Rom verhängt den Kirchenbann gegen die Piusbruderschaft
02. Juli 2026
Bulle von Papst Leo X. gegen Luther
Wie von vielen erwartet – von den meisten befürchtet und von anderen erhofft – hat Papst Leos Mann für's Grobe am Tag nach der Weihe der vier Bischöfe für die Pisubruderschaft ein umfangreiches Exkommunikationspaket verkündet. Unter den zuvor diskutierten Alternativen bietet es die härteste Variante: Die vier Neugeweihten und ihre Konsekratoren gelten als „Schismatiker“ und seien daher „latae sententiae“ exkommuniziert, die gleiche Maßregelung gelte auch für die geweihten Amtsträger - also wohl für sämtliche Priester der Gemeinschaft. Das Gleiche gelte für die Laien, „welche sich formell der Priesterbruderschaft des Heiligen Pius X. unter den Bedingungen anschließen, die in der Erläuterung des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte von 1996 (vgl. ebd. , 7) festgelegt sind“. Hier sind das entsprechende Dekret von Fernandez und seine amtliche Erläuterung nachzulesen.
Eine kirchenrechtliche Würdigung dieser Dokumente und ihrer Auswirkungen liegt außerhalb unserer Kompetenz. Wichtige Ansätze dazu finden sich in dem hier veröffentlichten Artikel von Heinz-Lothar Barth. Weitere Einschätzungen und Würdigungen von den verschiedensten Seiten werden in den kommenden Tagen das Internet überfluten. Daraus wird sich jeder auf der Grundlage seines hoffentlich ausreichend informierten Gewissens sein eigenes Bild machen und sich dementsprechend verhalten können.
Der Zustand der Kirche ist jedenfalls so, daß keinesfalls zu erwarten ist, die Sache sei nun nach dem Grundsatz „roma locuta, causa finita“ hinreichend geklärt und entschieden. Dazu hat die Kirche des „wer bin ich, zu urteilen“ die Kraft schon lange verloren. Nicht nur in Deutschland blühen glaubenszerstörende und das Seelenheil Vieler gefährdende Irrlehren seit Jahrzehnten ungehindert, ohne daß aus Rom mehr als ein gelegentliches und meist folgenloses Räuspern zu vernehmen wäre. Und wo die Hirten versagen, müssen die ihnen Anvertrauten ihren eigenen Weg gehen - ob sie das wollen, oder nicht. Von der Piusbruderschat wünschen wir uns, daß sie der durch die umfassende Bannbulle zweifellos verstärkten Versuchung widersteht, sich in den Sedisvakantismus abzusetzen. Das müßte ihre Probleme nur noch noch weiter verstärken. Und nach allem, wofür die Bruderschaft steht (und was bei der Weihe auch mehrfach ausgesprochen wurde), sind wir zuversichtlich, daß sie sich darauf nicht einläßt.
Zu wünschen wäre eine vertiefte theologische Klärung des Charakters der gegenwärtigen Kirchenkrise, die dadurch gekennzeichnet ist, daß für Papst und Kurie offenbar alle hergebrachten Lehren und Grundsätze der hl. katholischen und apostolischen Kirche zur Diskussion stehen - außer dem einen, daß dem Befehl des Papstes unbedingter Gehorsam zu leisten ist. Und das auch dann, wenn dieser Befehl der überlieferten Lehre und Lehramt und Gesetzgebung früherer Päpste widerspricht.
Das Institut vom guten Hirten (Institut Bon Pasteur), das 2006 auf der Grundlage des von Papst Johannes Paul II. in Reaktion auf die Bischofsweihen der FSSPX von 1988 erlassenen Motu proprios Ecclesia Dei afflicta gegründet worden war, hatte sich in seiner Konstitution ausdrücklich die Freiheit zur Erforschung der Ursachen dieser Krise und deren Beziehungen zum II. Vatikanischen Konzil ausbedungen. Seitdem hat man von Ergebnissen dieser Forschungarbeit außer ein paar gelegentlich in Vorträgen oder Artikeln verstreuten Andeutungen nichts gehört. Hier intensiver als bisher zu forschen und dabei auch nicht vor schmerzhaften Fragestellungen (und noch schmerzhafteren Antworten) nicht zurückzuschrecken, wäre für die theologischen Köpfe der Bruderschaft eine lohnende Aufgabe. Und das nicht nur aus theologisch-theoretischen Interesse, sondern auch in pastoraler Zielsetzung: Die kognitive Dissonanz, die aus den widersprüchlichen Worten und Werken des Kirchenregiments hervorgeht und womöglich von einigen sogar mit Absicht zur Zerstörung des wahren Glaubens eingesetzt wird, ist in ihren Auswirkungen auf die Gläubigen schwer erträglich.
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