Appell von Bischof Schneider an Papst Leo: Eine Apostolische Konstitution zum liturgischen Frieden
16. Januar 2026
Bischof Athanasius Schneider „in Choro“, Chartres 2015
Bischof Athanasius Schneider hat bei seinem Treffen mit Papst Leo im vergangenen Dezember einen eindringlichen Appell an den Papst gerichtet, er möge in einem autoritativen Dokument eine Reglung für die überlieferte Liturgie treffen, die dem theologischen Wert, der historischen Würde und den Bedürfnissen der Gläubigen entspricht. Wie der Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana über mehrere Webmagazine und in Youtube-Videos mitteilt, ist die Grundlage seines Appells die Wiederaufnahme der bereits von Papst Benedikt in Summorum-Pontificum (und zahlreichen Predigten) getroffenen Feststellung, daß die überlieferte Liturgie niemals rechtswirksam abgeschafft worden ist, auch nicht abgeschafft werden kann, und ihre Zelebration jedem Priester der lateinischen Kirche erlaubt ist. Ebenso hat auch jeder Gläubige das Recht, an dem nach diesem Ritus gefeierten Gottesdienst teilzunehmen, und es ist Aufgabe der Bischöfe, die dazu erforderlichen materiellen und personellen Voraussetzungen zu schaffen. Dagegen haben die Bischöfe nicht das Recht, solche Gottesdienste oder die Teilnahme daran zu verbieten.
Inwieweit der Appell des Weihbischofs auch in Einzelheiten auf Summorum-Pontificum (etwa eine Festlegung der liturgischen Bücher) zurückgreift, ist den bisher vorliegenden Aussagen nicht zu entnehmen. Dagegen hebt Bischof Schneider einen ganz entscheidenden Unterschied gegenüber den vorhergehenden Regulierungen hervor: Der Papst möge den Stellenwert eines solchen Dokuments bzw. der darin getroffenen Vorgaben dadurch unterstreichen, daß er nicht wie bisherige Erlasse zum Thema (Ecclesia Dei von Johannes Paul II. in 1988, Summorum-Pontificum von Benedikt 2007 und das dieses aufhebende Traditionis Custodes von Franziskus 2021) die Form des Motu-Proprio wähle, sondern die neue Gesetzgebung in einer Apostolischen Konstitution veröffentliche – das wäre die gleiche Form, in der Paul VI. seinerzeit die Promulgation des Novus Ordo mit dem Dokument Missale Romanum vom 3. April 1969 vorgenommen hatte.
Michael Haynes berichtet dazu auf Pelican+:
Ein solches Dokument sollte sorgfältig vorbereitet sein, sagte Schneider, damit nicht die Vorgehensweise von Traditionis Custodes weitergeführt wird, die sich selbst in Gegensatz zu Summorum-Pontificum setzte. “Es wäre meinere Meinung nach nicht angemessen, nun wiederum ein´Anti-Motu-Proprio gegen Traditionis Custodes zu richten, eher passend wäre ein Dokument von hlöherem Rang als die Motu-Proprios.“ Hinsichtlich des Inhaltes, den ein solches künftiges Dokument haben sollte, sagte Schneider, er würde dem Papst raten „eine Neuregelung für den ganzen Problembereich des überlieferten Messritus vorzunehmen, die von den bestehenden Motu-Proprios unabhängig ist. Er solle eine neue Gesetzgebung in Kraft setzen, die den beiden Formen völlige Freiheit und ihre Koexistenz zusichert, eine friedliche Koexistenz ohne Begrenzungen oder Behinderungen für eine von beiden.
Er wandte sich weiterhin gegen die Idee, die überlieferte Liturgie als die außerordentliche und den Novus Ordo als die ordentliche Form zu bezeichnen, denn beide seien „ordentliche Formen, an denen teilzunehmen oder die zu zelebrieren jedem Katholiken und jedem Priester freisteht“. (…)
Wenn der Papst das in einem offiziellen Dokument feststellt, dann hätte kein Bischof mehr das Recht. Der traditionellen Form irgendwelche Beschränkungen aufzuerlegen. Das ist meine Idee, darauf zielt mein Vorschlag, und das würde der Kirche wirklich Gerechtigkeit und Frieden bringen.“
Soweit Bischof Schneider. Mit Kardinal Gerhard-Ludwig Müller und Erzbischof Gänswein haben in diesen Tagen zwei weitere hochrsangige Prälaten sich in ähnlicher Weise geäußert. Kardinal Müller führte im Interview mit Michael Haynes aus:
Wie können wir diese Spannung auflösen? Ich denke, die genialer Lösung von Papst Benedikt war, daß er feststellte: Wir haben eine ordentliche und eine außerordentliche Form – beide sind gemäß päpstlicher Anordnung gleichberechtigt. Weniger gut war es jedoch, daß Papst Franziskus oder seine Berater die außerordentliche Form autoritär unterdrückten, was zu Unrecht und Leid führte, indem sie alle, die die ältere Form des Ritus lieben, pauschal als Gegner des Vatikanischen Konzils verurteilten, ohne den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.“
Erzbischof Gänswein, derzeit als Nuntius im Baltikum im wahren Sinne des Wortes „kaltgestellt“, wird von Michael Haynes mit den Worten zitiert:
Ich habe niemals verstanden, warum Papst Franziskus diese Beschränkungen eingeführt hat. Das ist und bleibt für mich ein Geheimnis... Und wir haben ja gesehen – insbesondere in der Englisch sprechenden Welt – welche Schwierigkeiten daraus erwachsen sind. (…)
Ich denke, daß Papst Benedikt mit seinen klugen Vorgaben auf dem richtigen Weg war. Das war nun 10 Jahr lang der richtige Weg, und wir sollten auf diesem Weg ohne Erschwernisse und ohne Einschränkungen fortschreiten. Und ich kann nur hoffen, daß Papst leo in dieser Richtung weitergeht und die Befriedung fortsetzt, um eine Koexistenz zu erreichen.“
Dieser Hoffnung können wir uns nur anschließen – wobei wir zugeben müssen, daß der Auftritt der unbehindert weiter amtierenden alten Garde Franziskus’ auf dem Konsistorium unsere ERwartungen doch deutlich eingetrübt hat.
*
Sachferne Randbemerkung
Da wir uns in der genauen Titulatur des Weihbischofs unsicher waren, haben wir dazu in Wokipedia nachgeschlagen – und fanden wieder einmal ein hervorragendes Beispiel für den denunziatorischen Stil, in dem die insbesondere im deutschen Ableger des Weblexikons herrschenden Neo-Stalinisten Personen, deren Haltung ihnen nicht gefällt, verleumden und per Kontakt-Beschuldigung aller denkbaren Staatsverbrechen verdächtigen. Schmiererei von der unappetitlichsten Sorte – und innerhalb von Wokipedia offenbar nicht mehr zu korrigieren. So hoffen wir, daß die neuerdings auftauchenden Konkurrenz-Unternehmen wie Grokipedia oder einige weniger propagandistisch versumpfte KI-Suchmaschinen dem Wikipedia-Monopol ein baldiges Ende bereiten.
*