Summorum Pontificum.de

Kirchenpolitische und theologische Ansichten des Victor Manuel Fernandez

17. April 2026

6 - Kirchenkrise

Die Aufnahme zeigt den Präfekten im gruen Roolkragen-Pulli mit einer großen Rosenkranzkette um den Hals vor dem Hintergrund eine südamerikanisch anmutenden Holzskulptur des „Guten Hirten“.

„Tucho“ in freier Wildbahn

Die italienische Zeitung Il Giornale hat am 13. April ein Interview mit dem Präfekten des Glaubensdikasteriums Fernandez veröffentlicht, das wesentliche Einblicke in die (Un-)Glaubenswelt eines Spitzenmannes der von Franziskus begründeten synodalen Kirche vermittelt. Die von der Zeitung selbst angebotene deutsche Übersetzung ist leider – wie viele maschinelle Übersetzungen aus dem Italienischen – ziemlich fehlerhaft. Wir haben daher aus dem Text einige Passagen ausgewählt und nachbearbeitet, die uns besonders aufschlußreich für die gegenwärtige Situation zu sein scheinen. Die Fragen von Fabio Marchese Ragona, der das Interview geführt hat, sind kursiv hervorgehoben. Auf eine eigene Kommentierung glauben wir verzichten zu können, wollen aber insbesondere in Blick auf die beiden letzten Absätze darauf aufmerksam machen, daß das, was nicht gesagt wird, unter Umständen noch wichtiger ist als das, was in Worten erscheint. Und was hier zu „Jesus“ gesagt wird, erscheint uns nun arg reduziert – um es nicht härter auszudrücken. Doch nun zu unseren Auszügen:

Gibt es eine Entscheidung oder einen Text (von Franziskus), der Ihrer Meinung nach die Art und Weise, wie die Kirche lebt, verändert hat?

„Sein Beharren darauf, mit dem Herzen des Evangeliums zu sprechen, als Ankündigung grenzenloser Liebe. Darüber hinaus die Entscheidung, das Prinzip der Hierarchie der Wahrheiten nicht nur im ökumenischen Diskurs anzuwenden, sondern in der gesamten Lehre und der Evangelisierung. Das hatte enorme Auswirkungen. Dazu gehört auch die Verurteilung der Todesstrafe, der sich heute leider die eher traditionalistischen Gruppen noch widersetzen.“

Besteht die Gefahr, daß etwas von seinem Lehramt verloren geht?

„Papst Leo hat auf unterschiedliche Weise die Notwendigkeit ausgedrückt, das Lehramt von Franziskus anzunehmen und weiterzuführen. Zum Beispiel hat er uns Kardinälen vor dem Konsistorium aufgegeben, Evangelii-Gaudium erneut zu lesen, und lud uns dann ein, erneut über seine Anwendung nachzudenken. Jetzt hat er die Präsidenten der Bi­schofs­konferenzen einberufen, um die Annahme von Amoris Laetitia weiter fortzusetzen. Diese Zeichen helfen uns, wahrzunehmen, daß Franziskus nicht begraben ist. Sicherlich, diejenigen, die alle seine Lehren ablehnten, oder sie nur äußerlich aufnahmen, werden sein Pontifikat nur für eine vorübergehend Episode halten und die Hermeneutik der Kontinuität verleugnen.“

Einige Kommentatoren behaupten, daß mit Papst Leo die Epoche Bergoglio beendet sei.

„Jeder Papst hat seinen eigenen persönlichen Stil und seine Prioritäten, aber zu sagen, daß Papst Leo das, was im Pontifikat von Franziskus geschehen ist, auslöschen wolle, ist unehrlich. Jeder Papst, der sein Amt antritt, erntet die Früchte seines Vorgängers und arbeitet davon ausgehend weiter zum Wohle der Kirche. Zwischen Leo und Franziskus gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als Widersprüche, man sollte da eher von Komple­men­tarität sprechen.“

Heute wenden sich viele Menschen vom Glauben ab, weil sie ihn für überflüssig halten: Wo kann man hier ansetzen?

„Bei der Erfahrung. Einerseits der Erfahrung, die jeder von Unzufriedenheit, von Leere, von Bedeutungslosigkeit im Leben gemacht hat, aber auch beim Traum von einer wahren Brüderlichkeit, den geistigen Bedürfnissen, die nie ganz verloren gehen. Und auf der an­de­ren Seite eröffnet unsere Einladung, die Erfahrung einer Freundschaft mit Christus zu machen, die erleuchtet und die Einsicht vermittelt, mit Gewissheit geliebt zu sein.“

Wie sollte das Gemeindeleben heute aussehen, damit der Glaube nicht abstrakt bleibt?

„Eine Gemeinschaft voller Charismen, in der jeder die Freiheit und Wertschätzung ande­rer erlebt, um diese Gaben mit Freude und Hoffnung gedeihen zu lassen. So entsteht eine Gemeinschaft voller Reichtum, Farben und Charme. Gleichzeitig voller Räume für die persönliche Begegnung mit Christus. Und ich betone ‚anderer‘, weil die Befindlichkeiten unterschiedlich sind.“

Was ist in diesem historischen Moment der Kirche eine konkrete – wenn auch schwierige – Aufgabe, die Sie für unaufschiebbar halten und die wirklich die Zukunft des christlichen Lebens kennzeichnen könnte?

„Die Bereitschaft, sich vom Heiligen Geist führen zu lassen - ohne Furcht, ohne Wider­stand und ohne Anhänglichkeit an das, was wir immer gesagt und getan haben. Was aber nicht bedeutet, an den eigenen „Neuheiten“ festzuhalten. Wir alle müssen uns darum bemühen, Konservative wie Progressive gleichermaßen, denn jeder ist versucht, sich in seinen eigenen Denkmustern und Wünschen zu verschließen, und das ist nicht die Freiheit des Geistes.“

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