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Zur Form der Kommunionspendung

Bild: ISPNWenn Gläubige, die normalerweise an der Eucharistiefeier einer gewöhnlichen Gemeinde – d.h.im Allgemeinen mit Handkommunion – teilnehmen, mit der hl. Messe im außerordentlichen Ritus in Kontakt kommen, entstehen gelegentlich Schwierigkeiten beim Kommunionempfang. Wo diese nur auf die Unsicherheit zurückzuführen sind, was denn nun das angebrachte und richtige Verhalten wäre, lassen sich diese Schwierigkeiten in der Praxis leicht überspielen. Problematisch wird es, wenn jemand auf seinem vermeintlichen „Recht“ besteht und versucht, die stehende Handkommunion mehr oder weniger demonstrativ zu ertrotzen. Das kann zu unschönen und in jedem Fall unwürdigen Szenen führen.

Besonders problematisch ist es, wenn in einer Kirche hinsichtlich der Feier der Liturgie im überlieferten Ritus seitens des Bistums oder des Kirchenrektorats angeordnet wird, auf Wunsch auch die Handkommunion zu ermöglichen, um niemanden zu „diskriminieren“. Genau das war bisher der Fall in der Wallfahrtskirche von Altötting, wo – freilich erst nach einer entsprechenden Intervention von Ecclesia Dei – zwar die Messfeier in der überlieferten Form gestattet wird, aber nur unter der oben genannten Bedingung.

Eine Anfrage eines betroffenen Priesters bei Ecclesia Dei hat jetzt die geltende Rechtslage in aller wünschenswerten Klarheit bekräftigt:

In Beantwortung Ihrer E-Mail vom 12. April 2018 bezüglich Kommunionspendung während der Zelebration der Heiligen Messe in der forma extraordinaria bekräftigt diese Päpstliche Kommission, das die liturgischen Bestimmungen der forma extraordinaria eine Spedung der heiligen Kommunion in die Hände der Gläubigen nicht vorsehen.

Alle sind verpflichtet, die Nr. 28 der Instruktion Universae Ecclesiae zu befolgen, welche daran erinnert, daß das Motu proprio Summorum Pontificum alle Bestimmungen bezüglich der heiligen Riten, die seit 1962 erlassen wurden und mit den Rubriken der liturgischen Bücher unvereinbar sind, die 1962 in Geltung waren, außer Kraft setzt.

Aus pastoralen Gründen ist es gut, daß die Gläubigen, die an der Messe im Vetus ordo teilnehmen, über den Inhalt und die Gründe dieser liturgischen Bestimmungen (vor Beginn der Zelebration) informiert werden.“ (Quelle)

Diese Klarstellung – insbesondere auch der letzte hier zitierte Absatz – sollte dazu beitragen, unwürdige Situationen, wie sie gelegentlich bei der Kommunionspendung anläßlich von Wallfahrten oder Trauungen nach der überlieferten Liturgie zu beobachten sind, zu vermeiden.

Karwoche und Osternacht in Berlin, ISPN

Die Liturgie des Triduums und der Ostertage wurde im Berliner Institut St. Philipp Neri in diesem Jahr wie in den Vorjahren nach der Ordnung von 1962 zelebriert. Eine erste Bilderserie zeigt Aufnahmen aus der Osternacht. Weitere Serien sollen folgen.

Update 4. April: Jetzt sind auch Aufnahmen von der Karmette und der Liturgie vom Leiden und Sterben unseres Herrn am Karfreitag online. Noch in Arbeit sind die Bilder vom Gründonnerstag und dem Palmsonntag.

Die „planeta plicata“ der Karwoche

Bild: Aus dem zitierten Artikel in NLMNach der begrenzt und ad experimentum erfolgten Zulassung der Karwochen-Liturgie der Jahre vor 1950 wird in diesem Jahr zumindest in einigen Kirchen auch wieder ein ehedem in dieser Zeit verwandtes besonderes liturgisches Gewand zu sehen sein – die gefaltete Casel. New Liturgical Movement beschreibt in einem Artikel von Henri de Villiers die historische Entwicklung dieser „planeta plicata“, die lange Zeit hindurch nicht nur während der Karwoche, sondern an allen Tagen mit hervorgehobenem Bußcharakter in Gebrauch war. Wir skizzieren hier die großen Linien seiner Darstellung.

Das eigentliche „Dienstgewand“ der Kleriker in der Westkirche war seit dem 4. Jahrhundert die im weltlichen Bereich schon früher als Ehrengewand höherer Würdenträger eingeführte Casel. Schon in frühester Zeit wurde diese ursprünglich kreisrund in Art eines Poncho geschnittene Casel von den dienenden Klerikern wie Diakon oder Subdiakon entweder beschnitten (bis hin zur Form der „Baßgeige“) oder über den Armen gerafft und gefaltet, damit sie Hände und Arme frei hatten, um ihren Dienst zu versehen. Ihre gefaltete Casel wurde ab dem 5. Jahrhundert, im konservativen Rom erst ab dem 8. oder 9. Jahrhundert, durch die mehr Bewegungsfreiheit einräumende Dalmatik ersetzt. Allerdings waren diese Paramente mit einer feiertäglich-freudenvollen Konnotation verbunden, die bis auf den heutigen Tag (natürlich nur im überlieferten Ritus) in den Weihegebeten für die entsprechenden Ordinationsstufen zum Ausdruck kommt. Von daher wurde ihre Verwendung an Tagen mit betontem Buß- und Trauercharakter als unschicklich empfunden – nur an diesen griff man daher auf die Planeta Plicata zurück.

Entsprechend Baumstarks Gesetz von der Erhaltung des Alten in Liturgisch hochwertiger Zeit hat sich diese Übung bis ins 20. Jahrhundert erhalten und wurde in den Hochzeiten einer gelegentlich zum Pedantischen neigenden Rubrizistik auch von der Ritenkongregation mit Strenge geschützt. Vielleicht bildete das den psychologischen Hintergrund für die quasi als ersten Schritt der Liturgiereform erfolgte „Abschaffung“ dieses besonderen Gewandes – und die Bereitschaft, diese Reform anzunehmen und umzusetzen. Allerdings zeigt gerade dieser Umstand, daß das 20. Jahrhundert die geistige Grundhaltung verloren und aufgegeben hatte, die anderthalb Jahrtausende lang dem „Gesetz von der Erhaltung des Alten in liturgisch hochwertiger Zeit“ Geltung verschafft hatte. Ab jetzt war alles verfügbar - die Folgen sind bekannt.

Die Passion des Hohenpriesters

Bild: Byzantinisches Museum Nikosia, https://byzantinetrail.com/2018/01/19/some-selections-from-the-archbishop-makarios-iii-byzantine-musem-in-nicosia-cyprus/Die beiden Lesungen in der überlieferten Liturgie des Passionssonntags, die auf – mindestens – hochmittelalterlichen Gebrauch zurückgehen, enthalten Passagen, deren Verständnis unvollständig bleibt, wo nicht eine lebendige Kenntnis des alten Testaments und der Denkweisen des vorchristlichen Judentums vorhanden ist.

Die Epistel aus dem Brief an die Hebräer, in dem Paulus sich an seine Glaubensbrüder wendet und oft beträchtliches Glaubenswissen voraussetzt, stellt in dieser Richtung einige Anforderungen, wenn es heißt:

Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der künftigen Güter; und durch das erhabenere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Welt ist, ist er ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen, nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut, und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt. (…) Und darum ist er der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten. (Hebräer 9, 11-15)

Was hier mit „neuer Bund“ gemeint ist, kann keinem Zweifel unterliegen. Das 9. Kapitel, aus dem diese Verse genommen sind, beginnt mit den Worten: „Der erste Bund hatte gottesdienstliche Vorschriften und ein irdisches Heiligtum.“ Dem folgt in sechs Versen die Beschreibung dieses Heiligtums, wobei die verwandten Worte völlig zu recht keinen Unterschied machen, ob sie das transportable Bundeszelt der Wanderung durch die Wüste oder den ersten Tempel Salomos beschreiben, der 586 von den Babyloniern zerstört wurde. Material und Maßstab waren bei Zelt und Tempel verschieden, doch Ausstattung und Wesen waren identisch. Ganz klar jedoch ist, daß hier nicht der zweite Tempel gemeint ist, den die aus dem babylonischen Exil zurückkehrenden Juden 515 eingeweiht und den Herodes ab 21 vor Christi Geburt erweitert und prächtig ausgestattet hatte: Denn dessen Allerheiligstes war leer.

Die vier nächsten Verse handeln vom einmal im Jahr begangenen Versöhnungsfest, das die einzige Gelegenheit darstellte, zu der der Hohepriester das Allerheiligste betrat, um das Opferblut hineinzutragen und so geheiligt wieder herauszubringen, um es über dem Volk zu Vergebung seiner Sünden auszusprengen. So war es im Gesetz des Moses festgelegt, und so wurde es auch noch im „leeren“ zweiten Tempel des ersten Bundes gehalten.

Doch diesem Bund wird nun ein Neuer gegenübergestellt, und die Lesung des Passionssonntages mit den Versen 11-15 gibt die Begründung:

Christus ist der neue Hohepriester, der ein und für allemal in das Heiligtum hineingegangen ist, um nicht das Blut von Böcken und Stieren, sondern sein eigenes zum Opfer zu bringen und so ewige Versöhnung zu bewirken.

Vers 15 greift direkt auf den ersten Vers mit der Einsetzung des alten Bundes zurück und stellt dem entgegen

Und darum ist (Christus) der Mittler eines neuen Bundes, sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.“

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Alte Liturgie am Passionssonntag

Bild: https://www.katholische-kirche-fritzlar.de/fritzlar/gemeindeleben/gemeindeleben2013/2013-03-17-passionssonntag.phpDa der Passionssonntag das Eingangstor zur Leidenszeit des Herrn bildet und seine Liturgie seit alters her einige Besonderheiten aufweist, gibt es für diesen Sonntag bei den Liturgikern des hohen Mittelalters ausführlichere Beschreibungen als sonst üblich. Aus dem 5. Buch des Liber de Divinis Officiis des Rupert von Deutz (um 1070-1129) wissen wir daher, daß das Proprium dieses Sonntages fast auf den Punkt genau ebenso aussah wie nach dem Missale Romanum von 1962, das heute für die Feier der hl. Messe im überlieferten Ritus verbindlich ist. Natürlich wissen so etwas auch die Religionspädagogen und Liturgiewissenschaftler, die gerne vom im 16. Jahrhundert entstandenen Ritus von Trient faseln. Sie geben sich dadurch als Ideologen oder Propagandisten zu erkennen, denen es um Wissen und Wissenschaft zuletzt geht.

Rupert von Deutz nennt für den Introitus den Psalm 42, der damals möglicherweise noch ganz gesungen wurde – heute sind nur noch die Verse 1 und 2 vorgeschrieben. Das Evangelium war damals die Stelle aus dem 8. Kapitel des hl Johannes, nach der Jesus die Anhänger der Pharisäer durch seinen Anspruch, die Verkörperung der Wahrheit zu sein, so reizte, daß „sie Steine auf, um nach ihm zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging weg aus dem Tempel“. Eben diese Stelle (Joh. 8, 46-59), die Auskunft darüber gibt, warum sich die Wut dieser herrschenden Fraktion der Juden gegen Jesus richtete, wird heute noch in der überlieferten Liturgie gelesen.

Die Epistel läßt sich anhand des von Rupert als Kernsatz zitierten Verses ebenso genau bestimmten: „Der Apostel sagt: ‚Christus ist gekommen als der Hohepriester der künfigen Güter und durch das erhabene und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht ist, in das Heiligtum hineingegangen‘“ Das stammt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Hebräer (9,11), dessen Abschnitte 11-15 die Lesung im überlieferten Missale bilden. Sogar das Graduale, von dem Rupert nur einen Vers angibt, stimmt offenbar mit dem aus dem „tridentinischen“ Messbuch überein: „O Herr, errette mich von meinen Feinden, lehr Deinen Willen mich vollbringen. (Psalm 42, 9 und 10). Ebenso der Traktus „Sie feindeten gar oft mich an von Jugend auf...“ aus dem Psalm 128 1-4. Die gleiche Übereinstimmung gilt für Offertorium und Communio. Nicht erwähnt sind bei Rupert Secreta und Postcommunio, die zwar ebenfalls zu den seit früher Zeit gebräuchlichen Gebeten der hl. Messe gehören, aber nach Ort und Zeit flexibler gehandhabt wurden.

Dafür ist noch eine bemerkenswerte Übereinstimmung im Bereich der Rubriken zu erwähnen. Die Ferialtage vom Passionssonntag bis zum Gründonnerstag weisen als Besonderheit auf, daß im Staffelgebet der am Passionssonntag zum Introitus gebetete Psalm Judica entfällt und zum Gebetsasbschluß in Messe und Stundengebet nicht das sonst übliche Gloria Patri gebetet wird. Auch diese Regelung wird bereits bei Rupert von Deutz als „bei einigen Gemeinschaften gebräuchlich“ erwähnt und in den Grundtenor des „er verbarg sich und ging weg aus dem Tempel“ eingeordnet:

Denn dieser Vesikel, wiewohl er nur kurz ist, stellt in besonderem Maße einen ausdrücklichen und der heiligen Dreifaltigkeit eigentümlichen Lobpreis dar und weist so durch sein Verstummen auf die Verlassenheit und das Verstummen unseres Hauptes hin, das nicht mehr öffentlich umhergeht.

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