Bereichsnavigation Themen:

Die Liturgie zum Allerseelentag

Bild: Wikimedia CommonsDie Ausführungen von Pius Parsch zum Offizium des Tages Allerseelen zeigen ebenso wie die zu Allerheiligen, daß dieser Vorkämpfer für eine Neu-Aneignung der Liturgie durch das Volk zutiefst in den Inhalten und Formen der römischen Tradition verwurzelt war. Er schreibt:

Es beginnt ein langes ZitatDas Totenoffizium ist Gebetsdienst des innigen Mitleids, der hochherzigen Hilfsbereitschaft, des wirksamen Trostes, der maßvollen Trauer in christlich-starker Liebe. Unsere Stellung bei dieser Stundenfeier ist zwischen dem allgerechten, allbarmherzigen Gott und den teuren, mit uns vereinten Seelen im Läuterungsfeuer. Jedoch, wir bleiben nicht bloß so hingestellt, sondern wir werden wie Trostengel bald mehr zu Gott, bald mehr zu den leidenden Brüdern und Schwestern hingezogen. Gott zeigt sich uns in seinem Strafwalten, in seiner Heiligkeit, in seiner unendlichen Güte.Vor allem mit der Hinwendung zu Gott, mit der Annäherung an Gott,sollen wir das Totenoffizium verrichten. Er will seine Diener und Freunde, die schon im Stande der heiligmachenden Gnade verstorben sind, nun von aller Makel und Sünde durch das nötige Straf- und Läuterungsleiden reinigen, um sie sobald als möglich hinaufzunehmen zur ewigseligen Anschauung und Vereinigung in der himmlischen Stadt. Unsere Verbindung mit den armen Seelen erfolgt im Totenoffizium so, daß wir die Verstorbenen in verschiedenen Zuständen und Übergängen ihrer Not und Qual finden, ja, daß wir oft geistig wie an ihren Fegfeuerplatz mit all seiner Strafe und Pein versetzt werden, um an ihrer Stelle selbst zu klagen, inständig und vertrauensvoll um Linderung zu rufen, aber auch herzlich und kindlich Gott für seine Begnadigung zu danken.

Das Totenoffizium hat vielfach die Eigenart des Stundendienstes an den drei hohen Kartagen. Von den sonst üblichen Einleitungen und Schlußformeln bleibt das meiste weg (Eröffnungsvers, Hymnus, „Ehre sei...“. Umrahmung der Lesungen). Es wird durchweht von ernster, gemessener Trauer, alles feierlich Frohe entfällt.Die Schlußgebete jeder Gebetsstunde werden kniend verrichtet, wir sind flehende Fürbitter für die teuren Verstorbenen.

Bis auf Pius X. Hatte das Totenoffizium nur Vesper, Mette und Laudes, die drei alten ursprünglichen Gebetsstunden. Jetzt ist es für den Allerseelentag auch mit allen anderen Horen ergänzt, so daß nun ein vollständiges Eigenoffizium verrichtet wird. Das alte Totenoffizium mit nur Vesper, Mette und Laudes ist ein Denkmal der ältesten Stundenliturgie der Kirche.

Die Totenvesper wirkt tief auf das Gemüt. Immer wieder ertönt statt des Lobpreises der Bittruf: „O Herr, gib ihnen die ewige Ruhe...“In den Psalmen singen wir mit den armen Seelen und für sie. In den verschiedenen Psalmliedern des ganzen Totenoffiziums lenkt das Fegefeuer unsern Geist auf das menschliche Elend und die menschliche Schwachheit, auf die Schrecken der Todesstunde und des letzten Gerichtes, auf ihre letzte Pein, aber auch auf Gottes unendliche Güte, die tröstet und Himmelan zieht. (…)

Die Totenmette beginnt mit dem schönen Invitatorium: „Den König, dem alles lebt, kommt lasset uns anbeten.“ In den Lesungen der ersten Nachtwache bittet der Dulder Job, das ergreifende Bild der Leidenden im Fegfeuer, um Erlösung aus seinem schweren Leiden, das er klagend schildert und dessen Ursache er zu kennen wünscht. In der zweiten Nachtwache wird uns aus dem Buch des hl. Augustinus über die Sorge für die Verstorbenen vorgelesen (…) In den Lesungen der dritten Nachtwache verkündet der Völkerapostel unseren christlichen Auferstehungsglauben. (…)

Die Totenlaudes stellen die hoffnungsfroheste Stimmung im ganzen Offizium dar. Wohl beginnen sie mit dem Bußpsalm 50, gehen aber sofort zur Freude des Erntedanks (Ps. 64), zur glühenden Sehnsucht nach Gottvereinigung (Ps. 62) zum Auferstehungsjubel (Canticum und Ps. 150) über. Gerade das Canticum des Ezechias schildert sehr treffend den Übergang vom Fegfeuerleid zur Himmelsseligkeit.“

Soweit Pius Parsch. Lesenswerte Ausführungen zur Theologie der leidenden Seelen und zum Fegefeuer fanden wir im uns bislang unbekannten Blog Auslegungssache in dem Beitrag: Was brennt im Fegefeuer?

Die Liturgie aller Heiligen

Bild: Wikimedia, gemeinfreiDie liturgischen Texte des Festes Allerheiligen stehen ganz im Zeichen des Bildes, das die „Geheime Offenbarung“ des Johannes vom ewigen Gottesdienst der Engel und der Heiligen im himmlischen Jerusalem zeichnet. Einem Mönch des frühen 20. Jahrhunderts verdanken wir die folgende Schilderung dessen, wie sich diese Liturgie im Leben seines Klosters widerspiegelte:

Es beginnt ein langes ZitatKeine Vesper des ganzen Jahres machte auf mich einen so tiefen Eindruck als die zweite Vesper von Allerheiligen mit der sich anschließenden Totenvesper von Allerseelen. Da ward der Altar geziert mit den kunstvollen Reliquiarien. Die Heiligen selbst waren anwesend in ihren heiligen Gebeinen auf dem Altar, der da Christus bedeutet. Der Altar war in seine Festtagsgewänder gehüllt, in ein goldenes Antependium, in schneeweiße Linnen. Auf ihm brannten in sechs goldenen Leuchtern die sechs mächtigen Kerzen. Auf der Rückwand erglänzte das Lamm der geheimen Offenbarung. Am Thron saß als Stellvertreter des ewigen Vaters der Abt im golddurchwirkten Pluviale. Um ihn saßen „die Ältesten“ des Klosters in den weißen liturgischen Kleidern, während unten im Chor die vier Kantores den Vespergesang leiteten, gekleidet in prächtige Pluviale, und der Mönchschor einstimmte in die himmlischen Melodien. In der weiten Abteikirche stand oder saß „die Schar der Gläubigen, die niemand zählen konnte, aus allen Volksschichten“. Und über allem flötete und jauchzte und jubilierte die majestätische Orgel. Es war eine Stunde himmlischer Freude.

Kaum war das festliche „Benedicamus Domino“ verklungen, nahte sich der Rauchfaßträger mit acht Fackelträgern dem Altar. Die vier Kantores bestiegen den Altar und nahmen ehrfürchtig die Reliquien und verließen, beglkeitet von den flammenden Fackeln, die Kirche. Die Seeligen des Himmels zogen wieder heim in die himmlische Heimat, die sie nur auf einige Augenblicke verlassen hatten, um mit ihren Brüdern und Schwestern das Allerheiligenfest zu feiern. Der Hohepriester mit seinem vornehmen Dienst schloß sich dem Zug der heiligen Reliquien an. Symbolisch verließ auch Gottvater mit den Ältesten die Erde. Die ganze ehrwürdige Prozession war eingehüllt in den Weihrauchdurft, von dem der apokalyptische Seher schreibt, daß er sei „das Gebet der Heiligen“ (Geh. Offb. 5,8). Nur der Gottessohn blieb auf dem Altar in dem Kreuzbild. Die Lichter erlöschen. Die Orgel seufzt in klagenden Tönen. Schwarzgekleidete Mönche breiten einen schwarzen Teppich vor dem Altar aus. Gelbrote Kerzen flammen auf. Priester in schwarzen Rauchmänteln treten an den Altar und beginnen den Klagesgesang des Fegefeuers. „Ich will wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen“. Der Allerheiligenjubel ist verstummt, die armen Seelen klagen.“

Autor dieses Textes im expressionistischen Tonfall der 1920er Jahre ist kein anderer als Pius Parsch – einer der prominentesten Vertreter der klassischen „liturgischen Bewegung“, die von den Liturgiereformern der 50er und 60er Jahre mißbräuchlich als Vorläufer und Begründer ihres Zerstörungswerks in Anspruch genommen wird. Unser Zitat kommt aus dem 3. Band (S. 627) des Klosterneuburger Liturgiekalenders, der unter dem Titel „Das Jahr des Heils“ in über 10 Auflagen erschienen ist. Die Bände waren in den 20er und 30er Jahren ein beliebtes Geschenk zur Erstkommunion oder Firmung und sind im Antiquariatshandel immer wieder in guten Ausgaben zu günstigen Preisen zu bekommen.

„Hunc praeclarum calicem“

Bild: Vonder im Text genannten WEbsite der KathedraleDas Wandlungsgebet des römischen Canons enthält kurz vor den Wandlungsworten über den Kelch ein ungewöhnliches Demonstrativpronomen: „Simili modo postquam cenatum est accipiens et hunc praeclarum calicem in sanctas et venerabiles manus suas....In gleicher Weise nahm Er nach dem Mahle auch diesen wunderbaren Kelch in Seine heiligen und ehrwürdigen Hände...“ Zum Verständnis bietet sich eine Erklärung an, nach dem dieser Kelch immer und zu jeder Zeit ebenso der gleiche ist, wie das verwandelte Blut des Herrn immer und zu jeder das gleiche ist. Ein Problem muß daraus nicht entstehen – und dennoch bleibt es auffällig, daß das demonstrative hunc beim vorangehenden Gebet über das Brot, wo es nach dem gleichen Gedanken ebenfalls seinen Platz haben könnte, nicht gesprochen wird.

Ein Artikel von Michael Hesemann zur Geschichte des in der Kathedrale aufbewahrten „Santo Caliz“ bietet dazu noch einen anderen Erklärungsansatz. Der Santo Caliz bzw. dessen obere Achatschale ist nach verbreiteter Ansicht tatsächlich der Kelch, den Jesus beim letzten Abendmahl im Obergemach zu Jerusalem in seinen heiligen und ehrwürdigen Händen hielt – der Heilige Gral des Mittelalters. Naturwissenschaftliche und kunsthistorische Untersuchungen des 20. Jahhrunderts sprechen nicht dagegen: Die Achatschale stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und wird um die Zeit von Christi Geburt datiert.

Einen zweifelsfreien Provenienzbericht dazu gibt es freilich nicht, die spanische Überlieferung reicht nicht vor das 7. Jahrhundert zurück, für die Zeit davor gibt es nur Legenden: Petrus habe die wertvolle Reliquie nach Rom gebracht, und in der Christenverfolgung des 3. Jahrhunderts sei sie vom Diakon Laurentius des Papstes Sixtus II. In dessen iberische Heimat in Sicherheit gebracht worden. Bis zu dieser Zeit jedoch, so Hesemann, könne die Achatschale – der Fuß aus Onyx und die goldenen Verbindungsglieder kamen erst später dazu – sehr wohl der Zelebrationskelch der Päpste gewesen sein – das demonstrative „hunc“ des römischen Kanons bekäme damit eine zunächst ganz und gar wörtliche Bedeutung. Die Nachfolger des Petrus hätten zu ihrer Messfeier den selben Kelch benutzt wie einst Christus selbst.

Indirekt wäre das, wenn nicht eine Bestätigung, so doch ein zusätzliches Argument für das hohe Alter der zentralen Gebetestexte des römischen Kanons. Die drei modernen Hochgebete enthalten übrigens das „hunc“ nicht – sie sind eben nicht nur modern, sondern neigen auch auf vielfältige Weise zum Modernismus.

Die Kirche hat die Überlieferung, die im Santo Caliz den Kelch des Abendmahls sieht, nie bestätigt – wie könnte sie das. Sie widerspricht ihr aber auch nicht, ganz im Gegenteil. Als Spanien 1959 die 1700-Jahr-Feier der Ankunft der Reliquie auf ihrem Boden beging, zeichnete Papst Johannes XXIII. den Festtag mit einem besonderen Ablaß aus. Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben es sich bei ihren Besuchen in Valencia nicht nehmen lassen, auch ihrerseits als Nachfolger Petri den Santo Caliz zur Zelebration zu verwenden.

Regulär wird der Santo Caliz derzeit in einer eigenen Kapelle der Kathedrale von Valencia aufbewahrt. Zweimal im Jahr wird er zur feierlichen Zelebration von seinem prachtvoll verzierten goldenen Ständer geholt: Am Gründonnerstag und am Fest des heiligen Kelches, das dort am letzten Donnerstag im Oktober – also heute – gefeiert wird.

Lebt und gedeiht: Die alte Messe

Bild: Aus dem genannten Artikel auf New Liturgical MovementDeutsche Bischöfe – seien es der Voll-Modernist Genn oder der schwankende Bischof Oster – können es nicht fassen: Statt wie erhofft abzusterben, findet die in den wesentlichen Formen seit 1500 Jahren unverändert gefeierte und allein die Fülle der Lehre zum Ausdruck bringende überlieferte Liturgie immer größeres Interesse bei jungen Leuten. Im Interview mit Julian Kwasniewski – richtig, auch da steht die nächste Generation schon in den Startlöchern – hat Erzbischof Sample erklärt, warum das so ist. Der volle Text ist am Montag auf New Liturgical Movement erschienen – hier einige der wesentlichen Aussagen.

Zu Wesen und Funktion des Priestertums: „Im Lauf der Zeit, insbesondere seit dem Konzil, gab es eine Reduktion im allgemeinen Verständnis dessen, was ein Priester ist und welchen Platz er innerhalb der Kirche hat. Viele Leute verstehen den Priester nach dem, was er tut – dort liegt für sie der Schwerpunkt. Auch da hat sich viel geändert, aber ich denke, der Durchschnittskatholik würde sagen, ein Priester feiert die Messe, er hört Beichte, er leitet die Pfarrei, er ist Verwalter. Das bedeutet: Man sieht die Funktion, nicht das Wesen. Doch darum geht: Was ist das Wesen des Priesters. Darum muß es gehen, denn alles was er tut, hat in diesem Wesen seine Ursache.

Und wer ist er nun? Er ist ein Mann, der von Gott dazu auserwählt ist und durch seine Berufung, durch das Sakrament der Weihe und durch Gebet und Handauflegung der Kirche sakramental Christus dem Hohenpriester gleichgestaltet ist. Damit verbunden ist eine ontologische Veränderung, denn seine Seele trägt dadurch auf ewig das priesterliche Siegel, so daß er in der Kirche seinen Dienst in persona Christi, ihres Hauptes, wahrnehmen kann. So besteht eine ganz enge Verbindung zwischen dem geweihten Priester und dem Hohenpriester Jesus Christus, er ist dazu aufgerufen, ein alter Christus, an anderer Christus zu sein. Alle Christen sind durch die Taufe dazu aufgerufen, Christus ähnlich zu werden, aber der Priester repräsentiert Christus in der katholischen Kirche auf eine ganz besondere Weise.

Weiterlesen...

„Benedictus es“ - der große Lobgesang

Bild: https://www.thewayofbeauty.org/blog/2017/12/why-the-prophet-daniel-and-the-fiery-furnace-is-so-important-for-christiansIm Beitrag über die Liturgie des Quatembersamstags im September hatten wir die fünfte Lesung dieses Tages – wie die anderen auch – nur unter dem Aspekt angesprochen, was sie hinsichtlich des Tagesthemas vom Gottesdienst und den zum Dienst am Altar Berufenen aussagt. Doch da gibt es noch mehr. Der diese Lesung bildende Hymnus „Benedictus es“ – er ist dem Propheten Daniel entnommene und ist bekannter unter dem Titel „Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen“ – nimmt im Stundengebet der Kirche einen bedeutenden Platz ein, er wird in allen Sonntagsoffizien als Bestandteil der Laudes gesungen. Darüberhinaus gehört auch zu den wenigen Texten aus dem alten Testament, die Einblicke in die göttliche Schöpfungsordnung geben, die über das in den beiden klassischen Schöpfungsberichten (Gen 1,1-2,4a; Gen 2,4b-3,24) mitgeteilte hinausgehen.

Der am weitesten bekannte erste Schöpfungsbericht nimmt eine konsequent kosmische Perspektive ein und berichtet von der Erschaffung von Licht und Dunkel, der Gestirne für Tag und Nacht, von Himmel, Erde und dem sie scheidenden Wasser, dann der Lebewesen und zum Schluß des Menschen – alles sehr im Großen. Der unmittelbar darauf folgende zweite Bericht in Genesis 2 beschreibt aus einer ebenso konsequent irdischen Perspektive in vielen Einzelheiten die Erschaffung des Paradieses, seiner Länder und Flüsse, Pflanzen und Tiere und des Menschen – bis hin, wie Eva von der Rippe des Adam genommen und den Dingen und Menschen ihre Gesetze gegeben wurden. Beide Berichte haben eine bemerkenswerte Leerstelle: Sie haben nichts zu sagen von der Erschaffung der Engel und der anderen Mächte der unsichtbaren Welt.

Tatsächlich scheint die Erschaffung dieses Bereiches für die Verfasser der kanonischen Bücher der Bibel von einem Tabu umgeben gewesen zu sein. Sie weigern sich, ihm einen bestimmten Tag zuzuweisen, bestehen aber nach der Alttestament-Forscherin Margaret Barker mit Nachdruck darauf, dies sei jedenfalls nicht am ersten Tag gewesen, den man im übrigen besser als einen Tag Null, als einen Nicht-Punkt vor der Erschaffung von Zeit und Raum bezeichnen sollte. Astrophysiker, die Theorien zu der Frage aufstellen, was vor dem „Urknall“ gewesen sei, wissen, daß das ein schwieriges Thema ist.

Weiterlesen...

Zusätzliche Informationen