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Pro Eligendo Summo Pontifice

Das Wappen in der SedisvakanzOration aus der Messe Pro Eligendo Summo Pontifice Romano nach der überlieferten Liturgie:

Supplici, Domine, humilitate deposcimus: ut sacrosanctæ Romanæ Ecclesiæ concedat Pontificem illum tua immensa pietas; qui et pio in nos studio semper tibi placitus, et tuo populo pro salubri regimine sit assidue ad gloriam tui nominis reverendus.“

In der deutschen Übersetzung des Schott von 1963:

In tiefer Demut flehen wir Dich an, o Herr: Deine unermeßliche Vaterliebe wolle der hochheiligen römischen Kirche einen Hohenpriester gewähren, der ob seiners väterlichen Eifers für uns Dir stets wohlgefalle, bei Deinem Volke aber wegen seiner segensvollen Regierung immer hoch in Ehren stehe zum Ruhme Deines Namens.“

Durandus' „Rationale“ auf Deutsch

Das TitelblattNun, nicht das ganze Werk mit je nach Ausgabe weit über 1000 Seiten, aber mit dem IV. Buch über die Heilige Messe sicher einer seiner wichtigsten Teile.

Das „Rationale Divinorum Officiorum“ des Guilelmus Durandus († 1296), Bischof von Mende und Mitarbeiter von Papst Bonifaz VIII. an der römischen Kurie, bildet den Höhepunkt und die Summe des liturgischen Denkens des Mittelalters. Es entsprang der damals dominierenden allegorischen Schule, die die Liturgie als unerschöpflichen Fundus symbolischer Repräsentationen des heilsgeschichtlichen Geschehens ausdeutete. Ausdeutete - das heißt nicht im Sinne heutiger Wissenschaftlichkeit „erklärte“, um die Entstehung der Liturgie oder die Absichten ihrer „Schöpfer“ darzulegen.

Das mittelalterliche Denken war sehr stark von dem Gedanken der umfassenden Ordnung und einer allgegenwärtigen Harmonie in der Schöpfung bestimmt. Entwicklungs- oder Wirkungszusammenhänge, die uns heute fast ausschließlich interessieren, wurden kaum beachtet. Die hl. Messe galt diesem Denken nicht als etwas gewachsenes und entstandenes und noch viel weniger als etwas machbares: Sie war so, wie sie war, und man konnte sie erklären und verstehen, indem man der in ihr verborgenen Ordnung und den darin enthaltenen Bildern und Gleichnissen nachspürte. Sie gaben dem frommen Sinn von Klerikern und Gläubigen alles, was sie brauchten, um die heiligen Geheimnisse im Rahmen ihrer Vorstellungskraft mitzufeiern.

Das „Rationale“ besteht aus 8 Büchern, die einen umfassenden Überblick über das gesamte liturgische Leben der Kirche in ausgehenden Hochmittelalter geben:

  1. Kirchengebäude und ihre Ausstattung,
  2. Kirchliche Ämter und ihre Funktionen,
  3. Gewänder und Insignien der Priester, Bischöfe, Äbte usw.,
  4. Die hl. Messe,
  5. Das Stundengebet,
  6. Das Kirchenjahr vom 1. Advent bis zum 26. Sonntag nach Pfingsten,
  7. Die Feste der Heiligen
  8. Kalendarium und Kalenderkunde.

Titelbild der NeuerscheinungDas Werk wurde als so wichtig angesehen, daß schon früh nationalsprachliche Übersetzungen entstanden. Darunter ist auch eine Übersetzung ins Mittelhochdeusche, die Herzog Albrecht III. von Östereich Ende des 14. Jh. für sich anfertigen ließ. Das „aufgeklärte“ Denken der Neuzeit hatte für die allegorische Messerklärung wenig mehr als Verachtung, daher gab es bis jetzt auch keine moderne deutsche Übersetzung. 

Mit der zunehmenden Einsicht in die Fruchtlosigkeit eines einseitig dem „Paradigma der Moderne“ verpflichteten Denkens für die Theologie bahnt sich hier ein Umschwung an. Von daher ist es durchaus folgerichtig, daß der hauptsächlich der Wiederentdeckung verschütteter und zu Unrecht verworfener Schätze der Tradition verpflichtete Carthusianus-Verlag jetzt eine Teilübersetzung des „Rationale“ herausgebracht hat, die von Claudia Barthold besorgt worden ist. Wir haben eine ausführlichere Vorstellung dieses IV. Buches in Vorbereitung, wollen die Anhänger der überlieferten Liturgie jedoch rechtzeitig vor Weihnachten auf diese Neuerscheinung hinweisen, die vom Meinungskartell der modernistischen Hochschultheologie nach bewährtem Muster ignoriert wird.

Die Vollform der römischen Liturgie

Blick von der Empore in den Altarraum

Levitenamt in St. Afra an Allerheiligen

So, wie in der lateinischen Kirche (und nicht nur dort) der Bischof der eigentliche Seelsorger einer Stadt oder eines Gebiets ist, dem die Priester, Diakone und anderen Amtsträger zugeordnet sind, ist das Pontifikalamt und davon abgeleitet das levitierte Hochamt die eigentliche Grundform der lateinischen Liturgie. Im kirchlichen Alltag dominieren freilich seit langem einfachere Formen. Teils aus praktischen Gründen weil es in Ländern wie Deutschland bis in die Gegenwart nur wenige Diözesen mit entsprechend wenigen Bischöfen gibt und auch vielerorts nicht genug Kleriker zur Feier eines Levitenamts zur Verfügung standen und stehen. Teils aber auch mit theologischem Hintergrund: Die richtige Einsicht, daß jede Feier der hl. Messe unvergleichlichen Wert hat, führte in Verbindung mit den praktischen Gründen zu einer Überbewertung der Zahl „gelesener" Mesen und einer gewissen Geringschätzung der kultischen Elemente in der Liturgie. Der Aufstieg der stillen Messe des Einzelzelebranten und der „Privatmesse" war die Folge.

Das Missale von Trient, das im wesentlichen die Form der Einzelmesse festschrieb, verlieh dieser Entwicklung den Anschein der Folgerichtigkeit. Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben viele Katholiken nie eine andere Form der Messfeier erlebt als die ganz stille oder mit deutschen Liedern begleitete Messe eines Priesters nach den Mindestvorgaben des Missale Romanum. Die Liturgiereform hat zwar mit der „Gemeindemesse" einen Gegenentwurf zur stillen Messe aufgestellt, diesen jedoch gleich doppelt wieder relativiert: Zum einen durch die erstaunliche Neuerung, daß Priester nun unter bestimmten Bedingungen die Messe ganz ohne Anwesenheit auch nur eines weiteren Gläubigen feiern dürfen. Zum anderen durch eine weitgehende Nivellierung der rituellen Formen, die als wesentlichen Unterschied für die verschiedenen Stufen der Feierlichkeit praktisch nur noch den Einsatz des Weihrauchs kennt. Die überbordende Praxis der Konzelebration und des Einsatzes von Laienhelfern zu jeder Gelegenheit lässt die Liturgie vielerorts als einen nachgerade sinnfreien Ausdruck von Geschäftigkeit erscheinen.

Daß viele traditionsorientierte Katholiken demgegenüber die stille Messe als authentische Form der lateinischen Liturgie betrachten, ist durchaus verständlich – der wahren Tradition des Ritus wird das aber kaum gerecht. Leider besteht aber nur an den wenigsten Orten, an denen regelmäßig die überlieferte Liturgie gefeiert wird, die Möglichkeit, diese Liturgie öfter in ihrer Vollform zu zelebrieren. Einer dieser Orte ist das Berliner Institut St. Philipp Neri, in dessen Kirche St. Afra man inzwischen zu fast allen höheren Festen Levitierte Hochämter erleben kann. In der Woche, die mit dem Fest Christkönig beginnt, das nach dem traditionellen Kalender am letzten Sonntag im Oktober gefeiert wird, und an den darauf folgenden Festen Allerheiligen und Allerseelen finden so innerhalb weniger Tage drei Liturgien statt, die nicht nur nach den Texten, sondern auch nach ihrer rituellen Gestalt der über tausendjährigen Tradition des römischen Ritus entsprechen.

Das ISPN hat aus Photos von den Liturgien dieser drei Festtage eine Bilderschau zusammengestellt und auf seiner Website veröffentlicht, der wir auch unser Bild entnommen haben.

Neue Bücher für die alte Liturgie

Zwei Neuerscheinungen sind zu melden: Ab morgen wird die Neuauflage des Rituale Romanum ausgeliefert, die der Verlag Nova et Vetera auf der Grundlage der Editio Typica von 1952 herausbringt. Das war die letzte Ausgabe vor den Reformen. Allerdings wurden in den Jahren bis 1957 noch weitere Segnungen approbiert - auch diese sind in der Neuauflage enthalten. Das Imprimatur für diese Fassung erteilte - wie schon beim ebenfalls von Nova et Vetera produzierten Brevier - Bischof Hanke von Eichstätt.

Die große Besonderheit der aktuellen Ausgabe besteht darin, daß sie die Psalmen wieder in der traditionellen Version nach der Vulgata enthält. Die Ausgabe von 1952 und die alte Neuauflage von 1957 enthielt die revidierten lateinischen Psalmen, wie sie von der Kommission um Kardinal Bea erarbeitet worden waren. Deren Gebrauch wurde zwar nie verpflichtend vorgeschrieben, erschien dem auf Neuerung um jeden Preis verpflichteten Zeitgeist jedoch unvermeidlich.

Als zweite Neuerscheinung ist ein neues Missale Romanum nach dem Stand von 1962 zu nennen, das schon seit einigen Wochen zu bekommen ist. Die Zusammenstellung erfolgte durch eine Priestergruppe unter der Leitung von P. Martin Ramm FSSP. Die Druckerlaubnis für diese Ausgabe hat der Churer Bischof Vitus Huonder erteilt.

Die neue Ausgabe hat das klassische Format Rückenhöhe 31 cm, Stärke 6 cm, Gewicht etwa 3 kg. Das Buch ist in echtes Leder gebunden, hat traditionellen Goldschnitt und ist mit den üblichen Lesebändern und Grifflaschen ausgestattet. Weitere Einzelheiten bietet introibo.net - dort finden Sie auch ein Bestellformular, mit dem Sie das Missale zum Preis von 180,- Euro bestellen können.

Etwa gleichzeitig mit den lateinischen Ausgaben von Rituale und Missale erscheint in der Reihe der Pius-Parsch-Studien beim Echter Verlag ein Reprint der deutschen Übersetzung des Rituale Romanum 1925, die Paulus Lieger 1936 im Rahmen der Klosterneuburger liturgischen Schriften herausbrachte. Bei Echter noch nicht im Online-Katalog.

Die Zweigestaltigkeit des einen Römischen Ritus

Der Priester erhebt die gewandelte HostieWie bestellt zum 5. Jahrestag des Inkrafttretens von Summorum Pontificum erreicht uns ein weiterer Beitrag von Clemens Victor Oldendorf, der eine weitere Präzisierung der rechtlichen Stellung der „Außerordentlichen“ Form des römischen Ritus und ihres Verhältnisses zur praktisch doch gewohnheitsmäßig „unordentlich“ zelebrierten „ordentlichen Form“ unternimmt. Der Begriff der „liceitas“, den die Präambel für eine Rekonziliation der Piusbruderschaft für die Liturgie Papst Pauls VI. beansprucht, bildet hier nur den Ausgangspunkt für wesentlich weiter gehende Überlegungen. Sie reichen bis zu der bemerkenswerten Feststellung, daß - alleine nach kanonistischen Maßstäben betrachtet - „bei einer Reform der Reform, wenn diese langfristig wieder in eine einzige Gestalt des Römischen Ritus münden soll, die außerordentliche Form sich eher an der ordentlichen Form orientieren müsste als umgekehrt“.

Zum Text von C.V. Oldendorf

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