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Mit der Piusbruderschaft in der
römischen Zeitmaschine: „Rein oder raus!“

13. Februar 2026

4 - Gemeinden und Gemeinschaften

Das mit KI erzeugte Bild zeigt ein riesiges Räderwerk mit zahlreichen Zifferblättern im Steampunk-Stil

Die römische Zeitmaschine steht auf 1988

Und jetzt sind wir also wieder in 1988, wenn wir die wenigen Informationen aus den Kommuniqués der Glaubenskongregation und der Piusbru­der­schaft recht verstanden haben: Der Vatikan lädt die Bru­der­schaft zu einem „strukturierten Dialogprozess zur Klärung der Mindesterfordernisse für eine volle Einheit“ an – unter der Bedingung und solange, wie diese von unerlaubten Bischofsweihen absieht und nachdem er es jahrelang nicht für nötig befunden hat, auf mehrere in den Jahren 2017 – 2019 von der Bruderschaft eingereichte Dokumente und Anfragen einzugehen. Eine Korrektur von Konzils­doku­menten sei jedochausgeschlossen. Falls die Bruderschaft tritz dieses großzügigen Angebots die Weihen vornähme, wäre jeder Dialog beendet, Schisma und Exkommunikation wären die notwendige Folge.

P. Pagliarani trug dem Präfekten noch einmal die Position der Bruderschaft vor und er­neu­erte den bislang unerfüllten Wunsch nach einer Audienz bei Papst Leo.

Das alles klingt nicht sehr erfolgversprechend, auch wenn manche Beobachter (z.B. Fr. Zuhlsdorf) in einigen Formulierungen des Kommuniqués hoffnungsvolle Elemente entdeckt haben wollen. Für uns klingt es mehr nach einem Ultimatum des Präfekten – ganz ähnlich dem, das 1988 unter Papst Johannes-Paul II. übermittelt worden war und anschließend zur Weihe der Bischöfe und zur Exkommunikation der Beteiligten führte. Wie es für die Ohren der Piusbruderschaft klingt, werden wir in wenigen Tagen erfahren, wenn die von P. Pagliarani versprochene Antwort der FSSPX veröffentlicht wird.

Aus dem mit zahllosen Minen bestückten Konfliktfeld von Vatikan und Bruderschaft wollen wir hier nur zwei Punkte kurz ansprechen. Das eine ist die von Kardinal Fer­nan­dez festgestellte Unmöglichkeit einer „Korrektur von Konzilsdokumenten“.  Damit schließt er etwas aus, was unseres Wissens niemand verlangt hat: Natürlich können Kon­zils­dokumente nicht nachträglich verändert werden – aber es ist sehr wohl möglich, daß bei unklaren oder widersprüchlichen Einzelaussagen eine korrigierende Interpretation vorzunehmen. Die Notwenigkeit solcher autoritativer Interpretationen ist nach dem jahrzehntelangen Streit um die Aussage vieler Passagen und deren fataler Auswirkungen im kirchlichen Leben unumgänglich – auch wenn die ständige Wiederholung der Rede von der großen Erfolgsgeschichte des Konzils das derzeit unwahrscheinlich macht.

Es ist also noch einmal daran zu erinnern, daß die Piusbruderschaft nie „das Konzil“ insgesamt abgelehnt hat, sondern stets einige Problemkreise konkret benannt und auf Klärung gedrängt hat. Die Bruderschaft als solche hat auch nie den Besuch der Sonn­tagsmesse nach dem Novus Ordo „verboten“, wie das ihre Gegner in den letzten Wochen verstärkt behaupten. Die Bruderschaft beansprucht auch gar kein „Lehramt“, das ein solches Verbot verkünden könnte – sie ist schließlich keine Gegenkirche, sondern eher eine Art Feldhospital. Aber das nur nebenbei.

Erzbischof Lefebvre hatte seinerzeit ausdrücklich die Gültigkeit der Feier der Sakra­mente nach dem Novus Ordo bekräftigt – freilich mit der nicht unwesentlichen, aber auch nach dem allgemeinen Kirchenrecht gültigen Einschränkung, daß diese Sakra­mente „in der Absicht gefeiert werden, das zu tun, was die Kirche tut“. Das ist freilich in den vergangenen Jahrzehnten in manchen Fällen immer zweifelhafter geworden, während umgekehrt die negativen Folgen der Novus-Ordo-Liturgien, die dazu neigen, die Grundaussage der gefeierten Geheimnisse weniger deutlich sichtbar zu machen als die überlieferten Formen, stärker deutlich geworden sind. Der Glaube an die Realpräsenz Christi in den verwandelten Opfergaben ist weithin geschwunden.

Daher gibt es katechetische Texte und pastorale Handreichungen untergeordneter Posi­tionen der FSSPX, die in einer Weise von der Teilnahme an solchen Feiern abraten, die vielleicht als „Verbot“ verstanden werden kann. Hier wäre – z.B. als Folge von Gesprä­chen mit Rom – eine Änderung im Sinne der Grundsätzlichen Aussage von Erzbischof Lefebvre wünschenswert und möglich. Im Übrigen entbehrt es nicht einer gewissen ironischen Note, daß die römischen Instanzen sich offenbar sehr darüber besorgen, die Bruderschaft könne ihre Gläubigen vom gebotenen Besuch der Sonntagsmesse abhalten – während sie gleichzeitig großzügig darüber hinwegsehen, daß der Besuch der Sonn­tags­messe in den meisten nach dem Novus Ordo reformierten Gemeinden völlig zusam­men­gebrochen ist und die Sonntagspflicht auch von den Seelsorgern und Bischöfen kaum noch erwähnt wird. Wer fünf- oder zehnmal im Jahr zur Kirche geht, gilt hierzu­lande schon als „regelmäßiger Gottesdienstbesucher“ – den genauen Prozentsatz für die Erfüllung des Kirchengebots beschließt künftig mit einfacher Mehrheit der ständige Synodalrat.

Das, was über die gestrige Zusammenkunft des Präfekten der Glaubenskongregation mit P. Pagliarani bekannt geworden ist, nährt in bedrückender Weise den Verdacht, daß die römischen Machthaber das Heil der Seelen wenn überhaupt dann nur sehr am Rande im Auge haben. Weder das Seelenheil derer, die durch die Mißstände in Liturgie und Glau­bensverkündigung seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts darum betrogen werden, den authentischen Christusglauben in seinem ganzen Umfang zu erfahren und ihr Leben daran auszurichten. Noch derer, die diese Mißstände so sehr wahrnehmen, daß sie z.B. in der Piusbruderschaft oder anderen Gemeinschaften nach Möglichkeiten suchen, in der Wahrheit des Glaubens zu verbleiben – selbst wenn sie darunter leiden, damit die Einheit mit der Gesamtkirche aufs Spiel zu setzen. Doch für sie geht die Wahrheit der Jahrtau­sen­de gültigen Überlieferung nun einmal vor der formalen Einheit des Augenblicks – selbst wenn das Dogma etwas anderes zu behaupten scheint. Scheint – denn Pastor Æter­nus von 1870, auf dessen härtestes Verständnis sich Fernandez hier stützt, ist seitens des Vatikans im Zeichen des ökumenischen Dialogs mit den Kirchen der Orthodoxie und den Gemeinschaften aus der Reformation bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht worden.

Aber bei der Piusbruderschaft geht es nicht um Ökumene, sondern um Einheitlichkeit im Sinne bedingungsloser Unterordnung unter Rom und die dort gegenwärtig herr­schen­de Mode. „Einheit“ erscheint hier als vieldeutiger Begriff, den man gegenüber dem Patriarchen von Konstantinopel anders verstehen kann als gegenüber den Bischöfen der chinesischen Staatskirche oder wieder anders gegenüber denen derdeutschen Synodal­kirche. Und natürlich gegenüber den Bischöfen der Piusbruderschaft erst recht. Gegen­über den Orthodoxen oder den alten und neuen Lutheranern zeigt sich die römische Zeitmaschine flexibel bis zum Geht-nicht-mehr.  Ansage vom Tonband: „Sie wollen ins Jahr 1054 – bitte sehr, hier einsteigen.“ — „Sie wollen nach 1517 zum großen Dialog – aber gerne, nächster Halt in fünf Minuten. In weiteren 5 Minuten halten wir dann im Jahr der Entdeckung der Synodalität 2013.“ Nur bei der Piusbruderschaft bleibt die Zeitmaschine fest eingestellt auf 1965/1988, und das Tonband plärrt: „Rrrein oder rrraus!“.

Man wird sehen, wie lange das hält bis das Räderwerk auseinanderfliegt.

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