Summorum Pontificum.de

Selbst dran schuld, kann man da nur sagen. Oder: Wer sich auf katholisch.de begibt, kommt darin um.

20. Januar 2026

6 - Kirchenkrise

Ausschnitt eines Screenshots von katholisch.de mit den illustrierten Hinweisen auf Meldungen zu Glückwünschen, die Bischof Marx an Wikipedia und Papst Leo an die linksradikale Zeitung „Repubblica“ gerichtet hat

katholisch.de: Glückwunsch wem Glückwunsch gebührt

Unser erster und möglicherweise auch letzter Be­such in diesem Jahr auf der Website, die immer noch von der deutschen Bischofskonferenz (aus unser aller Kirchensteuer) ausgehalten wird und sich immer noch „katholisch“ nennt, vermittelte ein erschütterndes Bild vom gegenwärtigen theologischen und journalistischen Stand des ehemals katholischen Zweiges der deutschen Staatskirche. Nicht, daß das wirklich überraschend wäre – daß der Verein in jeder Hinsicht auf den Bätzing gekommen ist, hat sich inzwischen herumgesprochen und wird sich auch nicht ändern, wenn demnächst ein anderer Apostat den Posten des Oberbätz zugeschoben bekommt. Aber wie tief das Niveau inzwischen gesunken ist und wie weit sich Autoren und Redaktion inzwischen von allem entfernt haben, was nach dem aktuellen Katechismus und nach dem immer noch in weiten Teilen der Weltkirche geltenden Ver­ständnis „katholisch“ ist – das kann einem schon den Atem rauben. Hier ein paar Beispiele, die in der zweiten vol­len Kalenderwoche dieses Jahres ganz vorne im Webmagazin platziert waren.

Ausgangspunkt unseres Interesses war das Stuttgarter Schleim-Spektakel, über das aus unterschiedlichen Gründen seitens traditionsorientierter Christen bis hin zur eher der Antifa-Linken zuneigenden Hamburger Zeit höchst kritisch berichtet worden war: Wie man wohl offiziöserseits damit umgehen werde? Tatsächlich widmete das inoffizielle Zentralorgan der deutschen Bischöfe dem Vorfall gleich drei Beiträge mit Veröffent­li­chungsdatum 28. 12., 12. 1. und 15. 1.. Sie haben gemeinsam, daß sie sich jeder redak­tionsseitigen Kritik an dem geschmacklosen, die religiösen Gefühle vieler Menschen verletzenden sowie theologisch defektiven Spektakel enthalten und dafür billige „Hach, was sind wir heute wieder so auf der Höhe der Zeit“-Selbstgefälligkeit zur Schau stellen. Dabei hätte man zumindest in dem Bericht vom 12. 1. zur selbst ebenfalls überaus scho­nende Stellungnahme der zuständigen Diözese erwarten können, daß die Redaktion auf den Kern dieser Kritik näher eingegangen wäre: Die „Kunstinstallation“ – das ist der moderne Freibrief, der nach herrschendem Verständnis jeder Geschmacklosigkeit, jeder Beleidigung und jeder Unwahrheit die höheren Weihen der Kunstfreiheit verschaffen soll – fand ja nicht irgendwo und irgendwann statt, sondern in einem geweihten Kirchen­raum, im Rahmen einer (angeblichen) Messfeier und vor Menschen, die (hoffentlich und großenteils) in die Kirche bzw. vor den Fernseher gekommen waren, um auf die eine oder andere Weise einem Gottesdienst beizuwohnen.

Da hätte die vom Bistum nur zurückhaltend angedeutete Kritik an den horrenden litur­gischen Mißbräuchen dieser vorgeblichen Meßfeier schon etwas deutlicher aufgenom­men werden müssen. Aber in der Redaktion von katholisch.de weiß man ja gar nicht oder will man ja gar nichts davon wissen, was Liturgie ist und was sie beinhaltet, sondern be­trach­tet sie als ein weiteres Propaganda-Instrument für die eigenen auf Menschendienst gerichteten Vorstellungen.

Und damit ist dann auch der zentrale Kritikpunkt angesprochen, der gegenüber vielen anderen Beiträgen auf diesem längst nicht mehr katholischen Desinformationsangebot aus Kirchensteuermitteln geltend zu machen ist. Nehmen wir die uns besonders übel aufge­fallenen Beiträge in der Reihenfolge ihres Veröffentlichungsdatums. An erster Stelle kommt danach ein Beitrag von/über Hw. Herrn P. Klaus Mertes S.J. vom 30. 12., in dem der durch geschickte Bewirtschaftung des Mißbrauchs-Themas zu einiger Bekanntheit gekommene Öffentlichkeitsarbeiter die Kirche vor den Gefahren warnt, die angeblich mit ihrem „klassischen Familienbild“ verbunden sind: „Die klassische Familie normativ so aufzuladen, wie es die katholische Kirche tut, führt zu Diskriminierung von Gläu­bi­gen, die nicht so leben.“ Außerdem bestehe die große Gefahr, daß dieses Familienbild „von rechts“ für politische Ziele mißbraucht würde – hier sei äußerste Wachsamkeit geboten.

Wir lernen: Das erste Gebot besteht für Mertes also in der Forderung, niemanden zu „diskriminieren“, der nicht so lebt, wie es die Familienmoral der Kirche verlangt – er könnte sich unwohjl fühlen. Sein zweites Gebot ist, keinesfalls Positionen zu vertreten, die von Leuten, die er politisch ablehnt „mißbraucht“ werden könnten. Das eröffnet der Moraltheologie eine ganz neue Perspektive: Nur was der Revolution dient, ist moralisch gut.

Um solche neuen Perspektiven geht es auch dem Fundamentaltheologen Oliver Wintzek von der katholischen Hochschule Mainz. Der fordert in seinem katholisch.de-Beitrag vom 6. 1. mehr „theologischen Tiefblick“ und erklärt das so: „Theologische Begrün­dun­gen beginnen nicht mit einem irgendwie vorausgesetzten Gott, sie beginnen mit dem selbstbestimmten Subjekt, sie können sich nicht auf eine unhinterfragbare Offenba­rungs­wahrheit berufen, sie nehmen ihren Anfang in der Frage des Menschen nach sich selbst: Was soll und darf gelten, welcher Gott soll und darf geglaubt und erhofft werden?“ Und: „Ins theologische Spiel kommt man, wenn man sich eingesteht, dass Gott ein ver­nunftgemäßes Postulat ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Damit ist der Supertheologe Wintzek praktischerseits ganz nahe beim Superjesuiten Mertes, andererseits aber auch bei den atheistischen Super-Aufklärern des 18. und 19. Jahrhunderts und schließlich auch beim Schleimklumpen von Stuttgart: Gott ist, was gefällt – oder so oder irgendwie und überhaupt. Und so was will künftige „Theolog*in­nen“ und gar „Priester nach der Ordnung des Melchisedech“ ausbilden - und wäre doch besser aufgehoben beim Deutscher Freidenkerbund von 1882. Der Herr sei uns gnädig.

Am 13. 1. wendet derlei dann ein Theologe namens Klaus Vellguth (Pastoraltheologie in Trier, der die neue Fachrichtung der „Konzilstheologie“ erfunden hat, dahingehend an, daß das neue kirchliche Zentralprinzip Synodalität aus den Einsichten des 2. Vati­ka­nums hervorgegangen und deshalb allerhöchstes Dogma sei. In den Dokumenten dieser Kirchenversammlung des vergangenen Jahrhunderts und der darauf folgenden Jahr­zehn­te haben wir freilich Wort und Begriff der Synodalität nirgendwo vorgefunden. Das ist eine genuine Erfindung der Supertheologen um Franziskus. Aber wenn die Theolo­g*innen nach Wintzek selbst bestimmen können, wer oder was Gott ist, dann sollten sie ja auch in der Lage sein, einem Konzil das eine oder andere Kuckucksei unterzuschieben – zumal unbestreitbar ist, daß sich aus den wolkigen Ausführungen vieler Konzilsdoku­mente nicht nur alles ableiten läßt, was man darin lesen will, sondern immer auch noch das Gegenteil dazu. Eine wahrhaft moderne vielseitig anwendbare Theologie mit men­schengemäßem Horizont!

Um Vellguth auch einmal direkt Zu zitieren: Die von Papst Leo gebrauchte Bezeichnung des 2. Vatikanums als „Leitstern für die Kirche“ gefällt ihm ausgesprochen gut und viel­seitig verwendbar: „Die Formulierung von Papst Leo XIV. ist interessant: Er beruft sich einerseits auf das Zweite Vatikanische Konzil als Metanarrativ der katholischen Kirche im 20. und 21. Jahrhundert. Zugleich weist die Leitstern-Metapher darauf hin, dass die Treue zum Konzil nicht darin besteht, die Aussagen des Konzils gebetsmühlen­artig zu wiederholen. Vielmehr schenkt uns das Konzil als Leitstern die notwendige Orientie­rung. Das halte ich für eine kluge Formulierung mit Blick auf die herme­neu­tische Heran­gehensweise an das Konzil.“ Originell ist das freilich nicht – hatte doch bereits der Super­theologe Rahner vom Konzil als dem Anfang eines Anfangs“ geraunt.

Zum Abschluß unseres Beduches im Horrorkabinett werfen wir einen Blick auf den unter Datum vom 14. 1. erschienenen Beitrag von Andreas Püttmann zum christlichen Eheverständnis. Püttmann gehört zwar nicht der Theologenzunft, gilt aber auch ir­gend­wie als „super“, seit er nach dem Amtsverzicht von Papst Benedikt das Mißverständnis ausräumte, er stehe traditionellen Positionen nahe. Der Journalist gibt sich alarmiert durch Meldungen, die vermuten lassen, daß selbst der konzentrierte Einsatz säkularer und klerikaler Medienmacht immer noch nicht ausgereicht hat, die Mehrheit der Bevöl­kerung voll und ganz von den Heilslehren des Säkularismus zu überzeugen. Bekümmert stellt er fest, daß nach einer aktuellen Untersuchung immer noch 56 Prozent der Deut­schen der Ansicht sind: "Eine Ehe besteht für mich aus einem Mann und einer Frau". War also der ganze Kraftaufwand der vereinigten staatlichen und neukatholischen LGBTQ+-Ideologen umsonst? Läßt sich das Bewußtsein von Normalität auch da nicht ausrotten, wo es nicht durch kirchliche Lehre und Autorität, sondern die ganz gewöhnliche natür­liche Vernunft getragen wird?

Um das Ärgernis aus der Welt zu schaffen, greift Püttmann zum seit Erfindung der neuen Frühlinge in Kirche und Gesellschaft so überaus beliebten Mittel der Wahrnehmungsver­wei­gerung. Die Umfrage-Macher, deren Aussage Püttmann so sehr mißfällt; waren nämlich durch Voreingenommenheit und methodische Irrtümer der Autoren gar nicht fähig, die tatsächliche Meinung der Befragten festzustellen. Diese sei von anderen Instituten anders und damit nach Püttmanns Ansicht mehr der Realität entsprechend ermittelt worden. Und er schließt mit der Mahnung: „Demoskopen sollten die Wirk­lich­keit des Meinungsbilds erschließen, nicht verunklaren. Sonst nähren sie den Verdacht, statt der Volksmeinung die ihrer Auftraggeber zutage zu fördern.“ Das ist zwar prinzipiell nicht zu kritisieren – doch wer sagt dem Püttmann denn nun, welches Meinungsbild nun tatsächlich der Wirklichkeit näherkommt – und was nur Wunschbild von Propagandisten ist? Werden Meinungsumfragen dadurch glaubwürdiger, daß sie sich besser in den inner­organisatorischen Kampf gegen die offenbarte und überlieferte Morallehre der Kirche einbeziehen lassen? Oder ist das nur alles nur eine Spielwiese von Moral-Revolutionären und Glaubensverderbern wie Klaus Mertes, die selbst den Mißbrauch mißbrauchen, um ihr anderes Evangelium zu verbreiten?

Dank wissenschaftlicher Supermänner wie Mertes, Wintzek und Vellguth verfügt die neukatholische Kirche über „hermeneutische Herangehensweisen“ mit dem Leistungs­umfang eines Schweizer Taschenmessers. Damit machen ihre Vertreter sich ihren Gott, ihre Moral und ihre Konzilsinterpretation nach eigenem Geschmack und je nach Erfor­der­nissen des Augenblicks selbst. Hauptsache diskriminierungsfrei – also unterschieds- und unterscheidungslos. Und das inoffizielle, aber hoch subventionierte Zentralorgan der deutschen Bischöfe, die nach dem Auftrag des Herrn Hirten und Aufseher seiner Ge­mein­de sein sollten – sorgt beflissen für die alltägliche Verbreitung des gotteslästerlichen Unfugs.

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