Bereichsnavigation Themen:

Reichtum der Riten

Bild: Screenshot aus dem genannten VideoDie Liturgiereform Pauls VI. hat auch den altehrwürdigen Ritus des hl. Ambrosius von Mailand bis zur Unkenntlichkeit verändert und „romanisiert“. Die überlieferte Form wurde dort ebenso zurückgedrängt und untersagt wie in der ganzen Kirche. Seit Jahresbeginn 2015 wird nun wieder jeden Sonn- und Feiertag in der Chiesa di Santa Maria della Consolazione al Castello ein gesungenes Amt nach der 1954 von Ildefons Cardinal Schuster promulgierten Form gefeiert. Die Church Music Association of America hat das Hochamt vom 2. März dieses Jahres aufgenommen und in Youtube eingestellt.

Der eher ungünstige Blickwinkel der Aufnahme läßt vor allem den überreichen Einsatz von Weihrauch als besonderes Kennzeichen des Ritus hervortreten. Die musikalische Gestaltung und die Besonderheiten des Ambrosianischen Chorals kommen jedoch gut zur Geltung. Auf New Liurgical Movement wird außerdem eine kurze Einführung zu den Besonderheiten des Ritus gegeben, die die Orientierung wesentlich erleichtert.

Karwoche im Ritus vor 1951 - II

Bild: Wikimedia commonsInzwischen sind weitere Einzelheiten zur in diesem Jahr erstmals offiziell ermöglichten Feier der Liturgie in der Karwoche nach den „unreformierten“ Büchern bekannt geworden. Danach wurde die Erlaubnis auf Bitten des nordamerikanischen Distrikts der Petrusbruderschaft von der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei erteilt und zunächst ad experimentum auf drei Jahre beschränkt. Die Tatsache, daß auch die Benediktiner von Toulon eine vergleichbare Erklaubnis erhalten haben, läßt dabei eine gewisse Flexibilität erkennen. Das Indult ist mit der Auflage verbunden, bei der Fürbitte für die Juden die 2008 von Papst Benedikt vorgeschriebene neue Fassung zu verwenden. Eine weitere Auflage scheint zu sein, diese Erlaubnis nicht groß öffentlich zu machen und mit katechetischen Einführungen zu den Besonderheiten dieser traditionellen Form zu verbinden. Jedenfalls werden die uns bisher bekanntgewordenen Fälle der Anwendung dieses Indults jeweils nur in den Pfarrbriefen der jeweiligen Apostolate mitgeteilt und sind mit der Ankündigung entsprechender Zusatzinformationen verbunden.

Neben den bereits mitgeteilten Fällen in Los Angeles und Saint Benoit sind uns bisher vier weitere Gemeinden bekannt geworden - die Links verweisen jeweils auf das PDF des aktuellen Gemeindebriefs:

Insgesamt, so heißt es, soll das Indult 2018 in über 20 Gemeinden genutzt werden.

Die wichtigsten Unterschiede der traditionellen Form gegenüber der in den Jahren 1951 - 1955 und dann noch einmal 1970 reformierten Form sind folgende:

Weiterlesen...

Kleine Zeitreise in Lyon

Screenshot aus dem genannten VideoGestern berichteten wir von der Erlaubnis für einige Apostolate der Petrusbruderschaft, die Karwochenliturgie nach der Liturgie vor dem Beginn der Reformen 1951 zu feiern. Gleichzeitig erfahren wir auf New Liturgical Movement, daß die Petrusbruderschaft in Lyon regelmäßig die hl. Messe im alten Ritus von Lyon zelebiert. Derzeit nur in der Form der stillen Messe, eine Ausweitung auf die Form des gesungenen Amtes ist geplant. Ein kurzes Video vom Ablauf um das Pater Noster - dem wir auch die Abbildung entnehmen - gibt einen Eindruck von einigen Besonderheiten dieses Ritus.

Bei der Stillen Messe und wohl auch beim gesungen Amt kommen die Besonderheiten der Liturgie von Lyon freilich nur in geringem Maße zum Ausdruck. Lyon war der Primatialsitz Galliens lange bevor es ein Frankenreich gab, seine Gründung geht bis ins 2. Jahrhundert zurück. Die Liturgie wurde dort außerordentlich aufwendig gefeiert und hat trotz weitgehender Angleichung des Missales an das römische in Einzelriten und -zeremonien viele Eigenarten bewahrt.

Den Einzug zum feierlichen Pontifikalamt beschreibt Archdale King so:

  • Zuerst sieben Akolythen in roter Soutane mit Schleppe und Albe als Kerzenträger,
  • Träger des Vortragekreuzes und die Dienste für Mitra und Bischofsstab in Rauchmänteln
  • Sieben Subdiakone in Tunika, von denen einer das erbischöfliche Kreuz trägt,
  • Sieben Diakone in Dalmatik, von denen einer den Bischofsstab trägt,
  • Sechs konzelebrierende Priester in Kasel,
  • Dann der erzbischöfliche Zelebrant selbst, begleitet von zwei Priestern im Rauchmantel als Dienste des Gremials (=reich geschmücktes Tuch, auf dem der Bischof während er auf dem Thron sitzt die Hände ablegt)
  • Der Schleppenträger des Erzbischofs und danach vier Träger der bischöflichen Insignien Buch, Mitra, Maniple und Bugia (=Leuchter)

Ein Artikel auf New Liturgical Movement von 2010 enthält Illustrationen, die einen Eindruck von der Choreographie geben, in der sich dieser Hofstaat im Altarraum bewegte. Alles in allem kann dieser Eindruck kaum weniger großartig gewesen sein als der eines päpstlichen Hochamtes - durchaus angemessen für das Selbstverständnis des Primas der "ältesten Tochter der Kirche". Ein Film aus dem Jahr 1954 zeigt einige wenige Momente aus einem nach diesem Ritus gefeierten Pontifikalamt.

Trotz dieser großen Unterschiede zur Form der Messfeier in Rom oder anderswo bleibt es zweifelhaft, ob es sich dabei wirklich um einen eigenen Ritus oder nur einen lokalen Usus handelt. Das Kernstück des römischen Ritus, der Canon Romanus, war bei all diesen Lokal- und Ordensriten stets der gleiche - von minimalen Varianten in der Wortstellung oder in den Heiligenlisten einmal abgesehen. Die Unterschiede betreffen die Gesten und teilweise auch den Zeitpunkt, zu dem bestimmte Aktionen (z.B. die Bereitung der Opfergaben) vorgenommen wurden, und dann, wie am Pontifikalamt von Lyon besonders deutlich, das äußere Zeremoniell, das offenbar in großer Freiheit gestaltet werden konnte - solange es sich dabei auf Traditionen aus unvordenklicher Zeit stützen konnte.

Jedenfalls ist es höchst erfreulich, daß die Petrusbruderschaft von Lyon diesen ehrwürdigen Usus vor der Vergessenheit bewahrt - auch wenn es schwer vorstellbar ist, daß auch wieder einmal ein Pontifikalamt in dieser Form zelebriert werden könnte.

Und in Deutschland? Köln, übernehmen Sie!

Karwoche im Ritus vor 1951

Bild: ISPNIm Apostolat der Petrusbruderschaft in Los Angeles wird in diesem Jahr die Liturgie der Karwoche nach den Büchern gefeiert, die in der römischen Kirche vor 1951 in Gebrauch waren. Bekanntlich hatte in diesem Jahr mit der Publikation des Ordo Sabbati Sancti instaurati die Kette der Reformen und Deformationen eingesetzt, die römischen Ritus im Lauf der folgenden 20 Jahre bis zur Unkenntlichkeit veränderten. Im Gemeindebrief von St. Victors, in dem P. Fryar die Mitglieder seiner Gemeinde über diese Planung informierte, findet sich der bemerkenswerte Satz:

Wir freuen uns sehr, daß wir zusammen mit einigen weiteren Apostolaten der Bruderschaft von Rom für drei Jahre das Privileg erhalten haben, ad experimentum die heilige Woche in der Form feiern zu dürfen, die vor dem Jahr 1951 üblich war.

Leider konnten wir bisher keine weiteren Informationen über die Natur dieses Privilegs auffinden – wer dieses Privileg erteilt, wer es erbeten und erhalten hat, ob es vielleicht auch in Deutschland oder Europa eine ähnliche Regelung gibt, bleibt vorerst im Dunkeln. Wir werden aber die Dinge weiter beobachten, um zu sehen, ob man in San Francisco tatsächlich im vollen Umfang auf die Praxis von vor 1951 zurückgeht, oder ob man eine kluge Auswahl trifft. Der 1951 „ad experimentum“ erlassene Ordo Sabbati sancti instaurati hatte auf der einen Seite ermöglicht, die bis dahin sämtlich am Samstagvormittag gefeierten Teile der Auferstehungsliturgie von der Weihe des Osterfeuers bis zur Ostermesse wieder in die Osternacht zu verlegen – was auch heute noch als ein äußerst sinnvoller Schritt angesehen werden muß. Auf der anderen Seite hatte der neue Ordo bereits tiefe und teilweise sinnwidrige Eingriffe in Bestand und Ablauf der Zeremonien vorgenommen, die unschwer als Ausdruck des Geistes der später auf die ganze Liturgie ausgedehnten Deformationen erkennbar sind.

Wünschenswert erscheint daher zunächst die Beibehaltung der liturgischen Form von vor 1951 bei Nutzung der in diesem Jahr eröffneten Möglichkeit, die der Messe vorausgehenden Teile als Vigil am späten Samstagabend zu feiern.

Den Hinweis auf die Ankündigung von St. Victor/Los Angeles verdanken wir dem Blog Beobachtungen aus dem Exil, das seit Jahresbeginn den in den letzten Jahren leiser gewordenen Chor traditionsorientierter Stimmen im Internet verstärkt. 

Nachtrag:

Ein Leser aus Kopenhagen teilt uns mit, daß auch im Benediktinerkloster Saint Benoit im französischen Bistum Frejus-Toulon die Karliturgien mit römischer Erlaubnis im unreformierten Ritus gefeiert werden. Hier kann man den Newsletter downloaden.

Quatembertage der Fastenzeit

Bild: http://veracidadchannel.com/_site/sabias-14-monte-sinai/In diesem Jahr haben hochrangige Feiertag die Fastenquatember fast völlig verdrängt. Da diese Tage liturgisch und inhaltlich besonders ausgezeichnet sind, hier eine Erinnerung.

Die Quatembertage der Fastenzeit vermitteln in ihren bis in die Zeit vor Gregor dem Großen zurückgehenden Lesungen einen eindrucksvolles Programm der Buße und Umkehr. Genauer genommen sind es nur der Mittwoch und der Samstag – der Donnerstag gehörte nie zur Quatember, und der Freitag kam erst später hinzu, als das Schema von „eine Lesung – ein Evangelium“ bereits etabliert war.

Der Mittwoch bringt aus dem 2. Buch Mose 24 den Bericht vom Anruf des Herrn an den Führer des auserwählten Volkes, den Berg Sinai zu besteigen, um dort das Gesetz entgegen zu nehmen.

„Als Moses hinaufgestiegen war, verhüllte eine Wolke den Berg. Und die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf dem Sinai nieder und verhüllte ihn mit der Wolke sechs Tage. Am siebten Tage aber rief Er Moses aus der Mitte des Wolkendunkels“.

Hier wiederholt sich nicht nur die Siebenzahl des Schöpfungsberichtes – hier wird auch verdeutlicht, welcher Mühen und welcher Vorbereitung es bedarf, dem Herrn gegenübeer zu treten. Auch die zweite Lesung (3. Buch der Könige, 19) berichtet vom Weg auf einen Berg, als der Prophet Elias auf der Flucht der Verzweiflung nahe war und ein Engel im den Willen und die Kraft gab, den weiten Weg zum Gottesberg Horeb auf sich zu nehmen. Was dann auf den Bergen geschah, wird an beiden Tagen in der Lesung nicht vorgetragen. Offenbar sind wir noch nicht so weit. Warum, das deutet das Evangelium an, wenn es Jesu Aufruf zu Buße und Umkehr aus Matthäus 12, 38-50 wiederholt.

Weiterlesen...

Zusätzliche Informationen