Summorum Pontificum.de

Die Revolution und ihre Hausmeister

05. September 2025

Von Darrick Tayler

6 - Kirchenkrise

Eine Gruppe jugendlicher Kämpfer um Fidel Castro im kubanischen Tropenwald

Als die alten Revolutionäre noch jung waren

Im Crisis-Magazine zeichnet der Historiker Darrick Taylor ein deprimierendes Bild von den heutigen Konkursverwaltern der gestrigen Kirchenrevolutionäre, die heute Bischofsstühle besetzen und statt des versprochenen „Neuen Frühlings“ eine bürokratische Eiszeit hervorgebracht haben. Und zieht ein vernichtendes Fazit: „Hier geht es nicht um eine gepflegte Debatte unter Gentlemen, die durch Gesten der Demut und der Nächstenliebe zu einem Ergebnis gebracht werden kann. Die Kirche ist gespalten zwischen Leuten, die längst aufgehört haben irgendetwas zu glauben, das katholisch wäre, und jenen, die immer noch daran festhalten“.


Mein Vater ist in Florida aufgewachsen, und die meisten seiner Freunde waren Kubaner. Er hörte oft von ihnen, wie wunderbar Kuba vor Fidel Castros Revolution gewesen sei. Einmal fragte mein Vater einen seiner Freunde, wie Castro es geschafft habe, das Land zu übernehmen. Der sagte ihm, es sei ganz einfach: Zuerst würden sie eine Fabrik übernehmen. Dann würden sie den Fabrikdirektor abset­zen und durch den Hausmeister ersetzen. In normalen Zeiten hätte der Hausmeister nie zum Direktor werden können – das ging nur wegen der Revolution. Daher würde der Hausmeister die Revolution bis zum Tod verteidigen, um seine neue Machtposition um jeden Preis zu behalten.

So hat das Castro-Regime in Kuba überlebt. Allerdings gibt es da ein Problem. Revolutio­näre sind eine seltene Spezies. Diszipliniert, hoch funktional, gerissen und vor allem fanatisch der Sache um ihrer selbst willen ergeben, sind sie einfach zu wenige. Wahre Revolutionäre sind immer selten. Eine Handvoll kann eine Revolution auslösen, aber sie können sie nicht zum Erfolg führen.

Stattdessen müssen sie den Job an die ehemaligen Hausmeister delegieren, die die Sache niemals aufgeben werden, aber unfähig sind, kompetent zu regieren. Die Revolution wird früher oder später scheitern. Oder, wenn es ihnen gelingt, die Macht zu behalten, wie in Kuba, verurteilen sie diejenigen, die ihnen unterstellt sind, durch böswillige Inkompetenz zu einem langsamen Dahinsiechen bis zum Tode.

Leser des Crisis Magazine haben wahrscheinlich mitbekommen, daß der neue Erzbischof von Detroit die Professoren Eduardo Echeverria, Ralph Martin und Edward Peters vom Sacred Heart Major Seminary in dieser Diözese entlassen hat. Sie erinnern sich vielleicht, daß er Anfang des Jahres auch die lateinischen Messen in der Diözese Detroit, die die zahlreichsten des Landes waren, stark eingeschränkt hat – und das nach der Veröffentli­zenchung von Enthüllungen, nach denen mindestens einer der offiziellen Gründe für das Verbot der lateinischen Messe auf einer offensichtlich falschen Behauptung beruhte. Diese Professoren waren keine Traditionalisten, sondern bekannte „konservative“ Theologen, die sich klar gegen theologischen Tendenzen des letzten Pontifex gestellt hatten.

Das „Massaker von Detroit“ ist ein Zeichen dafür, daß die katholische Kirche in die Phase der Revolution der Hausmeister eingetreten ist. Die Revolution hatte in den 1960er Jahren begonnen, und die ursprüngliche progressive Fraktion, die sie ins Leben gerufen hatte, ist weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Das einzige verbliebene Mitglied der ursprünglichen Kohorte ist vielleicht Kardinal Kasper. Doch die Zeiten, in denen ein wahrer Revolutionär wie Hans Küng zumindest über Verstand und ein gewis­ses Maß an Kompetenz verfügte, sind längst vorbei.

Stattdessen wurden unbedeutende Figuren wie „Tucho“ Fernández und der Ghostwriter von „Traditionis Custodes“ in Positionen befördert, für die sie völlig ungeeignet sind. Doch sie sind bereit, alles zu tun, um die Revolution voranzutreiben – genau dazu wurden sie überhaupt erst in diese Positionen befördert. Deshalb werden Männer wie James Martin befördert und geschützt, während drei angesehene Professoren ohne Erklärung und ohne Vorwarnung entlassen werden. Zweifellos werden bald weitere „Hausmeister“ ihre Stelle einnehmen.

So verhält es sich mit ziemlicher Sicherheit auch beim Erzbischof von Detroit. Er wurde eindeutig mit dem Auftrag ausgewählt, den „starren“ Tendenzen – theologischen und sonstigen – in dieser Diözese ein Ende zu setzen. Der neue Bischof von Detroit schlug einst, als er Bischof von Tucson, Arizona, war, vor, kanonische Strafen gegen katholische Bundesbeamte zu verhängen, die die Einwanderungspolitik der aktuellen Regierung durchsetzten. Damit will ich nicht sagen, daß ihm das Thema Einwanderung wirklich am Herzen liegt. Aber er wußte, wer an der Macht war und welches Signal er senden musste, um befördert zu werden.

Und er hält, was er versprochen hat. Was daran auffällt, ist die Dreistigkeit dieser Macht­ausübung. Mehrere Websites haben bestätigt, daß der Bischof diese drei Männer entlas­sen hat, ohne den Rektor des Seminars oder den Vorstand über seine Entscheidung zu informieren. Ich vermute, sie hätten versucht, die Entlassung der Professoren zu ver­hin­dern – also hat er sie umgangen. Dies entspricht der Methode von Traditionis Custodes, die auf eine glatte Lüge zurückgriff, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Der Zweck heiligt die Mittel, denn die Revolution hat Vorrang vor allem – es geht alleine um den Machterhalt.

Es ist zu hoffe, daß dies ein Weckruf für jene Katholiken ist, die aus welchen Gründen auch immer heute noch leugnen, daß eine solche Revolution stattfindet. Diejenigen, die diese Idee zu schockierend finden, um darüber nachzudenken, möchte ich dringend bitten, sich nicht von den üblichen Verdächtigen täuschen zu lassen, den schwachsin­nigen Internet-Torquemadas, die jeden angreifen, der es wagt, diese fortschreitende Zerstörung des katholischen Glaubens anzuprangern. Jemand auf 𝕏 schrieb, die Entlas­sung dieser Professoren sei in Ordnung gewesen, weil einige Seminare auch unter Johannes Paul II. Professoren entlassen hätten. Meine Antwort ist, daß die Seminare damals nicht genug von ihnen entlassen haben. Seminarprofessoren sollten entlassen werden, wenn sie etwas lehren, das an Häresie grenzt.

Lassen Sie sich nicht von Argumenten über Autorität ablenken. In diesem Konflikt geht es nicht um Autorität. Es geht darum, wozu Autorität da ist: Ist sie Dienst an der göttli­chen, unveränderlichen Wahrheit, die ein für alle Mal in Jesus Christus offenbart und der Kirche zur Bewahrung überliefert wurde, oder wandelbares Diktat, das der Will­zenkür der Machthaber unterliegen. Der Kampf findet zwischen denen statt, die glauben, daß Autorität Wahrheit nur bewahren, nicht aber schaffen kann, und denen, die glauben, Autorität könne Häresie per Dekret in Orthodoxie verwandeln (oder denen, die wollen, daß alle anderen dies glauben, um ihre Pläne voranzutreiben).

Der Bischof hat Echeverria, Peters und Martin entlassen, weil sie sich, wenn auch höflich, gegen das Spiel mit der Häresie wandten, das die Herrschaft von Papst Franziskus ge­kenn­zeichnet hat. Franziskus hat seine Absicht, grundlegende Glaubenssätze der Kirche zu verändern, unmissverständlich zum Ausdruck gebracht. Das geht offen­zsichtlich aus seinem ständigen Refrain hervor, die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils seien „unumkehrbar“, da jeder weiß, daß die progressive Interpretation dieses Konzils eine revolutionäre ist. Wir sollten nicht vergessen, daß der letzte Papst Dokumente herausge­geben oder genehmigt hat, die nahelegten, daß

  1. Sex außerhalb der Ehe aus subjektiven Gründen manchmal nicht sündig sei,
  2. homosexuelle Paare „gesegnet“ werden könnten,
  3. alle Religionen von Gott gewollt seien und
  4. die alte Messe in gewisser Weise inhärent schädlich sei.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, daß jemand, der von diesen Ansichten aufrichtig überzeugt ist, ein katholischer Christ im eigentlichen Sinne ist.

Ich fürchte, viele weigern sich immer noch wahrzunehmen, wie ernst die Lage ist, selbst jetzt noch. Prof. Martin hat seinen Mitarbeitern einen Brief geschrieben, in dem er erklärte, die Einzelheiten seiner Entlassung nicht näher erläutern zu wollen, da dies die „Polarisierung in der Kirche“ verschärfen könnte. Ich bewundere Martin, aber diese Haltung entspringt einer Täuschung. Sie erinnert mich daran, wie Benedikt XVI. Hans Küng als eine Art Friedensangebot zum Mittagessen in den Vatikan einlud. Am nächsten Tag verriss Küng Benedikt in der Presse. Mit diesen Leuten ist nicht zu reden. Über sechs Jahrzehnte des Zerfalls von Pfarreien, Priesterseminaren und Kirchen haben ihre Vor­stel­lungen Glauben nicht im Geringsten beeinflusst. Ich bezweifle, daß dies jetzt noch in irgend einer Weise möglich ist.

Dies ist keine Auseinandersetzung unter Gentlemen, die durch Gesten der Nächstenliebe und Demut gelöst werden könnte. Die Kirche ist nicht „polarisiert“ zwischen zwei Gruppen von Menschen, die dieselben Grundüberzeugungen teilen. Sie ist gespalten zwischen Menschen, die schon lange nicht mehr an irgendetwas glauben, das dem katholischen Glauben ähnelt, und denen, die ihm noch anhängen.

Und diejenigen, die diesen Glauben aufgegeben haben, wollen offensichtlich, daß auch wir anderen diesen Glauben aufgeben. Deshalb tun sie solche Dinge, wann und wo im­mer sie genug Macht dazu erlangen. Wenn sie Dinge sagen wie „Die Reformen des Zwei­ten Vatikanischen Konzils sind unumkehrbar“, meinen sie damit, daß ihr die katholi­schen Dogmen aufgeben müsst, die sie abgelehnt haben, sonst werden sie euch aus der Kirche vertreiben.

Wird Rom eingreifen? Wohl kaum, zumindest nicht von sich aus. Es gibt einen Grund, warum Papst Leo XIV. im letzten Konklave den Progressiven gegenüber vermittelbar war, und ich vermute, daß er nicht gegen sie vorgehen wird, wenn sie solche Dinge tun, selbst wenn diese Dinge ihm mißfallen. Das heißt aber nicht, daß gläubige Katholiken keine Chance haben. Die Hierarchie reagiert oft nicht auf die Sorgen der Gläubigen, aber sie reagieren auf schlechte Presse.

Wenn Unterstützer es schaffen, solche Dinge in den säkularen Medien zu einer Story machen, könnte das die Machthaber zum Handeln bewegen. Prof. Peters hat in einer Nachricht auf 𝕏 erklärt, daß er einen Anwalt beauftragt hat, und ich hoffe, die beiden anderen werden dasselbe tun. Sie sollten auch rechtliche Schritte gegen Internet-Trolle in Erwägung ziehen, die ihren Ruf diffamieren und sie in den sozialen Medien der Häresie bezichtigen. Aber täuschen Sie sich nicht: Solange sie nicht für solche Untaten bestraft werden, werden die Progressiven sie weiterhin begehen.

Die Revolution der Hausmeister wird nicht von selbst aufhören. Ihr müsst sie stoppen oder euch ihr anschließen. Ihre Anführer lassen euch keine andere Wahl. Ich sage das alles nicht, um jemanden zur Verzweiflung zu treiben, sondern um die Menschen zum Handeln zu drängen. Die Hausmeister sind weder zahlreich noch unbesiegbar, und sie können besiegt werden. Aber man muss es tatsächlich erst einmal versuchen.

Es gibt immer Grund zur Hoffnung, und wir glauben an Gottes Versprechen. Am Ende wird er – nicht unsere eigenen Bemühungen – sein Volk retten. Die Frage ist, welche Rolle wir in diesem Drama spielen werden – wir können uns der Revolution demütig unterwerfen oder gegen sie kämpfen. Aber der erste Schritt, um einen Krieg zu gewin­nen, ist die Erkenntnis, daß man einen Krieg führt. Was gläubige Katholiken aus dieser Episode lernen sollten, ist, daß sie Teil eines unabwendbaren Konflikts sind, dem sie nicht aus dem Weg gehen können – man kann ihn nur gewinnen oder verlieren.

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