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TA-Redemptoristen wenden sich von Rom ab: „Es gibt dort keinen Papst mehr“

03. Mai 2026

6 - Kirchenkrise

Die Luftaufnahme zeigt die nahe anderen Inseln, aber ohne jede Landverbindung vor der schottischen Nordseeküste gelegne „Papa Stronsay“

Einsam auf der Insel

Rechtzeitig vor dem ersten Jahrestag der Wahl von Papst Leo haben die „Trans­al­pinen Redemptoristen“ von Papa Stron­say einen Sprengsatz gezündet, dessen Rauch­wolken die Feierfreude auch bei denen, die noch dazu aufgelegt sind, erheblich verdunkeln dürften. In einer offiziellen Mitteilung ihrer Ge­meinschaft vom 2. Mai erklären Sie den römischen Stuhl für vakant. Nach einer Auf­zählung diverser päpstlicher Akte und Erklärungen seit Mitte des vergangenen Jahrhun­derts, die nicht nur nach ihrer Ansicht eine Abkehr von der Lehre des Evangeliums be­deu­ten, stellen sie in ihrem Scheidebrief fest:

Es begint ein Zitat

Wenn ein Mann öffentlich religiöse Gleichgültigkeit lehrt, im direkten Wider­spruch zur klaren Lehre Jesu Christi und zur beständigen Lehre der Kirche, wenn er dies immer wieder tut, schriftlich, in Tat und Wort; im interna­tio­nalen Fernsehen; unter dem Schweigen der Kardinäle und Bischöfe; und alle, die ihn hören wollen, dazu ermutigt, seinem Weg zu folgen; wenn er sich mit Medizinmännern fotografieren lässt, die ihre Götter über ihn anru­fen: Was sollen wir tun? Der heilige Alfons von Liguori, ein Kirchenlehrer, lehrt, daß ein ketzerischer Papst sein Amt verliert, wenn er seine Ketzerei auch nur ein­mal äußerlich bekennt. Dies ist keine Frage der Meinung, sondern göttliches Recht. Ein Ketzer kann nicht das Haupt der Kirche sein, denn durch seine Ketzerei, durch seinen Glaubensabfall, durch seine äußeren Bekundungen hat er sich vom Leib Christi getrennt. Und alle, die schweigen, stimmen dem zu. Wir können diesem Wahnsinn nicht zustimmen. (…)

Diese Schlussfolgerung ziehen wir nicht leichtfertig gezogen. Sie kommt be­reits Jahre zu spät. Es ist eine Schlussfolgerung, die uns durch den Glauben selbst aufgezwungen wurde. Es ist Gottes Vorsehung, daß die Kirche (in Vatikan I) erklärt hat: „Dieser Stuhl Petri bleibt stets frei von jeglichem Irr­tum.“ Ein einziger Satz. Ein Lichtstrahl zur Unterscheidung in dieser Dunkel­heit: Die Päpste vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil lehrten die Wahrheit. Die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil Anwärter lehren den Irrtum. Nichts beschönigen. Wenn Gleichgültigkeit Ketzerei und Irrtum ist, können all jene, die sie lehren, keine legitimen Nachfolger Petri sein.

Wir fällen kein kanonisches Urteil – das kann nur die Kirche. Aber wir fällen ein Urteil des Glaubens und der praktischen Notwendigkeit. Wir müssen entscheiden, wem wir folgen wollen. Werden wir den Päpsten folgen, die den Glauben ohne Kompromisse verkündet haben, oder werden wir denen folgen, die die Herde in den Abgrund der Gleichgültigkeit geführt haben? (…)

Und schließlich:

Es begint ein Zitat

Wir sagen nicht, daß wir die katholische Kirche verlassen sollten. Die katho­lische Kirche ist die Arche des Heils, der mystische Leib Christi, die makellose Braut. Wir halten mit aller Kraft an ihr fest.

Aber wir müssen erkennen, daß die institutionellen Strukturen, die sich als katholische Kirche ausgeben, unterwandert wurden. Die Männer, die diese Ämter bekleiden, gehören der modernistischen Religion an und nicht der katholischen Kirche. Die Lehren, die sie verkünden, sind gefährlich. Die Sakra­mente, die sie reformiert haben, sind von zweifelhafter Gültigkeit und weichen von der katholischen Lehre ab. Wir können uns ihnen nicht guten Gewissens unterwerfen.

Deshalb müssen wir tun, was Katholiken in Krisenzeiten immer getan haben: Wir müssen am Glauben festhalten, wie er immer gelehrt wurde. Wir dürfen denen, die sich von ihm abgewandt haben, keine rechtliche Anerkennung ge­währen, einschließlich Leo XIV. und seiner Bischöfe. Sie müssen Priester fin­den, die die traditionelle Messe feiern, die den traditionellen Glauben lehren, die die Irrlehren des Indifferentismus, des Ökumenismus und des Moder­nis­mus ablehnen. Mit anderen Worten: Priester, die nicht in Gemeinschaft stehen mit dem konziliaren Glaubensabfall. Wir müssen Gemeinschaften von Gläubigen bilden, die sich gegenseitig darin unterstützen, den katholischen Glauben in seiner Fülle zu leben.

Wir arbeiten und beten für ein unvollkommenes Generalkonzil, eine Ver­samm­lung aller katholischen Bischöfe der Welt, die den wahren Glauben bewahrt haben. Ein solches Konzil könnte über den Status der gegenwärtigen Papstanwärter entscheiden und die Ordnung in der Kirche wiederherstellen. Bis zu diesem Tag, der noch Jahre entfernt sein mag, müssen wir uns vom Lehramt der heiligen Päpste leiten lassen, die den einen wahren Glauben stets in seiner Unversehrtheit und Reinheit gelehrt haben.

Wir können uns der von den Transalpinen gegebenen Zustandsbeschreibung der Kirche in weiten Teilen anschließen – nicht jedoch ihrer daraus unter Berufung auf Alfons von Liguori gezogenen Schlußfolgerung: Der faktischen Sedisvakanz des Stuhles Petri.

Da gibt es beträchtliche teils ekklesiologische, teils praktische Probleme. Für beide bringt auch das von den Redemptoristen vorgeschlagene „Imperfect General Council“ keine Ab­hilfe: Auf der Website dieses Projekts haben sich bis heute gerade einmal 10 Bischöfe, 46 Priester und 67 Ordensleute eingefunden – soweit wir sehen, sämtlich anonym. Daraus macht man bestenfalls einen Gesprächskreis, aber kein „Konzil“. Solange sich einem „unvollkommenen Konzil“ nicht eine beträchtliche Zahl der Teilnehmer des letzten Konklaves und eine vierstellige Zahl von Bischöfen anschließen, wird sich daran auch nichts ändern. Und solange bleibt auch der Mann, der im letzten allseits aner­kann­ten Konklave zum Papst gewählt (oder in dieses Amt geschoben) und in buchstäblich allen Bereichen der Kirche als Papst akzeptiert wurde, römischer Bischof und Papst der katholischen Kirche. Auch dann, wenn er zur Wahrung und Weitergabe der von Christus und den Aposteln empfangenen Lehre unfähig oder unwillig sein sollte. Nicht sein Amt ist erloschen, sondern die Verpflichtung der Gläubigen, ihm in die von ihm verkündeten Verirrungen zu folgen.

Im übrigen hilft vielleicht ein Blick auf die Geschichte der Päpste, das Problem mit dem „schlechten Papst“ zu relativieren. Traditionell orientierte Katholiken neigen dazu, den problematischen Päpsten der Vergangenheit insoweit ein gewisses Verständnis entgegen zu bringen, daß sie sagen: Ja, er war ein Hurenbock, oder ein prachtsüchtiger Ver­schwen­der oder ein sadistischer Kriegsherr – aber nie hat er sich als Lehrer an der Lehre vergrif­fen. Doch bringt das wirklich Entlastung? Auch ein Papst, der für alle Welt sichtbar ge­gen die Gebote Gottes und der Kirche lebt, versündigt sich an der Lehre der Kirche; auch ein Papst, der voll dem Geist seiner Zeit verfallen ist und als Fürst unter Fürsten mit pracht­vollen Bauten konkurriert, ist Sklave des Zeitgeistes und Diener falscher Götter – selbst wenn seine Prachtbbauten als Kirchen angeblich zur höheren Ehre Gottes, in Wirk­lichkeit aber nur zur eigenen Ehre und dem Ruhm des eigenen Adelshauses er­rich­tet werden. Er unterwirft sich dem Geist dieser Welt nicht weniger als sein heutiger Nachfolger, der Pachamama zu Ehren bringt, dem Altar der LGBTQ+++Meute Weihr­auch streut und als Politiker unter Politikern auf deren Spielfeldern mitspielt.

In dieser Perspektive werden schlechte und böse Päpste dann nicht zum extrem seltenen Sonderfall, sondern – wenn auch nicht zum Normalfall – zum wenig erstaunlichen Aus­druck dessen, was nun einmal nicht anders zu erwarten und zu erhoffen ist, solange Ab­kömmlinge des der Sünde verfallenen Menschengeschlechtes mit einer Aufgabe betraut werden, der selbst mit der Gnade Gottes nur Heilige gerecht werden können. Die Dinge so zu sehen wäre dann nicht nur ein wirksamen Gegenmittel gegen den grassierenden Hyper-Papalismus, sondern könnte gleichzeitig auch zu der Einsicht führen, daß jede Form von Sedisvakantismus letztlich nichts anderes ist als die dunkle Seite eben dieses Hyperpapalismus.

Möge der Herr den Seelen der Redemptoristen vom sturmumtosten Papa Stronsay gnä­diger sein als die römi­schen Machthaber, die sie in ausweglos erscheinende Verzweiflung getrieben haben.

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