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Virus, Tod und Teufel

Bild: Jerome Nadal S.J, http://catholic-resources.org/Art/Nadal.htmAm 3. Fastensonntag liest die Kirche seit Alters her als Evangelium den Bericht des Hl. Lukas (11, 14-28) über die Austreibung des „stummen“ Teufels, der damit endet, daß der böse Geist, wenn man ihm nicht auch innerlich und von ganzer Seele abschwört, zurückkommt mit sieben anderen Geistern, die noch schlimmer sind als er, „und die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger sein sein als die ersten“. Die zu Unrecht für ihren vorgetäuschten Reichtum gelobte „neue Leseordnung“ hat diese überaus bedenkenswerte Perikope in stark gekürztem Umfang auf den Donnerstag der 3. Fastenwoche verschoben – da wird sie nun unter faktischem Ausschluß der Öffentlichkeit vorgetragen und tut keinem weh.

Weit entfernt von dieser Rücksicht auf die zarten Gemüter seiner Leser – das Biedermeier war noch lange nicht überall vorbei – nimmt Dom Gueranger in seiner enzyklopädisachen Abhandlung zum Kirchenjahr (Bd 5, S. 273 ff) das Evangelium dieses Sonntags zum Anlaß für eine umfangreiche Darstellung des Wirkens des Teufels in der Welt. Sein Ausgangspunkt ist die bereits damals weitverbreitete Ansicht, wonach Teufel und Hölle nur ausdruck unaufgeklärten Aberglaubens seien und der Teufel – wenn überhaupt – lediglich eine „abstrakte Idee (sei), welche man im Lauf der Zeit zu einer Person umgewandelt habe“. Dem stellt er eine Aufzählung von vielen Stellen aus der hl. Schrift gegenüber, die den Teufel, die Teufel, sehr wohl als Person zeigen, erfüllt von Bosheit und abgrundtiefem Haß gegen den Herrn und seine Schöpfung, vor allem aber gegen den zur Gemeinschaft mit Gott berufenen Menschen. Und allzu oft ist der Teufel mit seinen Verlockungen erfolgreich darin, die Menschen von dieser Berufung und diesem Ziel abzuziehen.

Die Fastenzeit, so Gueranger dann weiter, gibt den Menschen Ansporn und Gelegenheit zur Umkehr:

Es beginnt ein langes ZitatIn diesen Tagen bietet uns die Kirche ihre ganzen Mittel, um über ihn zu triumphieren: Das Fasten im Verein mit Gebet und Almosen. Ihr werdet euch bis zum Frieden durchringen und euer gereinigtes Herz wird wiederum der Tempel Gottes werden. Aber glaubt deshalb nicht, daß ihr auch euren Feind vernichtet habt. Er ist geschlagen, die Buße hat ihn schmählich vom Throne seiner Herrschaft in euch vertrieben, aber er hat geschworen, alles aufzubieten, um diesen Thron wieder einzunehmen. Fürchtet, daß ihr wiederum in eine Todsünde zurückfallt, und um in euch diese heilsame Furcht zu stärken, so erwägt aufmerksam die Worte des heutigen Evangeliums. (…) Die letzten Dinge, fügt der Heiland bei, werden schlimmer sein als die ersten.

Begreifen wir den Wink, den uns die heilige Kirche gibt, wenn sie uns heute diese furchtbare Stelle des Evangeliums lesen läßt. Allenthalben kehr man zu Gott zurück, nach hundert Millionen zählen die Seelen, die sich mit Gott aussöhnen und Gott ist im Verzeihen ganz unerschöpflich. Aber werden auch alle in dieser Versöhnung verharren? Wenn wiederum nach einem Jahr die Fastenzeit die Christen zur Buße aufruft, haben dann wohl alle jene, welche in diesen Tagen gefühlt, wie ihgre Seele der Gewalt Satans entrissen wurde, dieselbe von dem früheren Joche frei gehalten? Eine traurige Erfahrung läßt die Kirche leider sich nicht einer solchen Hoffnung hingeben. Gar viele werden wieder, wenn sie kaum befreit sind, in die Bande der Sünde zurückfallen. O, Wenn sie in einem solchen Zustande durch die Gerechtigkeit Gottes ergriffen würden? Und sicher trifft einige, vielleicht viele, dieses Los. Fürchten wir daher den Rückfall, harren wir aus, denn ohne dieses Ausharren würde es uns wenig nützen, wenn wir einige Tage im Zustand der Gnade gelebt hätten; verteidigen wir die Zugänge zu unserer Seele, zeigen wir uns zum Kampfe gerüstet, und der Feind wird davon gehen um seine Schmach und seine Wut anderswo hinzutragen.“

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