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Was von der 22. Woche übrig blieb

30. Mai 2026

6 - Kirchenkrise

Die KI-generierte photorealistische Abbildung zeigt die Hagia Sophia, wie sie im 7. oder 8. Jahrhundert ausgesehen haben dürfte.

Die Hagia Sophia im 7. Jh. – mit KI rekonstruiert

Zunächst wäre da ein außergewöhnlich krummer Gedenktag, der aber auch in „geraden“ Jahren meistens unbeachtet bleibt: Am 29. Mai des Jahres 1453, also gestern vor 674 Jahren, wurde die Hauptstadt des oströ­mischen Reiches Konstantinopel von den osma­nischen Belagerern erobert und der letzte Träger des oströ­mischen Kaisertitels, Konstantin XI. Palaiologos, in der Schlacht getötet. Was ihm zumindest das Schicksal des letzten Patriarchen der Stadt ersparte, den die Eroberer an einem Tor der gefallenen Festung aufhängten und drei Tage lang sterben ließen. Anfüh­rer des türkischen Heeres war Mehmed II. aus dem Hause Osman, der am gleichen Tag die Kirche der Heiligen Weisheit (Hagia Sophia) zur Moschee erklärte und den Titel Mehmed der Eroberer (Fatih Mehmed Sultan) annahm. Sein Name ist für den expan­sionistischen Islam zum Programm geworden: Heute tragen allein in Berlin mindestens zwei Moscheen seinen Namen…

Im übrigen ging auch in der heute zu Ende gehenden Woche der Kampf der Kirche von Rom gegen ihre eigene Vergangenheit wie gehabt weiter. In der amerikanischen Diözese von Owensboro wurde zu Pfingsten bekannt, daß die bisher in der Pfarrkirche „Imma­culate Conception“ gefeierte Messe in der überlieferten Liturgie im Zuge der Umsetzung von Traditionis Custodes zum 30. Juni eingestellt wird. Ein Versuch des dortigen Pfar­rers, die alte Messe durch Umwandlung der Kirche in eine Wallfahrtskirche zu retten, wurde von Bischof William F. Medley abgelehnt – er verweist die Gläubigen statt dessen auf die Feier der Reformliturgie in in lateinischer Sprachw, wie das auch römischerseits gerne empfohlen wird.

Aus England wird gemeldet, daß die dort seit mehreren Jahren sehr erfolgreich wirken­de traditionsorientierte kleine Gemeinschaft der Family of Mary Immaculate and St. Francis den ihr seit Jahren freundlich gesinnten Bischof vom Portsmouth um ihre Auf­lö­sung gebeten hat, da sie in England keine Zukunft für eine Fortsetzung ihres Wirkens mehr sieht. Die bisher als Vereinigung diözesanen Rechts bestehende Gemeinschaft hat derzeit etwa 20 Angehörige; ihr Vorsteher und bekanntester Vertreter ist P. Serafino Lan­zetta, der mit zahlreichen Publikationen zur traditionellen marianischen und franziska­nischen Spiritualität hervorgetreten ist. Edward Pentin hat mit einem Vertreter der Gemeinschaft gesprochen und berichtet in dem oben verlinkten Artikel über deren Begründung für ihren ungewöhnlichen Schritt:

Es begint ein Zitat

„Trotz des zahlenmäßigen Wachstums und der apostolischen Tätigkeit war es nicht möglich, die für Ausbildung, Begleitung und künftige Priesterweihen erforderliche praktische und kirchenrechtliche Unterstützung sicherzustel­len“, fügten sie hinzu. Sie erklärten, es sei eine „Reihe von Optionen geprüft“ worden, doch habe keine davon einen „gangbaren Weg“ aufgezeigt, um die Gemeinschaft „in ihrer gegenwärtigen Form“ fortzuführen.

Die Ordensbrüder betonten, die Entscheidung sei „weder das Ergebnis noch eine Reaktion auf einen einzelnen Vorfall oder eine Reihe von Vorfällen“; vielmehr sei ihr Antrag auf Auflösung „aus umfassenderen Fragen zur künf­tigen Lebensfähigkeit der Gemeinschaft und ihrer Sendung im Vereinigten Königreich erwachsen“.

Bischof Egan erklärte in einer Stellungnahme vom 27. Mai, er habe der Ent­scheidung der Gemeinschaft „nach ernsthafter und sorgfältiger Abwä­gung“ zugestimmt; „die entsprechenden kirchenrechtlichen und praktischen Schritte werden nun eingeleitet.“ Er fügte hinzu, die Ordensbrüder beabsich­tig­ten, „sich einer anderen Vereinigung mit einem ähnlichen Charisma anzu­schließen und in den kommenden Monaten umzusiedeln.“

Hier bleibt Vieles ungesagt – nicht zuletzt fehlt jeder Hinweis darauf, daß P. Lanzetta und einige andere Mitglieder der Gemeinschaft früher dem Orden der Franziskaner der Im­ma­kulata angehörten, der 2014 von Papst Franziskus im Geist des Konzils diszipliniert und faktisch zerstört wurde (hier Links zu unserer ausführliche Berichterstattung). Die an der Tradition festhaltende ehemalige Mitglieder des Ordens fsnden in mehreren über den ganzen Globus verstreuten Diözesen bei traditionsfreundlichen Bischöfen Auf­nah­me, obwohl der Vatikan das mit allen Mitteln zu verhindern suchte. Unsere Vermutung – besondere Informationen dazu haben wir nicht – ist, daß Rom nun daran gegangen ist, auch diese versprengten Restbestände endgültig zu disziplinieren. Dann wäre also die von der „Familglia“ erbetene und vom Bischof gewährte Auflösung als Versuch zu sehen, als freie Laien dem für die Ordengemeinschaften geltenden Kirchenrecht zumindest zeitweilig zu entkommen und etwas Freiraum für eine Neuorientierung zu gewinnen.

Und wenn wir schon beim Spekulieren sind: Vielleicht muß man diesen vermuteten Fluchtversuch auch im Zusammenhang mit einer ebenfalls in der vergangenen Woche bekannt geworden Änderung des kirchlichen Ordensrechts sehen, die die Kompetenzen der Diözesanbischöfe hinsichtlich der in ihren Diözesen tätigen Gemeinschaften emp­findlich einschränkt und auf das Dikasterium für die Ordengemeinschaften – derzeitige Leitung Präfektin Sr. Brambilla – überträgt. Ein bemerkenswerter Akt der Zentral­i­ie­rung und Machtkonzentration für eine Zeit, in der unter dem Zeichen der „Synodalität“ so viel von „Zuhören“, „Dialog“ und „Regionalisierung“ geredet wird.

Was sonst noch unser Interesse erregt hat: Je kategorischer nicht zuletzt im Zusammen­hang mit den angekündigten Bischofsweihen der FSSPX die Forderung nach bedin­gungs­losem Gehorsam Treue zu den Beschlüssen und Ergebnissen des II. Vatikanischen Konzils erhoben wird, desto öfter hören wir von Forderungen hochrangiger Kirchen­ver­treter, doch bitte einmal autoritativ klarzustellen, was nun dieses Konzil aller Konzilien eigentlich beschlossen habe und wie seine unwiderruflichen Lehren denn zu verstehen seien. Kardinal Robert Sarah hat dieser Forderung ein ganzes soeben erschienenes Buch gewidmet und einige seiner Hauptanfragen an das Konzil in einem Interview mit dem französischen Webportal La Nef dargelegt.

Möge er in Rom dafür offene Ohren finden.

Und ein Letztes: Vor zwei Jahren, Mitte Mai 2024, verstarb Fr. John Hunwicke vom Ordinariat ULF von Walsingham und Autor des Blogs Fr. Hunwickes Mutual Enrich­ment. Das viele aufschlußreiche Beiträge enthaltende Blog ist immer noch online, es enthält sogar einige postum erschienene Artikel, die Fr. Hunwicke auf Vorrat einge­stellt hatte. Ein Besuch lohnt sich wie zu Lebzeiten des Autors und ein bietet zusätzlich die beste Gelegenheit, ein Gebet für das Seelenheil des kämpferischen Ex-Anglikaners zu sprechen.

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