Was von der 39. Woche übrig blieb
26. September 2026
Sel. Fulton Sheen, bitte für uns
Das Ereignis der Woche – zumindest für die englisch sprechende Welt – war die feierliche Seligsprechung von Fulton Sheen. Da wir dieser Welt nicht angehören, sondern bestenfalls Zuschauer sind, haben wir zur Sache selbst nicht viel zu sagen – die Bedeutung des sel. Fulton ist jedenfalls nicht zu verkennen, und er war nicht nur ein Begründer des modernen Medienapostolates – er füllte diese Rolle auch mit großem Geschick, Überzeugungskraft und Charme aus, ohne dabei immer wieder in kompromißlerische Zeitgeistigkeit abzugleiten. Also weitaus besser, als man das von vielen seiner heutigen Nachahmer sagen kann. Vereinzelte Unsicherheiten oder vielleicht sogar Ausrutscher in der Wahrnehmung dieser Rolle sollte man ihm heute nicht in herabsetzender Weise zum Vorwurf machen, wie das in den vergangenen Tagen in einigen Randbereichen der Tradition zu beobachten war – Pioniere leben gefährlich.
Wir gehen nur deshalb auf dieses Thema ein, weil – seit dem Pontifikatsbeginn von Papst Leo noch stärker als zu Zeiten von Papst Franziskus – in diesen Bereichen eine Tendenz zu einem verabsolutierenden Fundamentalismus zu konstatieren ist, der der Bewegung der Tradition auf Dauer nur schaden kann. Nein, Fulton Sheen ist nicht deshalb zu verurteilen, weil er dem zweiten Vatikanum nicht von Anfang an und in allen Punkten öffentlich widersprochen hat oder weil er die seinerzeit aufregend neuen Spekulationen Teilhard de Chardins nicht sogleich dem Feuer des Scheiterhaufens überantworten wollte, wie dieser Tage auf einem im schlechten Sinne „integralistischen“ Webmagazin lang und breit ausgeführt wurde. Und auch Peter Kwasniewski ist nicht deshalb zum Feind übergelaufen, weil er mit der gesamten neueren Bibelwissenschaft akzeptiert, daß die 5 Bücher des Pentateuch nicht so, wie sie heute dastehen, mit eigener Hand von Moses geschrieben wurden, dessen Lebenszeit nach traditioneller jüdischer Zählung in die Jahre 2368 bis 2488 AM „nach Erschaffung der Welt“ bzw. 1391 bis 1271 v. Christi Geburt fällt, wie das ein anderer von mir in vielem sehr geschätzter Autor dieser Tage verlauten ließ.
Die Versuchung zu derlei Fundamentalismus ist verständlich, wenn selbst die höchsten Amtswalter der Kirche jede Woche eine andere Glaubenswahrheit in Frage stellen oder in Frage stellen lassen – nachgeben sollte man ihr trotzdem nicht. Und weil wir solchen Versuchungen aus dem Weg gehen wollen, kommt hier auch kein weiteres Wort über die in diesen Tagen stattfindende Frankreichreise des Papstes.
Zumal es in und um Rom schon genügend Anlaß zum Stirnrunzeln gibt: Der hoch renommierte Ratzinger-Preis, der von der vatikanischen Stiftung Fondazione Vaticana Joseph Ratzinger vergeben wird und gelegentlich schon als „Nobelpreis für Theologie“ bezeichnet wurde, ist anscheinend von der gleichen Zeitgeist-Hörigkeit befallen wie dieser: In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den amerikanischen Theologen John Cavadini, der außerhalb der USA und von Fachkreisen hauptsächlich dadurch bekannt geworden ist, daß er 2022 zusammen mit zwei Kollegen eine sehr grundsätzliche und durch und durch von antitraditionellem Geist geprägte Kritik an Papst Benedikts Summorum Pontificum veröffentlichte – hier die damalige Reaktion darauf in OnePeterFive, verfaßt von Alcuin Reid. Viele Beobachter fragen sich jetzt, ob diese Ehrung eine weitere vatikanische Ohrfeige für die Freunde der überlieferten Liturgie bedeuten soll – und für Papst Benedikt natürlich auch.
Und wo bleibt das Positive? fragen wir da mit Erich Kästner. Bitte sehr, hier sogar in zweifacher Ausfertigung: Eine Untersuchung des französischen Meinungsforschungsinstituts IFOP, ausgewertet bei Rorate Caeli, hat das bemerkenswerte Ergebnis zu Tage gefördert, daß über die Hälfte, genauer 55%, der jüngeren Priester im Alter zwischen 25 und 34 Jahren die Messe in der überlieferten Liturgie feiern – zumindest gelegentlich und erforderlichenfalls auch hinter verschlossenen Türen. Das ist nachgerade sensationell, wenn man bedenkt, daß es in der Altersgruppe über 75, also der Voll-Konzils-Generation, gerade einmal 2% sind. Nun darf man sich im Gewicht dieser Zahlen nicht täuschen: Die Zahl der Priesterweihen insgesamt ist in Frankreich wie auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten katastrophal zurückgegangen – allzu viele Priester gehören der hier angesprochenen Generation der 25-34-Jährigen also nicht an. An der Tendenz ändert das freilich nichts: Die Konzislgreise sterben aus – und die nachrückende Generation, wenn auch zahlenmäßig nur noch klein, wendet sich wieder der vorkonziliaren Liturgie (und Lehre, wie wir hoffen dürfen) zu.
Auf eine ganz ähnliche Tendenz verweist die Entwicklung der Studentenzahlen an der Kölner Hochschule für katholische Theologie, worüber dieser Tage das Portal unkatholisch.de mit deutlichem Mißfallen berichtete: Während bundesweit die Zahl der Studienanfänger für Theologie deutlich zurückgeht und die Fakultäten für ihren Bestand fürchten müssen, gibt es in Köln eine Steigerung – wenn auch in bescheidenen Zahlen. Von 77 Studenten und Studentinnen im Jahr der Übernahme der ehemals von den Steyler-Nicht-mehr-Missionaren betreuten Einrichtung 2021 durch das Erzbistum Köln zu gegenwärtig rund 140. Auch hier sind mehrfache Relativierungen angebracht: Nur ein kleiner Teil der Eingeschriebenen hat das Berufsziel des katholischen Priesters, nach wie vor haben Männer mit Semestern in Köln wohl auch Probleme, eine aufnahmebereite Diözese und einen Weihebischof zu finden.
Das Studium ist auch bei weitem nicht im eigentlichen Sinne traditionell ausgerichtet – aber die Tradition ist auch nicht tabuisiert und die Leitung des Hauses hat gewisse Qualitätsanforderungen, die an den Fakultäten der Staatstheologie oft genug hintangestellt werden: Dort geht es nach wie vor darum, die Lehrstühle mit möglichst jungen und flexiblen Geschwätztheolog/innen zu besetzen, damit der Bestand der Fakultäten oder zumindest der Stellen für Lebenszeitbeamte auf Jahrzehnte hinaus gesichert bleibt. Bei aller Relativierung überwiegt in Köln das Positive: Trotz der erbitterten Feldzüge, die von deutschen Bistümern und deren Staatstheologen gegen Köln geführt wurden und weiterhin werden, hat es sich unter jungen Leuten offenbar herumgesprochen, daß man hier etwas Katholisches lernen kann. Und wer das will, geht eben dorthin.
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