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Am Samstag der Passionswoche

Die Samstage waren in der römischen Liturgie lange - bis ins 9. Jahrhundert - aliturgische Tage, zumindest, was die Messfeier betrifft. Ein Grund war, daß man in der frühen Zeit ohnehin noch keine tägliche Liturgie feierte, ein weiterer, daß der praktische Sinn der Römer den Samstag, an dem bereits mit der abendlichen Vesper und der nächtlichen Vigil früh der Sonntag begann, doch zum Teil auch für profanere Aktivitäten verwandte. Am Samstag vor dem Palmsonntag gab es sogar bis ins 12. Jahrhundert keinen eigenen Stationsgottesdienst - das ist noch heute am Messformular erkennbar, das im wesentlichen die Texte vom Freitag wiederholt, während das eigentlich hierhin gehörende Evangelium mit den Ereignissen des 6. Tages vor dem Karfreitag erst am kommenden Montag verlesen wird. Dom Prosper Guéranger schreibt dazu (Kirchenjahr, Bd 6, S. 192/193):

Es beginnt ein langes Zitat Der Papst gönnte sich einen Tag der Ruhe vor den Strapazen der Charwoche, welche von morgen ab beginnen. Aber gleichwohl hatte er an diesem Tage zwei althergebrachte Vorschriften zu erfüllen, welche in den liturgischen Gebräuchen der römischen Kirche ihre wichtige Stelle einnehmen.

Das ganze Jahr hinduch war der Papst gewöhnt, jeden Sonntag einen Theil der von ihm consekrierten heiligen Hostie jedem Priester an den Pfarrkirchen der Stadt Rom zu übersenden. Diese Übersendung oder vielmehr diese Austheilung fand heute für die ganze heilige Woche statt, vielleicht weil die lange Dauer der morgigen Feierlichkeiten dies für morgen nicht gestattete. Die alten liturgischen Denkmale Roms lehren uns, daß die Verteilung der heiligen Hostie im Consistoriensaal des Lateran stattfand (...)

Der andere Gebrauch dieses Tages bestand in einem allgemeinen Almosen, welches unter Aufsicht des Papstes ausgeteilt wurde; durch seine reichliche Fülle sollte es wohl an Stelle der Almosen für die ganze heilige Woche treten, denn man war in derselben zu sehr mit gottesdienstlichen Verrichtungen und dergleichen beschäftigt. Weil nun darunter die Armen nicht Not leiden durften, so sorgte man vorher für sie. Die Liturgisten des Mittelalters weisen gerne darauf hin, daß zwischen dem römischen Papst, welcher persönlich Werke der Barmherzigkeit an den Armen that, und Maria Magdalena, welche selbst die Füße des Heilandes mit wohlriechendem Öle heute salbte, eine leicht erkennbare Beziehung besteht.“

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