Die Jugendpastoral von Bamberg erfindet einen Star-Wars-Gottesdienst
11. Mai 2026
Der Kampf des Guten gegen das Böse nach Lesart von Klein-Moritz
Das synodal-katholische Erzbistum Bamberg hat für seine Jugendpastoral einen Wort-Gottesdienst im Star-Wars-Format entwickelt - Näheres dazu aus Bamberg hier und vom Domradio. Eine erste Aufführung fand bereits im April statt, uns zur Kenntnis gekommen ist der Vorfall erst durch einen Kommentar von Chris Jackson auf Hiraeth in Exile, dessen Star-Wars betreffenden Teil wir hier übersetzen:
In Deutschland rechtfertigte das Erzbistum Bamberg einen „Gottesdienst“ im Stil von Star Wars – komplett mit Darth Vader, Sturmtrupplern, einem Jedi-Ritter, einem Lichtschwertduell, Kyrie, Lesungen, Psalm 27, Halleluja und dem Evangelium von der Versuchung Christi in der Wüste. Der dahinterstehende Priester, Hw. Gerd Richard Neumeier, bestand darauf, daß dieser Gottesdienst sorgfältig von der Eucharistie getrennt gewesen sei und dass Star Wars eine Brücke zu Gott schlage, da es Themen wie Gut und Böse, Licht und Dunkelheit behandle. Berichten zufolge steht dieses Format nun Kirchengemeinden zur Buchung zur Verfügung – inklusive Kostümen, technischer Ausrüstung, Ablaufplan und Priester.
Die Verteidigung des Star-Wars-Gottesdienstes durch den Bamberger Priester klingt auf den ersten Blick wie das übliche, harmlose Geplapper aus der Jugendarbeit: Junge Menschen sind der Kirche fern. Sie kennen Star Wars. Star Wars handelt von Licht und Dunkelheit. Folglich gehören Lichtschwerter in die Kirche. Genau so beginnt im postkonziliaren Denken jede Form des Niedergangs: Man startet mit einer soziologischen Panikmache. Fügt einen popkulturellen Aufhänger dazu. Streut ein paar Bibelworte darüber. Und nennt das Ergebnis dann „kreative Evangelisierung“.
Hw. Neumeier betonte, daß es sich bei der Veranstaltung um einen Wortgottesdienst und nicht um eine Eucharistiefeier gehandelt habe. Diese Unterscheidung löst das Problem jedoch kaum. Die Veranstaltung übernahm Struktur und Atmosphäre eines öffentlichen Gottesdienstes, stellte diese jedoch unter die imaginative Hoheit eines Film-Franchises. Der Gottesdienst begann mit Sturmtrupplern, Darth Vader, einem Jedi-Ritter namens Gabriel, einem verbalen Schlagabtausch und einem Lichtschwertkampf, bei dem „das Gute“ triumphierte. Darauf folgte der liturgische Teil, bestehend aus Kyrie, erster Lesung, Psalm, Halleluja und Evangelium.
Die Verteidigung ist fast noch schlimmer als die Veranstaltung selbst. Neumeier argumentiert, man habe den Kampf nicht mit der Liturgie vermischt. Doch die „Brücke“ war bereits geschlagen. Die Vorstellungskraft der Gemeinde war bereits darauf geeicht, wohin sie zu blicken hatte. Das Kind verlässt die Kirche nicht mit dem Gedanken: „Wie tiefgründig Psalm 27 doch ist.“ Es geht hinaus und sagt: „Die Kirche ist der Ort, an dem Darth Vader gegen einen Jedi gekämpft hat.“
Der traditionelle katholische Gottesdienst wußte um etwas, das moderne pastorale Bürokraten offenbar niemals begreifen werden: Die Liturgie formt das Gedächtnis, noch bevor sie die Lehre erklärt. Düfte, Gesten, Stille, Musik, Gewänder, Körperhaltung, Architektur und Wiederholung formen die Seele. Ein Kind, das inmitten von Weihrauch, Gesang, Kommunionbänken, Kniebeugen und Stille aufwächst, lernt, daß Gott heilig ist, noch bevor es Heiligkeit definieren kann. Ein Kind, das inmitten von Themen-Gottesdiensten, Filmkostümen, Projektionsleinwänden und entlehnten Unterhaltungsmotiven aufwächst, lernt, daß der Gottesdienst um seine Aufmerksamkeit konkurrieren muss – genau wie jedes andere Streaming-Produkt. Eben deshalb bricht die Verteidigungslinie zusammen, die da lautet: „Es war doch nur ein Wortgottesdienst.“ Der Schaden liegt in der Verschiebung der Kategorie. Der heilige Gottesdienst verwandelt sich in religiöses Theater. Die Kirche richtet nicht mehr über die Kultur; vielmehr liefert die Kultur das Drehbuch, die Kostüme, die Inszenierung, den Soundtrack und die emotionale Grammatik. Die aufschlussreichste Aussage fiel, als Neumeier bemerkte, Kirche und Liturgie seien „vielfältig“ – und dass die meisten Menschen mit dem Begriff „Gottesdienst“ vor allem „immer wieder dieselbe Messe“ assoziierten.
Darin – in diesem einen Satz – liegt der Kern der gesamten Revolution.
„Immer wieder dieselbe Messe“ – das war einst der ganze Ruhm des katholischen Lebens. Das unveränderliche Opfer, das Tag für Tag erneuert wird. Derselbe Kanon. Dieselben Gesten. Dieselbe Stille im Herzen des Mysteriums. Derselbe Priester, der zum Altar hinaufsteigt – nicht, um sich selbst in Szene zu setzen, nicht, um die Gemeinde zu vermarkten, und auch nicht, um die neueste Pop-Mythologie zu taufen; sondern um das reine Opfer darzubringen, „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“.
Nun aber gilt die Gleichförmigkeit als Feind. Die Wiederholung wird zum Marketingproblem. Die Messe – wie sie uns durch die Jahrhunderte überliefert wurde – wird zum Inbegriff mangelnder Attraktivität. Die Kirche muss offenbar „buchbar“ werden.
Und was lässt sich nun buchen? Ein „Star Wars“-Gottesdienst – komplett mit Kostümen, Technik, Dramaturgie und Priester.
Darin liegt eine groteske Ehrlichkeit. Die nachkonziliare liturgische Fantasie ist nun endgültig zu einem „Komplettpaket“ verkommen.
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Zum Thema „Star Wars“ noch eine Anmerkung unsererseits: Die „Macht“, die in den Star-Wars-Filmen eine so große Rolle spielt, ist – selbst für theologisch halb-gebildete Zeigenossen erkennbar – eine pantheistische Umdeutung und Parodie der Allmacht Gottes, und die für den Film erfundenen Vermittler dieser Macht, die in allen Zellen gegenwärtigen „Midi-Chlorianer“, bewirken durch Jungfrauen-Zeugung an Shmi (~Shalom) Skywalker die Geburt des späteren dann-endlich-doch-noch Erlösers Anakin Skywalker alias Darth Vader. Die Herren von Hollywood lieben solche blasphemischen Scherze. Ziemlich detailliert wird das Ganze erzählt in Episode I (aus dem Sequel) „Die dunkle Bedrohung“.
Dieser Zusammenhang macht die ganze Geschichte extrem ungeeignet als Inspirationsquelle für einen „Gottesdienst“ – aber wann hätten solche Amateur-Liturgologen und auch-nicht-Kenner der Filmgeschichte wie Hw. Neumeier jemals auch nur ein Wort von den Dingen verstanden, mit denen sie berufsmäßig hantieren.
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