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Interview von Fr. Marco Begato mit
Willem Jacobus Kardinal Eijk zum Ponti­fi­kalamt in Oss

26. Närz 2026

1 - Liturgie

Das Photo zeigt den Kardinal in seiner Kappa Magna - deren Schleppe er gerafft über dem linken Arm trägt - beim feierlichen Einzug in die Kirche von Oss.

Beim feierlichen Einzug

Am 19. März hatten wir kurz über das Pontifikalamt des Utrechter Erzbischofs Kardinal Eijk vom 15. des Monats in der niederländischen Kleinstadt Oss berichtet – es ist das erste, das der Kardinal im überlieferten Ritus zelebriert hat. Fr. Marco Begato hat dazu mit dem Kardinal ein Interview geführt, das am 25. 3. auf MessaInLatino erschienen ist. Hier Text des Interviews in deutscher Übersetzung.

Der Interviewer begann das Gespräch mit der Frage: „Welche spirituellen Gründe haben Eure Eminenz dazu bewogen, diese liturgische Veranstaltung zu unterstützen?“

Seit dem ersten Adventssonntag ist die Erzdiözese Utrecht Heimat einer Gemein­schaft der Priesterbruderschaft St. Petrus. Diese Gemeinschaft hat eine Kirche erworben, die eine Pfarrei der Erzdiözese aufgrund mangelnder Gemeinde­mit­glieder und finanzieller Mittel aufgegeben hatte. Ich freue mich sehr, daß diese Kirche somit eine römisch-katholische Kirche bleibt. Die Priesterbruderschaft St. Petrus feiert die Liturgie in der außerordentlichen Form des tridentinischen Ritus. Ich würde dort sehr gerne eines Tages die Heilige Messe zelebrieren. Vor einigen Jahren lud mich die Priesterbruderschaft St. Petrus ein, in ihrem Priesterseminar in Wigrazbad (Bayern) die Diakonenweihe zu spenden. Damals musste ich diese Einladung ablehnen, da ich mit dem tridentinischen Ritus nicht vertraut war. Deshalb lernte ich Anfang des Jahres während eines kurzen Aufenthalts in einem Kloster des Instituts Christus König und Hohepriester in Deutschland, wie die Heilige Messe nach dem tridentinischen Ritus gefeiert wird. Dort hatte ich zuvor nur die stille Messe eines Prälaten kennengelernt.

Die Eucharistiefeier in der Großen Kirche in Oss war meine erste Pontifikalmesse in der außerordentlichen Form. Glücklicherweise gibt es dort ein Priesterteam, einen Zeremo­niar und Ministranten, die mit diesem Ritus vertraut sind, was die Feier zu einem wirk­lich schönen Erlebnis machte. Ich empfand sie als sehr beeindruckend und unvergesslich. Die Kirche war gefüllt mit andächtig betenden Menschen. Die meisten waren jung, und es waren auch viele Familien da. Viele empfingen das Sakrament der Buße. Der triden­tinische Ritus ist sehr feierlich und bietet viele Momente der Stille, wodurch reichlich Gelegenheit für das persönliche Gebet gegeben wird. Der Priester feiert die Eucharistie nicht, wie oft behauptet wird, „mit dem Rücken zum Volk“, sondern mit Blick zum Altar und somit zu Christus. Dies hilft den Anwesenden, sich bewusst Christus zuzuwenden.

Frage: Wurden die Idee und die Organisation dieser Zeremonie mit anderen Priestern der Diözese besprochen? Oder war es allein Eure Eminenz Entscheidung?

Es gibt eine kleine Gruppe von Priestern in der Diözese Den Bosch, die die Tridenti­nische Messe in Oss feiern. Diese Priester waren jedenfalls anwesend. Darüber hi­naus waren Priester aus eigenem Antrieb gekommen: der Verantwortliche für die Triden­ti­nische Liturgie in der Diözese Paderborn, der über eine Website-Ankündigung erfahren hatte, daß ich in Oss die Heilige Messe nach dem Tridentinischen Ritus feiern würde; zwei Brüder vom hl. Johannes, die beide Tridentinische Messen in einer der Kirchen in Utrecht feiern; und einige Ordenspriester. Außerdem waren drei Priester in der Kirche anwesend, von denen man das Sakrament der Buße und Versöhnung empfangen konnte.

Frage: Wie haben die Gläubigen reagiert? Gab es ein spirituelles Interesse an dieser Feier? Nahmen Christen im Allgemeinen oder nur traditionalistische Gruppen an dieser Messe teil?

Die Teilnehmer der Eucharistiefeier waren sehr dankbar und erfreut, daß ich nach dem tridentinischen Ritus zelebriert habe. Ich habe auch positive Rückmeldungen per Post und E-Mail erhalten. Man kann mit Sicherheit sagen, daß an dieser Feier großes spirituelles Interesse bestand, wie die hohe Teilnehmerzahl, darunter auch Deutsche und Belgier, belegt. Unter den Anwesenden waren einige, die regelmäßig eine tridentinische Messe besuchen, aber auch Katholiken, die üblicherweise an Eucharistiefeiern nach dem Novus Ordo teilnehmen.

Frage: Gab es nennenswerte Reaktionen aus kirchenfeindlichen oder der Kirche fernste­henden Kreisen? Konnte diese Messe ihr religiöses Interesse wecken?

Ich habe keinerlei Interesse an dieser Eucharistiefeier seitens solcher Kreise festgestellt. In den letzten fünf Jahren beobachten wir jedoch eine steigende Zahl junger Men­schen, die jährlich der Kirche beitreten, sowie junger Katholiken, die zwar als Kinder getauft wurden, aber nicht in einem religiösen Elternhaus aufgewachsen sind und später – meist über soziale Medien – den katholischen Glauben kennenlernen und annehmen. Auffällig ist, daß nicht wenige von ihnen durch die tridentinische Liturgie zu Christus und seiner Kirche finden.

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