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Alte Liturgie am Passionssonntag

Bild: https://www.katholische-kirche-fritzlar.de/fritzlar/gemeindeleben/gemeindeleben2013/2013-03-17-passionssonntag.phpDa der Passionssonntag das Eingangstor zur Leidenszeit des Herrn bildet und seine Liturgie seit alters her einige Besonderheiten aufweist, gibt es für diesen Sonntag bei den Liturgikern des hohen Mittelalters ausführlichere Beschreibungen als sonst üblich. Aus dem 5. Buch des Liber de Divinis Officiis des Rupert von Deutz (um 1070-1129) wissen wir daher, daß das Proprium dieses Sonntages fast auf den Punkt genau ebenso aussah wie nach dem Missale Romanum von 1962, das heute für die Feier der hl. Messe im überlieferten Ritus verbindlich ist. Natürlich wissen so etwas auch die Religionspädagogen und Liturgiewissenschaftler, die gerne vom im 16. Jahrhundert entstandenen Ritus von Trient faseln. Sie geben sich dadurch als Ideologen oder Propagandisten zu erkennen, denen es um Wissen und Wissenschaft zuletzt geht.

Rupert von Deutz nennt für den Introitus den Psalm 42, der damals möglicherweise noch ganz gesungen wurde – heute sind nur noch die Verse 1 und 2 vorgeschrieben. Das Evangelium war damals die Stelle aus dem 8. Kapitel des hl Johannes, nach der Jesus die Anhänger der Pharisäer durch seinen Anspruch, die Verkörperung der Wahrheit zu sein, so reizte, daß „sie Steine auf, um nach ihm zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging weg aus dem Tempel“. Eben diese Stelle (Joh. 8, 46-59), die Auskunft darüber gibt, warum sich die Wut dieser herrschenden Fraktion der Juden gegen Jesus richtete, wird heute noch in der überlieferten Liturgie gelesen.

Die Epistel läßt sich anhand des von Rupert als Kernsatz zitierten Verses ebenso genau bestimmten: „Der Apostel sagt: ‚Christus ist gekommen als der Hohepriester der künfigen Güter und durch das erhabene und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht ist, in das Heiligtum hineingegangen‘“ Das stammt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Hebräer (9,11), dessen Abschnitte 11-15 die Lesung im überlieferten Missale bilden. Sogar das Graduale, von dem Rupert nur einen Vers angibt, stimmt offenbar mit dem aus dem „tridentinischen“ Messbuch überein: „O Herr, errette mich von meinen Feinden, lehr Deinen Willen mich vollbringen. (Psalm 42, 9 und 10). Ebenso der Traktus „Sie feindeten gar oft mich an von Jugend auf...“ aus dem Psalm 128 1-4. Die gleiche Übereinstimmung gilt für Offertorium und Communio. Nicht erwähnt sind bei Rupert Secreta und Postcommunio, die zwar ebenfalls zu den seit früher Zeit gebräuchlichen Gebeten der hl. Messe gehören, aber nach Ort und Zeit flexibler gehandhabt wurden.

Dafür ist noch eine bemerkenswerte Übereinstimmung im Bereich der Rubriken zu erwähnen. Die Ferialtage vom Passionssonntag bis zum Gründonnerstag weisen als Besonderheit auf, daß im Staffelgebet der am Passionssonntag zum Introitus gebetete Psalm Judica entfällt und zum Gebetsasbschluß in Messe und Stundengebet nicht das sonst übliche Gloria Patri gebetet wird. Auch diese Regelung wird bereits bei Rupert von Deutz als „bei einigen Gemeinschaften gebräuchlich“ erwähnt und in den Grundtenor des „er verbarg sich und ging weg aus dem Tempel“ eingeordnet:

Denn dieser Vesikel, wiewohl er nur kurz ist, stellt in besonderem Maße einen ausdrücklichen und der heiligen Dreifaltigkeit eigentümlichen Lobpreis dar und weist so durch sein Verstummen auf die Verlassenheit und das Verstummen unseres Hauptes hin, das nicht mehr öffentlich umhergeht.

Karwoche im Ritus vor 1951 - III

Bild: John Sonnen, http://orbiscatholicus.blogspot.de/2008/02/return-classical-rite-at-pantheon_26.htmlDie in diesem Jahr für einige Orte erteilte Sondergenehmigung zur Feier der Heiligen Woche nach den Büchern von vor 1951 ist mit der Auflage verbunden, zwei Regelungen aus den nach diesem Stichjahr vorgenommenen Änderungen des Ritus zu befolgen: Als Fürbitte am Karfreitag ist die 2008 von Papst Benedikt für die überlieferte Liturgie vorgeschriebene Form zu verwenden, und für die seinerzeit bereits am Vormittag des Karsamstags begangenen Gottesdienste ist die im Jahr 1951 als Option eingeführte Neuregelung der Zeiten für die Osternacht obligatorisch. Damit wird unter anderem verhindert, daß vom Samstag auf den Ostersonntag in einer Kirche zwei Osternachtfeiern nach unterschiedlichem Ritus stattfinden. Insoweit bleibt die aktuelle Regelung hinter der 2011 in Universæ Ecclesiæ (Abs. 33) eröffneten Möglichkeit zurück, „eine Wiederholung der Gottesdienste des österlichen Triduums nicht auszuschließen“.

Mit der Bestimmung, die neue Karfreitagsfürbitte von 2008 zu verwenden, erspart Ecclesia Dei den Gemeinden, die von der nun erteilten Genehmigung zur Verwendung des unreformierten Ritus Gebrauch machen, sich in aufreibende Diskussion unter ihren Mitgliedern, mit den Anhängern des neuen Ritus oder mit einer gegen die Kirche gerne den Antisemitismus-Vorwurf erhebenden Öffentlichkeit zu verwickeln. In diesem Zusammenhang ist ein Rückblick auf die Situation des Jahres 2007 sinnvoll, als die Freigabe der Feier der hl. Messe im überlieferten Ritus unmittelbar bevorstand.

Diese Freigabe wurde in zahlreichen nationalen Episkopaten erbittert abgelehnt – in Deutschland, wo man sich als eines der Kernländer der Liturgischen Bewegung und der auf sie zurückgeführten Reformen betrachtet, ganz besonders. Am 4. April veröffentlichte daher der „Gesprächskreis ‚Juden und Christen‘ beim Zentralkommitte der der Deutschen Katholiken“ eine Stellungnahme, die das in den Augen ihrer Verfasser schwerst denkbare Geschütz gegen die befürchtete Regelung in Stellung brachte. Unter Berufung auf den Dreizeiler in Nostra Aetate zur Beschreibung eines angeblich grundlegend neuen Verhältnisses der Kirche zum Judentum (auch damals war schon vom ‚Paradigmenwechsel‘ die Rede) befürchtete der Gesprächskreis „eine nachhaltige Störung des seit dem Zweiten vatikanischen Konzils (sic!) so hoffnungsvoll begonnenen katholisch-jüdischen Dialogs. … Wir hoffen, dass Papst Benedikt XVI. diese Beschädigung der christlich-jüdischen Beziehungen nicht zulassen wird.“

Diese brisante Befürchtung (oder war es nicht eher eine Drohung?) wurde von den deutschen Medien bereitwillig aufgegriffen und bestimmte für einige Tage die öffentliche Diskussion in einem Ausmaß, das kirchlichen Themen sonst nur selten zuteil wird. Papst Benedikt ließ sich durch den davon ausgehenden Druck jedoch nicht beeinflussen. Summorum-Pontificum wurde bekanntlich am 7. Juli 2007 veröffentlicht und trat zum 14. September dieses Jahres in Kraft. Noch bevor 2008 erstmals wieder die Karwochenliturgie nach den Bestimmungen des motu proprio gefeiert wurde, gab der Papst der ins Zwielicht gerückten Fürbitte eine neue Form. Diese erwies sich tatsächlich als geeignet, den von kirchlichen Gremien und kirchenfeindlichen Kräften in trauter Gemeinsamkeit entfachten „Skandal“ zu entschärfen, ohne inhaltliche und nach der überlieferten Lehre unzulässige Zugeständnisse zu machen. Von daher ist ihre Vorgabe für die nun punktuell mögliche Feier der Karfreitagsliturgie nach den Büchern von vor 1951 durchaus sinnvoll und zu begrüßen.

Summorum-pontificum.de hat damals eine Analyse der alten Form von vor 1951, der überaus zweifelhaften Form des Missales von 1970 und dem neugeschaffenen Text von 2008 vorgenommen, die auch heute noch ihre Gültigkeit hat.

Das Bild von John Sonnen zeigt die Aufnahme von einer Karfreitagsliturgie des Jahres 2008 im römischen Pantheon, bei der Diakon und Subdiakon die vor 1951 zu dieser Liturgie übliche „gefaltete Kasel“ (planeta pliccata) tragen. Die Verwendung dieser Sonderform war auch damals nicht obligatorisch, sondern erfolgte nach Maßgabe der jeweiligen Möglichkeiten.

Triangel und Arundo

Bild: Modifiziert aus dem genannten ArtikelEin Leser macht uns darauf aufmerksam, daß der hier am 6. gezeigte ‚Triangel‘ jedenfalls nicht der Idealform dieses sehr speziellen Leuchters für das Osterfeuer entspricht. Er verweist auf einen im Netz einsehbaren Artikel von Andreas Schmid aus der Zeitschrift für christliche Kunst, Jahrgang 1906, Nr. 8, dessen wesentlichen Inhalt samt Abbildung wir hier gerafft wiedergeben.

Demnach soll nach dem Rubrizisten Gaetano Merati und anderen die Kerze aus einer einzigen Wachskerze bestehen, die sich nach oben zu in drei Stränge teilt – das soll die Einheit Gottes und die Dreiheit der Dreifaltigkeit symbolisieren. Erklärt wird das aus Römer 6,4, wo es heißt, Christus sei von den Toten auferweckt worden durch den Geist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Weiterhin führt der Text aus:

Es ist daher ganz mißverstanden, wenn man nur drei Kerzen wie auf einem dreiarmigen Tafelleuchter aufsteckt, weil der Ursprung aus einem einheitlichen Wesensstoffe fehlt; ebenso ist es mißverstanden, die drei Kerzen in gerade Linie nebeneinander 2-1-3 aufzustecken statt in Dreiecksform (…), weil bei ersterer Anordnung die Nebenkerzen als untergeordnet erscheinen.

Außerdem weist Schmid daraufhin, daß als Träger für den Triangel ein 1-2 m. langer Stab aus Schilfrohr (arundo) vorgeschrieben sei:

... weil der Schilf die Eigentümlichkeit hat, bei Sturmwind sich zu beugen und danach unversehrt siech wieder zu erheben. So eignet er sich zu einem Symbol des auferstandenen Christus, welcher in verklärter Schönheit am Ostermorgen aus dem Grabe sich erhob.

Zur Herkunft des Brauches merkt Schmid an, daß dieser wohl nicht auf die Kirche des frühen Mittelalters zurückgehe, sondern erstmalig im Ordo Romanus XV (von 1401) erwähnt werde und dann in die Spezialrubriken des Missales nach Trient übernommen worden ist.

Reichtum der Riten

Bild: Screenshot aus dem genannten VideoDie Liturgiereform Pauls VI. hat auch den altehrwürdigen Ritus des hl. Ambrosius von Mailand bis zur Unkenntlichkeit verändert und „romanisiert“. Die überlieferte Form wurde dort ebenso zurückgedrängt und untersagt wie in der ganzen Kirche. Seit Jahresbeginn 2015 wird nun wieder jeden Sonn- und Feiertag in der Chiesa di Santa Maria della Consolazione al Castello ein gesungenes Amt nach der 1954 von Ildefons Cardinal Schuster promulgierten Form gefeiert. Die Church Music Association of America hat das Hochamt vom 2. März dieses Jahres aufgenommen und in Youtube eingestellt.

Der eher ungünstige Blickwinkel der Aufnahme läßt vor allem den überreichen Einsatz von Weihrauch als besonderes Kennzeichen des Ritus hervortreten. Die musikalische Gestaltung und die Besonderheiten des Ambrosianischen Chorals kommen jedoch gut zur Geltung. Auf New Liurgical Movement wird außerdem eine kurze Einführung zu den Besonderheiten des Ritus gegeben, die die Orientierung wesentlich erleichtert.

Karwoche im Ritus vor 1951 - II

Bild: Wikimedia commonsInzwischen sind weitere Einzelheiten zur in diesem Jahr erstmals offiziell ermöglichten Feier der Liturgie in der Karwoche nach den „unreformierten“ Büchern bekannt geworden. Danach wurde die Erlaubnis auf Bitten des nordamerikanischen Distrikts der Petrusbruderschaft von der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei erteilt und zunächst ad experimentum auf drei Jahre beschränkt. Die Tatsache, daß auch die Benediktiner von Toulon eine vergleichbare Erklaubnis erhalten haben, läßt dabei eine gewisse Flexibilität erkennen. Das Indult ist mit der Auflage verbunden, bei der Fürbitte für die Juden die 2008 von Papst Benedikt vorgeschriebene neue Fassung zu verwenden. Eine weitere Auflage scheint zu sein, diese Erlaubnis nicht groß öffentlich zu machen und mit katechetischen Einführungen zu den Besonderheiten dieser traditionellen Form zu verbinden. Jedenfalls werden die uns bisher bekanntgewordenen Fälle der Anwendung dieses Indults jeweils nur in den Pfarrbriefen der jeweiligen Apostolate mitgeteilt und sind mit der Ankündigung entsprechender Zusatzinformationen verbunden.

Neben den bereits mitgeteilten Fällen in Los Angeles und Saint Benoit sind uns bisher vier weitere Gemeinden bekannt geworden - die Links verweisen jeweils auf das PDF des aktuellen Gemeindebriefs:

Insgesamt, so heißt es, soll das Indult 2018 in über 20 Gemeinden genutzt werden.

Die wichtigsten Unterschiede der traditionellen Form gegenüber der in den Jahren 1951 - 1955 und dann noch einmal 1970 reformierten Form sind folgende:

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