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Zum Jahresbeginn in Rom

21. Januar 2026

Allgemein

Papst Leo steht neben dem auf einer Staffelei aufgestellten Papstmedaillon in der üblichen Größe und Darstellungsweise für die Montage unter den Papstporträts in St. Paul vor den Mauern.

Vorstellung des neuen Papst-Medaillons am 14. Januar

Das Kardinalskonsistorium vom 7. und 8. Januar hat weit über die Kreise der liturgischen Tradition hinaus Befürchtungen über den zu erwartenden Verlauf dieses Pontifikats ausgelöst. Die dort behandelten Inhalte, aber auch die dem Synodalitätsprinzip entspre­chen­de Organisation ließen dort wenig Raum für Optimis­mus – gut zusammen gefasst und mit zunehmender Schärfe vorgetragen in dieser Ausgabe von Raymond Arroyos „Prayerfull Posse“, dessen Mitwirkende alle dem gemä­ßigt kon­servativen Mainstream der amerikanischen Kirche zuzurechnen sind. Der Verdacht ist, daß die Machthaber und Drahtzieher des vergangene Pontifikats nach wie vor alles in der Hand haben – und daß Papst Leo mit diesem Stand der Dinge durchaus einverstanden ist. Wir werden sehen.

In dieser Woche kamen nun aus Rom Signale, die vielleicht etwas hoffnungsvollere Perspektiven eröffnen, zumindest etwas mehr Normalität im Erscheinungsbild der Kirche erhoffen lassen.

Bedeutendster Punkt – auch inhaltlich – die dieser Tage mitgeteilte Entscheidung, den von Franziskus für seine persönlichen und durchaus bedenklichen Hobbies (Häftlinge umarmen, Muslimas die Füße waschen usw.) privatisierten Gründonnerstag wieder der Kirche zurückzuerstatten, die an diesem Tage seit unvordenklicher Zeit der Einsetzung der Eucharistie und des Sakraments der Weihe gedenkt. Näheres dazu samt einem Versuch der Apologie des Traditionsbruches von Franziskus bei EWTN-News. Wir haben diese skandalöse Praxis in den vergangenen Jahren ausführlich behandelt und hoffen nur, daß die Wächter des Erbes von Franziskus nicht Mittel und Wege finden, den Ungeist der Vorjahre auch in die Lateranbasilika zu bringen, in der dieses Jahr der Papst wieder die öffentliche Feiern des Gründonnerstags vollzieht.

Ein zweiter nicht unbedeutender Punkt ist die Tatsache, daß Papst Leo Anfang dieser Woche seine alte Kardinalswohnung im Palast des hl. Offizioms geräumt und wieder die seit Jahrhunderten als Papstwohnung genutzten Räume im Apostolischen Palast bezogen hat. Wer bei „Palast“ an Luxus und vergoldete Badezimmer-Amaturen denkt, sollte seine Ansichten dringend korrigieren: Selbst aufwendige Renovierungsarbeiten sind kaum in der Lage, die Räumlichkeiten in den fünf oder sechs Jahrhunderte alten Palazzi in einen heutigen Standards entsprechenden Zustand zu bringen – zumal die alte Papstwohnung Benedikts während der Jahre von Franziskus wohl durch Wassereinbrüche und Mauer­senkungen stark gelitten hatte. Dazu sind gewisse dem Status des Bewohners nun einmal zukommende Besonderheiten zu berücksichtigen: Johannes Paul II., der sich fit halten sollte und wollte, ohne zweimal die Woche ins Sportstudio gehen zu müssen, hatte in einem ungenutzten Kabinett einen Gymnastikraum einrichten lassen, der sich dann im Lauf der Zeit zu einer Art Notfall-Ambulanz weiterentwickelte. Papst Benedikt, der bis zum Schluß in vielem gut zu recht war, sah sich doch veranlaßt, dort eine kleine Zahn­klinik einrichten zu lassen. Wo Papst Leo, der im vergangenen September 70 wurde und damit auch schon über das bürgerliche Pensionierungsalter hinaus ist, der Schuh drückt, werden wir auch früher oder später erfahren.

Übrigens: Die Probleme des Wohnens im alten Gemäuer sind auch dafür verantwortlich, daß aus der eine Zeitlang erwogenen Einrichtung einer Priester-Wohngemeinschaft zu­min­dest vorerst nichts wird.

Der dritte Punkt, der uns aufgefallen ist. betrifft die neue Ferula, den Hirtenstab des Papstes. Leo hatte bislang vorzugsweise den ästhetisch nicht unumstrittenen Kruzifix-Stab Johannes-Paul II. verwandt, der den Gekreuzigten an einem Metallkreuz mit verkrümmten Balken zeigt. Der neue Hirtenstab ist aus der Ferne kaum von diesem Vorbild zu unterscheiden, auch in der ästhetischen Anmutung nicht. Beim genauen Hinschauen fällt jedoch ein wesentlicher Unterschied ins Auge: Der Kreuzstab zeigt nicht den angenagelten Kruzifixus, sondern den vom Kreuzesholz befreit davor schwe­benden Auferstandenen. Theologisch ist das kaum zu beanstanden, Kreuzestod und Auferstehung bilden im Erlösungswerk eine Einheit, und bevor die Gotik den schmerz­verzerrt leidenden Christus „bildfähig“ machte, waren ähnliche „Auferstehungskreuze“ die verbreitetste Form der Darstellung. Mittelalter und Neuzeit sind jedoch fast aus­schließlich vom Typ des Kruzifix geprägt, bis besonders in den USA seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts wieder Auferstehungskreuze weitere Verbreitung fanden. Wir sehen darin – ähnlich wie bei dem insbesondere in Deutschland verbreiteten praktisch unsichtbaren Liegekreuz auf den Altären – auch, aber nicht nur, den Ausdruck einer Unwilligkeit oder Unfähigkeit, das mit dem Erlösungsopfer untrennbar verbundene Leiden des Gottmenschen wahrzunehmen. Als Vortragekreuz oder Hirtenstab ist uns der Typ des Auferstehungskreuzes bislang noch nicht begegnet.

Vierter und letzter Punkt dieser kurzen Zusammenstellung ist die Meldung, daß Papst Leo am 19. 1. den gegenwärtigen Generaloberen der FSSP, P. John Berg, und dessen Vorgänger P. Josef Bisig, zu einer halbstündigen Audienz empfangen hat. Diese Zusam­menkunft ist insofern von einiger Bedeutung, als Papst Leo bisher nähere Auskunft zu seiner Vorstellungen bezüglich der Zukunft der überlieferten Liturgie und ihrer Verei­nigungen mehrfach mit dem Hinweis ablehnte, er habe noch keine Gelegenheit gehabt, mit Vertretern dieser Seite zusammenzukommen. Interessant ist weiterhin die Teilnahme von P. Josef Bisig: Er ist einerseits einer der Mitgründer der Bruderschaft, die 1988 im Widerstand gegen die von Rom nicht genehmigten Bischofsweihen der Piusbruderschaft die Gemeinschaft um Erzbischof Lefbvre verließen und damit ihre Papsttreue unter Beweis stellten. Andererseits war er zehn Jahre später Kopf der Gruppe in der Bruder­schaft, die in der Aufforderung, unter bestimmten Bedingungen auch im Novus-Ordo zu zelebrieren (etwa bei der Chrisammesse), eine Verletzung des Charismas der Vereinigung erblickte und wegen seines Widerstands schließlich auf Druck Roms als Generaloberer abgelöst wurde. Damit verkörpert Bisig in seiner Person wie wenig andere das Dilemma zwischen einer Priestergemeinschaft, die die überlieferte Lehre und Liturgie ohne unzu­mutbare Kompromisse verteidigt, und einer nachkonziliaren Kirchenleitung, die den Konflikt letztlich durch Abschaffung von Kernelementen der Tradition administrativ beenden will.

Daß ein halbstündiges Gespräch ausreicht, hier gangbare Lösungswege zu erkunden, ist kaum zu erwarten. Vielleicht bildet man im Zeichen der Synodalität ja demnächst einen Arbeitskreis, der in freimütiger Rede und aufmerksamen Zuhören die Sachlage ausdis­ku­tiert. Als Co-Vorsitzende kommen dem fernstehenden Beobachter Kardinal Roche und P. Bisig als die geeignete Besetzung vor Augen.

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