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Eine Primiz 1954

Fr. Zuhlsdorf hat das Link zu einem Film veröffentlicht, der 1954 bei der Primiz von Fr. Gerald Coates in St. Bartholomews, Norbury, aufgenommen worden ist. St. Bartholomews ist auch heute noch die - zeitgemäß verunstaltete - Pfarrkirche der Gemeinde von Norbury, eines kleinstädtisch gebliebenen Stadtteils im äußersten Süden von London. Fr. Coates lebt heute in einem Altersheim in Heathfield.

Eine Primizmesse war und ist immer etwas besonderes. Aber die gesammelte und überaus würdige Art, in der diese Messe in einer unbedeutenden Kirche eines unbedeutenden Stadtteils gefeiert wurde, muß auch heute noch beeindrucken. Als Zeugnis dafür, daß die Liturgie der Kirche in den übel beleumdeten 50er Jahren in einem dringend erneuerungsbedürftigen Zustand gewesen wäre, taugt dieser Film jedenfalls nicht.

Filmaunahmen waren in den 50er Jahren weitaus schwieriger als heute, der insgesamt 13 Minuten lange Film ist mit einem lauten Störgeräusch unterlegt. Es empfiehlt sich, vor dem Aufruf den Ton heruntgerzuregeln. Film. Zum Video.

Zur Vigil von Pfingsten

Die Vigil des Pfingstfestes ist einer der Tage, an denen man die der Liturgie durch die “Reformen“ des vergangenen Jahrhunderts geschlagenen Wunden besonders stark empfindet: Die überlieferte Feier der Pfingstvigil wurde bereits 1955, also noch unter Papst Pius XII, aber schon unter maßgeblicher Mitarbeit des Liturgiezerstörers Bugnini, abgeschafft – ohne jede nähere Begründung übrigens, im Rahmen des Dekrets Maxima Redemptionis Nostræ Mysteria () geht, dessen eigentlicher Gegenstand die Reform der heiligen Woche war.

Die Abschaffung der Pfingstvigil erfolgt dort quasi in einer Fußnote – insofern also nichts neues unter der Sonne. Im 2. Kapitel „Über einige Rubriken des Ordo der Heiligen Woche“ heißt es dort in Abschnitt d) „Über die Oster-Vigil“ als Punkt 16 völlig ohne jeden Zusammenhang:

An der Vigil von Pfingsten entfallen die Lesungen oder Prophetien, die Weihe des Taufwasser sowie die Litaneien. Die Messe, auch die Konventsmesse, das Levitenamt oder das gesungene Amt, beginnt in der üblichen Weise mit dem Introitus ‚Cum sanctifcatus fuero, wie das im Missale Romanum an diesem Platz für die Privatmesse vorgesehen ist, nachdem an den Stufen des Altars das Sündenbekenntnis gesprochen worden ist.“

Seitdem – also seit Inkrafttreten von Maxima Redemptionis Ostern 1956 – entspricht die Liturgie der Pfingstvigil auch bei der Feier der Eucharistie nach den Büchern von 1962 nicht mehr dem überlieferten Ritus der römischen Kirche, sondern dem „banalen Produkt des Augenblicks“ (Josef Ratzinger; s. hier) nach dem Kochbuch Annibale Bugninis.

Der Blick auf das bis 1955 gültige Messformular soll zeigen, was damit verlorengegangen ist.

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Himmelfahrt als Verfügungsmasse?

Bild: kathpedia, Informationsblatt der PetrusbruderschaftIn Deutschland gehört der freie Tag zu Christi Himmelfahrt zun wohlerworbenen sozialen Besitzstand – das schützt ihn vor der Abschaffung weltlicherseits und der eilfertigen Verlegung auf den folgenden Sonntag kirchlicherseits. So ist es in der englischsprachigen Welt, aber auch in katholischen Ländern wie Polen oder Italien bereits geschehen.

Was Staat und Gewerkschaften miteinander aushandeln, soll uns nur am Rande berühren. Wichtiger ist, daß Tag und Gedenken der Himmelfahrt nicht auch von der Kirche zur Verfügungsmasse für den Ausgleich mit der Welt angesehen wird, sondern symbolischer Ausdruck dafür bleibt, daß mit dem Kreuzestod, der Auferstehung und der Himmelfahrt ein wahrhaft kosmisches Ereignis stattgefunden hat, ein Einbruch des Göttlichen in die Menschenwelt, in der danach alles anders wurde, ein Vorausklang der „Neuen Schöpfung“ am Ende der Zeit. Deshalb spielt es auch keine Rolle, daß die konkrete Zeitangabe von 40 Tage nach Ostern sich nur in der Apostelgeschichte findet. Christus vincit, Christus regnat – das ist die eigentliche Bedeutung dieses Tages. Durch die bereitwillige Verlegung des Festtages auf den nächsten Sonntag – an dem deshalb doch kein Getaufter mehr die Kirche besucht – wird diese Botschaft mehr verhüllt als verkündet.

Mit an dieser Verhüllung beteiligt, ist auch der Begriff des Pascha-Mysteriums, der in der aktuellen Theologie meist nur „irgendwie“ auf die genannten Zusammenhänge hinweist, ohne Hörer und Leser mit konkreteren Vorstellungen zu belästigen. Wie sehr diese Verunklarung sich inzwischen ausgebreitet hat, mag man daran ersehen, daß die Website praxis gottesdienst – immerhin ein Angebot der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz – unter Paschamysterium „die Heilsbedeutung des Lebens, Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi “ versteht und dabei die Himmelfahrt praktischerweise ganz unerwähnt läßt.

Damit folgen die Meisterliturgiker freilich nur dem Vorbild der inzwischen in der römischen Kirche fast ausschließlich verwandten Schrumpfform des 2. Hochgebets, in dem es nach dem „Einsetzungsbericht“ heißt:

Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und bringen Dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar. Wir danken dir, daß du uns berufen hast, vor die zu stehen und die zu dienen.“

Das Unde et memores, das im römischen Kanon seit unvordenklichen Zeiten nach den Wandlungsworten gesprochen wird, hat demgegenüber den Wortlaut:

Daher sind wir denn eingedenk, Herr, wir Deine Diener, aber auch Dein heiliges Volk, des heilbringenden Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorreichen Himmelfahrt Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, und bringen so Deiner erhabenen Majestät von Deinen Geschenken und Gaben ein reines Opfer dar, ein heiliges Opfer, ein makelloses Opfer: das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des immerwährenden Heiles.“

Licht der Wahrheit

Die Oration vom 3. Sonntag nach Ostern liest sich - wie so viele Orationen - in ihrer knappen Klarheit so, als ob sie gerade für die heutige Zeit geschrieben wäre. Dabei ist sie doch tausend oder noch mehr Jahre alt:

Gott, Du lässt den Irrenden das Licht Deiner Wahrheit leuchten, damit sie auf den Weg der Gerechtigkeit zurückkehren können. Gib, daß alle, die dem christlichen Bekenntnis angehören, das verabscheuen, was diesem Namen widerspricht, und das erstreben, was ihm entspricht.“

Nach der alten Ordnung, die bis 1962 galt, folgten dem zwei weitere Orationen. Als zweite war vorgeschrieben die Oration von der allerseligsten Jungfrau, als dritte hatte der Priester die Wahl zwischen einem Gebet „gegen die Verfolger der Kirche“ oder „für den Papst“.

Letzteres lautete:

Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, schaue gnädig herab auf Deinen Diener N., den Du zum Hirten Deiner Kirche bestellt hast. Laß ihn, wir bitten Dich, durch Wort und Beispiel seine Untergebenen fördern, auf daß er mit der ihm anvertrauten Herde zum ewigen Leben gelange.“

Der Passionssonntag als Schwelle

Natürlich wollte Papst Paul VI. mit der Inkraftsetzung des neuen Messbuchs die Lehre und den Kultus der Kirche nicht revolutionieren. Bei seinen Zuarbeitern im Consilium kann man sich da nicht so sicher sein: Mit zahllosen „kleinen“ Signalen wollten sie den Gläubigen suggerieren, daß nun alles neu, alles besser und das Bisherige vergangen sein sollte. Zu diesen Signalen gehört auch die „Abschaffung“ des Passionssonntages, der nun als „Fünfter Fastensonntag“ seine vordem herausgehobene Stellung verlor und neben die anderen Fastensonntage eingereiht wurde. Das ist nicht nur eine wenig bedeutende Äußerlichkeit. Der Kult lebt in den Menschen auch durch seine dramatischen Elemente, dazu gehört der Wechsel der Perspektiven und das Prinzip der Steigerung. Genau das war in der Abgrenzung des Passionssonntags von den vorherigen Fastensonntagen als Portal zur Zeit des Leidens gegeben - zuviel Dramatik für die Bürokraten der „Verheutigung“.

Allerdings gehen ihre Eingriffe in die Liturgie dieses Tages noch wesentlich tiefer. Obwohl sie in den drei Lesejahren insgesamt 9 Lesungsplätze zu vergeben hatten, fand keine der beiden traditionellen Lesungen dieses Tages Aufnahme in ihre reformierte Liturgie. Die neue Leseordnung vermeidet klare Bezüge zum bevorstehenden Passionsgeschehen und verbleibt im großen Ganzen in dem durch die vorherigen Sonntage abgesteckten Rahmen - Einebnung auch inhaltlich.

Das ist ein klarer Bruch mit dem traditionellen Charakter dieses Tages, der in Epistel und Evangelium nicht nur auf das historische Geschehen der Passion einstimmt, sondern auch theologisch den Opfertod am Kreuz ausdeutet. In der Epistel durch die Ausführungen des Apostels Paulus im Brief an die Hebräer (9, 11-13), die den wahren Inhalt des Keuzesopfers in der eindeutigsten Weise beschreiben:

Christus erschien als Hoherpriester der künftigen [himmlischen] Güter. Erging durch das erhabenere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt, nicht von dieser Welt ist, auch nicht mit dem Blute von Böcken und Stieren, sondern mit Seinem eigenen Blute ein für allemal in das Allerheiligste, nachdem er ewige Erlösung bewirkt hatte.“

Das Evangelium zitiert mit dem Johannesevangelium (8, 46-59) aus der langen Rede Jesu, in der er sich selbst als Sohn des ewigen Vaters offenbart:

Wenn ich mich selbst ehre, so ist meine Ehre nichts; aber Mein Vater ehrt Mich, von dem Ihr sagt, daß er euer Gott sei. Doch ihr kennt ihn nicht; ich aber kenne Ihn (...) und halte Seine Worte. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham ward, Bin Ich. Da hoben sie Steine auf, um nach ihm zu werfen; Jesus aber verbarg sich und ging hinweg aus dem Tempel.“

Es ist diese öffentliche Beanspruchung der Gottessohnschaft, ja der vollen Göttlichkeit (Ich Bin), die den Zorn der in ihrem vermeinlichen Glauben doch ungläubigen Juden erregt und den Grund für ihren Entschluss legt, Jesus als Gotteslästerer zu töten. Alles, was im Evangelium danach noch berichtet wird, setzt die Überschreitung dieser Schwelle voraus.

Indem die reformierte Liturgie diese Schwelle nach Form und Inhalt unkenntlich macht, behindert sie das, was sie zu leisten vorgibt: Den Gläubigen den vollen Reichtum der Schrift besser zu erschließen.

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An dieser Stelle ist es notwendig, kurz auf die am Karfreitag zu verlesende Passionsgeschichte nach Johannes vorauszuschauen. Dort findet sich eine überaus merkwürdige Aussage. Als die zur Ergreifung Jesu auf den Ölberg geschickten jüdischen Polizeidiener fragen, wer der dort Angetroffenen denn nun der gesuchte Nazarener sei, antwortet ihnen Jesus:  

Ich bin es - da wichen sie zurück und fielen zu Boden.“

Warum sollte eine Abteilung bewaffneter Polizeidiener vor Schreck in Panik geraten, wenn der gesuchte Verdächige sich stellt: „Der bin ich“? Aber das sagt er ja gar nicht. Die oben zitierte Wiedergabe des griechischen ego eimi bzw. lateinischen ego sum ist eine der spektakulärsten Fehlübersetzung, die sich im Lauf der Zeit in die katholische Bibel und damit auch in die deutschen Fassungen der überlieferten Liturgie eingeschlichen haben. Die in beiden Sprachen an dieser Stelle ungewöhnliche Formulierung mit Subjekt und Prädikat macht ganz deutlich: Jesus sagt nicht nur „Ich bin es“, sondern auch „Ich Bin“ und wiederholt damit die Worte Gottes aus dem brennenden Dornbusch auf dem Sinai und den Anspruch: Ich bin der Herr Dein Gott“. Das konnte einen Trupp Polizeidiener schon ins Straucheln bringen.

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