Zur Ankündigung von Bischofsweihen durch die Piusbruderschaft
03. Februar 2026
P. Davide Pagliarini FSSPX
Die Ankündigung der SSPX zur Weihe neuer Bischöfe ist einerseits eine Art „Befreiungsschlag: Die Bruderschaft macht deutlich, daß sie die seinerzeit durch Erzbischof Lefbvre errungene Bestandssicherung nicht nehmen lassen wird – auch nicht durch Drohungen und die Bezeichnung als „Schismatiker“. Das hat jedoch nicht nur erfreuliche Seiten, vor allem außerhalb der Bruderschaft sind negative Auswirkungen zu erwarten. Schon vor dem Vollzug kirchenrechtlich unzulässiger Weihen wird die Ankündigung Unruhe in die Reihen der Tradition tragen. Die Stellungnahme von Bischof Eleganti auf seinem Blog gibt einen ersten Vorgeschmack. Und in jedem Fall wird die Entwicklung den staken Kräften in Rom, die alles, was „vor dem Konzil“ war, aus der Kirche verbannen wollen, neue (Schein-)Argumente für ihre Feldzüge liefern.
Besonders irritierend ist die in der Erklärung der Bruderschaft enthaltene Information, daß deren Generaloberer bereits seit dem vergangenen August – also zwei Monate nach dessen Amtseinführung – um eine Audienz bei Papst Leo Bemüht hat – bislang ohne jede Resonanz. Für freundliche Zusammenkünfte mit dem Patriarchen von Konstantinopel findet sich allemal ein Termin – obwohl das von ihm verkörperte Schisma von weitaus stärkeren theologischen und dogmatischen Differenzen geprägt ist als das der Piusbruderschaft unterstellte. Für moralisch oft zweifelhafte „Celebrities“ aus Kulturbetrieb, Sport und feiner Gesellschaft gab es in den vergangenen Monaten ebenfalls fast täglich Termine, und der bekannte Anwalt der Homosexuellenbewegung P. James Martin S.J. hatte mindestens einmal die Ehre – gerüchteweise öfter.. Die Liste ist lang und ihre Auswahl läßt sich nur in Einzelfällen mit pastoralen Gesichtspunkten oder der Notwendigkeit eines alle Grenzen überwindenden Dialogs begründen. In der Hauptsache geht es um schöne Pressebilder.
Nun ist der schismatische Patriarch von Konstantinopel ein freundlicher alter Herr, wenn auch nur mit begrenztem Einfluss in der Orthodoxie und praktisch ohne jede Bedeutung für die katholische Weltkirche; mit ihm eine Vesper zu beten sieht gut aus und schadet wenig. Anders verhält es sich da mit den Restbeständen der katholischen Kirche in China, deren Bischöfe seit Jahren ebenfalls nicht von Rom, sondern von der dortigen Obrigkeit in Gestalt der kommunistischen Partei ausgewählt werden. Darunter sind dann auch solche merkwürdige Gestalten wie der Bischof von Shanghai Joseph Shen Bin, der als Vorsitzender der Katholischen Patriotischen Vereinigung Chinas deren Glaubensbekenntnis auf die Formel bringt, sie betrachteten „die Zentralwerte des Sozialismus als Leitlinie für eine kreative Interpretation der theologischen Klassiker“. Womit er sich gar nicht so weit von einem anderen häretischen Bischof, nämlich seinem synodalistischen Amtskollegen Bätzing aus Deutschland unterscheidet, der in Rom ein- und ausgeht. Nicht gerade konfliktfrei – aber immerhin und immer wieder. Trotz des unvermindert vorangetriebenen Aufbaus eigener schismatischer Strukturen.
Das alles scheint verzeihlich, solange man sich nicht gegen das Superdogma versündigt, wonach das Zweite Vatikanum unter der Führung des Geistes (welchen Geistes eigentlich, es gibt da Unterschiede?) der Kirche einen Neustart, ja geradezu eine Neugründung für einen neuen Frühling nie zuvor erlebter Grünheit und Glanzes gebracht hätte. Nun ist sich unsereins hinsichtlich der Anerkennung des Zweiten Vatikanums durch die kommunistischen Oberherren der chinesischen Parteikirche nicht so ganz sicher – ihre ohne Abstimmung mit Rom ernannten Bischöfe werden trotzdem anerkannt, zur Not eben nachträglich. Denn: In eine neue glänzende Zukunft der Menschheit zieht es uns ja alle. Nur die Spielverderber von Piusbruderschaft nicht, die sich ihre Zweifel an einigen Errungenschaften der mit dem II. Vatikanum auch in der Kirche nachgeholten „Aufklärung“ trotz allen guten Zuredens nicht nehmen lassen wollen. Für diese Sünde gibt es keine Vergebung, für diese Sünder gibt es keinen „Dialog“, und selbst bei „In illo uno unum“ sollen sie draußen bleiben.
Nun gut – bis zum 2. Juli ist noch etwas Zeit, auch Pfingsten (Veni, Sancte Spiritus) liegt noch auf der Strecke – und daran, daß die Piusbruderschaft schließlich tun wird, was sie nach ihrem Programm tun muß, haben wir auch keinen Zweifel. Die Lage ist – milde ausgedrückt – unübersichtlich: Päpste, die den Jurisdiktionsprimat mißbrauchen oder seine Anforderungen vernachlässigen, „Schismatiker“ die sich gegen diesen Mißbrauch auflehnen – der Herr wird Richter sein. Wir werden jedenfalls in Ruhe abwarten und werden das Thema erst dann wieder aufgreifen, wenn es wirklich Neues aus dem Raum der Tatsachen zu berichten gibt.
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Eine sehr beachtenswerte Erklärung zur Situation hat die Internationale Föderation UNA VOCE veröfentlich. Sie ist (in englischer Sprache) nachzulesen hier auf Rorate Cæli.
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