Ein Paukenschlag aus Econe: Katholisches Glaubensbekenntnis ohne Wenn und Aber
13. Mai 2026
Die Piusbruderschaft hatte am 14. Mai eine „Katholische Glaubenserklärung“ und wenige Tage später eine Botschaft an die Gläubigen veröffentlicht, um ihre Haltung in der Auseinandersetzung um die geplanten Bischofsweihen zu erläutern und ihre Übereinstimmung mit der überlieferten Lehre der Kirche zu bekräftigen. Beide Texte wurden von Rom weder offiziell noch inoffiziell zur Kenntnis genommen – zu einiger Irritation des FSSPX-Generaloberen Pagliarini, der sich offenbar mehr erwartet hatte. Auch In der „papsttreuen“ Publizistik gab es keine nennenswerte Reaktion. Entweder wiederholten die Schreiber unaufhörlich das Mantra: „Wer dem Papst den Gehorsam verweigert, ist Schismatiker“, ohne sich auf Inhalte einzulassen, oder sie beklagten, dass die knapp dreiseitige „Glaubenserklärung“ wesentliche Punkte auslasse. Womit die Kritiker von der Sache her nicht Unrecht hatten, denn die Erklärung beschränkte sich im Wesentlichen auf Aussagen zu aktuell „umstrittenen“ Punkten und sagte nichts zu denen, in denen man (noch) Übereinstimmung voraussetzen kann. Im Übrigen herrschte Schweigen im Walde, sieht man einmal von den Indiskretionen aus dem Fernandez-Dikasterium ab, die andeuteten, man werde vielleicht nicht nur die beteiligten Bischöfe, sondern auch alle Priester und womöglich sogar alle Teilnehmer an Gottesdiensten.
Die römischen Liebeserklärungen an echte Schismatiker – eher gläubige wie Orthodoxe im Osten als auch eher ungläubige wie Anglikaner im Westen – gingen unterdessen ungehemmt weiter. Nun hat die Bruderschaft am 24. Juni zusammen mit einem offenen Brief an Papst Leo ein Dokument veröffentlicht, das geeignet erscheint, Papst und Kurie aus ihrer machtgestützten Selbstzufriedenheit aufzuwecken – vielleicht sogar aufzuschrecken. Das Dokument hat den Titel „Katholisches Glaubensbekenntnis der Priesterbruderschaft St. Pius X. zur Erleuchtung der Seelen angesichts der modernen Irrtümer“ und kommt mit einer Präambel, 15 Kapiteln mit 153 Einzelpunkten und 127 Fußnoten zum Verweis auf autoritative Dokumente auch den Klagen derer entgegen, denen die „Glaubenserklärung“ vom Mai nicht ausführllich genug war. Das Ganze liest sich jedenfalls wie ein gar nicht so kurz gefasster Katelchismus – durch Beschweigen wird man dem kaum beikommen können.
Bevor wir uns später auf den Versuch einer inhaltliche Behandlung – die uns hoffentlich von kompetenterer Seite abgenommen oder zumindest erleichtert wird – einlassen, bringen wir hier heute neben den Links zu den deutschen Versionen der Originaltexte nur das Inhaltsverzeichnis und die Präambel:
Inhaltsverzeichnis:
I. Die göttliche Offenbarung, der Glaube und die Tradition
II. Gott, Ursprung und Ziel aller Dinge, die Allerheiligste Dreifaltigkeit
III. Die Erschaffung des Menschen und die übernatürliche Ordnung der Gnade
IV. Die Erbsünde und die Situation des Menschen
V. Jesus Christus, fleischgewordenes Wort, einziger Mittler und Erlöser
VI. Die allerseligste Jungfrau Maria in der Heilsordnung.
VII. Die katholische Kirche: Mystischer Leib Christi und einzige Arche des Heils
VII. Der Heilige Geist, Heiligmacher der Seelen und Seele der Kirche
IX. Der Papst, das Bischofsamt und die hierarchische Verfassung der Kirche
X. Das Lehramt als Hüter des geoffenbarten Glaubensgutes
XI. Die moralische Ordnung und das Gesetz Gottes
XII. Das soziale Königtum Christi und die christliche Zivilisation
XIV. Das heilige Messopfer, die heilige Eucharistie und die katholische Liturgie
XV. Das christliche Leben, die Heiligkeit und die Vollkommenheit der Liebe
XVI. Die letzten Dinge und die christliche Hoffnung
XVII. Die Krise der Moderne und die Pflicht, den Glauben zu bekennen
Die Präambel:
1. Ich bekenne mich zur ganzen Wahrheit des katholischen Glaubens und nehme sie so an, wie sie „von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen oder von den Aposteln selbst unter der Eingebung des Heiligen Geistes weitergegeben wurde“, und die dann getreu bewahrt wurde und in einer ununterbrochenen Nachfolge in der katholischen Kirche bis zu uns gelangt ist, durch die Verkündigung der Päpste und Bischöfe, die Schriften der Kirchenväter und Theologen sowie die Beschlüsse der heiligen Konzilien.
2. Ich nehme jede einzelne der Wahrheiten fest an, welche die unfehlbare Kirche als göttlich geoffenbart und für das Heil notwendig dargelegt hat – sei es durch die Definitionen ihres feierlichen Lehramtes oder durch die Einmütigkeit ihres ordentlichen und universalen Lehramtes. Ebenso nehme ich alles an, was aufgrund eines notwendigen Zusammenhangs mit dem geoffenbarten Glaubensgut zur katholischen Lehre gehört, und halte die Wahrheiten für sicher, die die Kirche beständig gelehrt hat, um dieses Glaubensgut vor Irrtümern zu bewahren.
3. Ich lehne daher alle Irrlehren ab, die diesem Glauben widersprechen, insbesondere jene des Liberalismus, des Indifferentismus, des Modernismus, des Ökumenismus und des Laizismus, die von den Päpsten Pius IX. 6, Leo XIII. 7, dem heiligen Pius X. 8, Pius XI. 9, und Pius XII. 10 verurteilt wurden. Diese Irrtümer verdunkeln nämlich die geoffenbarte Lehre, verfälschen die Tradition, entstellen die heilige Liturgie, verderben die Sitten, schwächen den missionarischen Geist und zersetzen die christliche Gesellschaftsordnung, wodurch sie dem Heil der Seelen schweren Schaden zufügen.
4. Ich bekenne diesen Glauben und lehne alle Irrlehren ab, die ihm entgegenstehen, denn ich möchte der heiligen, katholischen, apostolischen und römischen Kirche, der Lehrerin der Wahrheit, sowie dem Papst, dem Stellvertreter Christi, in treuer Ergebenheit gegenüber dem ewigen Rom verbunden bleiben, das den Auftrag erhalten hat, das geoffenbarte Glaubensgut bis zum Ende der Zeiten heilig zu bewahren und getreu zu verkünden.
5. Ich füge hinzu, dass es angesichts der gegenwärtigen Verwirrung nicht mehr ausreicht, nur einige vereinzelte Wahrheiten in Erinnerung zu rufen. Es ist mittlerweile unerlässlich, die gesamte Ordnung der katholischen Lehre in ihrer übernatürlichen Kohärenz und ihrer leuchtenden Harmonie ans Licht zu bringen, ohne ein Dogma auszulassen, ohne eine Wahrheit zu schmälern, ohne den überlieferten Glauben durch eine zweideutige oder verkürzte Sprache zu ersetzen, die unter dem Vorwand der Ökumene oder der Anpassung an die Welt diese Lehre mit immer größerer Kühnheit entstellt.
6. Die Nächstenliebe selbst gebietet es, diese Lehre klar, geduldig und nachdrücklich zu verkünden – zur Ehre Gottes, zum Ruhm der Kirche und zum Heil der Seelen.
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Damit liegen klar und eindeutig formuliert die Grundwahrheiten und Lehren des katholischen Glaubens auf dem Tisch, die die Bruderschaft dem traditionslosen, verflüssigten und totdialogisierten Neuglauben der Synodalisten gegenüberstellen will. Ob Exkommunikation und Anathema oder nicht – der inhaltlichen Debatte darüber werden sich die Revolutionäre in der Kurie nicht entziehen können.
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