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Aus dem Martyrologium zum Tage

28. April 2026

3 - Tradition

Das im byzantinischen Stil ausgeführte Mosaic zeigt Kaiserin Theodora mit Angehörigen ihres Hofstaats.

Kaiserin Theodor als Schutzherrin der Vitalis-Kirche

Der heutige Tag, nach traditionellem Sprachgebrauch quarto kalendas maji, ist wieder einer der Tage, an denen das Mar­tyrologium die Fülle der Märtyrer kaum fassen kann, derer die Kirche zu diesem Datum gedenkt. Dabei steht an der Spitze der Heili­gen­liste mit dem hl. Paul vom Kreuz ein relativ moderner Heiliger (1694 – 1775), der auch nicht durch das Martyrium, sondern wegen seiner bemerkenswerten Verbindung von streng­ster Kontemplation und aktiver Seelsorge in Predigt und „Volksmision“ zur Ehre der Altäre erhoben wurde. 1720 gründete er den Passionistenorden, der heute noch besteht, aber so weit wir sehen nicht von dem Siechtum verschont blieb, das nach dem II. Vati­ka­nischen Konzil fast alle Ordensgemeinschaften befallen hat. Das ökumenische Heiligen­lexikon bietet eine lesenswerte Kurzbiographie zu Leben und Tätigkeit des hl. Paul vom Kreuz.

Die eigentliche Märtyrer-Liste des Tages wird von Vitalis von Ravenna angeführt, dessen Gedächtnis die mit prachtvollen Mosaiken der byzantinischen Periode ausgeschmückte Kirche San Vitale in Ravenna gewidmet ist. Als Todesjahr des Heiligen wird vielfach das Jahr 60 angegeben, seine Kirche San Vitale ist der Überlieferung nach am 28. April des Jahres 547 eingeweiht worden. Über das Leben von Vitalis ist so gut wie nichts bekannt, was als historisch gesichert gelten könnte. Das Martyrologium bezeichnet ihn als den Ehemann der heiligen Valeria und Vater der beiden ebenfalls als Märtyrer hingerichteten Gervasius und Protasius. Deren Martyrium wird von einigen Überlieferungen ebenfalls in die Zeit der neronischen Verfolgung datiert, von anderen jedoch in die Jahrhunderte später stattfindenden Christenverfolgungen Diokletians. Die eigentliche Wahrheit hinter den unklaren Berichten ist wohl darin zu sehen, daß das Martyrium in der Frühzeit der Kirche keine „Privatangelegenheit“ von Einzelpersonen war, sondern ganze Familien oder gemeinsam in der Kirche wirkende Personengruppen betraf. Auch dieser Aspekt spielt im Bericht des Martyrologiums zu Vitalis eine Rolle; demnach habe er dafür ge­sorgt, daß ein gewisser als Märtyrer getöteter Ursicinus wohl gegen behördliches Verbot ein würdiges Begräbnis erhielt und sei bei dieser Gelegenheit selbst ergriffen und letzt­lich ebenfalls gefoltert und getötet worden.

Im übrigen enthält die Märtyrerliste zum Tage etwa zwei Dutzend Namen aus der Epo­che der Christenverfolgungen unter Nero und Domitian (beide 1. Jh.) bis zu Diokletian (aus gehendes 3. Jh.) und bietet somit auch da, wo biographische Daten unsicher sind oder ganz fehlen, einen Einblick in die vom Martyrium überschattete und geprägte Kultur der christlichen Frühzeit. Ein Einblick, der durch die ebenfalls sehr umfangrei­chen Märtyrerlisten der beiden folgenden Tage noch einmal verstärkt wird.

In den europäischen Regionen, aus denen das Martyrologium einen großen Teil seiner Märtyrer erinnert, ist das Martyrium seit langem zu einer Ausnahmeerscheinung ge­wor­den. Hier führt der Weg zur Heiligkeit eher durch Lebensläufe wie die des Hl. Paul vom Kreuz. Das kann jedoch nicht den Blick darauf verstellen, daß brutalstes und blutigstes Martyrium insbesondere in den Ländern der islamischen Welt gegenwärtig zu einer Massenerscheinung geworden ist. Auch anderswo gehört es bei weitem nicht nur einer fernen Vergangenheit an – Stalins Sowjetreich, das säkulari-anarchistische Mexiko und das als „republikanisch“ getarnte linksterroristische Spanien sind noch nicht einmal hundert Jahre her. Neuere Auflagen des Martyrologiums sind dabei, ihre Listen entspre­chend zu erweitern. Das ist in hohem Maße anerkennenswert – ist bisher jedoch weit­ge­hend ohne feststellbaren Einfluß auf das Bewußtsein des brav seine Kirchensteuer zahlenden oder die Wohnpfarrei unterstützenden Restes der ehemaligen Volkskirche geblieben.

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