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Sakramentenspendung im vetus ordo

Bild: ISPNErzbischof Nichols von Westminster hat mitgeteilt, daß in seiner Diözese künftig keine Firmungen im überlieferten Ritus mehr stattfinden dürfen. Bisher waren sie alljährlich von einem der Weihbischöfe des Bistums durchgeführt worden. In Deutschland, wo Bischöfe und Bischofskonferenz derzeit anderen Fragen Priorität geben, wird mit neuen Erlassen dieser Art nicht gerechnet, zumal in mehreren Diözesen (z.B. Hamburg) schon seit Jahren - also bereits vor TC – entsprechende Vorschriften galten.

Der Kirchenrechtler Pierre Laliberté J.C.L. hat dieser Tage darauf hingewiesen, daß derartige Vorgaben ungerecht, widerrechtlich und damit unwirksam sind. Von daher steht der Erteilung des Sakraments nach den Büchern von 1962 – im Notfall auch durch einen Priester, wie Laliberté ausführt – nichts im Wege. Die Darlegungen von Kardinal Burke zur mangelnden Rechtskraft von TC scheinen uns, zumindest was die (Un-)Rechtmäßigkeit des Verbotes betrifft, in ähnliche Richtung zu gehen.

Die Frage, unter welchen Bedingungen Priester auch ohne bischöflichen Auftrag firmen können, überlassen wir den Fachleuten – dazu nur zwei Anmerkungen: Neben der objektiven Gnadenwirkung des Sakraments ist auch – vor allem, wenn es Kindern und Jugendlichen gespendet wird – die damit einhergehende psychologische Wirkung nicht zu unterschätzen. Die wird durch die Spendung von der Hand eines Bischofs sicher für viele Firmlinge verstärkt. Die zweite Frage betrifft den Zeitfaktor: Es ist schön, wenn Gemeinden einen festen Firm-Kalender haben. In einer angespannten Zeit wie der jetzigen ist es jedoch auch denkbar, anstehende Firmungen zwei oder drei Jahre aufzuschieben in der Erwartung, daß sich die gesamtkirchliche Großwetterlage möglicherweise schon bald ändern könnte.

Dazu verdient noch ein weiterer Punkt Beachtung: Wie Taufen, die Erstkommunikation und Eheschließungen gehört auch die Firmung zu den Sakramenten, deren Erteilung in zumeist diözesan konsolidierten Kirchenbüchern aufgezeichnet wird. Das kann in Zukunft generell bei Gemeinden, die dem überlieferten Ritus folgen, zu Problemen führen. Der zunächst naheliegende Gedanke, dann eben ein eigenes Kirchenbuch zu führen, ist. u.E. nicht zielführend. Ein solches Buch hätte nicht nur keine kanonische Rechtsgrundlage, es könnte auch seitens einer böswilligen Diözesanführung als vollendeter „schismatischer Akt“ dargestellt und mit entsprechenden Sanktionen beantwortet werden.

Als Ausweg aus dem Dilemma wäre folgendes Vorgehen zu überdenken: Jede unter den Bedingungen des Notstandes vorgenommene „kirchenbuchpflichtige“ Sakramentenspendung wird der zuständigen Stelle in der Diözesanverwaltung mit den mindest erforderlichen Daten mitgeteilt – schriftlich und ggf. per Einschreiben. Was die Diözesanverwaltung mit diesen Mitteilungen macht, liegt alleine in ihrer Verantwortung. Die Gemeinde oder der Sakramentenspender nimmt, wie sich das für jede ordentliche Arbeitsweise gehört, eine Kopie der Mitteilung zu den Akten – daraus können dann, falls die Diözese die Eintragungen nicht ordnunggemäß vorgenommen hat, im Fall einer „Normalisierung“ die regulären Kirchenbücher ergänzt werden.

Warum TC keine Rechtskraft hat

Bild: CNA/J. P. PerezFr. Hunwicke erinnert heute an die Erklärung von Kardinal Burke zu Traditionis Custodes vom vergangenen Juli, die wir seinerzeit verlinkt und ausführlich kommentiert hatten. Dabei zitiert er einen Abschnitt aus der Erklärung, den man gar nicht oft genug zitieren und in Erinnerung rufen kann:

Papst Benedikt XVI. hat in seinem Begleitbrief zu Summorum Pontificum an die Bischöfe der Welt ausgeführt, daß das Römische Messbuch, das vor dem Messbuch Papst Paul VI. In Gebrauch war:

...niemals rechtsgültig abgeschafft worden ist und dementsprechend im Prinzip jederzeit verwandt werden konnte.

Aber kann der Papst den usus antiquor überhaupt rechtsgültig abschaffen? Die Fülle der Amtsgewalt (plenitudo potestas) des Papstes ist die Amtsgewalt, die erforderlich ist, die Lehre und Disziplin der Kircher zu verteidigen und zu fördern. Sie ist keine „absolute Macht“, die es auch mit einschlösse, die Lehre zu ändern oder eine liturgische Ordnung zu vernichten, die in der Kirche seit der Zeit des Papstes Gregor des Großen und noch früher lebendig war. Die korrekte Interpretation des Artikels 1 von Traditionis Custodes kann nicht darin bestehen, zu verneinen, daß der usus antiquor ein zu aller Zeit gültiger Ausdruck der ,lex orandi’ des römischen Ritus wäre. Unser Herr, der uns das wunderbare Geschenk des usus antiquor gegeben hat, wird nicht zulassen, daß es aus dem Leben der Kirche ausgetilgt wird.

Es ist daran zu erinnern, daß aus theologischer Sicht jede gültige Feier eines Sakraments alleine dadurch, daß es ein Sakrament ist, jenseits jeder kirchlichen Gesetzgebung ein gottesdienstlicher Vollzug und damit auch ein Bekenntnis des Glaubens ist. In diesem Sinne ist es nicht möglich, dem römischen Messbuch nach dem usus antiquor die Eigenschaft des gültigen Ausdrucks der lex orandi und damit auch der lex credendi der Kirche abzusprechen. Das ist eine Frage der objektiven Realität der göttlichen Gnade, die nicht durch einen bloßen Willensakt selbst der höchsten kirchlichen Autorität geändert werden kann.“

Fr. Hunwicke fügt dem noch als eigene Anmerkung, der wir uns gerne anschließen, hinzu:

...daß dann, wenn Traditionis Custodes die päpstliche Amtsvollmacht übersteigt, gesetzgeberische Akte untergeordneter Art – etwa von der Seite von Bischöfen – die sich auf das beziehen, was dort vermeintlich ausgesagt ist – ebenfalls keine bindende Kraft haben.

Die „Ausführungsbestimmungen“ sind da

Bild: Edward Pentin, TwitterDie Gottesdienstkongregation unter der Leitung von A. Roche hat heute die erwarteten „Ausführungsbestimmungen“ zu TC veröffentlicht. Sie wählte dazu die Form einer „Antwort auf Dubia“, die an die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen gerichtet ist. Das ist insofern erheiternd - entspricht aber dem Stil des Regimes - als vermutlich keine Bischofskonferenz entsprechende Dubia eingereicht hat, diese gefakten Dubia aber dann im Gegensatz zu den echten der vier Kardinäle von 2016 prompt „beantwortet“ wurden. Diese Form erlaubt es Roche&Co, ganz nach Gutdünken weitere Bestimmungen nachzuschieben. Die kirchliche Gesetzgebung - oder das, was das Regime dafür ausgibt - entsteht quasi „on the fly“. Auch das perfekt im Stil des Hauses.

Rorate Caeli faßt den Inhalt des Textes folgendermaßen zusammen:

Alle Sakramentenspendungen des Pontifikale Romanum sind verboten (Weihen, Firmung). Spendungen nach dem Rituale (Taufe, Eheschließungen und letzte Ölung) sind nur in Personalpfarreien erlaubt. "Bination"  (also die Feier von zwei heiligen Messen in der überlieferten Form oder einmal in der modernen und einmal in der überlieferten Form an einem Tag) ist unzulässig.

Wir (R.C.) meinen: Es ist bezeichnend, daß der Vatikan inmitten der gewaltigen Krise, die die Kirche des Westens heimsucht und die jetzt noch durch die Krise des Kirchenbesuchs im Zeichen der Pandemie verstärkt wird, diesem Gewaltakt erste Priorität einräumt. Es ist bezeichnend für die vorgetäuschte Barmherzigkeit dieses Bösen Hirten, den verantwortungslose Kardinäle 2013 gewählt haben. Es ist bezeichnend für den Geist der Bosheit, der in diesem totalitären Pontifikat regiert. Das Ganze enthüllt die schreckliche Gegenwart Satans im Zentrum der Kirche.

Und dennoch: Das alles wird vorbei gehen. Dieses grotseka Schauspiel von Pontifikat wird ein Ende finden. Der überlieferte Ritus sieht sich nicht in seinem letzten Kapitel, ganz bestimmt nicht unter diesem falschen Regenten, der Karikatur eines südamerikanischen Caudillo aus dem Witzblatt! Nein. Wenn selbst Paul VI. in all seiner Macht und dem Rückhalt durch das Konzil  in den 70er Jahren nicht imstande war, uns nierzuwerfen, so wird diese Bande greiser Beutemacher erst recht keinen Erfolg haben. Einfach abwarten - die Zeit ist auf unserer Seite.

Tick-tack...

Rorate Caeli bringt anschließend den englischen Text der heutigen vatikanischen Veröffentlichung, deren Wiedergabe wir uns hier sparen Wer will, findet den in blumenreichem New-Church-Jargon verfaßten Text auch auf Deutsch hier. Wir wollen jedoch noch einige Punkte hervorheben, die über die oben von RC gegebene Inhaltsangabe hinausgehen:

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Kommentare zu den "Responsa ad dubia"

In zufälliger Reihenfolge hier Links zu ersten lesenswerten Reaktionen und Kommentaren, größtenteils aus dem englischsprachigen Internet:

Nachgereicht am Sonntag, der eigentlich Netz-freier Tag sein sollte:

  • Rieducationis Custodes (Die Wächter der Umerziehung) – Messa in Latino
  • Traditional Catholics: Exceptions to "Synodality" – Rorate Caeli aus Carminante Wanderer
  • Traditionalisten Schachmatt ? – C.V. Oldendorf in Kathnews
  • Opinion: Let a thousand rites bloom and flourish! – A.A. J. Deville in Catholic World Report
  • Hin zur liturgischen Einheit, weg von der Alten Messe – Felix Neumann in katholisch.de - (informativ und weitgehend sachlich)
  • Trying to make some sense of the responsa ad dubia – Christopher C. Altieri in CatholicWorldReport
  • An Eastern Catholic Priest on the Recent Vatican Document – Rorate Caeli

Und am Montag, den 20. Dezember:

  • The Cruel and Incoherent Further Restrictions on the Traditional Latin Mass – Fr. Gerald Murray in The Catholic Thing
  • A small difficulty with the Responsa ad dubia – Joseph Shaw in LMS Chairman
  • Die Antworten verhärten die Fronten – Regina einig in Die Tagespost
  • Papal Authority's Abuse and the Diminution of Faith – The Skojec File
  • Canceled Priests speak out against Vatican’s new restrictions on Latin Mass – LifeSite News

Franziskus hat schon verloren

Bild: Bestiarium von Aberdeen, https://www.abdn.ac.uk/bestiary/Mit welchen Einzelmaßnahmen Franziskus das Ende der überlieferten Liturgie erzwingen will und wann diese Schritte erfolgen, ist in den Einzelheiten noch ungewiß – daran, daß er dieses Ziel mit aller Macht verfolgt, besteht kein Zweifel. Aber wir haben auch keinen Zweifel daran, daß er damit jämmerlich scheitern wird.

Gegenwärtig verfolgen Franziskus und seine Komplizen eine Art Umweg-Strategie: Sie versuchen (noch) kein Verbot der überlieferten Messe – das scheint ihnen angesichts der klaren Aussagen nicht nur von Benedikt XVI., daß ein solches Verbot unmöglich ist, gegenwärtig nicht angeraten. Statt dessen richten sie die ganze Wucht und Wut ihres Angriffs gegen die Gemeinden, die sich in den letzten Jahrzehnten um die überlieferte Liturgie und Lehre gebildet haben. Sie sollen aufgelöst und ihre Mitglieder in die vom Konzilsgeist beherrschten Strukturen gepresst werden – oder gezwungen, sich in öffentlichkeitswirksam als „schismatisch“ denunzierbare Positionen zu begeben.

Nächster logischer Schritt nach dem zu erwartenden Verbot der Sakramentenspendung im überlieferten Ritus wäre dann übrigens das Verbot von Sonntagsmessen. Da die traditionsorientierten Gläubigen zu den wenigen Katholiken gehören, die die nach wie vor bestehende Sonntagspflicht ernst nehmen, müßten sie dann zur sonntäglichen Gemeindemesse gehen, wo ihnen nicht nur vielerlei liturgische Mißbräuche serviert würden, sondern auch Predigten über religiöser Diversität und den hohen Rang gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften womöglich bei gleichwertiger Abwertung des Prinzips der Unauflöslichkeit der Ehe und anderer Grundsätze von Glauben und Sitte. Die großzügig eingeräumte Möglichkeit, weiterhin an jedem zweiten Mittwoch im Monat an einer Messe im überlieferten Ritus teilzunehmen, würde dann nur noch unterstreichen, daß es dabei um die Befriedigung eines vorwiegend ästhetischen Bedürfnisses ginge, das mit den Inhalten des Glaubens und der Lebensgestaltung wenig zu tun hätte.

Da freilich liegt eine entscheidende Schwäche des Versuchs, die „Altrituellen“ auf den Weg des Konzilsgeistes zu zwingen.

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