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Die Drohung mit dem Schisma in den Zeiten der Großen Einheit

07. Februar 2026

6 - Kirchenkrise

Das Photo zeigt die an einem gemeinsamen Gebet(?) mit Papst Johannes Paul II. teilnehmenden Vertreter christlicher Kircheen und nichtchristlicher Religion beim Welttreffen in Assisi 1986

Es beginnt immer mit den besten Absichten: Assisi 1986

Nun hat Papst Leo also den früheren Verfasser sexual-spiritueller Jugend­schriften und gegenwärtigen Präfekten des Glaubensdikasteriums Fernandez damit beauftragt, das Gespräch mit der Piusbru­der­schaft über die angekündigten und vom Vatikan als schismatischer Akt angesehenen Bischofswei­hen der Piusbruderschaft zu führen. Schwer, davon zu reden, ohne in Sarkasmus und Satire abzugleiten. Aber belassen wir es zunächst bei der Vorstellung, als Fliege an der Wand dabei zu sein, wenn die beiden hochwürdigen Herren sich in einem der Bespre­chungs­räume des ehrwürdigen Palazzo des früheren heiligen Offiziums und der römischen Inquisition zur Begrüßung die Hand reichen – sozusagen Häretiker und Schismatiker unter sich.

Der Vorwurf, die Piusbruderschaft begebe sich mit dem Vollzug ungenehmigter Bischofs­weihen – wenn es denn dazu kommt – ins Schisma, verpestet jedenfalls wie Scheiterhau­fen­rauch die Luft und macht auch vielen glaubenstreuen Katholiken schwer zu schaffen. Aber ist er nicht berechtigt? Der auf dem I. Vatikanum zum Dogma erhobene und ent­sprechend in Paragraphen des Kirchenrechts gegossene Jurisdiktionsprimat des Bischofs von Rom ist unzweideutig und kennt keine Ausnahmeregelung und keinen „übergesetz­lichen Notstand“, wie er von der Bruderschaft bereits bei ihren ersten Bischofsweihen 1988 zur Rechtfertigung herangezogen wurde. Das stimmt schon – aber das Kirchen­rechte kann und konnte sich auch nie vorstellen, daß Päpste ihre höchste Pflicht und Aufgabe zur Verteidigung und Festigung des Glaubens höchst lax handhaben und Ver­stö­ße gegen das Recht mal hinnehmen und mal unnachsichtig verfolgen, gerade wie es nach den Erfordernissen der Tagespolitik opportun erscheint.

Brandaktuelle Beispiele dafür sind die Praxis der von der kommunistischen Partei Chi­nas beherrschten „Patriotischen katholischen Vereinigung“ und die vom deutschen Syno­dalen Weg und seinen Gremien beschlossene (aber noch nicht praktisch umgesetzte) Unterwerfung des Episkopats unter pseudodemokratische Räte. Umso strammer geht es in China voran: Bereits 2018 hatte Papst Franziskus als Vorausleistung zum Abschluß des Geheimabkommens zwischen Peking und dem Vatikan alle acht damals noch leben­den von der Partei eingesetzten „patriotischen Bischöfe“ anerkannt und ihre Weihen nachträglich legitimiert. Seitdem wurden, obwohl das Abkommen eine zumindest nominelle Mitwirkung Roms von Anfang an vorsieht, mindestens zwei weitere Bischöfe ohne römische Mitwirkung von der Staatsführung eingesetzt und von patriotischen Bischöfen“ geweiht. Auch diese beiden wurden nachträglich anerkannt – womit das offizielle Schisma also glücklich vermieden ist. Und das, obwohl die „patriotischen Bischöfe“ sich auch in der Lehre der kommunistischen Partei unterworfen haben und dabei mitwirken, die heilige Schrift nach den Vorgaben der Partei in Teilen durchaus sinnentstellend zu „inkulturieren“ – in China spricht man da von „sinisieren“. Diese Bischöfe sind daher nicht nur Schismatiker, sondern auch Häretiker, bei denen mögli­cherweise zweifelhaft ist, ob sie überhaupt noch Christen sind, oder längst atheistische Positionen vertreten.

Das alles ist von hieraus kaum zu verfolgen, wir wagen aber einmal die Vermutung, daß die „patriotischen Bischöfe“ jedenfalls weiter von der überlieferten Lehre und Tradition der Kirche entfernt sind als die Theologen der Piusbruderschaft und wohl auch nicht be­reit waren, das II. Vatikanum vorbehaltlos anzuerkennen. Denn das wird von der Bruder­schaft immer wieder mit Nachdruck gefordert – obwohl doch seit 60 Jahren große Un­klar­heit und Interpretenstreit darüber herrscht, was die Dokumente dieser als Pastoral­konzil einberufenen Versammlung den inhaltlich im Einzelnen besagen. Zustimmung als Blankoscheck ins Ungewisse?

Besonders deutlich sichtbar wird diese Problematik am Beispiel des römischen Umgangs mit den von Rom unabhängigen orthodoxen Kirchen des Ostens. Diese Kirchen sind im wahren Sinne des Wortes „schismatisch“, weil sie den Jurisdiktionsprimat des Papstes ex­pli­zit zurückweisen, ihre Bischöfe und Patriarchen ohne jede Übereinkunft mit Rom er­nen­nen und weihen sowie in ihren Liturgien – anders als die Piusbruderschaft – in kei­ner Weise eine Einheit mit dem Bischof von Rom zum Ausdruck bringen. Dennoch er­kennt Rom sie schon seit langem (nicht erst seit dem II. Vatikanum) als eigene Kirchen im vollen Sinn des Wortes an, weil sie die apostolische Sukzession ihrer Bischöfe, die Dog­men der frühen ökumenischen Konzilien sowie das grundlegende Verständnis und die Praxis der Sakramente bewahrt haben. Wenn sie überhaupt noch römischerseits als „schis­matisch“ bezeichnet werden – was soweit wir sehen selten vorkommt –, dann wird dieser Begriff nicht moralisch aufgeladen, sondern dient zur Beschreibung eines klar auf der Hand liegenden rechtlichen Sachverhalts: Sie haben sich vor vielen Jahrhunderten vom Papst getrennt und beharren auf dieser Trennung. Dennoch sucht Rom freundliche und sogar herzliche Beziehungen zu ihnen – was nicht von allen auf die gleiche Weise erwidert wird. Ein bemerkenswerter Kontrast zum Umgang mit der Piusbruderschaft, von der kein Römisch-Rechtgläubiger zu sprechen wagt, ohne in jedem Absatz von Schis­ma zu sprechen. und seine Vorbehalte gegenüber den Papstleugnern zum Ausdruck zu bringen.

Seit dem II. Vatikanum hat sich dieser freundschaftliche Umgang mit den „getrennten Brüdern und Schwestern“ auch auf die Gemeinschaften aus der Reformation ausgeweitet – obwohl diese nicht nur die Autorität des Papstes zurückweisen, sondern auch die apo­sto­lische Sukzession abgebrochen haben und damit praktisch, aber auch nach dem eige­nen theologischen Selbstverständnis, die Mehrzahl der in der apostolischen Tradition begründeten Sakramente verloren haben. Wirksam „spenden“ spenden sie nur noch die auch aus katholischer Sicht keines geweihten Priesters bedürfenden Sakramente der Taufe und der Ehe – wobei sich ihr Verständnis von dem, was in den jeweiligen Akten zum Ausdruck kommt, teilweise stark von dem unterscheidet, was in der römischen Kirche bis 19665 selbstverständlich war. Die Formel „bis daß der Tod Euch scheidet“ ist bei protestantischen Eheschließungen nur höchst selten zu hören, und über die Bedeu­tung der Taufe reden wir am besten gar nicht.

Unter diesen Umständen ist es einigermaßen irritierend, in der Predigt von Papst Leo bei einer Vesper zur Gebetswoche für die Einheit der Christen mehrfach zu hören, daß diese Einheit bei allen Christgläubigen ja längst erreicht sei und es nur noch darauf an­komme, sie auch nach Außen hin sichtbar und missionarisch wirksam zu machen. Spielt es keine Rolle mehr, ob Christus tatsächlich von den Toten auferstanden ist – oder ob seine Jünger sich nur nach Ansicht vieler protestantischer Theologen und Pfarrer mit dem Kerygma der Auferstehung über ihren Verlust hinweg getröstet getröstet haben, wie das viele protestantische Theologen predigen. Da scheint es keinerlei Bedeutung zu haben, daß neuerdings der Stuhl des Erzbischofs von Canterbury von einer gewissen Sarah Mullay eingenommen wird, die als Frau nun mal nicht die geeignete „materia“ darstellt, um das Sakrament der Ordination zu empfangen und diesen Stuhl zu besteigen – sie ist und bleibt eine Laiin. Machen wir uns wirklich keine Gedanken darüber, daß viele protestantische Denominationen nicht nur das „bis daß der Tod Euch scheidet“ aus ihren Trauungsgottesdiensten verloren haben (mit all den daraus resultierenden Folgen), sondern daß sie es als ganz normal ansehen, nun auch Fred und Robert in den „Stand der Ehe“ zu begleiten, als ob nicht der Herr selbst mit seinem „seid fruchtbar und mehret euch“ (Genesis 1, 28) der Herr selbst ganz deutlich gesagt hätte, was bei der ganzen Ver­an­staltung im Zentrum steht und keinesfalls außer Acht gelassen werden kann?

Sind wir da wirklich „alle eins“ – oder ist das nur ein krankes Einerlei, aufgewuchert im theologischen Sumpf der Nachkonzilszeit, in der sich auch jedes Jahr immer mehr nomi­nell katholische Theologen zu den darin ausgedrückten Häresien bekannten, während immer weniger katholische Hirten und Oberhirten den Mut fanden, dem entgegen­zu­treten. Kann die katholische Kirche wirklich Bestandteil einer Einheit des kleinsten ge­meinsamen Nenners sein, in dem alles gleich-gültig ist und letztlich auch der Gott­mensch und Erlöser Jesus Christus nicht mehr sichtbar ist, weil wir ja mit den (an einen anderen Gott glaubenden) Moslems und den im Prinzip atheistischen Buddhisten ge­meinsam an einer besseren Welt bauen müssen, vereint in der Hoffnung das verlorene Paradies auf Erden und aus eigener Kraft wieder herstellen zu können?

Der Einheitsbegriff des nachkonziliaren Rom, so wie er in dieser Predigt des Papstes umgeben von vielen frommen Wortgirlanden als harter Kern aufscheint, ist offenbar außerordentlich weitgehend. Alle sind inbegriffen, keiner ist ausgeschlossen – nur die ewig Vorgestrigen, die bei dem bleiben wollen, was die Kirche in der Nachfolge Christi 2000 Jahre lang gepredigt und – soweit es die schwachen menschlichen Kräfte zuließen – auch gelebt hat – für die ist, wenn es nach den Fernandez und Roches, den Greches und Hollerichs, geht darin kein Platz: Sie stören die Phantasmagorie der Einheit im Geist des Modernismus, sie sind die letzten verbliebenen Häretiker und haben sich die Bezeich­nung als Schismatiker ehrlich verdient. Vielleicht wird ja ein Ehrentitel daraus.

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