Nachbetrachtungen zur Stuttgarter Christmette und dem Schleim in der Krippe
13. Januar 2026
Gleichberechtigt - aber immer noch nicht auf Augenhöhe
Wir hatten gehofft, der Umstand, daß die Stuttgarter Schleimfestspiele während unserer Weihnachtspause bundesweit im Staatsfernsehen (hier die YouTube-Aufzeichnung) ausgestrahlt wurde, hätte uns der Notwendigkeit enthoben, selbst etwas zu dieser Veranstaltung zu sagen. Schon an den Weihnachtsfeiertagen war schließlich auf allen Kanälen ein S-Storm (das lesen wir hier einmal als Schleim-Storm) ausgebrochen, und fast alles, was da gesagt wurde, war richtig: Es ist widerwärtig und grundfalsch, die Menschlichkeit, die Fleischlichkeit des Menschen als Ekelpaket zu präsentieren, es ist noch einmal um eine Größenordnung widerwärtiger, das auf die Geburt Christi zu beziehen und damit dieses heilsgeschichtliche Ereignis aus seinen metaphysischen Zusammenhängen herauszulösen. Es ist in hohem Maße kritikwürdig, daß der von unserer aller Steuergeld (denn nichts anderes als eine Steuer ist der zwangsweise erhobene sog. Rundfunkbeitrag) finanzierte Staatssender derlei an einem der höchsten Feste der Christenheit ausstrahlt. Und dabei wurde diese Sendung noch nicht einmal von der Abteilung Religionszersetzung der ARD produziert, sondern vom „seelsorgerlichen“ Personal einer Pfarrei, die sich innerhalb der staatskirchlichen Organisation voller Anerkennung seitens Bistum und Landesamt für Besoldung erfreut.
Der vielen Anhängern der Tradition wohlbekannte Pfarrer Guido Rodheudt hat in einem dieser Tage auf „corrigenda“ erschienenen Beitrag zum Thema nun noch einige Gedanken zu dem für die Gestaltung der Christmette als Schleimspektakel hauptverantwortlichen Pfarrer Thomas Steiger mitgeteilt, die uns besonders beunruhigen müssen.
Zum einen ist Hochwürden Steiger (von dem wir in der Bildersuche von Google kein einziges Photo mit Priesterkragen oder zumindest Verlegenheitskreuz auf dem Revers finden konnten) in seiner Position als Rundfunkbeauftragter des Bistums Stuttgart auch unmittelbar verantwortlich für Konzeption und Durchführung der Schleim-Mette. Ohne ihn oder gar gegen seinen Widerspruch wäre da nichts gelaufen. Zum anderen hat er dort einen Gottes(?)dienst inszeniert, der in zahllosen Punkten gegen die geltenden Vorgaben für eine katholische Messfeier verstieß. Es gab kein „Gloria“ – dessen Gesang doch im Lied der Engel über Bethlehem seinen Ursprung hat – und auch kein Credo, das mit seinem „descendit de caelis et incarnatus es de spiritu sancto ex Maria virgine“ doch den Blick auf die vertikale Dimension der Menschwerdung und des Erlösungswerk gerichtet hätte – und nicht auf die horizontale der menschlichen Not, Bedürftigkeit und Unerlöstheit des Schleimbeutels von Stuttgart.
Doch ausschließlich diese spielen in den gelesenen Texten und insbesondere in den zur Einleitung der eucharistischen Simulation vorgetragenen Fürbitten eine Rolle: Weihnachten als Fst der tätigen Nächstenliebe und daraus hervorgehender Selbsterlösung des Menschen.
Rodheudt macht zudem darauf aufmerksam, daß der eigentliche Skandal dieser im Tandem des Priesters Steiger mit der Pastoralreferentin Katharina Leser durchgeführten Fernsehshow (eine ordnungsgemäß zelebrierte Meßfeier können wir in dem um einen Pseudo-Altar stattfindenden Teilen des Spektakel nicht erkennen, auch an der Gültigkeit haben wir Zweifel) in einer Passage aus der Ansprache von Hochwürden Steiger bestand. Wir zitieren:
Bei der Predigt nun kam es zum eigentlichen, dem theologischen Skandal in der Heiligen Nacht. Ein Skandal, der seine Wurzeln nicht eigentlich in dem unappetitlichen Schleim-Jesus hatte, sondern sich in diesem lediglich widerspiegelte. Der Kern des Affronts gegen die Theologie von der Menschwerdung Gottes lag vielmehr in den Ausführungen des Pfarrers. Denn in der Predigt, die ähnlich streng paritätisch von beiden Gottesdienstprotagonisten gemeinsam gehalten wurde, verstieg sich Pfarrer Steiger zu der Aussage: „Kinder sind klein. Aber in ihnen steckt Großes. Ich denke, darauf wollte Lukas aufmerksam machen, als er die Idee hatte, Gott als Kind auf die Welt kommen zu lassen.“ (ab Minute 24:06)
Zu Weihnachten im 1700. Jahr des Konzils von Nikäa ist das wahrhaftig eine reife Leistung: Die Geburt Jesu Christi, der zweiten Person und des wirkenden Wortes der unendlichen Gottheit als Mensch, wäre demnach nicht geoffenbarte und gelebte Realität, sondern eine literarische Idee des Evangelisten? Oder dem Anlaß entsprechend formuliert: Schleimbeutel ist Schleimbeutel – alles andere ist metaphysisches Gesäusel? Wenn das keine Leugnung geoffenbarter und grundlegender Wahrheit des Christusglaubens ist – was denn dann sonst?
Inzwischen hat ein offener Brief des Diakons Ulrich Franzke an den Stuttgarter Bischof noch einen weiteren Aspekt der Veranstaltung ins Bewußtsein gerückt. Nach einer Kritik an den zahlreichen formalen Mängeln der „Messfeier“ macht er darauf aufmerksam, daß an Weihnachten – ob uns das gefällt oder nicht – vielfach auch Kinder zu Zuschauern der im Fernsehen übertragenen Gottesdienste werden. Das gilt sicherlich auch und gerade in Familien, die sonst selten in die Kirche kommen, und in denen man wenig Verständnis und noch weniger Verstädnishilfen voraussetzen kann. Franzke schreibt:
Mir sind konkrete Reaktionen von Kindern bekannt, die diese Darstellung als verstörend empfanden; hierzu gehört auch mein eigener Sohn! Damit ist eine Grenze überschritten, an der nicht mehr von legitimer Provokation, sondern von Verletzung des liturgischen Schutzraums zu sprechen ist.
Sein Fazit insgesamt:
In der Summe ergibt sich ein schwerwiegendes Bild:
- eine körperlich verstörende Krippen-Inszenierung innerhalb der Messfeier,
- das Fehlen zentraler Glaubens- und Lobtexte (Gloria, Credo),
- ein eigenmächtig gestaltetes Hochgebet im Zentrum der Eucharistie,
- verstärkt durch die bundesweite öffentlich-rechtliche Übertragung.
Dies ist keine Frage von Geschmack oder Stil, sondern eine Entgrenzung der Liturgie, die dem Auftrag der Kirche, insbesondere gegenüber Kindern und Familien, widerspricht.
Wozu wir noch zu betonen haben, daß nicht nur das Hochgebet, sondern praktisch sämtliche liturgischen Texte aus oft stark verkürzenden und theologisch zweifelhaften Eigenformulierungen bestanden, die ohne durchgängige Einhaltung der gebührenden Rollenverteilung mal von Herrn Steiger und mal von Frau Leser vorgetragen wurden.
Als die katholische Kirche noch auf Stubenreinheit ihres Personals achtete, wäre derlei wohl Anlaß für die Einleitung einer kanonischen Voruntersuchung nach can. 1717 gewesen - mindestens. Unter postkonziliaren Bedingungen brauchte die deutschkatholische Diözese Rottenburg Stuttgart drei Wochen für die Formulierung einer gewundenen Mißbilligungs-Erklärung, in der wir unter anderem lesen:
Bischof Dr. Klaus Krämer und die Diözesanleitung haben die Rückmeldungen aufgenommen und in den vergangenen Tagen sorgfältig geprüft. Die Reaktionen auf die Übertragung haben gezeigt, dass religiöse Gefühle verletzt wurden. Dies bedauern die Verantwortlichen für die Konzeption und Übertragung der Christmette sehr und betonen, dass zu keinem Zeitpunkt eine Provokation oder eine Herabwürdigung zentraler Glaubensinhalte beabsichtigt war...
Darüber hinaus kam es in dem Gottesdienst auch zu Abweichungen von der geltenden liturgischen Ordnung. Die Liturgie wurde – mit Blick auf das Fernsehformat – freier gestaltet, als dies zulässig ist. Dies betrifft insbesondere die Ausgestaltung einzelner liturgischer Rollen sowie die konkrete sprachliche und performative Gestaltung. Diese Abweichungen waren so nicht korrekt und werden aufgearbeitet.
Wir harren gespannt der Dinge, die da kommen sollen. Allzu groß sind unserer Erwartungen nicht, zumindest da es keine belastbaren Hinweise darauf gibt, daß Rom – wer auch immer dort den Ton angibt – übermäßig daran interessiert ist, solche Exzesse der „Inkulturation“ in eine der Indifferenz zu- und Gott abgewandte Lebenswelt einzudämmen. Die Weihnachtspredigt von Papst Leo läßt vielmehr vermuten, daß die außschließlich in die Horizontale gerichtetee Sehweise der Stuttgarter Predigt von den amtierenden Redenschreibern des Vatikans weitestgehend geteilt wird.
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