Das Konzil der Heiligen
in Santissima Trinita zu Rom
06. November 2024
Nach alter römischer Trdition hat die Pfarrkirche der Petrusbruderschaft Santissima Trinità dei Pellegrini zum Allerheiligenfest auch in diesem Jahr wieder ihre Reliquien ausgestellt und der frommen Verehrung der Gläubigen anempfohlen. Gregory Dipippo hat dazu auf New Liturgical Movement einen reich bebilderten Bericht veröffentlich, dem wir die hier gezeigten Aufnahmen entnehmen. Die meisten der hier ausgestellten Reliquiare entstammen dem römischen Barock. Viele davon sind als Büsten-Reliquiare gestaltet, bei denen die eigentliche Reliquie – meistens ein Knochenstück, manchmal auch eine Haarsträhne oder ein Stück Stoff aus einem Gewand – in einem in Glas oder Bergkristall gefassten Medaillon auf der Brust zu sehen ist.
Die Reliquien weniger bekannter Heilige, mit denen sich keine realistische oder kanonische Bildvorstellung verbindet, werden oft nur in einem mehr oder weniger reich geschmückten Ostensorium gezeigt, meistens ähnlich einer kleinen Monstranz, bei der das Schauglas in der Mitte eines Strahlenglanzes sitzt Eine besondere Form bilden die Arm- oder Beinreliquiare, bei denen die oft recht großen Knochenstücke in einem Arm- oder beinförmig gestalten Behälter sitzt, der mit einem Schauglas den Blick auf den Inhalt freigibt..
Die hier auf der oberen Ebene zu sehenden Büsten wurden 1622 anlässlich der Heiligsprechung des heiligen Philipp Neri angefertigt, der die Bruderschaft der Kirche gründete. Auf der linken Seite befinden sich zwei Heilige aus der Zeit der Kirchenväter – Gregor der Große und Augustinus –, auf der rechten Seite zwei Heilige der Gegenreformation – Papst Pius V. und Karl Borromäus; die beiden Päpste sind dabei näher am Kreuz platziert. Die silbernen Büsten auf der unteren Ebene enthalten Reliquien von Heiligen aus den Katakomben; zu beiden Seiten jeder dieser Büsten stehen Apostelfiguren – Petrus und Paulus, Johannes und Matthäus –, wobei Letzterer als Schutzpatron der Bruderschaft fungiert.
Während der Messfeier wandern die Heiligen von der Mensa des Hauptaltars zu denen, die bereits auf dem Altar des Evangelisten Matthäus im Seitenschiff Platz gefunden haben. Der hl. Philipp behält dabei auch hier seinen Ehrenplatz. Auf dieser aufnahme sind besonders gut die Arm- und Beinreliquiare zu erkennen, von denen bereits im Einleitungsabschnitt die Rede war. Beachtenswert sind hier auch die Palmwedel, mit denen die Hände der Armreliquiare Ausgestattet sind: Palmzweige und Kronreife gehören nach dem frommen Glauben derer, die noch nicht so weit sind, seit den ältesten Zeiten zu den Attributen, mit denen die Heiligen nach ihrer Zulassung vor den Thron des Herrn ausgestattet werden.
Im hinteren Teil der Kirche befindet sich auf der linken Seite ein dem Heiligen Kreuz geweihter Altar. der auch der Feier von Requiemmessen dient. Seit die FSSP die Verantwortung für die Kirche übernommen hat, ist er mit einem Bild der Mater dolorosa sowie einem Satz schwarz bemalter hölzerner Kerzenleuchter ausgestattet. Anläßlich der Verehrung der Reliquien wird hier – als Ort besonderer Ehre – ein Partikel des Heiligen Kreuzes aufgestellt.
Dieser Partikel ist mit einem roten Tuch verhüllt, und das hat seinen besonderne Grund: Im Gegensatz zu den unfrommen Legenden religionskritischer Spötter, die immer wieder behaupten, daß man aus den in der Kirche verehrten Kreuzreliquien eine ganz Flotte von Schiffen bauen könnte (s. dazu hier , sind nur die aller wenigsten dieser Reliquien so groß und eindrucksvoll wie die direkt vom Kaiserhof in Byzanz gekommene Staurothek des Limburger Domschatzes, die im oben verlinkten Artikel zu sehen ist. Die Verwalter der römischen Reliquien waren überaus haushälterisch mit dem kostbaren Gut und gaben nur kleine Splitter oder Späne ab, die selbst bei kostbarer Fassung schon aus geringr Entfernung kaum noch zu erkennen waren. Ein Mittel, dem abzuhelfen war, daß man die Reliquie ehrfürchtig mit einem kostbaren Tuch verhüllte - und dabei den Inhalt etwas größer erscheinen ließ, als er tatsächlich war. So wurde es vermutlich auch bei der Kreuzreliquie von Santissima Trinita gehandhabt - und da der Wert jeder einzelnen Kreuzespartikel als Real-Zeugnis der Heilsgeschichte unermeßlich groß ist, wäre es durchaus verfehlt, hier von frommem Betrug zu sprechen.
Während des Festtags Allerheiligen ist die Kirche durchgehend zur Verehrung der ausgestellten Reliquien durch die Gläubigen geöffnet. Die Aufnahme zeigt einen Blick in das Kirchenschiff während dieser Zeit. Auffällig sind dabei die rot gewandeten Gestalten im Zentrum: Das sind Angehörige der Bruderschaft der Kirche – die im Zug der Zeit in eine Brüder- und Schwesternschaft weiterentwickelt worden ist. Dagegen ist in diesem Fall wenig einzuwenden: Diese Bruderschaften nehmen keine im engeren Sinne liturgischen Aufgaben wahr, sondern sind an vielen römischen Kirchen (und früher auch hierzulande vielerorts) bestehende Laien-Vereinigungen, die eine Kirche durch vielerlei Hilfsdienste und Leistungen, nicht zuletzt als Spender und Wohltäter, unterstützen. Viele kleinere römische Kirchen können nur durch die Unterstützung solcher Gemeinschaften weiterbestehen.
Prominenteste dieser Gemeinschafaten ist die Erzbruderschaft zum Campo-Santo-Teutonico, der der gleichnamige Friedhof unmittelbar auf der Grenze des Vatikanstaats samt den zugehörigen Baulichkeiten untersteht.
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