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Amerikanische Karmeliterinnen wollen ein „autonomes“ Kloster gründen

31. Mai 2024

4 - Gemeinden und Gemeinschaften

Das Photo zeigt eine Nonne im traditionellen Habit der Karmeliterinnen, die hinter dem Klausurgitter sitzend das Brevier betet.

Christus und sein Priester bereiten sich auf das Opfer vor.

Mit herzlichen Segenswünschen begleitet Bischof Athanasius Schneider die geplante Errichtung eines neuen Klosters von Karmeliterinnen in High-Springs – eines Konvents ohne jede Bindung an eine Diözese oder eine der vom Vatikan in „Cor Orans“ obligatorisch vorge­schriebenen „Föderationen“. „Der Wunsch der Schwestern ist es, als autonome monastische Gemeinschaft der Heiligen römischen Kirche zu dienen – zur größeren Ehre Gottes, zum Heil der Seelen und für den Erhalt der überlieferten Hl. Messe. Möge der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes auf dieses Werk herab­kommen und es für immer begleiten.“ Bemerkens­werte Worte zur Segnung eines Unternehmens, das seitens der Mehrzahl der katholischen Bischöfe und Kirchenrechtlern, von den offiziellen Presseorganen ganz zu schweigen, vermutlich ohne lange zu zögern als „schismatisch“ ausgegrenzt werden dürfte. LifeSiteNews hat dieser Tage ausführlich über das bemerkenswerte Vorhaben berichtet.

Gründerin und Vorsitzende eines gemeinnützigen Vereins für das Aufbringen der Mittel zum Klosterbau ist Schwester Loretta-Maria von der Seligen Dreifaltigkeit und dem Rosenkranz. Sie lebte bisher in einem 1958 gegründeten Konvent in Savannah, Georgia, der nun aufgelöst worden ist. Der Vatikan hatte letztes Jahr die Schließung dieses Klosters angeordnet, nachdem er festgestellt hatte, daß es nicht den Vorgaben des Dokuments „Cor Orans“ von 2018 entsprach, mit dem Rom das das Leben in kontempla­tiven Frauenklöstern gründlich revolutionierte. Diese Richtlinie stellt nach Ansicht zahlreicher Frauengemeinschaften die Grundprinzipien des kontemplativen Lebens selbst in Frage. Sie faßt die bisher in weitgehender Unabhängigkeit, aber durch die Schriften und Lehren der hl. Theresa verbundenen Konvente in sog. „Föderationen“ zusammen und untergräbt damit ihre Eigenständigkeit und ihr je besonderes Charisma.

Als eines der Kriterien für die Schließung von Klöstern hat „Cor Orans“ auch Mindest­anforderungen für die Zahl der Konventsangehörigen festgelegt. Zur Zeit der Schließung hatte das Karmeliterinnen-Kloster in Georgia drei Profess-Schwestern und zwei Novizinnen. Den beiden ältesten Schwestern – darunter auch die Mutter Oberin – war dem Vernehmen nach empfohlen worden, in ein Pflegeheim zu gehen; und das ohne jede Unterstützung durch den Orden oder die Diözese. Die Aufnahme neuer Postulantinnen wurde dem Vernehmen nach nicht gestattet.

Schwester Loretta-Maria erklärte gegenüber LifeSiteNews, daß sowohl die Schließung des Konvents in Savannah als auch die anhaltende Unterdrückung der Überlieferten Liturgie nach dem Erlaß von Traditionis Custodes zeigten, wie notwendig die Gründung eines neuen und unabhängigen Konvents sei. Die von ihr unter der Bezeichnung “Habit Forming Sisters Corporation” für das Fundraising und den späteren „Betrieb“ des Klosters gegründete Rechtskörperschaft solle allein von den Angehörigen der neuen Gemeinschaft geleitet und verwaltet werden und auf jeden Fall im Eigentum der Nonnen selbst bleiben. Beides verstößt gegen Geist und Buchstaben von „Cor Orans“, das die neuen „Föderationen“ mit synodalen Strukturen ausstattet, die weitreichende Rechte zum Eingriff in das klösterliche Leben der Mitgliedskonvente haben. Diese Strukturen erfordern unter anderem mehr oder weniger häufige Zusammenkünfte der „föderierten“ Nonnen und verlangen damit auch größere Reisen und das damit verbundene Verlassen der Klausur. Besonders diese Vorgabe wird von vielen Konventen der Karmeliterinnen, die sich ganz bewußt für ein Leben in strenger Stabilitas loci und Klausur entschieden haben, als schwer erträgliche Zumutung angesehen.

Das Eigentum der so zwangsweise zu größeren Gemeinschaften zusammengefassten Konvente liegt nach Cor orans in jedem Fall nicht mehr bei den Einzelklöstern, sondern ist den Föderationen zu übertragen. Dabei stellt die von Rom aus administrierte Zusammensetzung der Föderationen sicher, daß die Stimmenmehrheit stets bei Konventen mit mehr oder weniger stark ausgeprägt progressistischen Neigungen liegt. Eine Föderationsbildung auf freiwilliger Grundlage wurde von der Ordenskongregation nicht zugelassen – getreu nach Walter Ulbrichts Anordnung aus der Frühzeit der DDR: Es soll demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.

Dieser als Zwangsapparat empfundenen Struktur wollen sich Schwester Loretta-Maria und ihre Mitstreiterinnen durch die Gründung einer autonomen Gemeinschaft entziehen. Die in einem Konzept für das Fundraising formulierten gegenwärtigen Pläne sehen den Bau eines Konventshauses für das „Kloster der Karmeliterinnen unserer Lieben Frau der Miterlöserin“ sowie einer „Kapelle der Sieben Schmerzen Mariens in High-Springs vor. Schwester Loretta-Maria hofft, dort einen in Gemeinschaft mit dem hl. Stuhl stehenden Priester vorzufinden, der den Schwestern die tägliche Teilnahme an der hl. Messe im überlieferten Ritus ermöglicht. Der bisherige Ertrag der Spendeneinwer­bung hat bereits den Erwerb und die Erschließung von 10 Acres (das entspricht etwa der Fläche von 6 Fußballfeldern) Land ermöglicht. Jetzt geht es darum, die Mittel für den Bau des Konventshauses und der Kapelle aufzubringen. Gegenwärtig arbeiten entspre­chende Fachleute am Entwurf der Anlage „entsprechend den Vorstellungen der hl. Theresa von Avila“, wie Schwester Loretta-Maria LifeSiteNews mitteilte.

Diese Vorstellungen – das haben wir im Zusammenhang mit anderen Projekten zum Bau von Karmeliterinnen-Klöstern erfahren – orientieren sich im Wesentlichen am Standard von Arme-Leute-Behausungen des 16. Jahrhunderts; elektrisches Licht, fließendes Wasser und Zentralheizung in allen Räumen gehörten definitiv nicht dazu. Dagegen sind die Schwestern selbst und ihre Unterstützer bereit, einen beträchtlichen Teil der Bauarbeiten in Eigenleistung zu erbringen. In den USA, wo die staatliche Regelungswut in vielen Bereichen deutlich geringer ausgeprägt ist, als in Deutschland, ist da vieles möglich. Das macht auf der einen Seite den Bau einer solchen Anlage außerordentlich preiswert – sorgt aber andererseits doch immer wieder für Konflikte mit weltlichen und kirchlichen Behörden, die sich zum Vormund der frommen Frauen berufen sehen.

Wenn der Bau einmal steht, wollen die Nonnen einen Teil ihres Lebensunterhalts durch eine kleine Landwirtschaft auf dem bereits erworbenen Grundstück und den Verkauf möglicherweise zu erzielender Überschüsse erwirtschaften, sie gehen jedoch davon aus, daß sie auch nach Fertigstellung des Projektes stets auf Spenden und Almosen angewiesen sein werden. Im Zentrum ihres Lebens oll jedenfalls nicht die Sorge für den Lebensunterhalt stehen,sondern die volle Hingabe an Christus und die Gottesmutter getreu dem Vorbild der hl. Theresa: „Wir bleiben in Treue beim hl. Messopfer in seiner überlieferten Form und den traditionellen Sakramenten, der Lehre, der Disziplin und den Dogmen, wie sie uns von der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche überliefert worden sind. Wir anerkennen die Rechtmäßigkeit und die Suprematie des Papstes und des Papstamtes von der Zeit der Apostel bis zum gegenwärtigen Pontifikat. Wir wollen ein neues Karmeliter-Kloster im traditionellen Geist der Autonomie des Ordens der unbeschuhten Karmeliter aufbauen, wie uns das die hl. Theresa von Avila vorgemacht hat. Diese Autonomie wollen wir dadurch erreichen, daß wir eine nicht-diözesane, private und unabhängige Einrichtung bleiben und gleichzeitig an der Institution der feierlichen ewigen Gelübde des Karmeliterordens festhalten.“

Diese Aussage enthält Sprengkraft: Die neue Gemeinschaft sucht keine Anerkennung oder gar Unterstützung durch diözesane oder kirchliche Institutionen, und kann daher von dieser Seite auch nicht ohne weiteres reguliert, gemaßregelt oder gar aufgehoben werden. Sie ist eine Gemeinschaft von Laiinnen, die mit der Kirche nur durch das Band der Taufe und der anderen Sakramente verbunden sind, nicht jedoch in institutioneller Hinsicht. Das bietet Konfliktstoff. Im gegenwärtigen autoritären Kirchenklima läuft eine solche Gemeinschaft Gefahr, von kirchlichen Institutionen als „rebellisch“ oder gar „schismatisch“ deklariert und mit Sanktionen belegt zu werden – eine denkbare Sanktion wäre z.B. ein Verbot des Ortsbischofs für den Weltklerus, die Seelsorge und Sakramen­ten­spendung für das Kloster zu übernehmen. Quasi das gute, mittelalterliche Interdikt,von dem man ansonsten seit DEM KONZIL eher selten etwas gehört hat.

Für beide Seiten stellen sich hier Gewissensfragen: Wie wollen die Nonnen (und die bei ihnen die Sakramente spendenden Priester) ihre Widersetzlichkeit mit der Anerkennung des päpstlichen Primats in Übereinstimmung bringen? Und auf der anderen Seite: Wie wollen Priester oder Bischöfe eine Verweigerung der Seelsorge gegenüber den „Rebel­linnen“ mit der Pflicht zum Gehorsam gegenüber den kirchlichen Oberen begründen, wenn diese Oberen selbst der apostolischen Tradition (und dem darin begründeten Vorbild der Heiligen) den Gehorsam verweigern?

Nicht nur für die Handvoll traditionalistischer Karmeliterinnen in Springfield wird das die entscheidende Frage in den auf die ganze Weltkirche zukommenden Auseinandersetzungen sein.

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