03. April 2026
Christus mit der Dornenkrone von Guido Reni, 1640
O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn!
O Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron!
O Haupt, sonst schön geschmücket
mit höchster Ehr’ und Zier,
doch nun von Schmach gedrücket
gegrüßet seist du mir!
Du edles Angesichte,
davor das Reich der Welt
erschrickt und wird zunichte
wie bist du so entstellt
Wie bist du so erbleichet!
wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht mehr gleichet,
solch dunkel zugericht.
Die Farbe deiner Wangen,
der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen;
des blassen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
hat alles hingerafft,
und daher bist du kommen
von deines Leibes Kraft.
Nun, was du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last;
ich hab es selbst verschuldet,
was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer,
der Zorn verdienet hat;
gib mir, o mein Erbarmer,
den Anblick deiner Gnad!
Erkenne mich, mein Hüter,
mein Hirte, nimm mich an!
von dir, Quell aller Güter,
ist mir viel Guts getan.
Dein Mund hat mich gelabet
mit Milch und süßer Kost;
dein Geist hat mich begabet
mit mancher Himmelslust.
Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
wann dir dein Herze bricht;
Wann dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinen Arm und Schoß.
Es dient zu meinen Freuden
und kommt mir herzlich wohl,
wenn ich in deinem Leiden,
mein Heil, mich finden soll.
Ach! möcht ich, o mein Leben,
an deinem Kreuze hier
mein Leben von mir geben,
wie wohl geschähe mir!
Ich danke dir von Herzen,
o Jesu, liebster Freund,
für deines Todes Schmerzen,
da du’s so gut gemeint.
Ach! gib, daß ich mich halte
zu dir und deiner Treu,
und, wenn ich nun erkalte,
in dir mein Ende sei.
Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir;
wann ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür.
Wann mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.
Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod,
und lass mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnoth.
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
dich fest an mein Herz drücken.
wer so stirbt, der stirbt wohl.
*
Als Vorlage für dieses hier in der Originalfassung gebotenes Lied bediente sich Paul Gerhardt recht frei des im Hochmittelalter entstandenen Hymnus „Salve caput cruentatum“ von Arnulph von Löwen, den Sie im lateinischen Original und einer deutschen Übersetzung auf dem Hymnarium nachlesen können. Die heute in den Gesangbüchern gebotenen Versionen sind teilweise deutlich überarbeitet.