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„Erleuchte die Finsternis“

Dem hoffnungsfrohen Gaudete des Introitus verdankt der dritte Adventssonntag seine Sonderstellung, die ihn aus dem – freilich in der Westkirche längst vergessenen – ursprünglichen Charakter des Advents als Buß- und Fastenzeit hinaushebt. Sichtbar gemacht wird diese Sonderstellung durch das zum rosacea aufgehellte Violett. Die hellere Grundstimmung ist aber nicht das einzige, das diesen von den anderen Adventssonntagen unterscheidet. Auch das Tagesgebet beginnt nicht wie an den drei anderen Sonntagen mit dem Aufruf excita, sondern bringt nach Textform und Inhalt eine eigene Farbe in die Reihe:

Wir bitten Dich Herr, neige Dein Ohr unseren Bitten, und erleuchte die Finsternis unseres Geistes durch die Gnade Deiner Ankunft.

Das unterscheidet sich deutlich von den drei excita-Orationen – während diese in ihrer Klarheit und ihrem Elan mehr einer Dur-Tonart entsprechen, klingt die Bitte des dritten Advent in ihrer schlichten Formulierung irgendwie gedämpft, kommt von der Tonart her also eher in moll. Das ist insoweit bemerkenswert, als die Oration damit eine entgegengesetzte Bewegung zum generell helleren und freudigeren Charakter des Tages anzudeuten scheint.

Daß eine derartige Gegenläufigkeit bewußt angelegt wurde, ist schwerlich zu beweisen, würde aber durchaus dem Geist der Liturgie in ihrer organischen Entwicklung entsprechen. Jedenfalls ist das Proprium des 3. Adventssontags sehr alt. Schon bei Rupert von Deutz im 11. Jahrhundert hat es im wesentlichen die gleiche Form wie im Missale von 1962. Es stammt also aus einer Zeit, in der der Sinn für das Denken in Parallelismen und Kontrapunktierung, für Symmetrie und Assymetrie hoch entwickelt war.

Für unsere Gegenwart scheint das weniger zuzutreffen. Das Tagesgebet  des 3. Adventssonntag im Novus Ordo ist – wie an den anderen Adventssonntagen auch – geradezu unrömisch wortreich. Die in der Alten Form anerkannt „Finsternis des Geistes" ist für die Neuerer kein Thema – wir sind schließlich schon gläubig. Stattdessen schlagen die Verfasser in vermeintlicher Übereinstimmung mit dem optimistischen Grundgedanken des Sonntags explizit den Bogen zur Weihnachtsfreude und verdoppeln damit letztlich nur die Aussage des Introitus.

Allmächtiger Gott, sie gnädig auf dein Volk, das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet. Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.

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