titanic erscheinen. Die große Wende bringen sie sicher nicht. Als Signale dafür, daß die Zeit des „nur was neu und anders ist, ist auch richtig und gut“ zu Ende geht, sollte man sie nicht unterschätzen. Auch nicht ein Stück Stoff wie das Fanon.

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