Summorum Pontificum.de

„Laetare in Zeiten der Demütigung“
— Chris Jackson zum Ordinarium des
4. Fastensonntags

16. Februar 2026

6 - Kirchenkrise

Die Illustration zeigt eine verdunkelte Felsenlandschaft. Im Vordergrund weist ein Engel einer ihn begleitenden Figur in niedergeschlagener Haltung das weit im Hintergrund liegende hell erleuchtete himmlische Jerusalem, über dem seltsame Wolkengebildete ein geheimnisvolles Geschehen andeuten.

Das Licht leuchtet aus der Finsternis

Chris Jackson hat am 4. Fastensonntag eine Betrachtung zum Ordinarium des Tages veröffentlicht, die dessen Texte, insbesondere aber das Evangelium von der wunderbaren Brotvermehrung, aus der Perspektive einer Gegenwart beleuchten, der es an nichts so sehr mangelt wie am Brot des lebendigen Wortes – und am Vertrauen darauf, daß trotz der gegenwärtig in Welt und Kirche herrschenden Finsternis Grund zur Hoffnung und damit zur Freude besteht.

Wir haben den auf Jacksons Substack Hiraeth in Exile erschienenen Text vollständig übersetzt - wie stets mit Unterstützung von Google-Translate. Der Text von Jackson ist länger, als wir das normalerweise unseren Lesern zumuten. Aber jeder Absatz lohnt die Lektüre.

 

 

Die Kirche schenkt uns rosafarbene Messgewänder, während die Welt Bußge­wänder erwartet. Sie gebietet Freude, während das Heiligtum geschändet wird, Diözesan-Managern und Ideologen übergeben werden, Bischöfe die Tradition wie eine ansteckende Krankheit behandeln und die katholische Elite weiterhin erklärt, warum jede neue Schändung gelassen hingenommen werden müsse. Auf den ersten Blick wirkt dieses Gebot fast streng. Freue dich, Jerusalem! Freue dich mit Freude, du, der du getrauert hast!

Doch genau deshalb erscheint diese Messe gerade jetzt.

Die Liturgie fordert uns nicht auf, so zu tun, als sei der Schmerz unwirklich. Sie benennt ihn. Du, der du getrauert hast. Die Kirche schmeichelt uns nicht mit Optimismus. Sie verteilt keine billigen Ermutigungen. Sie spricht zuerst die Wahrheit aus. Es gab Verluste. Es gab Demütigungen. Es gab Strafen. Das Tagesgebet bringt es mit ungewöhnlicher Direktheit zum Ausdruck: Wir, die wir für unsere Sünden leiden. Langsamkeit ist kein Theater. Krise ist keine Abstraktion. Züchtigung ist kein Slogan für wütende Männer im Internet. Wir erleben eine Zeit, in der Gott zugelassen hat, daß die einst mit katholischer Stärke verbundenen äußeren Strukturen zu Instrumenten der Verwirrung, des Zwangs und der Beschämung geworden sind.

Und dennoch sagt die Kirche: Freut euch.

Warum? Weil unsere Freude niemals vom Gedeihen der Bürokratie, dem Mut der Konfe­renzbischöfe oder der moralischen Ernsthaftigkeit der katholischen Experten abhängen sollte. Wer seinen Frieden darauf gründet, wird in ständiger Zerrissenheit leben. Ein Bischof sagt etwas Anständiges, zehn andere untergraben die Tradition, einige konser­va­tive Kräfte raten zur Ruhe, und die Seele beginnt mit jeder Schlagzeile zu schwanken wie ein Blatt im schmutzigen Wasser. Der Sonntag Laetare reißt uns aus dieser Gewohnheit. Er richtet unseren Blick nach oben. Die hier angebotene Freude ist nicht die Freude über ein positives Image. Es ist die Freude, zu etwas zu gehören, das uns kein moderner Prälat wegnehmen kann.

Das Jerusalem, das nicht besetzt werden kann

Der Introitus beginnt mit Jerusalem, doch der heilige Paulus wird bald zwischen zwei Jerusalems unterscheiden. Das eine ist irdisch, kompromittiert, auf demütigende Weise sichtbar, belastet von Knechtschaft. Das andere ist droben. Frei. Unsere Mutter.

Dieser Gegensatz trifft in einer Zeit wie der unseren mit voller Wucht.

Viele traditionelle Katholiken leiden darunter, mitanzusehen, daß sich das irdische Jeru­salem wie ein Fremder verhält. Die Institutionen, die das Erbe schützen sollten, ver­schwenden ihre Energie damit, dessen Überreste zu regulieren. Männer, die den Glauben verteidigen sollten, reden wie Therapeuten, Unternehmensberater oder Parteisprecher. Ganze Diözesankulturen haben sich in Misstrauen gegenüber Ehrfurcht und Nachsicht gegenüber Neuem herausgebildet. Selbst viele der lautesten „orthodoxen“ Stimmen wurden zu einer Art professioneller Zurückhaltung erzogen. Sie werden die Exzesse der Linken so lange kritisieren, bis der Gehorsam gegenüber dem herrschenden System unbequem wird. Dann ändert sich der Ton. Prinzipien verschwimmen. Das Gedächtnis schwindet. Die alten Maßstäbe werden stillschweigend beiseitegeschoben.

Der heilige Paulus lässt die Seele in diesem Widerspruch nicht ersticken. Er weist darüber hinaus. Das himmlische Jerusalem ist frei, es ist unsere Mutter.

Diese Zeile erinnert uns daran, daß das tiefste Leben der Kirche nicht durch den Zustand ihrer gegenwärtigen öffentlichen Verwalter definiert wird. Die Kirche ist nicht identisch mit der Stimmung Roms in einem bestimmten Jahrzehnt, mit den jüngsten Bischofs­er­nen­nungen oder mit der Medienkaste, die sie umgibt und jede Katastrophe in „Komple­xität“ umdeutet. Die Kirche ist übernatürlich, mütterlich, in ihrem Wesen unzerstörbar und fruchtbar, selbst wenn sie verlassen erscheint. Ihre Schönheit ist älter als die Revo­lution und wird die Männer überdauern, die ihre gegenwärtige Phase gestalten.

Deshalb kann sich der treue Rest der Kirche im Exil fühlen, ohne sich verwaist zu fühlen. Die Gebäude mögen beschlagnahmt werden. Die Diözese mag spotten. Die angesehenen Katholiken mögen die wenigen, die sich noch erinnern, belehren. Doch die Mutter bleibt bestehen. Das himmlische Jerusalem ist nicht erobert. Seine Lehre hat sich nicht verän­dert. Seine Sakramente haben nichts von ihrer Kraft eingebüßt. Seine Heiligen haben ihre Sprache nicht dem Zeitgeist angepasst. Sein Andenken ist unversehrt, selbst wenn die Männer in den Ämtern verzweifelt versuchen, sich davon zu lösen.

Kinder der freien Frau

Der Galaterbrief ist nicht bloß ein Kontrast zwischen den Formen des Alten und Neuen Bundes. Er offenbart auch, wie Verfolgung in der Heilsgeschichte wirkt. Ismael verspottet Isaak. Das Kind nach dem Fleisch verfolgt das Kind nach der Verheißung. So ist es auch heute, sagt der heilige Paulus. Nicht damals. Sondern heute. Dies hat etwas Zeitloses an sich. Wer sich nur auf irdische Logik verlässt, kann die Ansprüche göttlicher Verheißung nicht ertragen. Er sträubt sich gegen das, was er nicht selbst erschaffen kann. Er misstraut dem, was er nicht gemacht hat. Die übernatürliche Ordnung irritiert jene, die Religion als Verwaltung, Gefühlsduselei, Soziologie oder gelenkte Integration betrachten. Jedes Zeitalter kennt seine eigene Form dieser Feindseligkeit.

Auch heute noch provoziert die alte katholische Religion, gerade weil sie sich nicht in die Kategorien des nachkonziliaren Establishments pressen lässt. Die Tradition ist zu eindeu­tig, zu männlich in ihrer Autorität, zu opferbereit in ihrer Liturgie, zu streng in ihren Dogmen, zu lebendig im Erbe der Erinnerung. Sie lässt sich nicht in das therapeutische Schema pressen. Deshalb muss sie eingezäunt, abgewertet, verspottet, pathologisiert oder nur unter erniedrigenden Bedingungen toleriert werden.

Der heilige Paulus beantwortet all dies, indem er die wahre Abstammungslinie woanders verortet. Wir sind nicht Kinder der Sklavin, sondern der Freien. Das Erbe gehört nicht denen, die die sichtbaren Machtstrukturen im jeweiligen Augenblick regieren. Das Erbe gehört denen, die in der Verheißung bleiben.

Das sollte der Seele Halt geben. Die gegenwärtigen Herrscher der kirchlichen Ödnis kön­nen Erlaubnisse gewähren, Einschränkungen auferlegen, Schmeichler fördern und die Frommen bestrafen. Sie können das Gewissen unterdrücken und Fügsamkeit belohnen. Sie können die Tradition mit juristischen Dornen umhüllen und es Seelsorge nennen. Doch sie können sich nicht allein durch die Besetzung von Ämtern zu Erben machen. Das Erbe bleibt an die Verheißung Christi gebunden, an den ein für alle Mal überlie­fer­ten Glauben, an die organisch überlieferten Liturgie des Gottesdienstes, an die Lehre, die überall, immer und von allen in dem Sinne geglaubt wird, wie die Kirche sie immer verstanden hat.

Wenn sich die Gläubigen also klein, in die Enge getrieben und zahlenmäßig unterlegen fühlen, durchbricht der Brief des Apostels die Fassade. Isaak wirkte schwächer als Ismael. Verheißungen wirken oft trügerisch. Doch Verheißung ist die Zukunft. In der Verhei­ßung liegt das Erbe.

Brot in der Wüste

Das Evangelium erzählt von der Speisung der Fünftausend auf einem Berg kurz vor Pes­sach. Die Menschen sind hungrig. Die Vorräte scheinen absurd gering. Philippus berech­net sie. Andreas sieht einen Jungen mit fünf Broten und zwei Fischen und schämt sich sofort für diese Beobachtung: Was bedeuten diese unter so vielen?

Diese Frage ist uns vertraut.

Was ist eine kleine Kapelle inmitten so vieler diözesaner Einrichtungen?

Was ist eine Handvoll Priester, die noch an alles glauben, inmitten so vieler, die die Spra­che der Anpassung sprechen?

Was ist eine Familie, die ihre Kinder sorgfältig unterweist, inmitten so vieler Institu­ti­onen, die mit einem Lächeln Verwirrung stiften?

Was ist ein Rest, verstreut in Pfarreien, Kapellen, gemieteten Sälen und Wohnzimmern, während die offiziellen Organe des katholischen Lebens vom Mainstream kompromit­tiert werden?

Was sind diese unter so vielen?

Die Antwort ist Christus.

Er verlangte nie Überfluss, bevor er handelte. Er verlangte Treue. Er bat die Apostel nicht, die Krise zu lösen, bevor er eingriff. Er bat sie lediglich, das Vorhandene zu nutzen. Das Wunder beginnt, sobald das Wenige in seine Hände gegeben wird.

Das ist einer der tröstlichsten Aspekte dieses Evangeliums für Katholiken in einer Zeit des Umbruchs. Gott ist nicht gelähmt von Mangel. Er lässt sich nicht von der scheinba­ren Schwäche seiner Werkzeuge entmutigen. Er brauchte nie günstige Voraussetzungen, um sein Volk zu speisen. Die Wüste war schon immer einer seiner bevorzugten Hand­lungsorte.

Betrachten wir die Geschichte der Kirche. Der Glaube breitet sich aus durch Katakom­ben, Wüsten, Klöster, umkämpfte Familien, verborgene Missionen, ärmliche Kapellen, verbotene Riten, abgenutzte Bücher und Priester, die zu wenige schienen, um etwas aus­zu­machen. Gott hat Freude an demütigenden Zahlen. Er lässt Philippus rechnen und speist dann trotzdem die Menge.

Das entschuldigt jedoch nicht Passivität. Noch immer bringt der Junge die Brote. Noch immer verteilen die Jünger sie. Weiterhin knien die Gläubigen nieder, beten, fasten, unterweisen ihre Kinder, unterstützen treue Geistliche und lehnen den betörenden Scheinfrieden ab. Doch Verzweiflung ist eine Form des Vergessens. Wir beginnen, in Kategorien von Personal, Budgets, Sichtbarkeit und Einfluss zu denken. Christus denkt in Kategorien der Souveränität.

Die Männer, die heute die sichtbaren Strukturen der Konzilsordnung leiten, verhalten sich, als gehöre ihnen die Zukunft. Das tut sie nicht. Christus speiste fünftausend Men­schen in der Wüste. Er kann die Seinen unter tausend Bischöfen bewahren. Er kann einen Rest nähren, wenn sich die öffentlichen Hirten wie Mietlinge, Bürokraten oder Hoftheologen der Zeit verhalten.

Sammelt die Bruchstücke

Es gibt ein weiteres Detail im Evangelium, das mehr Beachtung verdient: Sammelt die übrig gebliebenen Bruchstücke, damit sie nicht verloren gehen.

Nach einem Wunder des Überflusses folgt das Gebot der Ehrfurcht. Nichts darf wegge­worfen werden. Was Christus gesegnet hat, muss gesammelt werden.

Das klingt fast wie eine Charta für unsere Zeit.

Traditionelle Katholiken haben jahrzehntelang Bruchstücke gesammelt. Bruchstücke der Liturgie, Bruchstücke der Katechese, Bruchstücke der Erinnerung, Bruchstücke sakra­men­taler Ernsthaftigkeit, Bruchstücke der Moraltheologie, Bruchstücke des alten römi­schen Instinkts. Hier ein vergessener Brauch. Dort ein vergessenes Thema. Ein aus dem Regal gerettetes Gebetbuch. Ein Kind, das das Knien lernt. Ein überliefertes Lied. Eine improvisierte Wiederherstellung. Eine Lehre, die nach Jahren der Beschönigung endlich wieder deutlich ausgesprochen wird. Oft wirkt diese Arbeit kleinlich und defensiv. Doch im Lichte dieses Evangeliums gewinnt sie sakramentale Würde. Sammelt die Bruchstücke. Lasst nichts verkommen.

Die modernen Kirchenmänner behandeln das Erbe wie eine Ware. Sie vergeuden, was frühere Zeiten bewahrten. Sie tun so, als ließen sich Schätze endlos einschmelzen und zu pastoralen Neuheiten umformen, ohne daß es Folgen hätte. Doch Christi Gebot geht in die entgegengesetzte Richtung. Bewahrt, was aus seiner Hand kommt. Lasst Heiliges nicht durch Nachlässigkeit verloren gehen.

Deshalb sind die alten Riten, die alten Disziplinen, die alte dogmatische Präzision, die alten Instinkte der Ehrfurcht so wichtig. Sie sind keine antiquarischen Hobbys. Sie sind Bruchstücke eines Festes, das von Christus durch seine Kirche über die Jahrhunderte hinweg kam. Wer sie verachtet, offenbart, daß er die Logik der Dankbarkeit verloren hat. Wer sie sammelt, bewahrt mehr als nur Ästhetik. Er hält den Glauben in einer Zeit der Hungersnot aufrecht.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Die Bruchstücke genügen vollkommen. Zwölf Strohkörbe sind übrig. Was anfangs dürftig erschien, erweist sich nach dem Wunder als überreichlich. So wirkt Gott oft in der Geschichte. Der Rest beginnt mit scheinbar nichts. Spätere Generationen entdecken, daß aus Gnade aus dem Nichts Samen geworden ist.

Entschlossene Einheit in einem Zeitalter gewollter Spaltung

Die Kommunionantiphon preist Jerusalem als eine Stadt von dicht geschlossener Bau­weise. Dieser Ausdruck verletzt und heilt zugleich. Wir wissen sehr wohl, daß die sicht­bare Landschaft des Katholizismus heute alles andere als geschlossen wirkt. An der Spitze herrscht Verwirrung, darunter Spaltung, und dazwischen ein seltsames Theater künstlicher Einheit. Männer feiern die „Kommunion“, während sie jene Formen angrei­fen, die der katholischen Einheit einst ihre sichtbare Gestalt verliehen. Sie sprechen endlos von Begleitung, während sie den Zerfall beaufsichtigen. Sie preisen die Vielfalt und erzeugen Zersplitterung. Sie reden davon, dem Volk Gottes zuzuhören, während sie Krieg gegen das führen, woran die Gläubigen tatsächlich festhalten.

Dennoch besingt die Liturgie die entschlossene Einheit.

Diese Einheit gründet sich zuerst auf die Wahrheit. Sie gründet sich auf den einen Glau­ben, das eine Opfer, die eine sakramentale Ordnung, die eine von Christus empfangene Lehre. Äußerlicher Frieden, erkauft durch doktrinäres Schweigen, ist keine Einheit. Bürokratischer Zusammenhalt, gesichert durch Einschüchterung, ist keine Einheit. Mediendisziplin, die sich als Treue tarnt, ist keine Einheit. Die katholische Einheit hat Inhalt. Sie hat dogmatische Grenzen. Sie hat liturgischen Ausdruck. Sie hat moralischen Ernst. Sie hat Erinnerung.

Daher sollte der traditionelle Katholik, der diese lange Demütigung durchlebt, Mut fas­sen. An dem festzuhalten, was die Kirche seit jeher gelehrt und überliefert hat, bedeutet nicht, die Einheit zu verlassen. Es bedeutet, in ihrer tiefsten Wirklichkeit zu verweilen, während die äußeren Strukturen erschüttert werden. Die heutige Zeit neigt dazu, Be­zeich­nungen umzukehren. Treue wird als Extremismus bezeichnet. Erinnerung als Starr­heit. Frömmigkeit als Ideologie. Doch Gott läßt sich von dieser Umbenennungskam­pagne nicht täuschen. Er kennt seine Stadt, selbst wenn Eindringlinge einige ihrer Tore besetzt haben.

Die Hilfe der Gnade

Das Tagesgebet verdient es, aufs Neue gehört zu werden: Allmächtiger Gott, wir bitten Dich, gib, daß wir, die wir zu Recht für unsere Sünden leiden, durch Deine Gnade Trost finden.

Hierin liegt ein tiefer Realismus. Trost beginnt nicht mit Selbstlob. Er beginnt mit Reue. Jeder Katholik, dem die gegenwärtige Krise ernst ist, muss dort ansetzen. Bevor man von schlechten Bischöfen, feigen Kommentatoren, gotteslästerlichen Neuerungen und fal­schen Hirten spricht, muss jede Seele mit ihren eigenen Sünden abrechnen. Die Kirche wird gezüchtigt, und wir sind nicht nur Zuschauer dieser Züchtigung. Wir gehören zu der Generation, die sie erfährt.

Das sollte uns nachdenklich stimmen, aber auch seltsam hoffnungsvoll. Wäre die Krise rein politisch, hinge sie von politischen Lösungen ab. Wäre sie rein institutionell, wären wir den Akteuren der Institutionen ausgeliefert. Doch das Tagesgebet verortet den Kern der Sache in der Gnade. Wir leiden – und wir verdienen das mehr, als wir zugeben. Gott kann uns erlösen. Das Entscheidende ist also nicht durch Einflussnahme zu erreichen. Es ist durch die Gnade zu erreichen.

Das verschiebt das Kampffeld schlagartig. Die Beichte ist wichtiger als Kommentare. Das Gebet ist wichtiger als Netzwerke. Das Fasten ist wichtiger als zur Schau gestellte Empö­rung. Der Rosenkranz ist wichtiger als Strategiebesprechungen. Die ehrfürchtige Teilnah­me an der wahren Messe ist wichtiger als die Rezeption der neuesten Expertenmei­nun­gen. Die Seele, die in der Gnade lebt, befindet sich bereits an einem Ort, den kein Bischof vollständig erreichen kann.

Das ist kein Quietismus. Es ist ein Kampf im wahrsten Sinne des Wortes.

Freut euch, denn Christus weiß bereits, was er tun wird.

So freue dich, Jerusalem! Freuet euch alle, die ihr sie liebt! Nicht, weil die Krise unbe­deu­tend wäre. Nicht, weil die Verantwortlichen harmlos wären. Nicht, weil die Künstler des Kom­promisses plötzlich Mut fassen. Freue dich, weil die Kirche immer noch deine Mut­ter ist. Freue dich, weil das Verheißene den Besitz übertrifft. Freue dich, weil das Brot nicht versagt hat. Freue dich, weil die Bruchstücke immer noch Bedeutung haben. Freue dich, weil der Berg Zion steht, wenn die Regime wanken. Freue dich, weil Christus Chri­stus bleibt und kein Zeitalter das letzte Wort über ihn hat.

Der treue Rest hat allen irdischen Grund, sich in der Minderheit zu fühlen. Der Laetare-Sonntag lehrt sie, auf andere Weise zu zählen und zu rechnen.

*