Petrus Damiani: Von der Überzeitlichkeit Gottes – „Bevor die Engel erschaffen wurden“
26. Februar 2026
Tibi omnes Angeli ... incessabili voce proclamant: Sanctus, Sanctus, Sanctus.
Dieser Auszug aus dem Brief des hl. Petrus Damiani von der Überzeitlichkeit Gottes sollte ursprünglich am vergangenen Samstg (21. Februar), dem Festtag des Heiligen, erscheinen. Er wurde aber wie derzeit so Vieles durch die Aktualitäten eines gottlosen Zeitalters verdrängt.
Bereits vor der Erschaffung der Engel, vor der Zeit und vor allem Zeitlichen, besaß ER wahrhaft den vollen Reichtum der Unsterblichkeit und Herrlichkeit. Dennoch bewogen Ihn weder Einsamkeit noch Notwendigkeit dazu, etwas zu erschaffen, was noch nicht war, sondern allein der Drang Seiner liebenden Güte. Auch die Erschaffung der Welt konnte Seiner Seligkeit nichts hinzufügen, da ER in sich selbst und in sich selbst so vollkommen ist, daß Ihm durch ein existierendes Geschöpf nichts hinzukommt, und Ihm nichts mangelt, wenn es vergeht. Denn „alle Ströme fließen ins Meer, und doch ist das Meer nicht voll von ihnen.“ (31)
Auch die Macht der Engel, so groß sie auch sein mag, kommt nicht aus ihnen selbst, sondern stammt von ihm; obwohl sie unsterblich sind und ihr gesegnetes Leben völlig endlos besitzen, kann man sie, da sie sich in Bezug auf Ort und Zeit verändert, nicht als gleich ewig mit ihrem Schöpfer betrachten, der seinem Wesen nach Macht, Unsterblichkeit und Ewigkeit selbst ist. … Andererseits scheint die Seligkeit des Engels, wenn man sie nach ihrem Wesen beurteilt, mit gewisser Berechtigung ewig zu sein, da sie in keiner Weise einem Ende unterliegt; und es wird zu Recht gesagt, daß sie ewig besteht, weil ihr gesegnetes Leben niemals endet. Gott aber herrscht nicht nur ewig, sondern in Ewigkeit und darüber hinaus. ER umfasst in der Tiefe Seiner Voraussicht alle Ereignisse der Zeitalter und erfasst sie in tiefstem Einblick nicht nur als zukünftiges, sondern als wahrhaft gegenwärtiges und Seinem Blick unterworfenes Geschehen; ER regiert alles mit absoluter Souveränität, dessen Gesetzen alle Dinge unterworfen sind. Unterwerft euch; ER lenkt alle Geschöpfe nach Seinem Willen; denn ER leitet und mäßigt den Lauf des Lebens, ER gestaltet die Form und Art aller Wesen und teilt jedem nach seinem Willen die zum Handeln notwendige Fähigkeit zu; von Ihm und durch Ihn existiert alles, was existiert, und ohne Ihn wäre alles Existierende gewiss nichts. (36)
So besitzt der allmächtige Gott weder ein Gestern noch ein Morgen, sondern ein ewiges Heute, von dem nichts weggenommen und nichts hinzugefügt wird, von dem nichts sich widerspricht und mit dem nichts im Konflikt steht. … In Seinem Heute ist zudem der Augenblick, in dem die Welt begann, noch nicht vergangen, und in diesem Augenblick ist bereits der Tag gegenwärtig, an dem die Welt von der Gerechtigkeit des ewigen Richters gerichtet werden wird. … Die Zeit, die sich für uns äußerlich in Bezug auf äußere Dinge bewegt, ist für Ihn etwas Inneres und vergeht nicht; daher geschieht es, daß in Seiner Ewigkeit eine feste Beständigkeit alles durchdringt, was äußerlich mit dem Lauf der Zeitalter unaufhörlich in Unbeständigkeit dahinfließt. Mit Gott, Folglich ist Seine Ewigkeit nur ein einziger Tag, den der Psalmist als endlos und endlos beschreibt, wenn er sagt: „Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend (anderswo).“ (37)
Wie ist es also möglich, daß ER, der in Seiner majestätischen Gegenwart unveränderlich alles Geschaffene und Zukünftige bestimmt und festigt, in Bezug auf alle vergangenen und zukünftigen Ereignisse wirkungslos sein sollte? Warum auch, da ER doch unbeweglich gegenwärtig ist in der Zeit vor dem Geschaffenen ebenso wie in dem Zeitraum, in dem ER beschloss, daß alles zeitlich aufeinander folgen sollte? (38)
Offensichtlich findet man deshalb unter den prophetischen Aussagen der Heiligen Schrift oft vergangene Taten als zukünftige Ereignisse beschrieben und andere, die erst lange später geschehen sollten, als bereits geschehen. So spricht der Herr, der sein Leiden noch nicht erlitten hatte, mit den Worten des Propheten: „Ich gab meinen Rücken denen hin, die mich schlagen, meine Wangen denen, die mir den Bart ausrissen; „Mein Gesicht habe ich nicht vor Schlägen und Bespucken geschützt.“ Vor der Auferstehung sagt Er: „Ich bin auferstanden und bin noch immer bei euch.“ Und über die zukünftige Himmelfahrt und die zukünftige Gabe des Heiligen Geistes sagt ER: „Er fuhr mit Gefangenen in seinem Gefolge in die Höhen hinauf; er gab den Menschen Gaben; denn alle Zeiten stehen zugleich vor seiner Weisheit, aus der sie hervorgegangen sind, und zukünftige wie vergangene Ereignisse stehen vor Ihm stets gegenwärtig, fest und unbeweglich. So konnte ER ebenso gut sagen: ‚Sie gaben mir Galle zu essen‘, wie: ‚Sie werden mir Galle geben‘; und ER sagt auch: ‚Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt‘, wie: ‚Sie werden sie durchbohren.‘“ (39)
Aus Brief 119 an die Mönche von Monte Cassino von 1065, „Über die göttliche Allmacht“. Aus der englischsprachigen Wiedergabe seiner Briefe und mit den dort angegebenen Kapitelnummern nach Dokumen-pub. Petrus Damiani (1007–1073) war Kardinalbischof von Ostia und wurde 1828 zum Kirchenlehrer erhoben. Sein Gedenktag war am vergangenen Samstag. Übersetzt wie meist seit Mitte 2024 unter Heranziehung von Google-Translate.
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