Motu Proprio: Summorum Pontificum

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Zusatzinfo

Dokumente der liturgischen Reform

25. 1. 1996: Comme le prévoit

26. 1. 2009

Diese Instruktion zur Übersetzung liturgischer Texte in die Nationalsprachen wurde vom Consilium am 25. Januar 1969 veröffentlicht. Das Original ist befremdlicherweise in Französisch abgefasst, es ist erfasst in den Notitiae unter (1969) 3 - 12. Weder diese Originalfassung noch eine deutsche Übersetzung waren online aufzufinden. Hier gibt es eine englische Übersetzung, an der wir uns orientiert haben.

Comme le prévoit ist Ausdruck einer der verhängnisvollsten Entwicklungen der ganzen Liturgiereform: Nicht nur wegen der Einführung der Volkssprachen, über die man in einem begrenzten Umfang (wie das 2. Vatikanum das vorgesehen hatte) durchaus hätte reden können. Für die Verfasser von Comme le prévoit bietet die (natürlich möglichst umfassende) Einführung der Volkssprache nur das Vehikel, weitergehende Ziele zu erreichen. Sie wollen die frühere Einheit des römischen Ritus zugunsten nationalsprachlicher Liturgien aufheben, die sich möglichst eng an den (behaupteten) besonderen Bedürfnissen der jeweiligen Sprachgruppen orientieren.

Methodischer Ansatz der Instruktion ist das Prinzip der „dynamischen Äquivalenz“ - das bedeutet: Die Angemessenheit einer Übersetzung entscheidet sich ganz konkret zu einem bestimmten Zeitpunkt und gegenüber einer bestimmten Hörer- bzw. Leserschaft - heute auf dem Dorf und morgen in der Stadt kann das sehr verschieden ausfallen. (Abschnitt 7 u. 36) Großes Gewicht wird auf die Fachexpertise von Experten gelegt (9). Fernziel der Verfasser ist es, möglichst viel Verantwortung für die „Gestaltung“ der Liturgie in die Hand der Gemeinden zu geben, die ihren Gottesdienst einschließlich der Formulierung aller Gebete innerhalb eines lockeren Rahmens selbst gestalten. (Abschnitt 20 u. 43) Gegenüber der Verwendung von gehobener Sprache werden klare Vorbehalte angemeldet (15), die Gottesdienstteilnehmer werden - wie so oft von den Liturgiereformen - für Idioten gehalten, wenn man davor warnt, den Ausdruck „Ort der Kühle und der Erfrischung“ in nördlichen Ländern wörtlich zu übertragen (23).

Nur am Rande sei angemerkt, daß die sprachwissenschaftlichen Grundlagen des Dokuments im wesentlichen auf die Vorstellungen eines amerikanischen Übersetzungswissenschaftlers zurückgehen - so wie auch sonst vieles an der Liturgiereform nicht aus Beuron oder Mont-César, sondern aus USA kommt. Dieser Eugene Nida war (tatsächlich scheint er, inzwischen 95 Jahre alt, noch zu leben) nicht nur Baptist - was alleine ihn noch nicht hätte disqualifizieren müssen - er war auch Spezialist für die Übersetzung der hl. Schrift in bislang weitgehend schriftlose Sprachen. Das ist zweifellos ein faszinierendes Gebiet - bietet aber nicht genau die Maßstäbe, die für die Übersetzung liturgischer Texte für ein im Allgemeinen doch in den Grundlagen des katholischen Glaubens erzogenes Volk wesentlich erscheinen. Andererseits kamen Nidas Ideen durchaus dem Bestreben der Reformer entgegen, die wirklich „alles neu“ machen wollten - und das dumme Volk ohnehin nicht ernstnahmen.

Auf der einen Seite braucht man sich mit diesem Dokument heute nicht mehr detailiert auseinanderzusetzen: Es ist durch die „Fünfte Instruktion zur ordnungsgemäßen Ausführung der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie“ Liturgiam Authenticam vom 28. März 2001 obsolet geworden. Andererseits wird der Geist von Comme le prévoit vor allem in den USA von modernistischer Seite erbittert verteidigt: Nachdem dort um 1970 die Einführung neuer Messbücher mit stellenweise nachgerade schnoddrig volksnaher Sprache innerhalb weniger Jahre durchgedrückt worden war, ziehen sich die Arbeiten an neuen Texten in einer von Rom schon vor über 10 Jahren angemahnte sakraleren Sprache endlos in die Länge. Über die Frage, ob „calix“ mit „Kelch“ (chalice) oder „Becher“ (cup) zu übersetzen sei, wird seit Jahren filibustert.

Ähnliche Auseinandersetzungen - oft mit weitreichenden dogmatischen Konsequenzen - sind ja auch hierzulande nicht gänzlich unbekannt. Die in den USA schon seit Jahren tobende Auseinandersetzung über „geschlechtergerechte Sprache“, die langsam auch auf Deutschland übergreift, läßt vermuten, daß uns hier noch einiges bevorsteht. Comme le prévoit mag aufgehoben und abgeschafft sein - der dahinter stehende Ungeist ist immer noch lebendig.