Summorum Pontificum.de

Einfach nur katholisch —
Das „Glaubensbekenntnis“ der FSSPX
zur hl. Messe

27. Juni 2026

1 - Liturgie

Die Gebetskarte zeigt den vor dem Altar stehenden Priester bei der Erhebung des Kelches, der diesen zu dem in der oberen Bildhälfte dargestellten Gekreuzigten emporreich. Dieser ist umgeben von Engeln die die Arma Christi, die Marterwerkzeugen der Erlösung, tragen

Das Heilige Messopfer

Am 24. Juni veröffentlichte die FSSPX ein „Katho­lisches Glaubensbekenntnis“ (hier unsere Kurz­vorstellung samt Textlinks), das den Gläubigen in aller Welt und damit auch den Amtsträgern in Rom authen­ti­sche Auskunft darüber gibt, was die Bruderschaft als die Essenz des katholi­schen Glaubens be­trachtet – und was sie als Entstellung ablehnt. Das Dokument umfasst insgesamt 153 kurz und präzise formulierte Einzelpunkte; Wir haben uns zunächst das 14. Kapitel zum Thema Eu­charistie und Liturgie näher angeschaut. Den ge­samten Text dieses Kapi­­tels bringen wir unten. Zuvor eine kurze kommen­tierende Einführung.

Die ersten drei Abschnitte (119 - 121) fassen in katechis­musartiger Klarheit den wesentlichen Inhalt des katho­lischen Glaubens an die Eucha­ristie zusammen und bedürfen von daher keiner weiteren Kommentierung,

In den folgenden Abschnitten wendet sich die Erklärung den ekklesiologischen, gemeindlichen und individuellen Aspekten der Eucha­ristie zu, die seit dem II. Vatikanum besondere Aufmerksamkeit finden und deren Wahr­nehmung durch die Liturgiereform vielfache Veränderungen gegenüber der traditionel­len Lehre und Praxis erfahren haben.

Abschnitt 122 schlägt den Ton an, indem er durchaus in Übereinstimmung mit der Fo­rmu­lierung „fons et culmen“ aus Sacrosanctum Concilium 10 die Eucharistie als Mittel­punkt des kirchlichen Lebens verortet – und gleichzeitig in unpolemischer Weise darauf aufmerksam macht, daß die mit der Reform eingeleitete Praxis in vielen nicht geeignet ist, die in der Eucharistie zum Ausdruck kommenden Glaubenswahrheiten bei den Gläu­bigen, also auf der individuellen Ebene zur Geltung zu bringen. In dieser unpolemischen Form ist die Absicht erkennbar, mit der Erklärung nicht nur die bereits überzeugten Be­sucher der eigenen Meßzentren oder breitere traditionsorientierte Kreise anzusprechen, anzusprechen, sondern auch Denkprozesse bei den bisher mehr gewohnheitsmäßig als aus innerer Überzeugung bei der Reformliturgie mitlaufenden Gutgläubigen auszulösen.

Abschnitt 123 vertieft diesen Aspekt, indem er einzelne Elemente der Eucharistiefeier, die zusammengenommen die Form der Liturgie ausmachen, besonders hervorhebt: Ausrichtung auf Gott, heilige Sprache, Geist der Anbetung, theozentrische Struktur… Unausgesprochen, aber durchaus vernehmbar, ist dabei die Kritik an der „real exis­tie­renden“ Form der Liturgie, die diese Elemente reduziert oder sogar konterkariert und dadurch weit hinter ihrem Anspruch zurück bleibt, der mit der Formel „fons et culmen“ erhoben wird. Und wenn der Text dabei auf sprachliche Wendungen wie „Im Blick auf die Ewigkeit zu urteilen, das Heilige zu lieben und das Vergängliche gering zu schätzen“ zurückgreift, markiert er nicht nur in unaufgeregter Weise den Widerspruch zum heutigen offiziellen kirchlichen Sprachgebrauch, der solche Wendungen seit Jahrzehnten zu vermeiden sucht, sondern kann auch damit rechnen, zumindest bei einem Teil der Fernstehenden Resonanz auszulösen: Der nicht nur die Kirche, sondern alle gesell­schaft­lichen Bereiche erfassende Niedergang und die damit ausgelösten berechtigten Existenz- und Zukunftsängste haben vielfach zu einer Neuerweckung der Bereitschaft geführt, über den Sinn und das Ziel des Lebens nachzudenken. Hier liegen die wirklichen An­satz­punkte zu einer Neuevangelisierung — und nicht beim prinzipienlosen Mitreden bei dem, über das alle reden.

Erst nachdem dieses weitere Umfeld zumindest umrissen ist, spricht das Glaubensbe­kenntnis in den Abschnitten 124 und 125 das Thema der Liturgie bzw. deren Defor­mie­rung seit Einführung des Novus Ordo ab. Dabei fällt auch hier die sprachliche Zurück­haltung ins Auge: Die Formulierunge fällen keine Urteile, sondern verweisen auf Mängel und Defizite, die wohl schon jedem Kirchgänger einmal wahrgenomme worden sind, dessen Empfindungen nicht durch die lautstarke ideologische Dauerbeschallung der postkonziliaren Phrasendreschmaschine abgestumpft sind. Unverkennbar richten sich auch in diesem Abschnitt die Ausführungen nicht an Fachtheologen oder -liturgiker, sondern an die dramatisch kleiner werdende Zahl von Katholiken, die überhaupt noch an Gottesdienst als Gottesdienst interessiert sind. Die also nicht daruf aus sind, den Altar­raum als Kampffeld für die Umsetzung gesellschaftspolitischer Vorstellungen zu miß­brauchen oder zum Stützpunkt bei der Eroberung kirchenpolitischer Machtpositionen auszubauen.

Erst in den abschließenden Punkten 125 und 126 wird die Sprache etwas direkter, spricht von der Ablehnung bestimmter dem Glauben widriger Praktiken und scheut auch nicht vor dem Gebrauch des Wortes ­„Häresie“ zurück – wenn der Text auch hier nie­man­den direkt der Häresie beschuldigt, sondern nur befürchtet, daß derlei „der Häresie Vorschub leisten“ könne. Es bleibt also dabei: In dieser Erklärung, zumindest im Kapitel über die heilige Messe, werden keine unhintergehbaren Roten Linien gezogen oder Brüc­ken endgültig abgebrochen. In diesen Passagen werden einige Positionen verdeutlicht und in einer Weise ausgesprochen, die für viele Katholiken verständlich ist oder doch zumindest sein sollte. Wie die Ideologen und Kirchenrechtspositivisten der entstehenden Synodalkirche damit zu recht kommen , steht auf einem anderen Blatt.

Diese Art der Ansprache des Kirchenvolkes und der Kirchenleitung erscheint besonders angebracht zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die gegenwärtigen Machthaber in der Kurie darauf vorbereiten, die ihrem Modernisierungs- und Säkularisierungskurs im Wege stehen „vorkonziliaren“ Katholiken spektakulär aus der Gemeinschaft auszustoßen – als ob sie und nicht Christus selbst Herren dieser Gemeinschaft wären.

Das Kapitel XIV des „Glaubensbekenntnisses“ jedenfalls bietet für einen solchen Gewaltstreich keine Ansatzpunkte.

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Es beginnt ein Zitat XIV. Das heilige Messopfer, die heilige Eucharistie und die katholische Liturgie

119. Ich bekenne, daß die Messe ein Opfer im wahrsten Sinne des Wortes ist. Sie ist nicht nur ein Gedächtnis des Abendmahls oder der Passion. Wenn sie von einem ord­nungsgemäß geweihten Priester zelebriert wird, stellt sie sakramental das einmalige Opfer von Golgatha dar und erneuert es auf unblutige Weise, ohne es dabei zu ver­viel­fachen. Das Opfer ist daßelbe, der Hauptpriester ist derselbe, nur die Art der Darbrin­gung unterscheidet sich.

120. In der Messe und durch das Wirken seines Dieners bringt sich unser Herr Jesus Christus seinem Vater als Opfer der Anbetung, der Danksagung, der Sühne und der Fürbitte dar. Indem sich die Kirche diesem Handeln Christi, das identisch mit dem des zelebrierenden Priesters ist, anschließt, erweist sie Gott den vollkommenen Gottesdienst, der ihm gebührt, und wendet die Verdienste des Kreuzesopfers den Seelen der Lebenden und der Verstorbenen zu.

121. Ich glaube, daß durch die von einem Priester gültig gesprochenen Wandlungsworte Brot und Wein in ihrer ganzen Substanz in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, obwohl ihre sinnlich wahrnehmbaren Gestalten bestehen bleiben. Diese wun­der­bare Verwandlung wird zu Recht Transsubstantiation genannt.

122. Ich glaube, daß die heiligste Eucharistie im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens steht und daß sie wahrhaft, wirklich und substanziell den Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus enthält. Ich bete das allerheiligste Altar­sak­rament an und lehne jede Lehre oder Praxis ab, welche den Glauben an die Realpräsenz schwächt, die der Eucharistie gebührende Ehrfurcht mindert , den Kommunionempfang banalisiert oder den sakralen Charakter des Altarraums beeinträchtigt.

123. Da die Liturgie der bevorzugte Ausdruck des Glaubens ist, ist sie zugleich die stän­dige Schule, in der die christliche Seele geformt wird. Durch ihre Ausrichtung, ihre Stille, ihre Gesten, ihren Kanon, ihre heilige Sprache, ihren Geist der Anbetung und ihre theo­zentrische Struktur nährt die Liturgie den Glauben und übt einen tiefgreifenden Einfluss auf die Seelen aus. Durch sie lernen die Völker, nach Gottes Maßstäben zu denken, im Blick auf die Ewigkeit zu urteilen, das Heilige zu lieben, das Vergängliche zu verachten und ihr ganzes Leben auf das Opfer Christi auszurichten. Sie prägt auch die Sitten, inspiriert die Künste, die Institutionen, die Feste und die Bräuche des christlichen Volkes.

Deshalb schwächt der Gottesdienst, wenn er prosaisch, hohl, zweideutig, profan oder anthropozentrisch wird, das Verständnis des Glaubens selbst.

124. Ich bekenne, daß die traditionelle römische Messe, die nach dem Ritus gefeiert wird, der vor der Reform des Novus Ordo Missae in Gebrauch war, die katholische Lehre vom Opfer, vom Priestertum und von der Realpräsenz mit unvergleichlicher Klarheit zum Ausdruck bringt. Ich stelle jedoch mit Bedauern fest, daß sich die heutigen liturgischen Reformen sowohl im Ganzen als auch im Einzelnen erheblich von der traditionellen Liturgie entfernt haben: Damit haben sie den Opfer- und Sühnecharakter der Messe ver­dunkelt, eine demokratische Auffassung vom Gottesdienst gefördert, den katholischen liturgischen Ausdruck den protestantischen Vorstellungen angenähert und so maßgeb­lich zum Verlust des Sinns für das Heilige, zur Verfälschung des christlichen Geistes, zum Rückgang der Berufungen und zur allgemeinen Schwächung des Glaubens beigetragen."

125. Ich lehne daher jede liturgische Reform oder Praxis ab, die durch Unterlassung, lehrmäßige Zweideutigkeit oder praktische Ausrichtung der Häresie Vorschub leistet, den Glauben schwächt, von der auf dem Konzil von Trient formulierten katholischen Lehre über die Messe abweicht oder die Gläubigen von der Gott gebührenden Anbetung abbringt. Der öffentliche Gottesdienst der Kirche muss den katholischen Glauben un­miß­verständlich zum Ausdruck bringen.

126. Schließlich bin ich überzeugt, daß die katholische Erneuerung der Völker zwangs­läufig über die Wiederherstellung des Gottesdienstes durch die traditionelle Liturgie aller Zeiten erfolgt. Dort, wo die Messe als das wahre Opfer Christi gefeiert wird, erleben der Glaube, die Frömmigkeit, das Leben in der Gnade, die christlichen Familien, die Beru­fun­gen und die Sehnsucht nach den ewigen Gütern eine Wiedergeburt.Ende des Zitats