Zum Festtag des hl. Eustachius am 20. September
19. September 2026
Eustachius und der Hirsch
Der 20. September bringt den Gedenktag des hl. Eustachius und seiner Familie, die in den Verfolgungen zur Zeit Kaiser Trajans (2. Jh.) auf grausame Weise zu Tode gemartert worden sind. Diese frühe Zeit macht Eustachius zu einem „schwierigen Heiligen“ – nichts von dem, was überliefert ist, kann vor den Maßstäben historischer Wissenschaft bestehen, und sein Gedächtnis wird noch dadurch erschwert, daß einige von ihm überlieferten Berichte und Legenden ein viele Jahrhunderte später auf den historisch etwas, aber auch nur etwas, besser fassbaren Bischof Hubertus von Lüttich († 727) übertragen worden sind. Das ist der mit dem Hirsch und dem Kreuz im Geweih. Genau die Erzählung von dieser Jagd-Vision hat Hubertus von Eustachius „geerbt“, wie das im Bereich von Sagen und frommen Legenden des öfteren vorkommt.
Aber diese aus heutiger Perspektive höchst problematische Überlieferungsgeschichte läßt Eustachius/Hubertus dem gegenwärtigen Bewußtsein höchst problematisch erscheinen, und sie ist einer der Gründe dafür, daß beide aus dem kirchlichen Bewußtsein so gut wie verschwunden – oder sollte man besser sagen: verdrängt – worden sind. Dabei gehörten sie während des späten Mittelalters und der beginnenden Neuzeit zu den populärsten Heiligengestalte des mitteleuropäischen Raums – in deutschsprachigen Ländern als „Hubertus“, in romanischen als „Eustachius.“ Doch genau das, was sie bzw. ihre Legen dem frommen Sinn früherer Jahrhunderte so wertvoll machte, ist mit der tief in die Kirche eingedrungenen säkularen Weltanschauung ganz und gar inkompatibel: die unter Schmerzen erworbene Geringachtung der Reichtümer und Verlockungen der irdischen Welt und die unbedingte Ergebenheit in den einmal erkannten Willen Gottes.
Während diese Motive in den später entstandenen Hubertus-Legenden bereits in den Hintergrund treten, werden sie in den frühen Eustachius-Legenden, die auf griechische Werke – unter anderem von Johannes von Damaskus – aus der Zeit vor oder spätestens um Hubertus von Lüttich zurückgehen, voll entfaltet. Sie boten dem Bewußtsein der Zeit, das die Erde und das irdische Leben aus eigenem Erleben als der Erlösung bedürfendes „Jammertal“ erkannte, reichlich Anlaß zur Besinnung und Anstoß zur Umkehr.
Rene Strasser hat den Stoff, ausgehend von einem Hymnus aus dem 13. Jahrhundert, im Hymnarium näher betrachtet und durch eine Miszelle (unter dem Hymnus) mit Photos zahlreicher Kunstwerke mit Darstellungen von Eustachius/Hubertus ergänzt.
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