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Bittage vor Himmelfahrt I

Bild:http://www.newliturgicalmovement.org/2014/06/ascension-rogation-days-photopost.htmlMit dem heutigen Montag beginnen die Bittage, die seit alters her an den drei Tagen vor dem Fest Christi Himmelfahrt begangen werden. Diese Litaniæ minores haben nichts mit der vorchristlichen Flurprozession der Ambarvalien zu tun, die in der römischen Kirche einen Nachfolger in der Großen Bittprozession vom 25. April gefunden haben. Sie stammen vielmehr aus dem Galien der Völkerwanderungszeit, wo sie erstmals in einer Anordnung des Bischofs von Vienne, Mamertus, aus dem Jahr 469/470 erwähnt sind – dort als mit Prozessionen verbundene Bitt- und Bußtage wegen Erdbeben und Missernten. Die Synode von Orléans machte sie 511 für alle Kirchen Galliens verpflichtend. Erst dreihundert Jahre später wurden die Bitttage von Papst Leo III. auch in Rom und den gesamten Bereich der römischen Liturgie eingeführt – allerdings zunächst wohl ohne das in Gallien damit verbundene Fastengebot. In Rom hatte man bis in die dunkelsten Zeiten der Barbareneinfälle daran festgehalten, die ganze Osterzeit im Geist der Auferstehungsfreude zu begehen; die alten Konzilien hatten (im Rückgriff auf Luk. 5, 34) während des Osterfestkreises jegliches Fasten sogar strikt verboten.

In Gallien bestimmte ein strenges Fasten- und Abstinenzgebot das Umfeld der Bitt- und Bußtage, die Synode von Orleans hatte sogar angeordnet, dienstbare Personen für diese Tage von der Pflicht zur Arbeit freizustellen, damit sie an den viele Stunden beanspruchenden Begängnissen teilnehmen konnten. Dom Gueranger vermerkt dazu im „Kirchenjahr“ (Bd 9, S. 58 folgende):

Der Hauptritus der gallischen Kirche während dieser drei Tage bestand von allem Anfang an in feierlichen Umzügen, während welcher Bittgesänge angestimmt wurden.... Der heilige Cäsarius von Arles berichtet, daß diese Prozessionen in der Bittwoche sechs volle Stunden dauerten, so daß der Klerus, wenn er sich von den langen Gesängen ermüdet fühlte, von Frauenchören abgelöst wurden, damit die Diener der Kirche Zeit hatten, wieder zu Atem zu kommen. (…)

Bevor die Bittprozession abging, wurden die Häupter der Teilnehmer mit Asche bestreut, und diese Teilnehmer waren das ganze Volk; daran reihte sich die Ausspendung des Weihwassers, worauf sich der fromme Zug in Bewegung setzte. Die Prozession war aus dem Klerus und den Angehörigen mehrerer Kirchen sekundären Ranges gebildet, die unter Vortragung des Kreuzes in einer Hauptkirche sich sammelten. Der Klerus der letzteren hatte auch die Leitung. Jedermann, Kleriker wie Laien, ging barfuß. Man sang die Litanei, Psalmen, Antipohonen, während man sich nach einer vorher als Station bezeichneten Basilika begab, woselbst man das heilige Meßopfer feierte., Alle Kirchen, an welchen man vorüberkam, wurden besucht, und man sang dort eine Antiphon zum Preise des Geheimnisses oder des Heiligen, dem die Kirche geweiht war. … Der Mönch von St. Gallen, der uns so kostbare Denkwürdigkeiten über Karl den Großen hinterlassen hat, berichtet, daß der große Kaiser in jenen Tagen wie der niederste Gläubige seine Fußbekleidung abgelegt und mit nackten Füßen von seinem Palast bis zur Stationskirche hinter dem Kreuz hergegangen sei.“

Die Bittage, insbesondere die Bittprozessionen, werden auch heute noch in manchen katholischen Gegenden begangen, tatsächlich scheint es in den letzten Jahren sogar teilweise zur Wiederbelebung des im 20. Jahrhundert vielfach aufgegebenen Brauches gekommen zu sein. Der Schwerpunkt liegt dabei allgemein weniger auf dem Aspekt der Buße, sondern bei den Bitten um eine gute Ernte.

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