Bis zur letzten Minute: Ungewissheit und Unsicherheit vor der Bischofsweihe
30. Juni 2026
Mit Dokumentation des Briefwechsels vom 29./30. Juni.
In den Tagen vor den Bischofsweihen der FSSPX ist die Lage in den an der Tradition festhaltenden Teilen der römischen Kirche von bedrückenden Ungewissheiten gekennzeichnet.
Die erste drückt sich in der Frage aus: Wie wird Rom reagieren? Daß die neuen Bischöfe ebenso wie diejenigen, die sie weihen, formell für exkommuniziert erklärt werden, ist so gut wie sicher. Glaubenspräfekt Fernandez und andere Spitzenfunktionäre haben sich mehrfach dahingehend geäußert. Aber es gibt auch Hinweise darauf, daß der Kreis der angeblichen Schismatiker noch weiter geschlagen werden könnte – vielleicht um alle Priester und assoziierten Mitglieder (Laienbrüder und Nonnen) der Gemeinschaft, vielleicht sogar um alle, die regelmäßig an den Gottesdiensten teilnehmen, dort die Sakramente empfangen und die Bruderschaft finanziell unterstützen.
Die Unklarheit in diesem Punkt ist von römischer Seite zweifellos bewußt erzeugt und aufrecht erhalten worden – es geht dabei offensichtlich weniger um Pastoral und das salus animarum, sondern um psychologische Kiegführung in einem auch sonst mit den Mitteln der klassischen Machtpolitik geführten Auseinandersetzung. Das römische „Gesprächsangebot“ das genau die der Bruderschaft wichtigen Themen von vornherein als Verhandlungspunkte auschloss, und die Weigerung des Papstes, zwischen Fußballstars und Umweltschutzfunktionären auch einen Vertreter der FSSPX zu empfangen, sprechen Bände.
Eine zweite Unklarheit betrifft die Zukunftsaussichten derjenigen in der Piusbruderschaft, die der drohenden Vertiefung des Bruches mit Rom entgehen wollen und – so signalisieren es zumindest Präfekt Fernandez und sein Umfeld – zu erkennen gegeben haben, daß sie die Bruderschaft verlassen würden, wenn man ihnen eine geeignete Auffangorganisation bereitstellte – etwa nach dem Vorbild der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften, die 1988 für die von Erzbischof Lefebvre abrückenden Priester geschaffen worden waren. Ob es überhaupt eine nennenswerte Zahl solcher Rückkehrwilligen gibt und was man ihnen gegebenenfalls in Aussicht gestellt hat, ist jedenfalls ungewiß, und das nicht nur wegen der verständlichen Diskretion aller, die an solchen Plänen beteiligt wären.
Die Geschichte der 1988 zur Betreuung und Einbindung altritueller Gemeinschaften gegründete Kommission Ecclesia-Dei bietet kein besonders attraktives Vorbild, und das nicht nur, weil man den auf sie gegründeten Gemeinschaften (Petrusbruderschaft und Christus König, um nur die größten zu nennen) nie einen eigenen Bischof zugestand und die Kommission selbst 2019 durch Machtspruch von Franziskus aufgelöst wurde. Noch gravierender war, daß das 2021 unter maßgeblicher Beteiligung von Fernandez ausgefertigte ApostolischeSchreiben Traditionis Custodes unmißverständlich klar machte, daß die Feier der überlieferten Liturgie fortan nicht aus Rücksicht auf die spirituellen Bedürfnisse von Priestern und Gläubigen geduldet wurde, sonder mit dem Zweck und der Aufgabe verbunden war, die „Altrituellen“ in den Novus Ordo einzugliedern. Und das possibilimente subito. Zwar gelang es der Petrusbruderschaft, die in Frankreich und den USA in beträchtlichem Umfang in die Seelsorge eingebunden ist, dieses Vorhaben durch einen Besuch bei Franziskus abzuwenden oder zumindest abzumildern, und Rom nahm es auch stillschweigend hin, daß die anderen altrituellen Gemeinschaften die Petrus gewährte Ausnahmeregelung auch für sich anwandten – doch seitdem leben sie unter einem Damoklesschwert, das jederzeit auf ihr Haupt fallen und ihre Arbeit beenden kann. In mehreren amerikanischen und französischen Diözesen ist genau das auch bereits geschehen.
Der dritte Punkt der Unsicherheiten und Ungewißheiten aber ist der schwerwiegendste, und er betrifft nicht nur die in der Wolle gefärbten Anhänger der überlieferten Lehre und Liturgie, sondern alle eher Konservativen, die sich zwar mit dem II. Vatikanum, bei dem sie streng zwischen Textform und Umsetzung unterscheiden, irgendwie arrangiert haben – die aber doch in den meisten Grundsätzen mit Viktor von Lerins an dem festhalten wollen, was immer und von allen geglaubt worden ist. Auf Sie könnten in den kommenden Jahren Dinge zukommen, die sie in papstergebener Vertrauensseligkeit nie für möglich gehalten hätten. Anerkennung von Scheidung, Wiederverheiratung und praktizierter Homosexualität – die Schlachten sind so gut wie geschlagen. Der Frauendiakonat wird von einer Kommission nach der anderen so lange untersucht, bis seine Einführung möglich wird – auch wenn das II. Vatikanum die Einheit des Weihesakramentes feierlich bekräftigte. Im Gegenteil: auf dieser Schiene werden alsbald Priestertum und Bischofsamt zu Kampfzielen. Erzbischof Paglia hat bereits angekündigt, daß die Verheutigung auch vor einer Neubewertung – lies „Abwertung“ – des seit unvordenklicher Zeit Kernelement christlicher Morallehre bildenden Naturrechts nicht Halt machen kann – chemische Empfängnisverhütung und Abtreibung werden langsam aber sicher diskussionsfähig. In Sachen Pille findet die Verehrung des hl. Papstes Paul VI. ihre Grenze.
Und das ist vielleicht das Beunruhigendste von allem. Früher brauchte die Kirche Jahrhunderte dafür, um das, was in dem einen Pontifikat unter dem Einfluss des seinerzeitigen Zeitgeistes vielleicht etwas unglücklich formuliert worden war, unter dem Einfluß eines veränderten Zeitgeistes etwas umzubiegen. Heute geht das flotter. Die Aussagen von Paul VI. zur Empfängnisverhütung oder von Johannes Paul II zur Frauenweihe – die schon damals auf fast 2000-jährigen Fundamenten beruhten - sind gerade 50 Jahre alt und stehen schon zur Revision. Die Rehabilitierung der überlieferten Liturgie in Summorum-Pontificum von Papst Benedikt erreichte noch nicht einmal 20 Jahre. Bevor es faktisch auf den Kopf gestellt wurde. Synodalität – von der das II. Vatikanum und Paul VI. mit seiner klerikalistischen und frauenfeindlichen Bischofssynode noch nichts ahnten – wird quasi über Nacht zum neuen kirchlichen Wesenskern und Grundgesetz. Wie vom Zauberstab eines unheiligen Geistes berührt, machen die Stuhlkreise und runden Tische den Papst und die Kurie von Dienern zu Herren von Glauben und Offenbarung. Da wird die ganze Welt zum locus theologicus – und so sieht die Theologie dann auch aus. Aber was vielleicht noch schlimmer ist: So ruinieren sie das Papstamt, das 2000 Jahre lang im Auftrag des Herrn die Gründung der Lehre in der Offenbarung gewahrt hat.
Es liegt auf der Hand: Für alle, die an dieser Sause auf dem rasenden Jahrmarktskarussel Gefallen haben (oder davon profitieren), sind die störrischen und ewiggestrigen Piusse ein ärgerliches Hindernis und eine unerträgliche Provokation. Die müssen weg, oder zumindest raus, unter welchem Vorwand auch immer. Für Andere, die es eher mit Viktor von Lerins halten, wird die Sturheit immer mehr zur Hoffnung, dass am Tag, wenn der Karneval zu Ende ist, hier und da noch ein paar Stützpunkte übrig sind, von denen aus der Wiederaufbau beginnen kann.
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Und nun also eine vierte Ungewissheit: Unmittelbar nach der Fertigstellung dieses Beitrags am Dienstag Vormittag kommt aus Rom die Meldung, der Papst habe quasi am Vorabend der geplanten Weihen in einem Brief an den Oberen der Bruderschaft diese noch einmal aufgefordert, von der „extrem schweren Sünde“ des Schismas abzusehen und einen „Weg von Dialog und Verständigung“ einzuschlagen.
Am 119. von 120 Tagen, in denen nach der Bekanntgabe des Weihetermins Gelegenheit zu einer päpstlichen Reaktion gewesen wäre.
Schwer zu entscheiden, ob das nach Lage der Dinge geeignet ist, einen Beitrag zur Wiederherstellung von verlorenem Vertrauen zu leisten — oder dieses noch weiter zu zerstören.
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Dokumentation – Briefwechsel zwischen Papst Leo XIV und Pater Pagliarani vom 29./30. 6. 2026:
An Hochwürden
Davide Pagliarani
Generaloberer
der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Mit väterlichem Herzen und im Bewusstsein der Verantwortung, die mir der Herr als Nachfolger des Apostels Petrus übertragen hat, wende ich mich an Sie und – durch Sie – an die Bischöfe, Priester, Seminaristen und Gläubigen, die mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. verbunden sind.
Die Kirche erkennt die Hingabe an das liturgische Leben, den Einsatz für die Priesterausbildung, den apostolischen Eifer und das Streben nach Treue zur Tradition an, die viele Menschen und Gemeinschaften auszeichnen, welche mit Ihrer Bruderschaft verbunden sind. Dies hat zu jener aufmerksamen und großherzigen Haltung geführt, die meine Vorgänger Ihnen stets entgegengebracht haben.
In diesem Geist und erfüllt von christlicher Zuneigung flehe ich Sie an und bitte Sie von ganzem Herzen: Kehren Sie bitte um! Ich mahne Sie, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgsam zu bedenken; denn der schismatische Akt, den Sie zu vollziehen im Begriff sind, würde sie des rechtmäßigen und – in manchen Fällen – sogar gültigen Empfangs der Sakramente berauben, die sie lieben und zu ihrer Heiligung suchen.
Die Kirche ist offen für einen Weg des Dialogs und der Verständigung, den der Heilige Geist ermöglichen und fruchtbar machen kann.
Ich bete für Sie, denn das ungenähte Gewand Christi zu zerreißen, ist eine Sünde von äußerster Schwere. Möge der Herr Ihr Gewissen erleuchten und Ihre Herzen wachrütteln. Mit betrübtem, aber hoffnungsvollem Herzen halte ich es für meine Pflicht, Sie kraft der von Christus empfangenen Vollmacht zu bitten, von Ihrem beabsichtigten Vorhaben Abstand zu nehmen. Ich lege diese Anliegen in die Hände des Unbefleckten Herzens Mariens, der Mutter vom Guten Rat.
Vatikan, 29. Juni 2026
Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus
LEO PP. XIV.
Quelle:dianemontagna.substack.com/p/please-turn-back-pope-leo-xiv-issues
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Antwort von P. Pagliarini:
Der Generalobere
An Seine Heiligkeit Papst Leo XIV.
Econe, 30. Juni 2026
Heiligster Vater,
ich danke Ihnen herzlich für den Brief, den Sie mir so freundlich geschrieben haben. Ich bin tief berührt von Ihrer väterlichen Fürsorge.
Lange Zeit hatte ich gehofft, Sie persönlich treffen zu dürfen, um Ihnen direkt unseren aufrichtigen Wunsch, der Kirche zu dienen, auszudrücken. Leider hat sich diese Gelegenheit nicht ergeben.
Ich bitte Sie lediglich, die Aufrichtigkeit dieser Absicht zu prüfen, die in keiner Weise vorgetäuscht ist. Paradoxerweise glauben wir unter den gegenwärtigen Umständen, dass es unsere Pflicht ist, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das makellose Gewand Christi zu flicken, das durch Kräfte und Zwänge zerrissen wurde, die mit einem wahrhaft katholischen Geist unvereinbar sind. Ich bitte Sie lediglich, die Echtheit dieser Absicht zu prüfen, bevor Sie eine Entscheidung bezüglich der Priesterbruderschaft St. Pius X. treffen. Es ist noch nicht zu spät.
Es liegt uns fern, uns von der Römischen Kirche zu trennen. Wir möchten ihr im Gegenteil auf außergewöhnliche Weise dienen, so wie man einer Mutter in Not beisteht, die besondere Hilfe benötigt, selbst wenn diese Hilfe nicht von allen verstanden wird. Ich bin jedoch sicher, dass der Heilige Vater sie verstehen könnte.
Der Heilige Stuhl hat bewiesen, dass er sehr komplexe Situationen verstehen und Zeit für Unterscheidungen geben kann. Darf ich Eure Heiligkeit daher väterlich bitten, sich die für diese Unterscheidung notwendige Zeit zu nehmen? Sollten meine Worte nicht ausreichen, möchte ich Sie bitten, über zwei einfache Tatsachen nachzudenken. Erstens wurde die Gesellschaft bereits 1988 für schismatisch erklärt, aus Gründen und unter Umständen, die denen von heute völlig analog sind. Und doch sprechen wir nach so vielen Jahren wie ein Vater und sein Sohn miteinander. Eure Heiligkeit drängt mich väterlich, ein Schisma zu vermeiden, das theoretisch bereits stattgefunden hat. Ist nicht gerade Eure Haltung – deren väterliche Sorge ich sehr schätze – der Beweis dafür, dass die Gesellschaft weder schismatisch noch der Kirche feindlich gesinnt ist?
Zweitens beauftragte der Heilige Stuhl vor einigen Jahren zwei Bischöfe der Kirche mit dem Dialog mit der Priesterbruderschaft St. Pius X.: Bischof Vitus Huonder, damals Bischof von Chur (verstorben), und Bischof Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana. Beide erkannten nach angemessener Prüfung den zutiefst katholischen Geist der Bruderschaft und bekannten sich öffentlich dazu.
Vor allem aber möchte ich mich im Namen der Tausenden von Seelen an Eure Heiligkeit wenden, die durch das Apostolat der Bruderschaft den katholischen Glauben und die Religionsausübung wiederentdeckt haben. Dies ist eine Tatsache, die auch Eure Vorgänger anerkannt haben. Diese Seelen haben nur einen Wunsch: durch dieses Instrument, das ihnen die göttliche Vorsehung zur Verfügung gestellt hat, das Heil zu erlangen. Sie haben gelitten und sind aufrichtig. Ich bin zuversichtlich, dass Euer väterliches Herz als universaler Hirte von dieser besonderen Situation berührt sein wird. Eines Tages werden alle Schwierigkeiten zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft beigelegt sein. Eine Geste des Verständnisses Ihrerseits, die der Einheit keineswegs schaden würde, könnte der Welt und allen Christen nur Ihre Sorge um die Einheit und Ihre väterliche Güte offenbaren.
Ich überlasse dies alles Ihrer Überlegung. Ich erneuere meine Gebete für Ihre Heiligkeit. Schon lange, vor Ihrer Wahl, habe ich für die gegenwärtige Situation zur heiligen Rita gebetet. Ich sah in der Wahl eines Augustinerpapstes ein Zeichen der Hoffnung. Ich bin gewiss, dass die Heilige Fürsprache einlegen wird. Es ist nie zu spät.
Bitte geben Sie uns Ihren Segen.
Ich nutze diese Gelegenheit, um in tiefster Andacht unserem Herrn zu verweilen.
Don Davide Pagliarani
Quelle: www.pelicanbrief.news/p/breaking-father-pagliarani-responds
Übersetzungen aus dem Englischen mit Google Translate
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