Summorum Pontificum.de

Große Welt-Bischofs-Konferenz zur
Feier und Vertiefung von
„10 Jahre Amoris Laetitiae“ in Rom

08. Oktober 2026

6 - Kirchenkrise und Kirchenpolitik

Sr. Helen Alford als Rednerin am Vortragspult in der Aula Papst Pauls VI

Sr. Helen Alford bei ihrer „Meditation“

In Rom begann gestern eine auf 7 Tage angesetzte Konferenz aus Anlaß des 10-jährigen Bestehens von Franziskus umstrittenen Lehrschreibens „Amoris Laetitia“.  Die Konferenz ist als „Versammlung im synodalen Stil“ einberufen – d.h. außerhalb des offiziellen Regelwerks, das nur die von Paul VI. Etablierten Bischofssynoden kennt, und dafür voll im Einflußbereich des unseligen noch von Franziskus eingesetzten Synodensekretariats. Teilnehmer sind nach den vorab veröffentlichten Angaben etwa 250 Bischöfe, größtenteils Vorsitzende nationaler oder regionaler Bischofskonferenzen und denen gleichgestellt leitende Bischöfe unierter Ostkirchen. Dazu kommt ein unübersichtlicher Schwarm von Beratern, darunter auch der für die Verfahrensweise zuständige Mitarbeiter des Synodensekretariats P. Giacomo Costa S.J. Auch eine Reihe von Laien und Lainnen sind dabei, darunter Familien aus verschiedenen Kontinenten, die ihre Erfahrungen einbringen sollen. Wir erinnern uns: Amoris Laetitia war ein in der Folge der Familiensynode von 2014/15 veröffentlichtes Papier, das freilich auf dieser Synode nie diskutiert worden war. Was die Familien betrifft, so hat der deutsche Repräsentant Bischof Wilmer bereits angekündigt, auch die Erfahrungen von gleichgeschlechtlichen Paaren und wiederverheirateten Geschiedenen einbringen zu wollen. Ob stellvertretend oder durch deren Präsenz, ist derzeit noch offen.

20 Teilnehmer wurden direkt durch den Papst ernannt. Auf seiner Liste stehen mehrheitlich prominente Vertreter des progressiven Flügels – und kein einziger der als Kritiker von Amoris Laetitiae hervorgetretenen Prälaten. Die hörende Kirche des synodalen Zeitalters kann enorm schwerhörig sein, wo es nicht ins Konzept passt. Selbstverständlich zollt die Veranstaltung auch der unter Leo so recht in Schwung gekommenen Mode, Frauen in präsidierenden Rollen zu präsentieren, ihren Tribut: Die „einführende Meditation“ (was immer man darunter verstehen mag) wurde von der britischen Ordensfrau und studierten Ökonomin Helen Alford OP, derzeit Präsidentin der päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, vorgetragen. Sie nutzte die Gelegenheit für eine – wie sie selbst anmerkte – provokative Interpretation des Treffens von Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen als eine Art von Flirt, so zumindest hätte es wohl erscheinen müssen, bis die Erwähnung des Herrn ihrer früheren fünf Männer die Täuschung auflöste. Und das war bei weitem nicht die problematischste Stelle dieser „Meditation“, die sich vor allem dadurch auszeichnete, daß sie Darstellung und Begründung der christlichen Ehelehre – nein, nicht mit dem II. Vatikanum, sondern mit dem Lehramt von Franziskus anfangen ließ. Hier die komplette Aufzeichnung von Vatican News auf Youtube.

Eine offizielle Tagesordnung der Veranstaltung, deren ernsthafter Teil heute beginnt, liegt uns nicht vor, aber das Synodensekretariat und seine diversen Studiengruppen haben in den letzten Wochen Sonderschichten gefahren und eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet, die zweifellos in die Beratungen eingebracht werden. Soweit man überhaupt von „Beratungen“ im herkömmlichen Sinne sprechen kann, denn selbstverständlich werden auch hier die Teilnehmer sich wieder in Kleingruppen um runde Tische gruppieren – und außer den vom Synodensekretariat bestellten Relatoren weiß niemand, was und mit welchem Ergebnis an einem anderen Tisch besprochen worden ist. Man kann es nicht oft genug betonen: Dieses Synodenformat der vielen runden Tisch, über dessen Einhaltung Sekretär Costa S.J. mit Strenge wacht, ist ein Manipulationsinstrument erster Güte. Es wurde – so heißt es – von amerikanischen Betriebswissenschaftlern und Unternehmenspsychologen entwickelt, um Transformationsprozesse (z.B. Fusionen) in Großunternehmen möglichst reibungslos und ohne wirkungsvolle Widersprüche umzusetzen. Das leuchtet ein.

Daher ein kurzer Blick auf einige bisher bekannt gewordenen Ideen und Vorschläge. Wie Michael Haynes im „Catholic Herald“ berichtet, geht es dabei vor allem darum, die wertvollen Erfahrungen zu nutzen und weiterhin fruchtbar zu machen, die die Kirche seit der Veröffentlichung des grundlegenden Dokuments Amoris Laetitiae erwerben konnte. Dazu gehört nach dem National Catholic Register insbesondere die weitere Stärkung der Rolle von Frauen und Familien in der Kirche, zu der allerdings tiefgreifende Änderungen im Kirchenrecht erforderlich seien. Als maßgeblicher Ausgangspunkt dafür erscheint das Bemühen, die Aussagen des Glaubens zu Sexualität, Ehe und Familie stärker als bisher dem Bewußtsein und dem Verständnishorizont des „Menschen von Heute“ anzupassen – Bischof Marian Eleganti hat dazu auf seinem Block einen überaus erhellenden Beitrag publiziert, Titel: „Die Pseudo-Messianität des Sentimentalen“.

Ein wichtiger Aspekt dieser „Gleichstellungs-Strategie“ ist neben der (vermeintlichen) Aufwertung des weiblichen Elements der Abbau von „Diskriminierungen“ gegenüber der anscheinend unübersehbar großen, aber bisher unterdrücktem Minderheit homosexueller und transsexueller Gläubiger, Das haben sich neben dem bereits in diesem Zusammenhang erwähnten einzigen deutschen Repräsentanten Wilmer insbesondere progressive amerikanische Bischöfe zur Aufgabe gemacht. Von denen sind gleich ein halbes Dutzend in Rom vertreten, von denen sich insbesondere die beiden Erzbischöfe und Kardinäle Blase Cupich von Chicago und Robert McElroy von Washington in dieser Hinsicht hervorgetan haben. Letzterer mit der grundstürzenden Forderung , die Kirche müsse die „Verurteilungssucht und Ausgrenzung“ homosexueller Minderheiten beenden, gleichgeschlechtliche Paare „radikal inkludieren“ und endlich die von Papst Franziskus begründeten und von Leo aufgenommenen großen Hoffnungen der „LGBTQ-Katholiken“ erfüllen. (Quelle)

Alles in Allem eine ziemlich merkwürdige Schwerpunktsetzung für eine sieben-tägige Weltsynode katholischer Bischöfe. Wir werden beobachten, was dabei herauskommt.

*