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Die Diskussion über Status und Zukunft der FSSPX ist voll entbrannt — vielleicht, gibt es auch Ergebnisse

24. Februar 2026

4 - Gemeinden und Gemeinschaften

Photomontage mit kleinformatigen Porträts von Kardinal Müller, Weihbischof SChneider, Bischof Strickland und Kardinal Sarah.

Die Teilnehmer an der Debatte: +Müller, +Schneider, +Strickland und +Sarah

Lange, vielleicht all zulange, hatten sich die Gläubigen, die der überlieferten Lehre und Liturgie der Kirche treu bleiben wol­len, in dem trügerischen Ruhezustand einge­rich­tet, der sich nach der Aufregung über die ersten ohne päpstlichen Auftrag erfolgten Bischofs­wei­hen und der als römische Antwort darauf fol­gen­den Errichtung der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften (1988) ausgebreitet hatte. Alle konnten „irgen­dwie“ damit leben und auf bessere Zeiten hoffen. Diese Hoffnung hat sich spätestens mit Tradi­tio­nis Custodes zerschlagen. Im Fußvolk der Tradi­tion breitete sich Ratlosigkeit, in den Chefetagen verordnete man sich vorsichtiges Schweigen.

Dieses Schweigen ist nun durch die Ankündigung der Piusbruderschaft aufgebrochen worden – auch der Nachfolger Petri wird sich nicht länger vornehm zurückhalten kön­nen, ohne die Daseinsberechtigung seines Amtes in Frage stellen zu lassen. Summorum-Pontificum kann die nun ausgebrochene Debatte nicht in allen Einzelheiten reflektieren – aber wir können auf einige besonders wichtig erscheinende Beiträge hinweisen. Nach Kardinal Müller, der besonders kirchenrechtliche und dogmatische Aspekte in den Mittelpunkt seines Appells stellte, hat sich nun auch Kardinal Sarah zum Thema geäu­ßert. Bei ihm steht die Sorge um die Einheit der Kirche unter dem Nachfolger Petri im Mittelpunkt. Beide Kardinäle appellieren an die Bruderschaft, die von ihr geplanten Weihen abzusagen und sich dem Papst im Gehorsam zu Christus zu unterwerfen. Nicht mit Bedingungen, wohl aber mit Hoffnungen.

Die Kardinäle Müller ebenso wie Sarah präsentieren Argumente, die auch von denen ernsthaft bedacht werden können, die sich ihren Schlußfolgerungen letztlich nicht anschließen wollen. Die Wahrheit und das Recht liegen zwar bei weitem oft nicht in der Mitte – aber hochfahrende Mißachtung von Gegenpositionen ist auch nicht wirklich ein Erfolgsrezept.

Eine Gegenposition zu den Appellen der Kardinäle hat bereits zu Anfang des Monats Bischof Strickland veröffentlicht – wir haben seine Rechtfertigung des Arguments der FSSPX, daß die Kirche sich derzeit in einer außerordentlichen Notlage befindet, die außerordentliche Maßnahmen notwendig macht, bereits hier auf Deutsch nachveröf­fentlicht. Bischof Athanasius Schneider schließt sich dieser Einschätzung zumindest insoweit an, als er seinen Appell zum Einlenken nicht primär an die Bruderschaft, sondern an den Inhaber des Petrusamtes selbst richtet: „Es wäre eine Tragödie, wenn die Bruderschaft vollständig abgeschnitten würde, und die Verantwortung für eine solche Spaltung läge in erster Linie beim Heiligen Stuhl.“

Zum Abschluß dieses kurzen Lageberichts wollen wir noch auf zwei Stimmen verweisen, die uns etwas ratlos zurücklassen. – und die vielleicht gerade deshalb einer sorgfältigen Lektüre bedürfen. Es geht um die Beiträge The Cosplaying Traditionalism of the SSPX von Larry Chapp und How Have the Popes Treated the SSPX? von Fr. Raymond J. De Souza im National Catholic Register. Der Register ist meistens bemüht, eine „Mittlere Linie“ einzuhalten – so auch im Beitrag seines Rom Korrespondenten Edward Pentin zur Ankündigung der Weihen. Aber nicht immer. Die oben verlinkten Verfasser, Chapp ebenso wie de Souza, sind uns als untadelig glaubenstreue Autoren bekannt; wir haben beide hier auch schon mit Artikeln zitiert. Doch in den zwei oben verlinkten Kommen­taren dreschen sie in einer emotionalen Art auf die Piusbruderschaft ein, die uns wie schon gesagt ratlos zurückläßt. „Einheit“, „Gehorsam“, „Spaltung“, „Hochmut“, „Undank­barkeit“ … – kein denkbares Schlagwort, kein Vorwurf bleibt unausgesprochen. Bewegt und bewirkt wird damit nichts.

Das „Right or wrong, my Pope“ ist stark im rechtgläubigen Mainstream des US-Katholi­zismus. Und besser als das deutsche "Los von Rom" ist es allemal.

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