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Überlieferte Liturgie in China

Bild: New Liturgical Movement, http://www.newliturgicalmovement.org/2018/11/the-life-and-work-of-mgr-li-jingfeng_23.htmlPaix Liturgicque hat Anfang des Monats ein Interview veröffentlicht, das Massimo Battaglia mit dem chinesischen Priester John Song geführt hat, der zur Zeit zum Studium in Deutschland ist. Wir haben die wichtigsten Abschnitte übersetzt:

Massimo Battaglia - Wie wird man heute Priester in China?

Pater John Song - ich würde sagen, ein wahrer Priester, ein Heiliger und ein Katholik zu sein, ist nie einfach. Meiner Meinung nach gibt es jedoch keinen Unterschied zwischen dem Priestertum eines Chinesen, eines Italieners oder eines Franzosen. Allerdings bereitet es in China besondere Schwierigkeiten, Priester zu werden, vor allem aufgrund der religiösen Verfolgung, von der unser Land betroffen ist. Ich bin jedoch überzeugt, dass die kommunistische Verfolgung für uns Katholiken weniger schwerwiegend ist als die Verwirrung, die sich innerhalb der katholischen Kirche nach dem Verzicht auf authentischen Glauben und der Entweihung der Liturgie ausbreitet.

Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen der Lage der chineischen Kirche heute und der Kirche der ersten drei Jahrhunderte?

Ich denke, die Lage der chinesischen Kirche heute hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Kirche der ersten drei Jahhrunderte des römischen Reiches. Aber während die Kirche unter Mao-Tsetung einer gewaltsamen Verfolgung ausgesetzt war, die der der frühen Christen ähnelte, sehen wir uns heute einer schleichenden Verfolguing ausgesetzt, die darauf abzielt, die Kirche in eine Kirche zu verwandeln, die nicht mehr die wahre Kirche Christi ist.Das ist viel gefährlicher für die gläubigen, denen es manchmal an Orientierung fehlt und die vom wahren Glauben abkommen können, ohne es überhaupt zu bemerken.

Wie haben Sie von der traditionellen Messe erfahren?

Ich wurde in eine katholische Familie hineingeboren, die den Glauben seit mehr als 150 Jahren bewahrt hat. Wie Sie wissen, war die Kirche in China von 1949 bis 1978 fast 30 Jahre lang von Rom und vom Rest der Welt isoliert. Daher haben auch in den 90er Jahren noch gerade aus dem Gefängnis entlassene Priester die Messe nach dem alten Ritus gefeiert, weil sie noch gar keine Kenntnis vom Konzil und der Liturgiereform hatten. Aber nach 1990 wurden auch sie von den konziliaren Reformen erfaßt und machten die gleichen Entwicklungen durch wie die anderen Teile der Weltkirche.

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Liturgie des Exorzismus (FOTA-3)

Bild: Von der Website Haukes http://www.manfred-hauke.de/Vom 3. und letzten Tag der Fota-Konferenz zur Liturgie übersetzen wir heute aus dem Bericht bei New Liturgical Movement das Resümee, das Prof. Dr. Manfred Hauke von der Universität Lugano unter dem Titel „What is an exorcism - eine kritische Würdigung der Terminologie“ vorgetragen hat. Dort heißt es:

Hw. Hauke begann mit einer Klärung der Etymologie der Begriffe, mit denen er die Sprache der Exorzismen beschreiben wollte und betonte dabei, daß nur ein geweihter Amtsträger einen Exorzismus mit der Autorität Christi vornehmen kann. Im Jahr 1985 sprach die Glaubenskongregation eine Ermahnung gegenüber „Gebetskreisen in der Kirche“ aus, „die versuchen, sich vom Einfluß dämonischer Kräfte zu befreien, während sie tatsächlich keinen wirklichen Exorzismus ausführen“. Das eigentliche Kennzeichen für liturgischen Exorzismus ist die Verwendung der Imperativform - Jesus befiehlt, daß unreine Geister weichen, und sie gehorchen. Wenn es um eine Definition des „Exorzismus“ in linguistischer Sicht geht, wie er schon zu vorchristlicher Zeit rituell durchgeführt wurde, dann impliziert der Terminus wohl eine direkte Ansprache des bösen Geistes durch den Exorzisten.

Das neue Rituale des Exorzismus verlangt allerdings nicht, daß der Exorzist den bösen Geistern ausdrücklich Befehle erteilt. Es läßt die Wahl zwischen einer deprekatorischen oder (den Herrn) bittenden oder einer imprekatorischen oder befehlenden Formel. Die befehlende Formel darf überdies nur dann verwandt werden, wenn zuvor die deprekatorische gesprochen wurde. Handelt es sich bei diesem deprekatorischen Text tatsächlich um einen Exorzismus oder ist er nur ein „Bittgebet um Befreiung?“

Das entscheidende Element im jüdischen Exorzismus ist die Anrufung des Namens Gottes. Die von Jesus vorgenommenen Exorzismen sind keine „Bittgebet um Befreiung“ sondern Befehle in seiner Macht und Eigenschaft als der Sohn Gottes. Diese Praxis zeigt sich auch in der Verkündigung der Apostel, wie z.B. in dem Exorzismus, den der hl. Paulus vornahm, bei dem er den Dämonen Befehle erteilte (Apg 16, 16-19). Der Exorzismus im christlichen Sinne ist ein im Namen Christi erteilter Befehl an einen Dämonen, von seinem Opfer abzulassen.

Im Rituale Romanum von 1614 finden wir sowohl exorcismi als auch orationes. Letztere sind Gebete, erstere sind Befehle, die in imperativer Form gegenüber Dämonen ausgesprochen werden. Letztere sind Gebete, erstere Befehle, die den Dämonen direkt erteilt werden. Die orationes haben eher abschließenden Charakter, während ähnliche Gebete im Ritus von 2004 als deprekatorische Formeln erscheinen und an den Anfang gestellt sind.

Entscheidende für die liturgische Praxis ist, daß die Austreibung von Dämonen nicht losgelöst vom Gebet der Kirche betrachtet werden kann. Aber die Verwendung der imperativischen Form bezeugt auf deutlichere Weise, daß Christus seinen Dienern die Vollmacht gegeben hat, besessene Personen von bösen Geistern zu befreien. In der Liturgie des Exorzismus finden wir die Anrufung des Namens Gottes oder Christi (Epiklese), die direkte Ansprache des Teufels, demgegenüber im Namen Gottes eine Drohung ausgesprochen wird (Inkrepatio)  und schließlich der Befehl, die betroffene Person zu verlassen. Es wäre wünschenswert, daß die Definition von „Exorzismus“ dieser liturgischen Beschreibung entspräche, die die Anrufung des Namens Gottes und die direkte Ansprache des Teufels einschließt. Es reicht nicht aus, „Exorzismus“ als „Austreibung böser Geister im Namen Christi“ zu definieren - „Exorzismus“ im eigentlichen Sinne verlangt auch den Befehl an die Dämonen, zu weichen.

Legitime Unterschiede im Ritus

Bild: Website des Autors, http://liturgicalnotes.blogspot.com/2019/06/the-worst-evil-of-uniatism.htmlAus Anlaß der Heiligsprechung von 7 griechisch-katholischen Märtyrer-Bischöfen durch Papst Franziskus bei seiner Reise nach Rumänien hat Fr. Hunwicke sich mit dem Verhältnis von orthodoxen Kirchen und Römischer Kirche befasst. Dabei hebt er besonders die Bedeutung bestimmter Unterschiede im Ritus hervor, deren Legitimität er unterstreicht und vor deren Unterdrückung oder Angleichung er mit guten Argumenten warnt. Wir übersetzen seine Ausführungen ungekürzt.

Es beginnt ein langes ZitatIch finde es ermutigend, daß Papst Franziskus in Rumänien eine Gruppe „unierter“ Märtyrer heiliggesprochen hat. Weniger begeistert bin ich von seiner in diesem Zusammenhang abgegebenen Erklärung, daß „Uniatismus heutzutage nicht legitim ist“. Wenn er mit „Uniatismus“ die Aufnahme ganzer Gruppen mit eigenem Ritus und eigerner Spiritualität in volle Gemeinschaft mit Rom meint, dann stellte er sich damit in Widerspruch zu zahlreichen früheren Päpsten und nicht zuletzt seinem unmittelbaren Amtsvorgänger, der die Ordinariate errichtet hat. Will Papst Franziskus damit im Sinne einer geläufigen Verwirrung sagen, daß Gläubige nur als Einzelpersonen in die Kirche kommen können und dabei auf jedes Erbe ihrer bisherigen Tradition verzichten müssen? „Wenn ihr die Einheit wollt, dann ist das einzige, was ich euch anbieten kann, der Novus Ordo (und meine eigenen Korrekturen zum Gebet des Herrn“. Ist seine Botschaft wirklich so engstirnig, so scharf, so spaltend so destruktiv und so frei von jeder Kernntnis? Falls das so ist, muß man das energisch zurückweisen und korrigieren. Völliger Unfug, Heiliger Vater! Hier liegen Sie schon wieder einmal voll daneben!!

Der traurigste Teil des Videos von der Amtseinführung Papst Benedikts – ich schaue mir das gelegentlich zum Trost an, wenn ich mich schlecht fühle – ist für mich bei der Proklamation des Heiligen Evangeliums durch den griechischen Diakon. Die Kamera schwenkt da zu den byzantinischen und orientalischen Delegationen – und einige von deren Mitgliedern wenden sich tatsächlich ab, drehen ihm sogar den Rücken zu.

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Fest Johannes des Täufers

Bild: https://veryimportantlot.com/de/lot/view/ikone-mit-zwei-heiligen-johannes-der-tufer-und-b-57843Schon vor seiner Geburt, derer die Kirche heute mit einem eigenen Hochfest gedenkt, war der hl. Johannes durch eine Begegnung mit seinem Erlöser in besonderer Weise ausgezeichnet, von der der Evangelist Lukas zu berichten weiß:

In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. (Lukas 1,39-44)

Wohl deshalb wird er als der Größte von einem Weibe Geborene bezeichnet – als der letzte Prophet Israels war er der erste, der dem Mesias selbst begegnete und dem es später in seiner Rolle als Wüstenprediger zufiel, Jesus von Nazareth die Taufe mit dem Wasser des Jordans zu spenden. Johannes war ein treuer Künder der Gebote des alten Bundes, der zur Umkehr aufrief und die bevorstehende Ankunft des Erlösers verkündete. Er hatte den Zorn des Hofes von König Herodes auf sich gezogen, weil der seine erste Frau verstoßen und als „wiederverheiratete Geschiedener“ mit seiner Schwägerin zusammenlebte. Wie die Geschichte endete ist, bekannt: Um den Damen seines Hofes zu gefallen, ließ Herodes dem Propheten den Kopf abschneiden. „Hätte er das achte Kapitel der Broschüre „Amoris laetitia“ vorgetragen, wäre er vermutlich als Hofprediger am Palast eingestellt worden und Jahrzehnte später sanft entschlafen“ schreibt heute der Paderborner Priesterkreis Communio Veritatis in einer auf Kath.net nachzulesenden Erklärung.

In der überlieferten Liturgie war das Fest der Geburt des hl. Johannes mit dem hohen Rang Dupl. I. Class. mit eigener Oktav ausgezeichnet, dem eine besondere Vigil vorausging. Der Introitus zitiert den Propheten Isaias und Psalm 91 zum Lob des letzten Propheten:

Im Schoße meiner Mutter schon rief mich der Herr bei meinem Namen; er machte meinen Mund zum scharfen Schwert; er barg mich unterm Schutze seiner Handund machte mich zum auserlesenen Pfeil. - Gut ist‘s, den Herrn zu preisen und Deines Namens Lob zu singen, Allerhöchster.

Und das Graduale zitiert zwei Verse aus Jeremias 1:

Bevor ich dich im Mutterleibe bildete, kannte ich dich, und noch ehe du aus der Mutter Schuß hervorgingest, habe ich dich geheiligt. Der Herr streckte seine Hand aus und berührte meinen Mund und sprach zu mir.

In der neuen Leseordnung ist ein größerer Abschnitt aus 1. Jeremias als Lesung aus dem alten Testament vorgesehen, der beide im Graduale zitierten Verse in ihrem Zusammenhang enthält. Das ist zweifellos eine sehr sinnvolle Vorgabe. Und wer das Glück hat, die Messe in einer Gemeinde besuchen zu können, die heute keinen „Liturgiefreien Tag“ hat und tatsächlich alle vorgesehenen Lesungen vorträgt, könnte das dort sogar hören.

Kompendium der überlieferten Liturgie

Bild: Von der Website des Autors, http://www.lmschairman.org/Seit 2012 hat die Internationale Konföderation Una Voce unter maßgeblicher Mitarbeit von Joseph Shaw eine Reihe von Positionspapieren zu Fragen um die überlieferte Liturgie und Lehre der Kirche veröffentlicht. Mit Nr. 33 „The sanctoral Circle of the Extraordinary Form“ ist die Serie nun (zumindest vorerst) abgeschlossen. Alle diese Papers können als PDF kostenlos von der Website der Föderation heruntergeladen werden. Die ersten 27 Positionspapiere sind bereits seit einiger Zeit auch in einer preiswerten „Print-on-Demand“ Ausgabe erhältlich. Eine frühere Version von 2015, die 23 Texte enthielt, hatten wir seinerzeit hier kurz vorgestellt.

Nun hat Joseph Shaw die 33 vorliegenden Texte noch einmal gründlich überarbeitet und mit einem neuen Vorwort von Kardinal Raymond Burke als reguläres Buch bei Angelico Press ( ) herausgebracht. Der Band umfasst 432 Seiten und ist als preiswertes Taschenbuch (19,95$) und in einer leinengebundenen Bibliotheksausgabe erhältlich.

Titel der neuen Ausgabe ist „the Case for Liturgical Restauration“. Shaw beschreibt die Zielsetzung dieser Ausgabe folgendermaßen:

Worum geht es eigentlich bei der außerordentlichen Form? Warum ist sie wichtig? Was kann sie zum Leben der Kirche hier und heute beitragen? Der Band nimmt die heute am meisten umstrittenen Fragen der Liturgie auf: die „aktive Teilnahme“, die Rolle der Laien, die Gebetsrichtung gen Osten, das Ausmaß von Stille, den Gebrauch lateinischer und gregorianischer Gesänge, der allein Männern vorbehaltene Dienst im allerheiligsten, die kniend und auf die Zunge empfangene Kommunion, der Kalender, das Lektionar, Fragen des Schleiers und des Fastens, die Erfordernisse der Neuevangelisierung.

Die einzelnen Abschnitte zeigen die eigene innere Logik des überlieferten Ritus und die Form seines Gottesdienstes und der Heiligung der Seelen, die sikch oft deutlich von der reformierten Liturgie unterscheidet. Daraus resultieren viele Mißverständnisse und eine Kritik, die gelegentlich völlig am Kern der Sache vorbei geht.

Dieses Buch kann daher allen nützlich sein. Diejenigen, die sich bereits für den Usus Antiquor entschieden haben, können daraus ein tieferes Verständnis seines Wertes gewinnen und das auch besser zum Ausdruck bringen. Katholiken, die von den der Tradition folgenden Glaubensbrüdern (und ihren eigenen Vorfahren im Glauben) befremdet sind, gewinnen eine neue Perspektive. Bei allen wird die Wertschätzung für das reiche liturgische Erbe der Kirche wachsen.“

Zusätzliche Informationen