Bischof Robert Barron zu den Versuchen, Christi Missionsauftrag im „Eine-Welt-
Palaver“ aufzulösen
30. Oktober 2026
Assisi 1986 noch in kleiner Besetzung
In der zu Ende gehenden Woche fand das 40. Weltfriedenstreffen von Assisi statt, ohne dass die Welt davon in besonderem Maße Kenntnis genommen hätte. Der Papst, der noch seine Operation auskuriert, war nur per Video zugeschaltet; die Vorträge waren so wohlgemeint und so inhaltsarm wie immer, und nur der Umstand, daß auf einem offiziellen Sponsorenbanner auch der Name der Bill- und Melinda-Gates-Stiftung auftauchte, sorgte hier und da für ein wenig Aufmerksamkeit: Sind Bill und seine Melinda nicht auch die weltgrößten Sponsoren ideologischer, politischer und praktischer Aktivitäten zur Förderung der Abtreibung?
Größer – aber auch nur ein wenig größer – wurde die Aufmerksamkeit am Tag nach dem Abschluß der Konferenz, als der amerikanische Bischof Robert Barron (Diözese Winona-Rochester) auf X eine flammende Kritik an dem „algerischen“ Kardinal Jean-Paul Vesco, Erzbischof von Algier, veröffentlichte, der seinerseits in der Vorbereitung des Assisi-Treffens in einem ausführlichen Interview mit dem Zentralorgan der belgischen Häretiker CathBel ) dem Missionsauftrag der Kirche eine ganz im Geist von Assisi gehaltene Absage erteilt hatte: „Wir sind die Kirche dieses Volkes. Keine proselytische Kirche, keine Kirche, die zum Bekehrrn da ist, sondern eine Kirche, die danach strebt, einer der Bestandteile dieses Volkes zu sein“, erklärte der Erzbischof. Dazu viele Worte zu Einheit und Brüderlichkeit, und auch der Hinweis auf den Stammvater Abraham hatte nicht gefehlt. (Ein ausführlicheres Referat des Interviews bietet InfoVaticana.
Bischof Barron setzte dem entgegen:
„Die Kirche ist nicht dazu da, Menschen zu bekehren?“
– Wie bitte?
Nun hat sich also wieder ein Kardinal mit einer, sagen wir einmal, rätselhaften Auffassung von Evangelisierung zu Wort gemeldet.
Vor einigen Jahren erklärte Kardinal Américo Aguiar, damals noch Weihbischof von Lissabon, daß er und die anderen Organisatoren des Weltjugendtages in seiner Heimatstadt keinerlei Interesse daran hätten, irgendjemanden zu Christus zu bekehren.
Nun hat Kardinal Jean-Paul Vesco aus Algerien die Ansicht vertreten, „die Kirche sei nicht dazu da, Menschen zu bekehren“, und „Christen sollten anderen Religionen im Geist der Geschwisterlichkeit begegnen, anstatt Bekehrungen anzustreben“. Entschuldigung, aber … wie bitte?
Soweit ich mich erinnere, hat der Gründer der Kirche gesagt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“
Für mich klingt das ziemlich eindeutig nach Bekehrung.
Als der heilige Paulus nach Korinth, Athen oder Thessalonich kam, bestand sein Ziel nicht darin, zuzuhören oder einen Gesprächskreis zu gründen. Vielmehr wollte er eine ungeheuerliche Botschaft verkünden: das Euangelion, die Frohe Botschaft, daß Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.
Seine Leidenschaft für diese Aufgabe war so groß, daß er erklärte: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen“ (1 Kor 9,22–23).
Und an anderer Stelle: „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, gebührt mir deswegen kein Ruhm; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1 Kor 9,16).
Darüber hinaus war die gesamte Ausrichtung des Zweiten Vatikanischen Konzils darauf gerichtet, das Licht Christi zu den Völkern der Welt zu bringen (Lumen Gentium).
Dieser missionarische Elan hat in den vergangenen Jahrzehnten die Idee einer „Neuevangelisierung“ hervorgebracht, also einer erneuten Verkündigung der Herrschaft Christi.
Selbstverständlich ist völlig klar, daß niemand der Meinung ist, diese Evangelisierung müsse in einer einschüchternden, aufdringlichen oder respektlosen Weise geschehen – also in Form von Proselytismus.
Aber um Gottes willen: Schütten wir doch nicht das Kind mit dem Bade aus!
Wenn ich wirklich der Auffassung wäre, daß die Kirche nicht dazu existiert, Menschen zu Christus zu führen, dann würde ich zurücktreten und mir eine ehrliche Arbeit suchen.
(Übersetzung nach Philosophia Perennis).
Dem ist nicht viel hinzuzufügen – außer der Hinweis, daß die Aufforderung, sich endlich ehrlich zu machen, nicht nur an Kardinal Vesco ergehen müßte, sondern an ein par Dutzend seiner Kardinalskollegen ebenfalls.
Bischof Barron ist übrigens kein irgendwie als „traditionalistisch“ einzusortierender Bischof, sondern entspricht weitgehend dem (bisherigen) amerikanischen Mainstream, der das II. Vatikanum ohne viel Aufhebens darum zu machen einfach im Licht der Tradition interpretiert, am Novus Ordo bestenfalls „gelegentliche Auswüchse“ kritisiert und ansonsten versucht, die Dinge am Laufen zu halten. Barron hat eine ausgesprochen geschickte Hand in allem, was mit Medien zu tun hat, und sein unter dem schönen Titel Word on Fire betriebener Buch- und Medienverlag gehört zu den wichtigsten „im großen ganzen gut katholischen“ Verlagen der USA. Allerdings spürt gerade dieses mittlere Segment der us-amerikanischen Kirche derzeit besonders stark den unter dem Signet der Synodalität von Rom ausgehenden Veränderungsdruck, der seit etwa 5 Jahren auch die Zusammensetzung des Episkopats sehr ungünstig verändert hat.
*