Herbstquatember und Erntedank: „An Gottes Segen ist alles gelegen“ - Psalm LXIV
15. September 2026
O Gott, von dem wir alles haben, wir danken Dir für Deine Gaben
Nach dem Kalender aus den Jahrhunderten vor den Ausbruch der Reformitis des vergangenen Jahrhundert beginnen die Herbstquatember am Mittwoch nach Kreuzerhöhung - also heute. Nach der Ordnung von 1962 erst eine Woche später. Wie auch immer: Das Thema Quatember haben wir hier schon mehrfach abgehandelt. In diesem Jahr konzentrieren wir uns daher ganz auf den Charakter dieser Tage als herbstliches Dankfest für die Gaben Gottes im zu Ende gehenden landwirtschaftlichen Jahr.
Erntedankfeste gehören zum grundlegenden Bestand nicht nur von Juden- und Christentum, sondern aller von Ackerbau und Viehzucht lebenden Kulturen. Das Bewußtsein, dass „an Gottes Segen alles gelegen“ ist, findet in zahlreichen Psalmen seinen Ausdruck – am stärksten vielleicht in Ps. 64 – Te decet hymnus, der erstaunlicherweise jedoch weder in den beiden altjüdischen Erntedankfesten Sukkot und Schawuot noch im überlieferten lateinischen Ritus in der Liturgie dieser Tage eine besondere Rolle spielt.
Bei den Gemeinschaften aus der Reformation ist das anders, und auf dem Umweg über die Liturgie dieser Gemeinschaften ist dieser Psalm auch im katholischen Bereich wieder stärker ins Bewußtsein gerückt. Eine feste liturgische Stellung ist damit jedoch auch heute noch nicht verbunden; vielleicht ist das darin ausgedrückte Gottes- und Menchenbild nicht emanzipiert genug.
In der Fassung der „Einheitsübersetzung“ von 1980, die wir trotz beträchtlicher kritikwürdiger Punkte generell der noch weiter modernisierten EÜ von 2016 vorziehen, lautet der verhältnismäßig kurze Psalm folgendermaßen:
1 Dank für Gottes Gaben [Für den Chormeister. Ein Psalm Davids. Ein Lied.]
2 Dir gebührt Lobgesang, Gott, auf dem Zion, / dir erfüllt man Gelübde.
3 Du erhörst die Gebete. / Alle Menschen kommen zu dir
4 unter der Last ihrer Sünden. Unsere Schuld ist zu groß für uns, / du wirst sie vergeben.
5 Wohl denen, die du erwählst und in deine Nähe holst, / die in den Vorhöfen deines Heiligtums wohnen. Wir wollen uns am Gut deines Hauses sättigen, / am Gut deines Tempels.
6 Du vollbringst erstaunliche Taten, / erhörst uns in Treue, du Gott unsres Heiles, du Zuversicht aller Enden der Erde / und der fernsten Gestade.
7 Du gründest die Berge in deiner Kraft, / du gürtest dich mit Stärke.
8 Du stillst das Brausen der Meere, / das Brausen ihrer Wogen, das Tosen der Völker.
9 Alle, die an den Enden der Erde wohnen, / erschauern vor deinen Zeichen; / Ost und West erfüllst du mit Jubel.
10 Du sorgst für das Land und tränkst es; / du überschüttest es mit Reichtum. Der Bach Gottes ist reichlich gefüllt, / du schaffst ihnen Korn; so ordnest du alles.
11 Du tränkst die Furchen, ebnest die Schollen, / machst sie weich durch Regen, segnest ihre Gewächse.
12 Du krönst das Jahr mit deiner Güte, / deinen Spuren folgt Überfluss.
13 In der Steppe prangen die Auen, / die Höhen umgürten sich mit Jubel.
14 Die Weiden schmücken sich mit Herden, / die Täler hüllen sich in Korn. / Sie jauchzen und singen.
Das bedarf im Grunde keiner großen Erklärung; das ist einfach nur schön und ist heute noch so verständlich wie vor 2500 Jahren. Wer dennoch etwas mehr dazu erfahren will, findet es auf dem Beitrag zu Ps. 64(65) im Psalterium.
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