Ist die Zeit für einen Friedensschluß im Krieg der Liturgien gekommen?
13. Juli 2026
Nach dem Krieg die Friedensverhandlungen
Christian Marquant vom traditionsorientierten französischen Magazin Paix Liturgique hat dort, wie es dem Namen und Motto dieser Publikation entspricht, am 9. Juli unter dem Titel „Rom – Écône: Nach dem Krieg – Verhandlungen über einen liturgischen Frieden?“ einen Beitrag veröffentlicht, den wir hier mit geringfügigen Kürzungen übersetzt veröffentlichen.
Quelle: Paix Liturgique
Ich möchte ich einen ganz schlichten Gedanken ansprechen: Krieg bedeutet letztlich auch Verhandlung, um ein solides Fundament für einen Frieden zu schaffen. Es gibt eine Zeit zum Kämpfen. und es gibt eine Zeit zum Verhandeln. Warum sollte es nicht an der Zeit sein, einen liturgischen Frieden auszuhandeln? nicht endlich die Zeit für einen liturgischen Frieden gekommen sein? Zwar scheint das derzeit unerreichbar, insbesondere da im Zentrum des Problems das Zweite Vatikanische Konzil steht und die Liturgie , die es zum Ausdruck bringt. Es ist kaum vorstellbar, daß sich daran heute noch etwas ändern ließe.
Nur das lebendige Lehramt, das Unfehlbarkeit für sich beansprucht, wird eines Tages in der Lage sein, dieses Problem endgültig zu lösen. Und gerade das ist ein ganz wesentlicher Aspekt dieses Problems: das Schweigen des unfehlbaren Lehramtes. Bis es dahin kommt, sollten jedoch beide Seiten ein großes Interesse an einem friedlichen Zusammenleben haben. Rom sollte aufgrund der von ihm vertretenen konziliaren Werte ein großes Interesse daran haben. Es kann gerade auch aus ökumenischen Gründen nicht darauf beharren, seinen Vorfahren zu exkommunizieren. Weit mehr als mit Orthodoxen, Anglikanern und Lutheranern ist hier Dialog erforderlich, um die Differenzen mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu analysieren und gemäß den Vorstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils von einer „unvollkommenen“ zu einer „vollen Kirchengemeinschaft“ zu gelangen. Es ist offen gesagt unverständlich, warum Rom von Seiten offensichtlich fehlgeleiteter Katholiken, wie den Gläubigen und Bischöfen des Deutschen Synodalen Weges oder katholischer LGBT-Organisationen, alles hinnimmt und weiter mit ihnen spricht, während es denen, die ihren Glauben und ihre Liturgie wie bisher weiterleben wollen, keinerlei Zugeständnisse macht.
Auch Écône müßte daran interessiert sein. Angesichts der Probleme der ehemaligen Ecclesia-Dei-Institute weiß es genau, wie viele Enttäuschungen diejenigen erleben, die dem heutigen Rom vertrauen, und wie viele Kröten sie schlucken müssen. Aber in der gegenwärtigen Situation, die noch lange andauern kann, muss Écône dennoch den Kontakt aufrechterhalten und darf sich nicht in einen Elfenbeinturm zurückziehen, um dort auf die Zukunft zu warten.
Kardinal Jean-Marc Noël Aveline, Metropolit von Marseille und Präsident der Französischen Bischofskonferenz, hat in einem Interview mit Jean-Marie Guénois in der Zeitung Le Figaro am 24. Juni 2022 durchaus mit Hintergedanken eine Aussage von Bischof Bernard Fellay vom 7. Juni 2012 zitiert (Quellen hier und hier).
„Eine der größten Gefahren [für die Priesterbruderschaft St. Pius X.] besteht darin, eine Vorstellung von Kirche zu entwickeln, die zwar ideal erscheint, aber in Wirklichkeit nirgendwo in der konkreten Geschichte der Kirche anzutreffen ist. Manche behaupten, um in der Kirche „sicher“ agieren zu können, müsse sie zunächst von allen Irrtümern gereinigt werden. […] Doch die heiligen Reformer haben es niemals aufgegeben, den Kampf gegen diese Irrtümer von innerhalb der Kirche zu führen“
Konkret müssen wir uns daher darauf einigen, einen Modus Vivendi zu finden, ohne zunächst über das Zweite Vatikanische Konzil zu sprechen. Kardinal Jean-Marc Noël Aveline, dessen Einfluss in Rom mittlerweile sehr groß ist, erklärte im selben Interview:
„Mir scheint, daß es heute am wichtigsten ist, nicht zu versuchen, eine doktrinäre Übereinkunft zu erzielen, auf die Papst Benedikt XVI. selbst letztlich verzichtet hat.“
Denn wie bei sogenannten „asymmetrischen“ Verhandlungen zwischen zwei Kriegsparteien – einer schwachen und einer starken – muss die stärkere Seit verläßliche Garantien angeben, um auch nur ein vorläufiges Ergebnis zu erzielen, während die schwächere Seite erhebliche Risiken eingeht, wenn sie von ihren befestigten Positionen abrückt. In diesem Fall muß sie, wie Erzbischof Marcel Lefebvre sagte, „das Leben mit und in der Tradition“ ins Zentrum rücken und kann es (bei den Verhandlungen) nicht länger beiseite stellen.
Das Kirchenrecht zeichnet sich durch extreme Flexibilität und ein hohes Maß an Erfindungsgabe aus. Man könnte beispielsweise der Priesterbruderschaft St. Pius X., ähnlich einer unierten Ostkirche, das Recht einräumen, eigene Bischöfe zu ernennen, denen Rom automatisch die Gemeinschaft gewährt und ihnen generell ausreichende disziplinarische Autonomie einräumt. Im Gegenzug müsste die Priesterbruderschaft St. Pius X. das Risiko einer gewissen Vermischung akzeptieren (beispielsweise würden ihre Bischöfe außerhalb ihrer Niederlassungen Firmungen und Priesterweihen spenden, und auch Priester, die der Bruderschaft nicht angehören, würden in ihren Kirchen Gottesdienste nach dem traditionellen Ritus feiern).
Man wird mir sagen, daß Rom meiner Hypothese zufolge fast alles geben und Écône fast nichts. Wenn man beide Seiten kennt, ist das alles andere als zutreffend. Vor allem wird man mir sagen, daß ich laut träume und mir heute niemand zuhören will. Aber vielleicht morgen? Der liturgische Frieden erfordert Geduld…
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