Wie ein Kriminalroman …
16. April 2026
Diane Montagne
Oder zumindest wie das Protokoll einer Kriminalermittlung liest sich das, was Diane Montagna anläßlich des für Anfang Juni einberufenen zweiten Kardinalskonsistoriums über die Vorgeschichte des ersten solchen Konsistoriums im Januar (Hier unser Bericht vom Januar) dieses Jahres im den vergangenen Monaten ermittelt hat und nun auf ihrem Substack präsentiert.
Bekanntlich sollte das Januar-Konsistorium ursprünglich im klassischen Format einer Vollversammlung in Anwesenheit des Papstes stattfinden, wurde dann jedoch kurzfristig auf das manipulationsanfällige Synodenformat der nebeneinander tagenden „runden Tische“ umgestellt. Trotz aller Anstrengungen ist es Montagna, in deren Notizbuch die „echten“ Telefonnummern aller wichtigen Leute in Rom, auch unter den Kardinälen, stehen, nicht gelungen, herauszubekommen, wer diese Umstellung angeordnet und durchgesetzt hat – keiner will oder kann etwas sagen, und die Pressestelle am allerwenigsten. Der Versuch, hier Licht in die Sache zu bringen, ist im Artikel von Mantagna in aller Breite nachgezeichnet.
Die Freunde des Synodalformats – Montagna nennt die Namen - bekunden lediglich, wie erfolgreich und geradezu vom Heiligen Geist begleitet dieses Format in ihren Augen gewesen sei, während andere Teilnehmer des Konsistoriums darüber klagen, keiner habe wirklich erfahren, was an den anderen runden Tischen diskutiert worden sei. Und was davon schließlich den Papst (der nur für zwei mal 45 Minuten anwesend war) erreicht habe, wisse auch keiner. Kardinal Brandmüller sei nach der ersten Runde so frustriert gewesen, daß er sich die Teilnahme an den weiteren Sitzungen (insgesamt waren es vier) erspart habe.
Besonders aufschlußreich erscheint uns die Kritik von Kardinal Burke, mit dem sich Montagna anscheinend länger unterhalten konnte und dessen Ausführungen sie in ihrem Ermittlungsbericht in einiger Breite referiert. „Wir waren eine große Gruppe, und nicht einmal das gesamte Kardinalskollegium. Ich denke, man muss das Format überdenken, um sicherzustellen, daß es dem wahren Charakter eines außerordentlichen Konsistoriums gerecht wird.“
Der Kardinal machte weiterhin geltend, daß die Aufteilung der Tische in zwei Hauptgruppen – wahlberechtigte Kardinäle und nicht wahlberechtigte Kardinäle zusammen mit Kurienbeamten – die Kommunikation unter den Kardinälen erheblich behindert habe. Außerdem seien die Berichte, die über die Tische der zweiten Gruppe für den Papst angefertigt wurden, nie in irgend einer Form öffentlich besprochen worden.
„Es wurde eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich die Kardinäle jederzeit wenden konnten“, sagte er. „Nun, das ist effektiv, um dem Papst eine Nachricht zukommen zu lassen, und ich vertraue darauf, daß ihn all diese Nachrichten erreichen. Andererseits trägt es aber nicht zur allgemeinen Diskussion unter den Kardinälen und zur Klärung ihrer eigenen Anliegen bei oder dazu, daß sie auf wichtige Anliegen aufmerksam gemacht werden, die sie bisher nicht berücksichtigt haben.“
Weiterhin merkte Kardinal Burke an, daß der Bericht letztlich von der Fähigkeit und dem Willen der Sekretäre abhänge, die gesamte Diskussion zu erfassen, und sagte: „Wie Sie sich vorstellen können, waren diese Diskussionen zu einem Thema wie der Evangelisierung sehr breit gefächert. Es gab aber auch spezifische Punkte, und ich habe bei der Berichterstattung festgestellt, daß einige dieser spezifischen Punkte in dem Bestreben, einen allgemeinen Bericht zu verfassen, untergegangen sind.“
Das sind – wenn auch in äußerst höflicher Sprache vorgetragen – ganz entscheidende Einwände. Sie lassen erkennen, daß Kardinal Burke diese neue Form des Konsistoriums mit großer Skepsis betrachtet. Und die Autorin deutet an, daß er damit keinesfalls alleine steht. Dieser Skepsis kann unsereins sich nur anschließen – bis dahin, daß aus unserer Sicht allein der Umstand, daß auch bei kommenden Konsistorien an dieser Form festgehalten werden könnte, ein Indiz dafür ist, daß der Meinungsaustausch zwischen den Kardinälen damit eher behindert als gefördert werden soll und irgendwelche „Sekretäre“ im Hintergrund streng kontrollieren, was davon an den Papst weitergeleitet wird. Eine vertrauensbildende Maßnahme, weder gegenüber den Kardinälen noch gegenüber dem beunruhigt nach Rom blickenden Kirchenvolk, ist das sicher nicht.
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