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Sonntag Quinquagesima

Der Sonntag Quinquagesima steht in der überlieferten Liturgie ganz im Zeichen des bevorstehenden Erlösungsopfers Christi, auf dessen Gedächtnis uns die Fastenzeit vorbereitet. Die Matutin liest daher aus der Genesis den Bericht über die Berufung Abrahams, für den Dom Gueranger folgende Deutung bietet:

Wir müssen also Abraham als unser Haupt und Vorbild anerkennen. Sein ganzes Leben faßt sich in den Begriff der Gottestreue zusammen.Allen Befehlen Gottes unterwarf er sich, Alles gab er preis und brachte es zum Opfer, um dem heiligen Willen Gottes Genüge zu leisten. Darin liegt auch das charakteristische Kennzeichen eines Christen, und wir können daher aus dem Leben dieses großen Mannes die Lehren, die es enthält, als Richtschnur ansehen.“ (Das Kirchenjahr, Bd 4, S. 195-6)

Wie haben Gueranger zur Bedeutung dieser Schriftstelle bereits vor zwei Jahren ausführlicher zitiert.

Im Zentrum des Propriums der Messe steht der Bericht des Hl. Lukas vom Aufstieg der Jünger nach Jerusalem, bei dem Jesus den Zwölfen sein bevorstehendes Leiden und Sterben vorhergesagt hat.

Alles wird in Erfüllung gehen, was durch die Propheten über den Menschensohn geschrieben steht. Denn er wird den Heiden überliefert, verspottet und angespien werden, und nachdem sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, doch am dritten Tage wird er wieder auferstehen.

Die Wiedergabe dieser Prophezeiung endet bei Lukas mit dem angesichts der Klarheit dieser Ansage schwer verständlichen Hinweis, daß die Jünger nicht verstanden hätten, was Jesus damit sagen wollte. Und so schließt auch das heutige Evangelium den bereits bei Lukas unmittelbar folgenden Bericht von der Heilung des Blinden an: Sei sehend, dein Glaube hat Dir geholfen. Nachdem bereits die Epistel mit der Lesung aus dem Brief an die Korinther zum Ausdruck gebracht hat , daß „alles nichts ist ohne die Liebe“, sind damit die entscheidenden Voraussetzungen dafür benannt, die bevorstehende Leidensgeschichte nicht als Anlaß zur Verzweiflung zu begreifen, sondern als Heilsgeschichte, als Grund zur Hoffnung auf die Erlösung durch das Kreuz.

Die Liturgie Pauls VI. kennt die Vorfastensonntage nicht mehr, dementsprechend hat auch die Ankündigung seines bevorstehenden Leidens im Evangelium des „8. Sonntages im Jahreskreis“ keinen Platz mehr gefunden – in keinem der drei Lesejahre. Tatsächlich ist die ganze eindringliche Prophezeiung Jesu, wie sie Lukas in 18, 31-34 überliefert hat, in der neuen Leseordnung an keiner Stelle mehr enthalten; allein der Bericht von der Heilung des Blinden findet sich noch am Montag der 33. Woche im Jahreskreis.

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