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Tage der Weltmission

Bild: Institut Christus König und Hoher PriesterDie Sonntage der Vor- und Fastenzeit stehen liturgisch ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die Passion und das Osterfest. In der frühen Kirche Roms waren diese Wochen auch die Zeit der Taufvorbereitung für die damals noch ausnahmslos Erwachsenen, die in die Kirche aufgenommen werden sollten. Dementsprechend sind Reue und Buße für vergangene Verfehlungen und die Führung eines gottgefälligen Lebenswandels die Hauptthemen von Stundengebet und Messfeier dieser Sonntage.

Der Sonntag Sexagesima nimmt in diesem Rahmen eine ganz eigene Stellung ein. In einer für einen Sonntag sehr ungewöhnlichen Weise stellt er den hl. Paulus in den Vordergrund. Das beginnt mit dem Tagesgebet:

Gott, Du siehst, daß wir aus keinem unserer Werke Zuversicht gewinnen. Daher verleihe uns gnädig, daß der Beistand des Völkerlehrers uns gegen alle Übel schütze.“

Die Epistel bringt sodann aus dem 2. Brief des Völkerapostels an die Korinther die Abschnitte, in denen der hl. Paulus geradezu autobiographisch seinen Einsatz für die Verbreitung des Evangeliums schildert - und die Grenzen aufzeigt, die seiner menschlichen Schwäche gesteckt sind. Das Graduale zitiert passend aus Psalm 82:

Wissen sollen die Heiden: "„Gott“ ist Dein Name. Du bist der Eine Allerhöchste über alle Welt. Mein Gott, lass sie wirbeln im Kreise und wie Spreu vor dem Wind.“

Nicht gerade eine Aufforderung zum Dialog mit Allen und über Alles.

Das Evangelium schließlich berichtet aus dem Lucasevangelium das Gleichnis vom Sämann, der seinen Samen auf guten und schlechten Grund aussäte. Doch nur die Körner, die auf guten Boden fielen, brachten hundertfältige Frucht: "Wer Ohren hat, zu hören, der höre".

Eine nachdrücklichere Bekräftigung des Missionsauftrags der Kirche ist kaum vorstellbar. Dazu kommt, daß der 2. Vorfastensonntag je nach seiner Stellung im Kalendarium in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit zwei weiteren Festen der ähnlicher Zielrichtung steht: Der 25. Januar ist das Fest der Bekehrung des hl. Paulus - erst die eigene Bekehrung, ein ziemlich gewaltsamer Vorgang übrigens, befähigte den eifernden jüdischen Pharisäer zum Aufbruch zur Bekehrung der Heidenwelt. Am 2. Februar dann das Fest Mariä Lichtmess, das den Abschluss der Feste zum Eintritt des Heilands in die Menschenwelt markiert und den frommen Juden Simeon mit den prophetischen Worten zitiert: 

Meine Augen haben Dein Heil geschaut, das Du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhme Deines Vokes Israel.“

Sonntag Septuagesima

Ostern fällt früh in diesem Jahr, und deshalb beginnt bereits morgen mit dem Sonntag Septuagesima die Vorfastenzeit. Erstmals explizit benannt wird die Vorfastenzeit im gelasianischen Sakramentar, das inhaltlich auf das siebte Jahrhundert zurückgeht. Ihre Entstehung fällt jedoch spätestens in die Zeit Gregors des Großen († 604), der in seinen Evangelienhomilien die heute noch bestehende Ordnung der Perikopen und der Stationskirchen der Vorfastensonntage zugrunde legt.

Die 40 Tage der Fastenzeit beruhen ganz klar auf einer in der heiligen Schrift bezeugten alttestamentlichen Tradition, die sowohl von Moses als auch Elias und schließlich von Christus ein vierzigtägiges Fasten überliefert. Die (gerundet) siebzig Tage ab Septuagesima sind demgegenüber nicht aus dem Gebrauch des alten Testaments ableitbar. Seit Amalar von Metz († um 850) wird die Zahl als gleichnishafte Aufnahme des siebzigjährigen babylonischen Exils des Volkes Israel gedeutet: Um darauf hinzuweisen, daß uns durch die Gnade Christi die Sünden nachgelassen wurden, seien die 70 Jahre in 70 Tage umgewandelt worden. Gleichzeitig sei das aber auch eine Erinnerung daran, daß die Gläubigen des gegenwärtigen Zeitalters immer noch im Exil weilen und sich erst noch durch Fasten und Buße von der Sünde der Welt lösen und der Aufnahme in das himmlische Jerusalem würdig erweisen müssen.

Die traditionelle Liturgie der Zeit der 70 Tage bringt diesen Charakter in vielfacher Weise zum Ausdruck, die auffälligsten davon: Im Offizium wird an allen Tagen, auch an den Sonntagen, der Bußpsalm Miserere gebetet, die fortlaufende Lesung beginnt neu mit dem Pentateuch und den Berichten über die Erschaffung der Welt und den Sündenfall, die Alleluja-Rufe verstummen. In der hl. Messe entfällt der Gesang des Gloria, verschiedene Melodien werden vereinfacht, die Entlassungsformel des Ite missa est wird durch Benedicamus Domino ersetzt. Zur Erklärung dieser äußeren Zeichen greift Amalar auch hier auf die Parallele zum babylonischen Exil zurück und zitiert aus Psalm 64: Wie sollen wir in fremdem Land die Lieder des Herrn singen?

Das Verstummen der Gesänge gab im Mittelalter den Anlass zu vielerlei Bräuchen, in denen Klerus und Volk feierlich Abschied vom Alleluja und Gloria nahmen. Durandus von Mende († 1334) erklärt diese Zeremonien damit, „daß wir jene (Gesänge) überaus lieben und in der Schatzkammer unseres Herzens bewahren, so wie wir einen Freund, der zu einer langen Reise aufbricht, vielmals umarmen und auf den Mund oder das Gesicht küssen“. Der hier bereits anklingende Überschwang führte gelegentlich auch zu Begängnissen, die eher zum etwa gleichzeitig stattfindenden Karneval als zum Auftakt der Bußzeit gepasst haben dürften, etwa wenn Alleluja und Gloria in Art einer Beerdigungsprozession mit großem Pomp zu Grabe getragen wurden. Aus einer französischen Kirche des 15. Jahrhunderts ist überliefert, daß dort nach der Vesper am Samstag vor Septuagesima eine Strohpuppe, auf der in goldenen Buchstaben „Alleluja“ geschrieben war, von Ministranten und Chorknaben mit Stöcken aus dem Allerheiligsten und durch das Kirchenschiff getrieben und anschließend auf dem Friedhof verscharrt wurde - mit Weihrauch, Weihwasser und allem Drum und Dran.

Die Geschichte der Liturgie enthält auch eine Geschichte liturgischer Missbräuche - noch nicht einmal die sind auf dem eigenen Mist der Liturgieverderber in der Gegenwart gewachsen – zumindest nicht alle.

Der Herr der Schöpfung

Der zweite Sonntag nach Erscheinung ist in diesem Jahr auch schon der letzte - bis zum Spätherbst wenigstens, denn schon in einer Woche beginnt mit Septuagesima die Vorfastenzeit. Wenn so zwischen dem zweiten und dem dritten  nachgeholten Sonntag nach Erscheinung fast ein ganzes Jahr seinen Ort findet, war das für den Ordnungssinn der Liturgiereformer sicher ein weiterer Ansporn zur Erfindung ihrer "geordneten Zeit im Jahreskreis", als hätten sie nie etwas davon gehört, wie Psalm 90,4 singt: "Denn tausend Jahre sind vor Dir wie der eine Tag, der gestern vergangen ist."

Das Proprium des zweiten Sonntags nach Erscheinung steht noch ganz im Zeichen der Freude darüber, daß der Messias gekommen ist und sich der ganzen Welt offenbart hat; als Kind in der Krippe von Bethlehem den jüdischen Hirten, in der Anbetung durch die Weisen aus fernen Ländern den Heiden und durch das Weinwunder von Kanaa als wundermächtiger Lehrer des neuen Bundes und als Beglaubiger der Schöpfung: Des Auftrags an den Menschen, zu wachsen und sich zu mehren, und der Bekräftigung, daß das Geschaffene gut ist.

Introitus und Tagesgebet drücken die Freude über den Eintritt des Erlösers in die Welt betont unter dem Aspekt aus, daß die Welt Gottes Eigentum ist und unter seinem Gesetz steht: Zu seinem Lob ist der Mensch erschaffen.

Introitus:

Die ganze Erde bete Dich an, o Gott, und lobsinge Dir; ein Loblied singe sie Deinem Namen. Du Allerhöchster. Jubelt Gott, ihr Lande all, singet Psalmen seinem Namen; herrlich laßt sein Lob erschallen.

Oratio:

Allmächtiger Ewiger Gott. Du lenkest gleicherweise Himmel und Erde; erhöre huldvoll das Flehen Deines Volkes und schenke Deinen Frieden unseren Zeiten.

Jesus - Gottes und Menschensohn

Schnitzerei von der Kanzel der Rosenkranzbasilika in Berlin - Photo: Jörg-Johannes HeidrichIm überlieferten Ritus ist heute der Sonntag in der Oktav von Erscheinung des Herrrn mit dem Fest der hl. Familie. Das Evangelium ist der Bericht des Lukas-Evangeliums über den Aufenthalt des jugendlichen Jesus im Tempel, zu dem letzthin Merkwürdiges aus Rom zu vernehmen war - Fr. Hunwicke hat dazu aus der Sicht des Theologen einiges Nötige gesagt. Auf andere Weise fast noch eindrucksvoller ist das, was Franz Michel Willam bereits vor fast 100 Jahren in seinem Buch über das Leben Mariens ausgeführt hat. Seine Perspektive ist die des tief im Glauben verwurzelten Schriftstellers, der all das, was er in der heiligen Schrift gelesen, im heiligen Land gesehen, im Studium gelernt und als Kenner der menschlichen Seele erworben hat, in einer Synthese zusammenführt.

Zunächst setzt Willam den Rahmen für seine Darstellung und Interpretation des Ereignisses:

Die Gemälde, die Jesus auf dem Wege nach Jerusalem darstellen, verführen dazu, bei dem zwölfjährigen Pilgerknaben an ein Kind zu denken. Mit zwölf Jahren ist aber ein junger Mensch im Orient geistig schon so entwickelt wie bei uns ein sechzehn- bis zwanzigjähriger. Bei Jesus handelt es sich aber nicht bloß um einen gewähnlichen Knaben, sondern, wenn man so sagen darf, um ein religiöses Genie. So war Jesus in der Erfassung alles Lebens - echte Religion hat immer zuerst mit dem Leben zu tun - seinen Altersgenossen als Mensch weit voraus, vom eingegossenen und vom göttlichen Wissen ganz abgesehen. (...) Alles, was bei der Pilgerfahr vorging, beobachtete Jesus schärfer, zugleich war es ihm ferner als den anderen. Er horchte gleichsam in sich hineinund war von einem einzigen Gedanken erfüllt: Der Tempel! Das war der Ort, wo Gott Vater weilte, und wo man zu ihm in viel wirksamerer Weise beten konnte als etwa daheim oder in der Synagoge, der Ort, wo allein man ihm Opfer darbringen durfte...

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Die Erscheinung des Herrn

Das Fest der Erscheinung des Herrn steht seit alters her im Zentrum eines ganzen Kranzes von Festen und Gedächtnissen, mit denen die Christenheit die Erscheinung des Herrn im menschlichen Fleisch feiert. Das beginnt mit dem Eintritt in die Welt im Stall von Bethlehem, dort begrüßt nicht vom Magistrat der Stadt, sondern von den „Hirten auf dem Felde", die als stets verdächtige Wanderarbeiter eher am Rande der Gesellschaft standen. Der Sonntag in der Weihnachtsoktav greift voraus auf die Begegnung mit Simeon und Anna, die als Vertreter der frommen Juden den Messias erkennen und anerkennen. Es folgen die Beschneidung und Namensgebung – beides starke Zeichen für den Eintritt in die Welt des Gesetzes. Damit ist Jesus der Christus nach zögerlichem Empfang voll in der Welt des Judentums angekommen. Mit der Anbetung durch die Drei Weisen wird das „Licht zur Erleuchtung der Heiden" erstmals über diese kleine Welt hinaus sichtbar – deshalb steht dieses Gedächtnis für die Nachkommen der Heidenwelt ursprünglich nicht nur zeitlich im Mittelpunkt des Inkarnationsfestes.

Weitere Feste und Sonntage der Weihnachtszeit entfalten den Gedanken und die Bedeutung der Inkarnation unter verschiedenen Aspekten: Am Sonntag in der Oktav von Epiphanie der erste Auftritt des jungen Jesus als Lehrer der Juden, dann die Taufe Jesu im Jordan mit der Beglaubigung im Heiligen Geist vor Johannes. Schließlich am zweiten Sonntag nach Epiphanie als erster Bericht über das öffentliche Wirken das Wunder von Kanaa. Der Schöpfer selbst hat sich zwar zum Teil seiner Schöpfung gemacht – aber er bleibt der Herr, das Wort, dem die Schöpfung folgt. Den Ausklang des 40-tägigen Gedenkens bildet dann das zunächst in die Welt des Judentums und seinen Gottesbund zurückweisende Fest der Reinigung Mariens, zu dem wir noch einmal – und diesmal dem Anlass entsprechend – den Bericht des Lukas über die Prophetie des Simeon hören:

Meine Augen haben Dein Heil geschaut, das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker; ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhme Deines Volkes Israel.

Die fehlgeleitete „Reform" der Liturgie im Gefolge des 2. Vatikanums hat aus diesem Kranz der Feste zwei wesentliche Elemente herausfallen lassen. Das Fest der Beschneidung des Herrn, so zentral es für die sonst gerne betonte Verwurzelung des Christentums im alten Bund ist, ist ganz verschwunden. Das Evangelium von der Hochzeit zu Kanaa hat zum heute so genannten 2. Sonntag im Jahreskreis nur noch in jedem dritten Jahr einen Platz. Wunder sind in skeptischen Zeiten schwer vermittelbar.

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