Die kroatische Gemeinde Sydney feierte ein Hochamt im alten Ritus und in glagolitischer Sprache
07. Juli 2026
Glagolitisches Missale von 1927
Am 1. Juli, dem Fest des hochheilgen Blutes, feierte die katholische Gemeinschaft der Kroaten im australischen Sydney ein Hochamt nach dem traditionellen Missale in glagolitischer Sprache – das ist eine der vielen Varianten des Kirchenslavischen. Deshalb wird für diese Sonderform des römischen Ritus gelegentlich auch die Bezeichnung „glagolitischer Ritus“ verwandt. Das ist insoweit etwas irreführend, als der Ritus selbst vollständig dem römischen Gebrauch entspricht; nur in den Melodien der Gregorianik gibt es einige Varianten, die aber mehr dem Mailänder Vorbild zu entsprechen scheinen als der deutlich anders klingenden Singweise der Byzantiner.
Die Besonderheit besteht alleine darin, daß als liturgische Sprache nicht das Lateinische, sondern die kirchenslavische Sprache verwandt wird. Mit dem modernen Drang zur Verwendung der Volkssprache in der Liturgie hat das nichts zu tun: Kirchenslavisch klingt in den Ohren der westslavischen Völker zwar irgendwie vertraut und in Teilen auch verständlich; wirklich korrekt verstehen können es Kroaten, Slowenen oder Serben aber ebenso wenig wie Bayern das Niederländische. Kirchenslavisch ist erkennbar und wahrnehmbar eine Kultsprache, die den gottesdienstlichen Raum von der profanen Welt abgrenzt. Die römische Duldung des Kirchenslavischen als Liturgiesprache war ein unter den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen des westslavischen Raumes von der Kirche eingegangener Kompromiß, der soweit wir sehen einzigartig geblieben war.
In den ersten Jahrhunderten nach der Slavenmission Kyrills und Methods (9. Jh.) war die Praxis, die römische Liturgie in kirchenslavischer Sprache zu feiern, wohl in weiten Bereichen der westslavischen Völker vom heutigen Böhmen bis zur Adria weit verbreitet, wurde jedoch nicht zuletzt durch die politischen Entwicklungen immer stärker eingeschränkt und war zu Anfang der 20. Jahrhunderts nur noch in wenigen abgelegenen Gebieten Kroatiens lebendig. Krieg und kommunistische Herrschaft taten dann ein übriges, und schon vor Konzil und Liturgiereform war das Glagolitische Missale (Letzte Auflage 1927) so gut wie außer Gebrauch.
Unter diesen Umständen ist es kein Zufall, daß die wenigen Meldungen über Zelebrationen nach diesem Missale hauptsächlich aus Westeuropa und vor allem Nordamerika kommen. Das glagolitische Missale gehört zu den Elementen nationaler und kultureller Identifikation, die gerade unter den Bedingungen von Exil und Auswanderung noch einmal besonderen Stellenwert erlangen. Vermutlich handelt es sich dabei jedoch eher um eine Scheinblüte als um eine echte Renaissance. Nicht nur, weil die Glaubensbindung in der kroatischen Gemeinschaft genauso stark zurückgegangen ist wie in ihrem ganzen gesellschaftlichen Umfeld. Auch die Bindung an die europäische Herkunft der Auswanderer und ihrer Familien geht beschleunigt zurück. Schon die meisten Angehörigen der 3. Generation – also die Enkel der in ihrer frühen Jugend eingewanderten Kroaten und Dalmatier – haben höchsten bei gelegentlichen Besuchen bei den Großeltern ein paar kroatische Sprachbrocken aufgenommen – das glagolitische Kirchenslavisch klingt ihnen nicht irgendwie heimatlich vertraut, sondern wie jede andere fremde Sprache auch. Wenn sie überhaupt noch in die Kirche gehen, dann zu einer Novus-Ordo-Gemeinde mit Gottesdienst in viel Englisch und ein wenig Kroatisch. Oder natürlich in eine „alte Messe“ mit Latein und dem Ritus, der seit über 1000 Jahren den Katholiken weltweit Heimat war.
Wir sind hier auf diese Entwicklungen etwas näher eingegangen, weil sie nicht nur die Kroaten betrifft, sondern fast alle Einwanderer aus dem ehemals christlichen Europa: Die deutschen, die italienischen und die polnischen Gemeinden, die fast hundert Jahre lang Rückgrat des Katholizismus in Nordamerika waren, sind weitgehend in die Umgebungsgesellschaft und deren gottlosen Lebensstil eingeschmolzen, und den Orthodoxen, die den Einwanderern aus Russland und dem Orient eine geistige Heimat und nationale Identität boten, geht es nur wenig besser.
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