Bischof Mutsaerts: Die deutsche Theologie und was dabei herauskommt
23. Januar 2026
Bischof Mutsaerts als Redner
Eine Zeit lang war wenig von ihm zu hören; jetzt ist er wieder an Deck: Bischof Robert Mutsaerts, Weihbischof im niederländischen Bistum ’s-Hertogenbosch, hat sich dieser Tage auf seinem Blog mit der „Theologie“ seines Nachbalandes Deutschland beschäftigt und dbei eine ebenso leicht verständliche wie grundsätzliche Kritik vorgelegt. Sein Ausgangspunkt ist eine Bemerkung des Schriftsteller Hillaire Belloc (1870 – 1953), er habe keine Angst vor den Barbaren, die an den Toren rütteln, sondern vor der Gefahr, die von Innen komme. Nun, inzwischen sehen wir, daß die Barbaren längst drinnen sind und sich nur zur Tarnung ein Kleidchen der ursprünglichen Bewohner übergeworfen haben – aber an Unbildung und Zerstörungswut sind sie längst als die Barbaren kenntlich, die Hilloc noch vor den Toren vermutete.
Der Synodale Irrweg und seine Gremien liefern Mutsaerts mehr als genug Belege für seine Kritik. Zum Ausgangspunkt nimmt der Weihbischof das berüchtigte Papier „Segen gibt der Liebe Kraft“ (hier samt einer Einleitung zum Download) mit Richtlinien für die Segnung von Paaren in eheähnlichen Gemeinschaften, die die Kirche – bisher zumindest – als „ungeordnet“ bezeichnet hat. Dazu schreibt er:
Die Segnung wird als Möglichkeit dargestellt, die Liebe und Hoffnung der Menschen unter Gottes Segen zu stellen. Deutsche Synodenprozesse haben bereits Dokumente verabschiedet, die eine Überprüfung der Lehre zur Homosexualität, Raum für Geschlechtervielfalt und die Inklusion von trans und intersexuellen Menschen sowie Diskussionen über den Zölibat fordern. All dies geschieht unter dem Deckmantel der Seelsorge.
Der springende Punkt ist folgender: In der katholischen Theologie ist pastorales Handeln untrennbar mit der Wahrheit verbunden. Die Kirche unterscheidet zwischen objektiver moralischer Ordnung (was gut und was sündhaft ist) und subjektiver Schuld (wie verantwortlich jemand persönlich ist). Die Kirche kann in Bezug auf Schuld mildernd sein, Gewissensbildung fördern und Menschen Schritt für Schritt begleiten, aber sie kann nichts als moralisch gut erklären, was sie stets als in sich ungeordnet betrachtet hat. Wenn eine Bischofskonferenz Beziehungen segnet, die der Lehre zufolge objektiv sündhaft sind, ohne klar zur Umkehr oder Lebensänderung aufzurufen, wird die moralische Norm faktisch revidiert, selbst wenn dies nicht formell ausgesprochen wird. Deshalb hat Rom unter Papst Franziskus bereits 2021 ausdrücklich erklärt:„ Gott kann die Sünde nicht segnen.“ Die universelle Kirche hat stets entscheidend zwischen der Tat und dem Täter, zwischen dem Menschen (der von Gott immer geliebt wird) und seinen Handlungen oder seinem Lebenszustand unterschieden. Man denke an die berühmten Worte Augustins: „Hasse die Sünde, liebe den Sünder.“ Wer Sünde rechtfertigt, führt den Sünder nur tiefer in den Abgrund.“
Von daher kommt er im Verlauf seines Artikel zu einer Aussage, die Geltung weit über den Bereich der global gesehen wenig bedeutenden neukatholischen Kirche Deutschlands und deren noch weniger bedeutender – da praktisch in Akademia nicht zur Kenntnis genommener - Staatstheologie hat.
Doch was geschieht, wenn Bischöfe, Priester und Theologen unter dem Druck, das Christentum verteidigen zu wollen, es so darstellen, daß die säkulare Welt darin keine abweichenden Ansichten findet, an denen sie Anstoß nehmen könnte? Haben sie dann nicht in Wirklichkeit aufgehört, das Christentum zu verteidigen ? Wenn die Auferstehung Jesu auf „die Geschichte geht weiter“ reduziert wird statt von der tatsächlichen Auferstehung Jesu aus dem Grabe zu sprechen? wenn Jesus nicht mehr der Erlöser ist, sondern in erster Linie ein moralisches Vorbild; wenn Sünde durch „Gebrochenheit” ohne Schuld ersetzt wird und Gnade durch Bestätigung ohne Bekehrung? wenn die Sünde ersetzt wird durch„ Gebrochenheit“ ohne Schuldgefühle und Gnade durch Bestätigung ohne Bekehrung? Was bleibt, ist ein vages, höfliches, respektables Quasi-Christentum, bei dem nichts auf dem Spiel steht und das sich in keiner Weise von säkularen Ansichten unterscheidet.“
Soweit der Bischof von nebenan. In seiner Beschreibung des modernen Christentums im letzten Absatz lassen sich unschwer die Folgen – wenn auch nicht vielleicht die Absichten – des verhängnisvollen Zweiten Vatikanums erkennen; und wer käme bei der Aufzählung „ein vages, höfliches, respektables Quasi-Christentum“ nicht in die Versuchung, zu ergänzen: „mit Monzetta“?
Zwei Anmerkungen neben der Sache:
Wer den Beitrag des Bischofs auf seiner Website lesen will, aber kein Holländisch kann, wird sehen, daß Google-Translate an einigen Stellen ziemlich überfordert ist. Rheinländern wird daher empfohlen, einen Seitenblick auf die Originalversion zu werfen.
Wer noch mehr über Weihbischof Mutsaerts erfahren will und dazu nach Wokipedia greift, findet dort ein hervorragendes Beispiel für den Schmierenjournalismus, mit dem die Neostalinisten der deutschen Wikipedia ihnen unliebsame Personen verunglimpfen. Mehr als die Lebensdaten sollte man da prinzipiell nicht übernehmen - und vielleicht noch nicht mal die.
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