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Rechte Form der Bischofsmesse

Scan des Dokuments übernommen von Rorate CaeliWährend es in Rom an vielen Stellen drunter und drüber zu gehen scheint, ist es beruhigend zu erfahren, daß die Kommission Ecclesia Dei anscheinend unbeirrt und unbeeinflußt ihrer Alltagsarbeit nachgeht. Auf eine anscheinend aus den Philippinen kommende Anfrage hat die Kommission im Juni geantwortet, daß es für Bischöfe, die im überlieferten Ritus zelebrieren wollen, nach den Büchern von 1962 dafür zwei zulässige Formen gibt: Die „stille Messe eines höheren Prälaten“ oder das „Pontifikalamt“ mit Diakon, Subdiakon und ggf. weiteren Offizianten wie Zeremoniar, Ehrendiakon usw. Nicht zulässig ist danach die gelegentlich praktizierte Form des gesungenen Amtes, in dem der Bischof in feierlicher Form, jedoch ohne weitere geweihte Offizianten zelebriert.

Diese Klarstellung mag von allen bedauert werden, die die Lituirgie bei einem ohnehin nur verhältnismäßig selten vorkommenden Besuch eines Bischofs bei einer Gemeinde von Gläubigen des alten Ritus gerne etwas feierlicher - zumindest mit gregorianischem Choral - gestaltet hätten, auch wenn das für ein reguläres Pontifikalamt erforderliche Personal nicht zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite ist es jedoch nicht nur eine außerliche Formalie, hier an den Vorgaben des geltenden Missales festzuhalten: Dem Bischof als dem eigentlichen liturgischen Verantwortlichen für die Zelebration des Messopfers – die Priester sind genau genommen lediglich seine Bevollmächtigten – kommt eine hervorgehobene Stellung zu. Das sollte auch unter den eingeschränkten Bedingungen, die vielfach die Feier der überlieferten Liturgie bestimmen, nicht verwischt oder unkenntlich gemacht werden. 

„Summorum Pontificum“ vor dem Ende?

Bild: www.roma-antiqua.deDie früher katholische, heute mehr dem „Eine-Welt-Kult“ folgende französische Publikation „LaCroix“ hat zum Jahrestag von Summorum-Pontificum einen Artikel veröffentlicht, in dem sie darüber spekuliert, der Papst erwäge die Abschaffung der darin getroffenen Regelungen zur Freigabe der überlieferten Liturgie. Daß LaCroix sich das wünscht, und daß dieser Wunsch von starken Kräften im Weltepiskopat und auch im Umfeld von Franziskus geteilt wird, steht außer Zweifel. Entsprechende Gerüchte kursieren in Rom schon seit längerem – bisher waren sie jedoch stets mit der Einschränkung verbunden, ein derartiger Schritt sei erst mit dem Ableben von Franziskus‘ Vorgänger Benedikt zu erwarten, weil Franziskus das offene Abrücken von Benedikt scheue. Zumal Liturgisches eher am Rande seiner Interessen steht.

Die neue Version des Gerüchtes verbindet nun diesen angeblich geplanten Schritt mit der – ebenfalls noch im Gerüchtestadium stehenden – Wiedereingliederung der Piusbruderschaft. Diese Wiedereingliederung soll, wie es weitgehend glaubwürdig heißt, im Rahmen der Errichtung einer Personalprälatur erfolgen – und diese Personalprälatur werde – da beginnt das neueste Gerücht – in Zukunft als einzige Einrichtung der Kirche berechtigt sein, die Liturgie nach den Büchern von 1962 zu feiern. Die bisher im Rahmen von Ecclesia Dei operierenden voll mit Rom verbundenen Gemeinschaften des alten Ritus müssten sich dieser Prälatur anschließen – oder sich zumindest bereit erklären, auch Pfarrseelsorge im Novus Ordo zu übernehmen. Dabei sollen sie an die am jeweiligen Einsatzort geltenden Gebräuche gebunden sein, Handkommunion und Messdienerinnen inklusive.

Von dieser Stelle an werden die ohnehin reichlich wolkigen Gerüchte noch nebulöser. Das betrifft sowohl das künftige Schicksal der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften als auch die Rechtstellung des katholischen Klerus insgesamt. Nach „Summorum Pontificum“ haben sämtliche Priester der lateinischen Kirche das Recht, auf eigenen Wunsch oder auf Verlangen von Gläubigen und ohne weitere Erlaubnis gemäß der überlieferten Liturgie zu zelebrieren, da diese ein wertvoller Bestandteil des Erbes der ganzen Kirche darstellt. In einigen Varianten des Gerücht heißt es nun, diese Rechtslage solle gänzlich revidiert werden. Die Praktizierung der alten Liturgie führe zu Spaltungen in den Gemeinden und müsse deshalb für den allgemeinen Bereich der Kirche tatsächlich verboten werden. Nach anderen Überlegungen sollen Priester in Sonderfällen, in denen das „aus pastoralen Gründen“ geboten erscheint, mit einer besonderen bischöflichen Beauftragung oder Erlaubnis die alte Liturgie in der vom Ortsbischof angeordneten Form feiern dürfen.

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10 Jahre Summorum-Pontificum

Scan einer Illustration von B. Kühlen, MönchengladbachWo steht die Kirche 10 Jahre, nachdem Papst Benedikt mit Summorum-Pontificum eine der schlimmsten Fehlentwicklungen der Nachkonzilszeit zu korrigieren versuchte: Die aus dem Zentrum der Kirche heraus verbreitete Vorstellung, die überlieferte Liturgie der Kirche sei abgeschafft und verboten, der Papst und seine Räte könnten, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, das, was 2000 Jahre lang das Höchste und Heiligste war, von einem Tag auf den anderen so verändern, umbauen und uminterpretieren, daß es nur mit Mühe – wenn überhaupt – wiederzuerkennen ist.

Der Korrekturversuch ist nur in sehr begrenztem Maße gelungen. Zwar dürfte es nach der theologisch fundierten Erklärung Ratzingers, daß eine ein Jahrtausend hindurch der Kirche heilige Liturgie niemals abgeschafft worden sei und auch nicht abgeschafft werden könne, schwer fallen, genau das ein weiteres Mal zu versuchen. Doch seitens der Kräfte in der Kirche, denen das Zeitgemäße als höchster Wert erscheint, bleibt die Abneigung gegen jeden Kontakt oder gar einen „gegenseitige Befruchtung“ bestehen: Es könnte sich ja jemand am Katholischen des vergangenen Jahrtausends infizieren. Wo das dennoch geschieht wie z.B. bei den Franziskanern der Immakulata, ist mit härtesten Gegenmaßnahmen zu rechnen. Diese Ordensleute haben die Aufforderung Benedikts, die Schätze der Tradition neu zu entdecken, ernst genommen. Nun sind sie zwischen ihrer tief empfunden Gehorsamspflicht gegenüber den Oberen und der Treue zur Kirche, die sich selbst treu bleibt, in einer fast ausweglos erscheinenden Zwangslage gefangen. Ihrer ist heute ganz besonders zu gedenken. 

Anderswo sind die Abwehrmaßnahmen subtiler, aber nicht weniger wirkungsvoll. So hält man z.B. in Deutschland und Italien die überlieferte Liturgie, wenn man sie schon nicht verbieten kann, unter eine Art von „Quarantäne“ gestellt, um zu verhindern, daß sie dem von den Modernisten vorangetriebenen Säkularisierungskurs in die Quere kommt. Seit die jesuitischen Relativisten die Macht im Vatikan übernommen haben, wird nach Möglichkeit überhaupt nichts mehr eindeutig verboten oder erlaubt, sondern alles in eine Wolke von Ambivalenzen und Pastoralgeschwurbel gehüllt, die keine eindeutigen Aussagen mehr zuläßt. Auch das letztlich unvereinbar mit der sprachlichen Präzision der lateinischen Orationen, die zum Teil seit weit über 1500 Jahren die Gestalt der überlieferten Messe prägen und damit den Inhalt des Glaubens zum Ausdruck bringen. Aber es entspricht perfekt einer herrschenden Tendenz der Gegenwart, die alles Feste und Verbindliche ablehnt, alle Grenzen aufheben und alles Denkbare möglich machen will. Häresie der Formlosigkeit, oder: Alles fließt – wir fließen mit.

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Messe aller Zeiten

Scan einer Illustration von B. Kühlen, MönchengladbachDas Pontifikat von Papst Benedikt und die Klarstellung der vollen Legitimität der „alten Messe“ haben vielen Katholiken, die an der überlieferten Lehre und Liturgie der Kirche festhalten, große Hoffnung und Freude gegeben. Der bevorstehende 10. Jahrestag des Motu Proprio sieht viele Hoffnungen enttäuscht und die Freude vergangen. Der infolge des unerhörten Aktes des Rücktritts von Benedikt von einer undurchsichtigen Gruppierung ins Amt gehobene Papst Franziskus geht mit Macht daran, alles zu zerstören, was Benedikt XVI. und Johannes Paul II. getan haben, um die Kirche aus den Unruhen der Nachkonzilsjahre herauszuführen. Der Relativismus, der alle Gewissheiten untergräbt und alle Verbindlichkeiten auflöst, dehnt seine Diktatur auch auf die Kirche aus. Das Chaos in der Kirche ist heute schlimmer als jemals zuvor in vielen Jahrhunderten. Seit 500 Jahren war die Gefahr einer offenen Spaltung nicht mehr so groß wie heute. So scheint es zumindest.

Denn auf der anderen Seite spricht vieles dafür, daß die Zeiten offener Spaltung mit einem Papst in Rom und einem Gegenpapst anderswo nicht wieder zurückkehren werden. Dafür gibt es äußere wie innere Gründe. Die Kirchenspaltungen des Mittelalters und der Reformation hatten immer auch eine starke politische Komponente und waren z.B. Ausdruck von Machtkämpfen zwischen König und Kaiser oder verschiedenen Adelshäusern. Ähnliche Entwicklungen sind im Zeitalter des umfassenden Säkularismus kaum vorstellbar. Während eine Kirche des Relativismus buchstäblich der Liebling der ganzen Welt ist, könnte eine Kirche der Tradition nirgendwo auf Unterstützung und in vielen Staaten noch nicht einmal auf Duldung zählen.

Die Entwicklung in der Kirche seit dem letztlich erfolglosen Versuch Papst Pius X., den „Modernismus“ aus der Kirche zu vertreiben, hat gezeigt, daß es für die Apostel des Zeitgeistes keinen Gegenpapst und keine Gegenkurie braucht, um als „Gegenkraft“ wirkmächtig zu sein. Es brauchte nur die Entschlossenheit, an den eigenen Positionen festzuhalten und aussichtslosen Konfrontationen auszuweichen, während man die unter Beifall der Öffentlichkeit erworbene Stellungen entschlossen befestigte und ausbaute. Das brachte letztlich sogar den – nach irdischen Kategorien betrachtet – weitgehenden Sieg. Allerdings ist vom triumphierenden Modernismus nicht zu erwarten, daß er sich gegenüber abweichenden Strömungen ähnlich langmütig-hilflos erweisen wird wie die Tradition ihm gegenüber.

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Erfindung gegen Tradition

Mit dem heute vor 50 Jahren erlassenen Motu Proprio „Sacrum Diaconatus ordinem“ vom 18. Juni 1967 hat Papst Paul VI. den ständigen Diakonat in der lateinischen Kirche (wieder) eingeführt. Fr. Hunwicke hat dazu im vergangenen Monat einiges an Material und Überlegungen zusammengetragen, die hier in den Grundzügen wiedergegeben werden sollen.

In der Hauptsache und für viele überraschend: Der altkirchliche Diakonat war kein selbständiges Amt im Sinne der Fürsorge für die Armen, Kranken und Bedürftigen im Sinne von Diakonie, wie es in der protestantischen Tradition und in Anlehnung daran auch in weiten Teilen der katholischen Kirche heute verstanden wird. Tatsächlich war der Diakonat ein dem Bischof zugeordnetes Dienstamt mit Schwerpunkt im liturgischen Bereich, also bei der Spendung der hl. Kommunion und in der Predigt. Allerdings gehörte es auch zu seinen Aufgaben, dem Bischof die Gemeindemitglieder zu benennen, die besonderer Fürsorge bedurften – diese Fürsorge selbst oblag dann wiederum dem Bischof.

Mit dieser Interpretation, die sich auf Arbeiten des Liturgiehistorikers John Collins stützt, steht Fr. Hunwicke nicht nur quer zum aktuellen Verständnis, sondern auch zu Passagen in der Apostelgeschichte (Kap. 5 und 6), die den Fürsorge-Aspekt in den Vordergrund zu stellen scheint. Dem stellt Hunwicke den Bezug auf die alten Weihegebet des Diakonats entgegen, in dem es in der Weihepräfation heißt: „Du hast zur Ehre Deines Namens ein dreifach gegliedertes Amt zu Deinem Dienste eingerichtet. Als Diener Deines Zeltes hast Du die Söhne Levis auserwählt und gabst ihnen Deinen Segen zum ewigen Erbe. Herr, schaue nun mit Wohlgefallen und diese Deine Diener, die wir nun zum Amte des Diakons bestimmen um an Deinem heiligen Altare zu dienen.“ Daraus ergibt sich: Die Diakone sind die christlichen Leviten, sie haben den Auftrag, dem Hohen Priester – also dem Bischof – zu dienen, so wie die Leviten im Judentum den Opferpriestern des Tempels dienten.

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