Summorum Pontificum.de

Was von der 40. Woche übrig blieb — Auf der schiefen Ebene der Synodalität

05. Oktober 2026

6 - Kirchenkrise

Die Aufnahme von Michael Hynes zeigt einen Blick auf die Synodenaula ,ot den auf viele runde Tische verteilten Teilnehmern der Beratung.

Ringel, rangel, runde - wir feiern die Synunde.

Diesen Wochenrückblick beginnen wir mit der Erwähnung eines Ereignisses, das bereits einen ganzen Monat zurückliegt, aber inzwischen als überaus bezeichnend für einen herrschenden Trend der Gegenwart erkennbar geworden ist: Auf haeretisch.de – wir zitierend das immer seltener, weil die dort gebotenen Inhalte immer weniger mit dem katholischen Glauben zu tun haben – kamen am 2. September die „Wissenschaftler und Theologen“ Simone und Claudia Paganini mit einem Beitrag zu Wort, dem die Redaktion den hübschen Titel gegeben hat: „Experten: Viele biblische Figuren zeigen psychische Auffälligkeiten“. Zu ihrem Patienten Jesus von Nazareth werden die Forscher zitiert mit der Aussage, er habe „eine Neigung zum Alkohol gehabt. Seine Reaktion auf die Viehhändler im Tempel lasse auf eine Impulsstörung schließen. Simone Paganini: "Jesus ist derjenige, der sagt: Wenn einer dich schlägt, halte auch die andere Wange hin. Und dann kommt er in den Tempel, ist verstimmt über die Viehhändler dort – und paff, geht es los." Womit der Menschensohn – sollte er denn jemals gelebt haben – endgültig als nicht ganz zurechnungsfähiger Verhaltensgestörter abgetan wäre.

Die weibliche Hälfte des Experten-Ehepaares mit Vornamen Claudia ist übrigens „Professorin“ an der von Jesuiten betriebenen „Hochschule für Philosophie München“, der männliche Teil war bis 2024 als ordentlicher Professor für biblische Theologie an der einstmals renommierten RWTH Aachen engagiert. Die Aktualität der Methode der beiden „Wissenschaftler“, die Heilige Schrift insbesondere und die kirchlichen Dinge im allgemeinen vor den Richterstuhl der so überaus aufgeklärten Moderne zu ziehen, wurde uns blitzartig klar, als wir lasen, daß die Generalanwältin des (selbstverständlich durch und durch verfassungswidrigen) „Gerichtshofs der europäischen Union“ jetzt dafür plädiert hat, die Anträge von Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind, auf Löschung ihres Eintrags im Taufregister als prinzipiell zulässig im Recht der Länder Europas zu verankern. Zur Sache selbst wäre aus sakramententheologischer, aber auch aus säkularhistorischer, Sicht, viel anzumerken – das ersparen wir uns heute. Festzuhalten ist hier zunächst, daß das Regiment des und der Herren dieser Welt, nachdem es der Kirche buchstäblich alle weltlichen Betätigungsfelder (genannt seien nur das Schulwesen und die Krankenfürsorge) entrissen und „sozialisiert“ hat, nun auch die Sakramente unter seine Fuchtel bringen will. Die Antidiskriminierungsklage der falschen „r.k. Priesterinnen“ vor dem anmaßenden Gerichtshof des Antichristen ist nur noch eine Frage der Zeit.

Und obwohl es in diesem Zusammenhang verlockend wäre – nein, wir gehen hier nicht weiter auf das laute Loblied ein, das Papst Leo in Paris am Vormittag des 25. September auf die Ideale der französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit als „ethische Imperative“ gesungen hat, bevor er am nächsten Tag im stummen Gebet der im Namen eben dieser Ideale ermordeten Märtyrer der Karmelitenkirche gedachte.

Aber damit sind wir immerhin schon näher an der 40. Woche, die hier aufgeräumt werden sollte.

In dieser Woche wurde bekannt, daß das nach wie vor weiter amtierende Sekretariat der von Franziskus eingerichteten Synodensynode vorgeschlagen hat, Frauen künftig offiziell damit zu beauftragen, den Vorsitz bei kirchlichen Eheschließungen zu übernehmen. Sakramententheologisch ist das kein besonderes Problem, weil das Sakrament der Ehe nicht vom Priester „gespendet“ wird, sondern von den Eheleuten selbst und gegenseitig. Aber das Bild einer womöglich im Rauchmantel vor dem Alter stehenden Gemeindereferentin bei der Einsegnung des Ehebundes wäre natürlich ein weiterer wichtiger Schritt bei der von Papst Leo angemahnten „Änderung der Einstellungen“, ohne die Neuerungen in Lehre und Kirchenrecht nicht in absehbarer Zeit erfolgen könnten.

Dann hatten wir das die interessante Meldung vom 1. Oktober, daß Bischof Michael Martin von Charlotte (das ist der auch hier bereits mehrfach gewürdigte Vorkämpfer gegen die überlieferte Liturgie in den USA) sich ausdrücklich und höchst positiv zu der erfolgten Wahl einer jüdischen Bibelwissenschaftlerin zur Vorsitzenden der katholischen Bibelgesellschaft der USA geäußert hat. Gegen die Mitarbeit jüdischer Alttestamentler in entsprechenden Vereinigungen ist nichts zu sagen – insbesondere in der Zeit vor Nostra Aetate haben einzelne jüdische Wissenschaftler an katholischen Fakultäten in den USA als Bibel-Kenner in ihrer spezifischen Perspektive eine durchaus positive Rolle gespielt. Aber die Vertreterin einer Religion, die die Gottheit Christi und sein Messias-Sein ausdrücklich und fundamental ablehnt, zur Vorsitzenden einer katholischen Bibelgesellschaft zu wählen, zeigt natürlich, wie weit auch der amerikanische Katholizismus bereits auf der schiefen Ebene heruntergekommen ist. Zumal die neue Vorsitzende es ausdrücklich als ihre Absicht bezeichnet hat, dem angeblich in der katholischen Kirche grassierenden Antisemitismus entgegenzuwirken. Diese Wahl ist ein Signal, daß die „neue Kirche“ immer mehr eine fragwürdige Einheit mit allem und jedem über die geoffenbarte Wahrheit stellt – und dass zumindest einige Bischöfe diesem Signal bewußtlos (oder auch in voller Absicht?) folgen.

Das bringt uns zu einer weiteren Meldung aus dem Bereich des unseligen Synodensekretariats und ihrer berüchtigten „Studiengruppen“, deren Mitglieder seinerzeit von Franziskus in einem äußerst undurchsichtigen Verfahren ausgesucht und ernannt worden waren. Wie Michael Haynes am 2. Oktober im Catholic Herald berichtete hat, schlägt eine dieser Studiengruppen nun eine Ergänzung des Kirchenrechts (Canon 749) vor, die die Definition der (ehemals) Päpstlichen Unfehlbarkeit auf den „gesamten Kreis der christlichen Gläubigen“ ausdehnen soll – womit angesichts der gegenwärtigen Lage der Dinge die Päpstliche Unfehlbarkeit als solche faktisch abgeschafft und durch Entscheidungen „synodaler Gremien“ ersetzt werden könnte.

Die Schiefe Ebene, deren Bau Franziskus wieder aufgenommen hat und den Papst Leo mit großem Geschick fortsetzt, wird täglich schiefer, und wir können gespannt darauf sein, welche weiteren Schritte auf diesem Weg das für diese Woche angesetzte Treffen des Papstes mit den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zur Feier des zehnten Jahrestages von Amoris Laetitiae bringen wird. Die Überschrift der Ansage in Vatican News klingt vielversprechend: Für eine neue Verkündigung des Evangeliums mit den Familien und für die Familien.

*